Blick in die Provinz: Neuruppin

Neuruppin ist eine Stadt idyllisch gelegen im Norden des Landes Brandenburg so in etwa auf Halber Strecke zwischen Berlin und Hamburg. Ungefähr 30.000 Menschen leben hier. Zum Gedenken an den hier geborenen Dichter Theodor Fontane trägt sie den Beinamen Fontanestadt. Neuruppin gilt bisweilen als „preußischste aller preußischen Städte.“ (Wikipedia)

Das neue Jahr beginnt mit einer Exkursion nach Neuruppin. Es ist eine Reise in die Vergangenheit und eine Neuentdeckung gleichermaßen. Verschwommene und sehr graue Bilder aus Vorwendezeiten wabern durch meinen Hinterkopf, denn ich bin nicht zum ersten Mal hier, aber zum ersten Mal mit der Kamera und zum ersten Mal, seit Neuruppin in der Bundesrepublik Deutschland und nicht in der DDR steht. Der Geruch von Steinkohle und Zweitaktgemisch ist verschwunden, ebenso wenig zieren Trabis und andere Plastebomber die Straßen. Nicht mal ansatzweise. Sie wurden verdrängt von Sanierung, Tourismus und Vehikeln der Mittel- bis Oberklasse. Neuruppin hat sich gemausert, die Infrastruktur auch. Es gibt gepflegte bis edle Restaurants, Apartments mit Blick auf den See und eine Therme mit Besucherkontingenten und mit freundlich, aber bestimmten Einlassstop, wenn diese ausgeschöpft sind.

Die Zeit hat sich gewandelt in Neuruppin, aber Ich bin auf der Suche nach unveränderten Orten, die meine Erinnerungen wiedergeben. Die Architektur in der historischen, im frühklassizistischen Stil gebauten Altstadt ist die gleiche geblieben. Ein Musterbeispiel preußischer Baukunst, nur ist dem einheitlichen Grau aus meiner Erinnerung eine Variation von Pastellfarben gewichen. Mein verquerer Blick auf den Ort ignoriert die Errungenschaften von Kapitalismus und Fördergeldern gänzlich und ergötzt sich am ostigen Charme, den Neuruppin dankenswerter Weise auch zu bieten hat.

Soundtrack: K.I.Z. – Neuruppin

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