Das Quelle-Gebäude als Stadtoase?

Während das Quelle-Gebäude derzeit unter großem Getöse geräumt wird, hat eine kleine Gruppe unbehelligt durchgearbeitet und ein neues Puzzleteil an die Oberfläche gebracht. Obwohl alles schon vorbei zu sein scheint, fängt das Institut für angewandte Heterotopie (IFAH) gerade an, den Diskurs um die Zukunft des Quelle-Gebäudes wieder zu beleben, und zwar mit einem alternativen Nutzungsplan.

Anlass für die jetzt angefertigte Zeichnung war ein mit Schreibmaschine verfasstes Dokument, welches eine unbekannte Quelle dem Vorstand des Quellkollektiv e.V. Anfang Januar diesen Jahres zuspielte. Es handelt sich dabei wohl um die Aufzeichnung eines privaten Gesprächs aus den 1950er Jahren mit dem Bauhaus-Architekten Ernst Neufert. Neufert war der Architekt des Quelle-Versandzentrums an der Fürther Straße in Nürnberg und gleichzeitig Vater der Bauentwurfslehre. Im Zuge von Recherchen um das ominöse Dokument fand man heraus, dass Neufert tatsächlich bereits zu Lebzeiten eine visionäre Zweitnutzung für die Ära nach dem Ende des Versandhauses Quelle vorgesehen hatte.

Um diese Ideen und Gedanken Neuferts in ihrer gesellschaftlichen Tragweite der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, beauftragte das IFAH eine Architektin mit dem Ziel, das Spektrum dieser Konzepte darzustellen.

Die entstandene Zeichnung (das Bild oben, oder in groß auf der Webseite) dokumentiert einen vielschichtigen Entwurf des Zusammenwirkens verschiedenster Stadtprojekte und spiegelt die Anforderungen an unsere Lebensumwelt im 21. Jahrhundert wider. Zu sehen ist eine „Stadt in der Stadt“, mit Bildungscampus, Kultur- und Stadtteilzentrum, Stadtgärten, historischem Quelle-Museum, Spielplätzen, offenen Werkstätten und regionalen Energie- und Wohnraumkonzepten. Die Veröffentlichung dieser Zeichnung kann und soll Anstoß geben, den Umgang und die Denkweise aller am Diskurs beteiligten Personen als mündige Bürger nachhaltig zu bewegen. Eine Realisierung dieser Maßnahme wäre eine Nürnberger Antwort auf grundlegende Fragen unserer Zeit und Zukunft.

Tendenziell merkwürdig erscheint der Zeitpunkt dieser Geschichte, denn schließlich ist die Zukunft des Quelle-Gebäudes eigentlich schon umrissen. Mitte letzten Jahres wurde das Gebäude für die Credit Suisse an den portugiesischen Großinvestor Sonae Sierra zwangsversteigert, der unter anderem eine klassische und wenig visionäre Nutzung mit Shopping Mall und Büroflächen plant. Realisiert ist indes davon noch nichts und bis es so ist, werden auch noch ein paar Jahre ins Land gehen. Zeit genug also, um die Pläne zumindest zu diskutieren.

Warum immer wieder die Quelle?

Seit 2012 sind im Quelle-Gebäude Werkstätten, Künstlerateliers und transdisziplinäre Schaffens- und Lebensräume entstanden. Nicht zuletzt eröffnete die enorme Größe des Gebäudes einen Freiraum für gemeinschaftliche Experimentierfelder und innovative Kooperationen. So haben die in Spitzenzeiten mehr als 200 Mieter in den vier Jahren der Zwischennutzung eine lebendige “Stadt in der Stadt” entstehen lassen, in der vielfältige Kreativität zum zentralen und verbindenden Element wurde. Der Bayerische Rundfunk erklärt in einem 5-minütigen Beitrag die recht komplexe Lage.

Bei Fragen und für weitere Informationen kann man das Institut für angewandte Heterotopie auch direkt per Mail kontaktieren oder auf Twitter oder Facebook folgen.

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