bekommste was, dann biste was

Ich möchte eine Beobachtung, eine lokale Eigenheit dokumentieren, die mir, seit ich zum ersten Mal in Nürnberg beim Bäcker war, auffällt, bzw. sogar gegen den Strich geht. Und zwar diese unglaubliche Überheblichkeit sich als Kunde vor eine Brötchentheke zu stellen oder einen Kellner anzusprechen und mit Aussagen zu konfrontieren, die so noch gar nicht bewiesen sind.

Konkret heißt das, dass der lokale Kunde zum Beispiel an die Brötchentheke kommt und seine Bestellung selbstsicher vor sich hin trällert: „Ich bekomm‘ drei Brötchen.“. Punkt. Woher weiss der Kunde das? Woher weiss er, dass er die drei Brötchen bekommt und nicht ein „Nö, du nicht…“ an den Kopf zurück geflogen kommt? Ein ordentlicher Kundenwunsch wird mit den warmen Worten „ich hätte gerne drei Brötchen“ formuliert. Oder freundlich im Restaurant: „kann ich bitte die Rechnung bekommen?“. Oder interessiert: „hmm, der Kuchen dort sieht aber lecker aus, würden sie mir ein Stückchen einpacken?“. Beim Bäcker hier um die Ecke hört man nur ein raues: „ich bekomm ein Stück von dem Kuchen da“.

Natürlich kann der Kunde seine Forderung stellen und im Grunde erwarten, dass dem Folge geleistet wird. Nur hat das mit Freundlichkeit nichts zu tun. Ich hätte keine Lust einen ganzen Tag hinter der Theke zu stehen um mir Befehle von irgendwelchen Dahergelaufenen anzuhören. Vielleicht hat das aber auch was mit Bildung und sozialem Stand zu tun, so genau hab ichs nun auch wieder nicht erforscht. Auch ist diese praktisch normale Unfreundlichkeit kein rein fränkisches Phänomen, sondern generell im süddeutschen Raum anzutreffen. Ich hab’s nunmal hier kennen gelernt.

4 Kommentare

  • ich sag manchmal eine mischung aus appell und höflichkeitsformel:
    „ich bekomm bitte drei brötchen!“
    was machst du damit?
    ist höflich und „bestimmt“, wie ich es ausdrücken würde.
    da die rollen zwischen verkäuferin und kunde ja bereits dadurch geklärt sind, dass es sich um eine bäckerei handelt, die alleine dem zweck dient, brötchen zu verkaufen, sehe ich keine unhöflichkeit, sondern eher eine praktische reduzierung in der kommunikation.

  • @martin: da du (theoretisch) noch nicht weisst, ob die die drei Brötchen bekommst, kannst du nicht sagen „ich bekomm bitte drei Brötchen“, das bitte hilft da auch nicht. „Drei Brötchen bitte“ wäre richtig.
    @Madame WW: also „ich hätte bitte gern drei Brötchen“ wäre richtig, aber als Franke muss man sich vielleicht an so viel Freundlichkeit noch gewöhnen ;-)

  • Was mich heute sehr verblüfft hat war die Frage einer Bedienung hinter der Theke. Sie fragte den verträumt rumguckenden Kunden mit den Worten: „Was bekommen sie?“ … Was will man da noch antworten? Das ist doch keine klar gestellte Frage und vor allem begibt sich die Bedienung ja selber in die Sklavenrollen…

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