Silke ist tot

Silke Arp bricht mal wieder von schoschie
Bild von schoschie via flickr

Vor etwas über 10 Jahren zog es mich dann aus Hannover weg und nach Nürnberg hin. Zu Hannoverzeiten war ich gerne da unterwegs wo die Musik laut, die Klowände bemalt und die Luft stickig und das Ambiente surreal war. Gleichsam anwesende Zeitgenossen konnte man oft nur schemenhaft erkennen und nicht nur deshalb war der Aufenthalt an solchen Orten angenehm. Auch war klar, dass nur gleichgesinnte einen solchen Ort entdecken und auch aufsuchen würden. Dieses raue, ungeschliffene, ungehobelte, unangepasste, kreative und immer wieder neue, was derartige Lokationen umweht, faszinierte mich damals enorm und das hat seit dem auch nicht sonderlich nachgelassen. Mit Einheitsbrei kann ich nach wie vor nichts anfangen.

In Nürnberg fiel ich dann erst mal in ein Loch, da gewohnte Etablissements und Subkulturen nicht in der Form vorhanden waren, wie ich sie aus Hannover und später noch viel mehr aus Berlin oder Leipzig kannte. Einen Laden vermisste ich besonders, er nannte sich „Silke Arp bricht“ und lag gerade noch in Linden, dem Gostenhof von Hannover. Vielleicht kommt dem einen oder der anderen die Idee hinter der Silke bekannt vor. Es handelte sich um eine Art öffentliches Wohnzimmer in dem immer irgendwas quirliges, verschrobenes und möglicherweise künstlerisches, vielleicht aber auch was komplett bedeutungsloses und albernes los war. Es änderte sich ständig was und es tauchen oft irgendwelche skurrilen Kleinkünstler und Musiker auf. Der Stil der Einrichtung ist mit „individuell“ nur unzureichend beschrieben. Es gab auch keine festen Preise, sondern man spendete was einem der Abend wert war. Es gab Bier.
Als ich dann nach einigen Monaten in Nürnberg die Weinerei entdeckte, keimte die Hoffnung, Nürnberg könnte vielleicht doch nicht ganz so bieder sein, wie es sich bis dahin mir gegenüber gezeigt hatte.

Warum ich das schreibe? Nun ja, ich wollte auf meinem weihnachtlichen Heimatbesuch auch mal die Silke wieder sehen und gucken wie es ihr geht. Sie war auch noch da wo sie war, sah auch noch in etwa so aus wie ich sie kannte. Aber sie war zu. Und sie war wohl schon länger zu. Mir kam dann die Erkenntnis, dass Silke seit 2010 nicht mehr lebt. Tragisch. Ich hatte sie seit dem Wegzug nicht mehr besucht.

Sie ist etwas über 20 Jahre alt geworden und hat es auch zu überregionalem Ruhm gebracht. 2007 berichtete z. B. die Zeit über die Silke mit einem überaus tollen Resümee inkl. Bildergalerie.

Sehr schade das alles. Aber 20 Jahre ist eine lange Zeit in der viel passiert. Die Weinerei wird dieses Jahr 11 Jahre alt. Ich hoffe sie kann die Silke überdauern und vielleicht kommt ja auch bald der überregionale, internationale oder gar der interkontinentale Ruhm.

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