In der Vorstadt mit Rocko Schamoni

Vorstadt

Dann laufe ich an den Einfamilienhäusern und Doppelhaushälften vorbei, steingewordene Tristesse, aus Langeweile geborene Geschmacklosigkeit. Ein Ende jeder Bewegung in diesen Straßen. Erstarrte Objekte umfangen erstarrte Subjekte. Menschen in selbst gewählten Gefängnissen, Kerker, die ihnen das Gefühl von Sicherheit vermitteln. Häuser, die aussehen wie die Menschen in ihnen: leidenschaftslos, sauber und ordentlich. Das ist die Normalität. Für diese Menschen fühlt sich die Welt wie ein sinnvoller Ort an. Ich bin der Fehler hier. Mein kranker Blick taucht diese Welt in sein verkommenes Licht. Und dennoch ist es das Licht der Erkenntnis. Oder?

Aus „Sternstunden der Bedeutungslosigkeit“ von Rocko Schamoni [Amazon Werbelink]

Foto: Nürnberg Laufamholz im Oktober

4 Kommentare

  • Ein schönes Zitat. Und passend bebildert. Genau so sah Nürnberg für mich aus, als ich als junge Mutter ohne Auto dort ankam. Alleine mit einem hilflosen Wesen musste ich nachmittags durch nicht enden wollendes Novembergrau. Menschen sind uns keine begegnet.
    Trotzdem habe ich eine andere Beziehung zu Reihenhäusern. Besonders im Oktober.
    Die Fotos für einen Blogbeitrag liegen hier schon eine Weile herum. Wie hören voneinander ;-)

    • Das Bild oder das Motiv? Letzteres könnte auch jede andere Provinz in Deutschland sein. Es gibt keine spezifischen Merkmale, kein Ausdruck, keine Haltung. Das Bild ist in meiner Nachbarschaft entstanden. Es sieht dort so aus, was nur so mittelmäßig erfrischend anfühlt.

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