Schwesternwohnheim 2013

Nürnberg Schwesternwohnheim 2013 #32

Das Schwesternwohnheim am Nordklinikum in Nürnberg war einst der Artikel hier im Blog, mit dem hier alles losging. Fast sieben Jahre ist das her und eben solange hat es gedauert, bis ich das alte Wohnheim wieder genauer ins Auge genommen habe. Abgerissen, wie damals zu lesen war, wurde es bislang nicht, auch wenn es innen so aussieht, als wäre es versucht worden; und man denkt wohl immer noch über ein neues Parkhaus anstelle des Wohnheims nach.

Es ist offensichtlich wirklich sehr ramponiert. Die Polizei hat geübt, Kids haben gefeiert, Sprayer sind ihrer Profession nachgegangen, Filme wurden gedreht. Und der Zahn der Zeit hat auch Spuren hinterlassen. Viele Fenster stehen offen, es kann reinregnen und es ist dementsprechend feucht und schimmelig in etlichen Räumen. Das Gebäude soll nun richtig versiegelt und zugemauert werden, wohl um weiteren Vandalismus zu vermeiden. Es ist auch nicht so ganz ungefährlich sich in dem Block zu bewegen (Kaputte Treppen, Löcher in Wänden), das Klinikum will offenbar vermeiden, dass jemand zu schaden kommt.

Vielleicht möchte man auch die Überreste und Spuren menschlicher Zivilisation konservieren, denn davon gibt es sehr viel in dem Gebäude. Ich habe mich bei meinem Besuch auf eben diese Spuren konzentriert. Es gibt fast keinen Raum in dem Hochhaus, in dem nicht irgendwas zu finden ist, was auf fremdartige Kulturen hinweist. Es ist eine Mischung aus Originalen, erstellt und hinterlassen von den Mädchen bzw. Schwestern die in dem katholischen Wohnheim einst wohnten, und Graffitis bzw. eher halbherzige Versuche der Wandgestaltung, die während des Leerstandes entstanden sind. Künstlerisch würde ich die Werke eher in die Kategorie der infantilen Experimente stecken, aber vereinzelt sind auch ganz nette Sachen zu finden, die etwas mehr Aufwand verlangten. Eine Auswahl kann man in der Fotogalerie weiter unten sehen.

Das Highlight des ganzen Gebäudes ist die Dachterrasse. Sie bietet einen tollen Blick über Nürnberg, hat vermutlich schon etliche grandiose Sessions in lauen Sommernächten erlebt. Heutzutage hat sie einen tollen verranzten Subkultur-Charme durch all die Graffitis.

Die Fotogalerie mit weiteren Fotos aus dem Schwesternwohnheim. Einfach auf die Bilder klicken.

Es gibt zudem weitere Fotos von René Rdmsky und von Danko.Green.

Update 08.01.2014
Danke für den Kommentar von Michael. Es ist soweit: das Schwesternwohnheim wird abgerissen.

10 Kommentare

    • Danke! Und es gab in der Tat offiziell nur wenig Chancen, rein zukommen. Mit etwas Glück und Beziehungen gings aber dann doch. Dürfte in Zukunft aber noch schwerer werden.

  • Eine Anmerkung zu „von den Mädchen bzw. Schwestern die in dem katholischen Wohnheim einst wohnten“.
    Ich habe vor 19 Jahren selber dort gewohnt. Es war zumindest damals nicht katholisch, sondern städtisch. Es wohnten dorten Auszubildende des städtischen Klinikums, sowie Zivildienstleistende. Wenn ich mich richtig erinnere waren dort 200 Mädels und 50 Jungs. War für mich als Zivi ein Paradies ;-)
    Fertig ausgebildete Krankenschwestern wohnten dort nur sehr sehr wenige.
    Ich denke immer noch sehr sehr gerne zurück, war eine tolle Zeit, tolle Parties und sowas wie meine erste eigene Bude.
    Danke für die Bilder!

    • Schön wie du nach all der Zeit auf die Bilder und auf dieses Blog gestoßen bist. Das Wohnheim hat sich vermutlich etwas verändert in der Zwischenzeit.

      Das es katholisch sei, das Wohnheim, erzählte man sich beim Besuch des Gebäudes. Mag anders gewesen sein. Danke für den Hinweis!

      • Da kommt tatsächlich Wehmut auf….heul! Wäre gerne nochmal reingegangen um in Erinnerungen zu schwelgen. Man konnte übrigens vom Keller des Wohnheims in die benachbarte alte Zentralküche und in die unterirdischen Gänge (Versorgungsgänge, Leitungen, etc.) des Klinikum Nord kommen. Das war mal so richtig „lost places“.
        Auf die Schliche sind sie uns nie gekommen, aber vielleicht hat man sich Jahre später gewundert wo die ganzen leeren Bierflaschen herkamen, hehehe

  • Hallo, bin durch meinen Fotoausflug zum Schwesternwohnheim letzte Woche (letzte Rille, um noch von außen ein paar Bilder zu machen!) und dem nachfolgenden Googeln über die geschichtliche Entwicklung zum ersten Mal auf der Seite hier gelandet. Großartige Bilder und Themen! Schön zu sehen, dass es auch noch andere Menschen gibt, die derart urbane Momente für wertvoll halten. :-) Hätte so Lust gehabt, das Heim mal von innen zu knipsen, aber der Zug ist abgefahren.

  • Hi Dirk,
    tolle Bilder! Auch ich hab MItte der 1990er eine Zeit lang im Wohnheim am Nordklinikum gewohnt. Etliche Fotos, die Du aufgenommen hast, sind wahrscheinlich in den ehemaligen Räumen der Kinder- und Jugendpsychiatrie entstanden (Anbau EG + 1. Stock) – zumindest kommen mir die Gänge und Räume nicht bekannt vor. Dass das Haus abgerissen wird, war absehbar, ein bißchen schade finde ich es trotzdem. Besonders die Aussicht von der Dachterasse aus und aus den oberen Stockwerken war toll.
    Viele Grüße
    Tobias

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