Offen Auf AEG 2012 – Räume und Rezipienten

Auf AEG 2012

Vor einem Jahr war es erstmals so weit. Das AEG Werksgelände in Nürnberg öffnete etliche Tore und Türchen und lud zu einer Besichtigungstour ein. Ein Jahr später passierte es wieder. Ich war fast das ganze Wochenende da, habe den Samstag, Teile der samstäglichen Nacht und weite Teile des Sonntages genutzt um möglichst viel zu erstöbern, das Flair einzuatmen und um mir ein Bild bzw. mit der Kamera viele Bilder zu machen. Mir ging es nicht unbedingt um die Kunst oder die Leute (tagsüber viele Familien, tendenziell älteres Publikum. Wird der Grund gewesen sein, warum leider niemand außer mir vom Gelände getwittert hat*) zu fotografieren, sondern beides zusammen wenn sie interagieren und verschmelzen und so gemeinsam wiederum zum Kunstwerk werden und betrachtenswert sind. Und natürlich ging es um die Räume. Wir haben es hier mit einer alten Industriebrache zu tun deren Nutzung um 180 Grad gedreht wurde. Was spannenderes und widersprüchlicheres gibt es kaum.
Einen Haken gab es allerdings. Irgendwann habe ich den Begriff „bodenständig“ während des flanierens aufgeschnappt und das trifft es fast am besten. Die ganze Veranstaltung verlief sauber, akkurat, unaufgeregt, unanstößig. Ich fand das etwas – nunja – fad. Wenn ich Künstlern Räume überlassen würde, dann erwarte ich geradezu, dass verstört, angeregt und das Publikum mit eingebunden wird. Im BEAST-Gebäude waren dementsprechende Arbeiten noch am ehesten zu sehen. Z.B. informierte an einem geschlossenen von außen einsehbaren Raum ein Aufdruck, dass man diesen Raum wegen der Luft bitte mit Vorsicht betreten solle. Nun war der Raum offensichtlich leer und man fragt sich was da sein solle. Und schon beginnt man zu grübeln. Geht man da jetzt rein und findet es raus? Oder lässt man es in so einem Industrieareal der Gesundheit wegen lieber bleiben? Nur ein Beispiel von vielen was aber zeigen soll wie eine Verbindung mit mir bzw. dem Publikum und den Ausstellungsräumen hergestellt werden kann. Die Drop Sculpture geht in die selbe Richtung weil sie das Konzept einer Ausstellung hinterfragt. Nach Sichtung dieser Arbeit konnte auf einmal alles Erdenkliche auf dem Areal wieder Kunst sein und somit eine besondere Bedeutung haben. Die Grenzen sind eh schon verflossen. Einfache Bilder an der Wand sind reizlos geworden. Mein Internet zeigt mir genug fantastische Bilder von tollen Künstlern aus aller Welt wann immer ich das will. Der Mehrwert von Ausstellungen liegt in der Interaktion, in der Überraschung und in der Wechselwirkung zwischen dem Werk, dem Raum und dem Rezipienten.

Die Begleitausstellungen „WALDRAND“ im Quellegebäude geneüber fand ich übrigens extrem mittelmäßig. Zwar technisch perfekt aber sehr langweilig. Schade, insbesondere weil suggeriert wird, dass die gesamte Kraft der Fotoszene Nürnbergs dort versammelt ist, die es hier schon mal viel besser gekonnt hat.

Aber hier nun einige Fotos von mir. Bitteschön.

Technik: Canon EOS 550D 18-135mm f/3.5-5.6 und Lensbaby Composer. Die Fotos sind teilweise gecropped und farblich gar nicht bis leicht nachbearbeitet.

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