Auf Wiedersehen

Nürnberg Impressionen #1 - Der Silbersee stösst eher auf Ablehnung

Schön! Also die Zeit in Nürnberg, die Stadt selber ist optisch ja nach wie vor eher so mittelmäßig. Das fällt immer dann besonders auf, wenn man von irgendwo wiederkommt. An einer Bar meinte jemand mal, es wäre deshalb so schön in Nürnberg zu wohnen, weil man immer an schöne Orte verreisen kann, egal wo man hin fährt. Ein anderer meinte mal, dass es 7 bis 11 Jahre dauert, bis man Nürnberg schön findet bzw. schön finden kann. Der Sugar Ray wird das ab jetzt testen. Er verlegt sein Hauptquatier in die deutsche Hauptstadt und wird Nürnberg zwar nicht den Rücken kehren, aber mehr Gast als Bewohner sein. Dafür verspricht er sich mittendrin zu sein – im Clubsterben, in defekten S-Bahnen und als Teil der Gentrifizierung. Aber auch mehr Auslauf zu haben, mehr Ästhetik, mehr Weltstadt, mehr elektronische Musik und viel mehr gute Strassenrestaurants.

Dennoch ein Schritt, der nach knapp 10 Jahren Frankenland nicht leicht fällt. Hier eine Liste an Dingen, die ich vermissen werde, bzw. bereits vermisse:

  • Die Sendungen auf Radio Z, insbesondere die mit Fuge
  • Die ganze Weinerei mit all den Leuten, den Schweinereien, den Dramen, Zankereien, langen Nächten und den großen Momenten und den vielen kleinen
  • Die alte Weinerei in der Steinstr. (weils damals einfach noch ein Stückchen mehr Underground und berlinesque war)
  • (hier sollte eigentlich eine Liste mit Frauennamen stehen, die auch meine Zeit in Nürnberg geprägt haben. Aber ein Gentleman genießt und schweigt und außerdem kann ich mich nicht mehr an alle Namen erinnern, bzw. hab gerne mal den Namen auch nie erfahren bzw. will mich auch nicht an alle erinnern, mit denen mal was lief oder vielleicht was gelaufen wäre oder die einfach nur angenehm waren. Ist ja manchmal auch schon Jahre her und vielleicht war das alles ja auch nur Einbildung. Gott wie die Zeit vergeht, aber danke, ich mag Euch! :)
  • Die vielen WG-Parties in irgendwelchen Altbauetagen (manchmal mit Kakerlaken in der Küche)
  • Das Zoom (Techno ging auch in Nürnberg, auch wenn ich das anfangs nicht glauben wollte)
  • Der Hemdendienst, den ich kennen lernte, als er noch in der Nähe vom weißen Turm war. Habe meine erste Sylvesternacht in Nürnberg dort verbracht
  • Die eine WG-Party in dem Haus vor der Kofferfabrik
  • Den Satz einer flüchtigen Bekanntschaft, die auf dem Weg nach Hause meinte: „Wenn du es schaffts in Nürnberg Menschen kennen zu lernen, dann schaffst du es überall!“
  • Das alte Bad-Str. Gelände ohne die olle Uferpromenade in Fürth
  • Das alte Milchhofgelände mit dem Milchhof drauf. Dieses Gebäude hat den Urban Explorer in mir geweckt
  • Das News and Coffee und die alte Waxlounge genau daneben. Gott hab sie seelig
  • Das Volksbad
  • Die eine Party in dem komplett besetzten Haus in der Muggenhofstr.
  • Den Filmweinabend in der Weinerei
  • Das Deutsch/Türkisches Filmfest 2008. Mein erstes und einziges. Ohne dieses Filmfest hätte ich nie Frauenname kennen gelernt und wäre nie so gut nach Istanbul gekommen
  • Den Wanderer bzw. insbesondere das Bieramt nebenan. Habe dort ne Zeit lang immer meine Geburtstage gefeiert und dann gibt’s da diese Geschichte mit Frauenname und Frauenname und der horrenden Schnapsrechnung
  • überhaupt: Fränkisches Bier. Wusste damals in Hannover noch nicht, dass ich Bier mag
  • Interviews mit Radio, Fernsehen und der Presse wegen was auch immer. Habe das Gefühl bekommen, in Nürnberg mit desem Blog relativ aufwandsarm mediales Interesse generieren zu können
  • Das ich komischerweise in einer komplett unurbanen Stadt, den Hang zum Urbanismus entdeckt habe
  • Die alten Poetryslams in der Kofferfabrik, als sie noch oben waren
  • Meine zwei Parties in der DESI, mit denen ich versucht habe, die elektronische Musikszene aus dem Internet in die physische Welt zu holen (ich bewundere die Energie, die ich damals hatte)

~ SCHNIPP ~

Ha! Reingelegt. Ich bleibe noch ein bisschen in Nürnberg. Denn hier passieren gerade tolle Sachen, direkt vor meiner Nase, insbesondere rund um die Quelle, und insbesondere Sachen, wegen denen ich vor kurzem noch extra nach Berlin gefahren bin. Nun kann ich Teil von kollektiver und künstlerischer Aufbruchsstimmung sein. Nürnberg hat sich verändert und ich mich auch und irgendwie haben wir uns angeglichen. Ich habe immer noch eine Starke Beziehung nach Berlin, aber mittlerweile kann ich es mir nicht mehr vorstellen, dort zu wohnen. Der Text und die Punkte oben lagen schon eine ganze Weile im Blog, als Entwurf gespeichert, und stammen meist aus dem Jahr um 2011, das Jahr, in dem der Sprung nach Berlin kurz bevor stand und ich vorsorglich schon mal den Blogpost gedraftet hatte. Der Umzug ist dann aus diversen Gründen doch nicht vollzogen worden. Hiermit veröffentliche ich diese Zeilen trotzdem, anstatt sie zu löschen. Sind nämlich lustig zu lesen und auch eine schöne Erinnerung an die Stadt in der ich lebe.

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