Der Umzug der Techfak auf AEG (Kommentar)

Der Umzug der Technischen Fakultät nach Nürnberg verspielt die Chancen die sich durch den Siemens-Campus ergeben haben. Wieder einmal wird die Region in ihren Einzelteilen gesehen, statt das große ganze zu betrachten.

Ein Garching für Nordbayern” erhofft sich der Finanzminister auf dem AEG-Gelände, aber wer sich die Kennzahlen des Forschungszentrums Garching betrachtet sieht schnell, dass das so nichts werden kann.

In Garching studieren zwar 13.000 aber es arbeiten dort auch mehr als 6000 Menschen, ein großer Teil davon bei den verschiedenen Forschungsinstituten. Auf AEG werden vielleicht etwas mehr als 6000 Studenten sein, aber wahrscheinlich keine 1000 forschenden Mitarbeiter. In Garching befinden sich neben den Max-Planck und anderen Instituten auch die Fakultäten für Maschinenwesen, Mathematik, Informatik, Chemie und Physik. Auf AEG werden nur die technischen Bereiche Elektrotechnik, Maschinenbau und Informatik sein.

Mit dem Siemens Campus hätte die einzigartige Chance bestanden der technischen Fakultät Raum zu schaffen, mit direktem Anschluss an die naturwissenschaftliche Fakultät und an die diversen Forschungsinstitute. Damit wäre plötzlich ein in Deutschland einzigartiges Forschungszentrum neben dem weltweit größten Forschungszentrum von Siemens gestanden. Und selbstverständlich hätte dies eine Straßenbahnverbindung bis zum Plärrer gebraucht.

Aber statt dieses weltweit bedeutende Forschungszentrum zu schaffen, betreiben wir regionale Stadtteilentwicklung und schließen dabei auch noch den einzigen Ort, der das massive Defizit der Region im Bereich der Kultur- und Kreativwirtschaft hätte lösen können.

Was bekommt also die Region für Hunderte Millionen die auf AEG investiert werden? Im Grunde nichts, eine bestehende Fakultät wird um 15 Kilometer verlagert, es kommt nichts Neues dazu und es ergeben sich keine neuen Anknüpfungspunkte.

Die drei Städte sollten sich endlich auf eine gemeinsame Erhebung der Gewerbesteuer einigen und sich ihrer unterschiedlichen Rollen in dem Städtedreieck bewusst werden, weder ist Fürth eine Wissenschaftsstadt oder hat irgendeinen Grund dafür, dass unbedingt sein zu wollen, noch ist Nürnberg durch eine Verlagerung der technischen Fakultät ein weltbekanntes Forschungszentrum und natürlich ist Erlangen weder die interessanteste und auch ganz sicher nicht die kulturell spannendste Stadt der drei. Alle drei Städte sitzen im selben Boot und sollten irgendwann auch anfangen so zu denken. Es hilft nichts mit einer Verlagerung das Defizit in Nürnberg zu bekämpfen, wenn damit die Chance auf ein echtes Highlight für die Region zerstört wird.

Info: Ein Gastbeitrag von Florian Bailey. Der Text wurde zuerst auf medium.com veröffentlicht.

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