Wunderland Köhnstraße [Ungeschminkt]

Wunderland Köhnstraße

Ich war schon mal in St. Peter. Das ist deswegen so besonders, weil ich sonst nicht so oft nach St. Peter komme. Selbst in kleineren und kompakteren Städten wie Nürnberg ist es so, dass man seine eigenen Regionen und Pfade hat. Wohnung, Büro, Stammkneipe, Lieblingsläden und da wo man was erleben kann, also meist der „Szenebezirk“ (5€ in die Kasse für die überstrapazierten Modewörter). Bei mir wäre das also Johannis, die Altstadt und Gostenhof. Damit wäre dann mein Nürnberg beschrieben. Nach St. Peter komme ich unfassbar selten. Eine Freundin wohnt dort, ein junger Hüpfer und vermutlich auch viele andere junge Leute denn dort gibt es ein Studentenwohnheim. Wir waren auch schon mal auf Entdeckungstour in St. Peter und haben geschaut, ob es dort etwas mehr zu entdecken gibt als in normalen Wohnvierteln mit eher gesetzterer Bevölkerungsstruktur. Denn dem Vernehmen nach hat St. Peter nach GoHo die aktivste alternative Barszene. Es gibt dort so Orte wie das sehr einladend klingende Arsch & Friedrich und auch andere kleine Bühnen, Theater und Kleinkunsteinrichtungen lassen sich wohl dort finden, wenn ich denn nun mal dort hinkommen würde.

Wie so oft im Leben darf man nicht warten, bis es einen irgendwo hin verschlägt, sondern man muss selbst aktiv werden (5€ in die Lebensweisheitskasse). Und dann passierte das unfassbare. Ganz zufällig und beiläufig entdeckte ich an einem grauen Dezembernachmittag mitten in einer eher tristen Ecke in St. Peter nichts weniger als das mystische und sommerliche Wunderland mitsamt Fliegenpilz und Blick ins Grüne. Mir fällt spontan auf meinen ausgetretenen Pfaden nicht eine einzige Wand ein, die nur halb so großflächig und fantasievoll bepinselt wäre. Darf ruhig öfter passieren das Leute ihre Wände bemalen. Nicht nur in St. Peter, sondern auch überall sonst in der Stadt. Eintönige Fassaden gäbe es zur Genüge und vielleicht locken andere Wunderländer auch noch ein paar mehr Leute weg von ihren ausgetretenen Pfaden (5€ in die Kasse mit den unerfüllten Wünschen).

 

Hintergrund
Für den Verlag Nürnberger Presse erstöber ich einmal im Monat eine „ungewöhnliche Stadtansicht“ und erdenke mir einen Text dazu. Beides erscheint dann  im Stadtanzeiger, der Beilage der NN und NZ. Der Name der Fotokolumne ist „Ungeschminkt“. Einen Tag nach der Veröffentlichung in der Zeitung erscheint Bild und Text auch hier im Blog.

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