Die Zukunft der Quelle ist Vergangenheit

Heute hat Sonae Sierra als einziger Bieter bei einer Zwangsversteigerung den Zuschlag für das Quellegelände bekommen. Der Spezialist innovationsarme Immobilienkonzepte plant für die Quelle auch in Zeiten von Internet, Amazon und Umsatzrückgang im Einzelhandel unter anderem Flächen für eben jenen, dazu Büros, Wohnungen und Parkplätze.

Die Stadt Nürnberg, und damit meine ich nicht nur die Verwaltung, sondern auch meine werten Mitbürger und die lokalen Medien, geben in dieser Zeit ein mut- und ideenloses Bild ab. Ein größerer und qualifizierter Diskurs, ob und wie man mit der alten Quelle umgeht, findet nicht statt. Das Quellkollektiv und ihre Sympathisanten wirken wie ein unbedeutender Haufen an Idealisten, die um ihre Büros und Werkstätten bangen. Dabei ist ihr Verständnis von Stadt und urbanem Leben ein großartiger Nährboden für zukunftsweisende Ideen und Stadtutopien, die andernorts bereits erprobt werden (beispielsweise in Linz) und die man in Nürnberg auch umsetzen könnte, bzw. die eigentlich sogar gelebt wurden. Auch wenn im Konzept von Sonae Sierra für die Quelle nach der sehr teuren Sanierung mittlerweile ein „Kreativzentrum“ auftaucht, so ist dies den Auflagen der Stadt geschuldet und könnte auch ein Multiplex-Kino sein. Kreativwirtschaft entsteht nicht in Neubauten und auf kernsanierten Arealen. Sie gedeiht selbstorganisiert dort wo man sie in Ruhe lässt. Sie braucht Freiräume und Flächen zum gestalten und experimentieren. Wenn Sonae Sierra jetzt das durch die Zwangsversteigerung erworbenes Sonderkündigungsrecht der ca. 170 gewerblichen Mietverträge Gebrauch macht, dann verschwindet auf einen Schlag ein über der letzten Jahre gewachsenes Biotop.

Oder um es mit den Worten von Florian Bailey zu sagen:

Ohne Diskussion und Widerspruch innerhalb von einem Monat zwei Zentren der Kultur (ehemaliges AEG Gelände und ehemaliges Quelle Gelände) zu Grabe zu tragen die beide unglaubliches Zukunftspotential hatten….

Wow!

Das geplante und von allen gewünschte IT-Gründerzentrum stirbt an wirrer Fördersystematik, Quelle wird einfach von der Stadt Nürnberg ignoriert als Chance und zum Bürokomplex. AEG wird Uni ohne irgendeinen Mehrwert für die Region und der Landkreis Erlangen verhindert den Bau einer Straßenbahn um die Region zu verbinden.

Wow! Ganz toller Monat für die Region.

Immerhin rollt durch die Petition zur Rettung der Quelle und die Zwangsversteigerung jetzt eine Welle der Berichterstattung durchs Land, die auch den Diskurs befeuert.

 

Ein Pressespiegel

Quelle geht für 16,8 Millionen Euro an Sonae Sierra
Keine weiteren Gebote bei der Versteigerung

NÜRNBERG – Das Quelle-Areal ist verkauft. Nicht ganz überraschend heißt der neue Besitzer Sonae Sierra. Das portugiesische Unternehmen zahlt für das 253.000 Quadratmeter große Areal 16,8 Millionen Euro.  – nordbayern.de

 

Aus für die Kunst?
Das Quelle-Gelände in Nürnberg ist verkauft

Aus der Traum. Lange hatten sie gehofft, das Quelle-Areal in Nürnberg zu retten, ja sogar selbst zu kaufen. Bald werden die 170 Künstler, die dort eine Bleibe gefunden hatten, auf der Strasse stehen. „Die Quelle“ wurde zwangsversteigert. – br.de

 

Amtsgericht Nürnberg
Quelle-Areal versteigert

Der portugiesische Einkaufscenter-Betreiber Sonae Sierra hat das Nürnberger Quelle-Areal gekauft. Ab Mitte 2016 soll es für rund 300 Millionen Euro umgebaut werden. Die bisherigen Mieter glauben an ein abgekartetes Spiel.  – br.de

 

Investor aus Portugal kauft Quelle-Zentrum

Sechs Jahre nach der Insolvenz wurde das ehemalige Versandzentrum des Handelsriesen Quelle versteigert.
Investor Sonae Sierra will Büros, Geschäfte und Wohnungen errichten.
Auch Künstler und Kreative sollen bleiben. – sueddeutsche.de

 

Versteigerung zerstört Hoffnungen

Viele Kreative müssen wohl neue Räume suchen. Der Investor Sonae Sierra verursacht in Nürnberg widersprüchliche Reaktionen. – mittelbayerische.de

 

Alte Industriebrachen
Zum Wohnen, Shoppen oder Studieren?

Das zweitgrößte leerstehende Gebäude in Deutschland wird zwangsversteigert. Was aus dem ehemaligen Quelle-Versandzentrum in Nürnberg werden soll, wissen die Bürger der Stadt nicht. Viele Städte stehen vor der Frage, wie sie mit Industriebrachen umgehen. – heute.de

 

Zwangsversteigerung
Früheres Quelle-Versandzentrum verkauft

Lange war es das Herzstück des Versandhaus-Riesen Quelle. Seit der Pleite des Konzerns vor sechs Jahren steht der wuchtige Klinkerbau im Westen Nürnbergs leer. Nun wurde Deutschlands zweitgrößte leerstehende Immobilie zwangsversteigert – aber es gab nur einen Bieter. – faz.net

6 Comments

  • Ich finde es echt schade, dass Quelle beim Pressespiegel nur als „zweitgrößte leerstehende Immobilie“ betitelt wird, anstatt sie als die Chance und wahre Quelle der kreativen Szene zu sehen. Das dieses kreatives Biotop ein gewaltiges Entwicklungspotential mit unwiderstehlicher Anziehungskraft für StartUps und frischen Ideen sein könnte und dabei sowohl für die Stadt als auch für das ganze Region neue Horizonte eröffnen würde, das ein frischsaniertes Büro- und Einkaufszentrum nie erträumen könnte, wurde leider von den lokalen Politikern nicht erkannt :( Vielleicht sollte man eine bundesweite Campagne starten, um den zarten Keim der gelebten Utopie zu retten… Kann man die Sache irgendwie noch retten? Mit Protesten, Petitionen, öffentlichem Druck?!

  • Ich kann deine Enttäuschung über diesem technokratischen Prozess, gesteuert von Kräften der Verwaltungsvorschriften und Betriebswirtschaftsleere, gut nachvollziehen und unterschreiben. Die Quelle reiht sich damit in ein in den Reigen verpasster Chancen, weil einfach das Verständnis dafür fehlt. In der Diskussion, in der es durchaus Akteure und Ideen gegeben hat, taucht die Stadt nicht auf. Kein Wort von „unserer“ Kulturreferentin, die Verwaltung will mit der Quelle nichts zu tun haben und wirft sie weg wie eine heiße Kartoffel. Nürnberg stellt sich damit selbst als innovationsarme, perspektivlose Stadt der Mittelmäßigkeit dar, in der nur derjenige „loslegt“, der mit Eigenmitteln arbeitet – dann ist auch völlig egal was er machen will. Die Uni hier hat sich leider kulturell noch nicht ausgewirkt, von Studenten hört man dazu nichts. Und die übige Bevölkerung – geht arbeiten und macht zum Feierabend die Türe hinter sich zu. Ich hoffe ja immernoch auf die Kraft junger, kreativer Studenten, aber das scheint doch ein langfristiger Prozess der Mentalitätsänderung zu werden.

    • Es gab in der Quelle selbst mal eine Ausstellung mit Modellen und Visionen, die zeigten, was man alles aus dem Gebäude machen könnte. Erstellt von Architekturstudenten. Teilweise mit Entwürfen, die man vielleicht in Dubai realisiert hätte, aber niemals in Nürnberg. Waren spannende Sachen dabei. Groß nach draußen sind diese Arbeiten niemals gedrungen und ich glaube auch, dass du mit deinem Ruf nach Studenten auf was anders abzielst. In „Studentenstädten“ findet gefühlt mehr Diskurs zum öffentlichen Raum statt, als in der Arbeiterstadt Nürnberg.

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