Kellerfenster zu verschenken [Ungeschminkt]

Wer kennt das Problem nicht? Das eigene Haus ist in die Jahre gekommen, der Keller müffelt etwas und so langsam drückt sich auch Wasser durch die alten Kellerwände. Man möchte wenigstens ein Fenster öffnen um etwas frische Luft reinzulassen. Nur wurde beim Bau des Hauses solch ein Fenster nicht eingeplant. Blöde Situation.
Bei einer meiner Touren entlang der Pirchkeimer Straße (jene Straße mit der unerträglichen Dreispurigkeit) stieß ich dann auf eine generöse Lösung für ein solches Problem: jemand verschenkt einfach völlig selbstlos ein Kellerfenster. Warum auch nicht, am Haus selbst sind ja noch genug andere vorhanden. Gut, es ist nicht mehr das neuste und würde optisch auch nicht ganz zu einem der überall wuchernden Townhouses passen, aber dafür ist es kostenlos. Allerdings muss man es sich wohl selbst abholen, was vermutlich nicht jedermanns Sache ist, denn bislang steht das Angebot noch. Vielleicht wäre es eine gute Idee das Fenster zur schönsten Litfasssäule nach Gostenhof am Bauernplatz zu bringen. Dort sammelt sich eh alles was Menschen zu verschenken haben. Warum nicht auch ein Kellerfenster.
Dieses Haus hat aber noch mehr zu bieten als kostenlose Kellerfenster, nämlich kostenlose Lebensweisheiten! In dem Fenster steht z.B. „Eltern müssen ihren Kindern zwei Dinge mitgeben: Wurzeln und Flügel“, ein Zitat von Goethe. Oder ein anderes Fenster meint: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“. Erich Kästner war derselben Meinung und er hatte Recht. Am Ende der Leseübung konfrontierte mich eins der Fenster mit der Fragestellung: „wenn nicht jetzt, wann dann?“. Mir wurden die Augen geöffnet! Ich ging ein Eis essen.

 

Hintergrund
Für den Verlag Nürnberger Presse erstöber ich einmal im Monat eine „ungewöhnliche Stadtansicht“ und erdenke mir einen Text dazu. Beides erscheint dann  im Stadtanzeiger, der Beilage der NN und NZ. Der Name der Fotokolumne ist „Ungeschminkt“. Einen Tag nach der Veröffentlichung in der Zeitung erscheint Bild und Text auch hier im Blog.

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