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Ihr planiert die Seele der Stadt
„Ihr planiert die Seele der Stadt“ – Parole auf dem Milchhofgelände in Nürnberg

Am Wasser und in Kneipen, in Siedlungen, Stadtzentren und in belebten Straßen, ich treibe mich überall dort herum, wo anscheinend etwas geschieht. Ausgerüstet mit den besonderen Möglichkeiten der Wahrnehmung und der Fotografie, versuche ich das was existiert und geschieht, in seiner Art einzufangen, zu bewerten und zu durchschauen.

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2002 kam ich im zarten Alter von Anfang zwanzig von Berufs wegen aus meiner Heimat Hannover nach Nürnberg. Die Fotografie betrieb ich zu diesem Zeitpunkt nur als Hobby, ein bisschen nebenbei, zur Entspannung, hatte aber immer schon einen Fokus auf Stadtästhetik – und ein Faible das Berlin dieser Zeit. Im Lauf der ersten Jahre in der neuen Stadt begegnete mir ein wahnsinniger fränkischer Lokalstolz. Mir fiel jedoch gleichzeitig auf, dass dieser Stolz sich nicht sonderlich im Stadtbild widerspiegelte. Nürnberg empfand ich als schmucklos und bieder, wie eine in die Jahre gekommene Ruhrpottstadt, nichts auf das man großartig Stolz sein konnte. Ich fühlte und sah diesen starken Kontrast zu Hannover, Hamburg, Berlin oder Leipzig. Je länger ich in Nürnberg lebte, je öfter ich durch die Straßen streifte und alles beobachtete, desto missmutiger wurde ich. Umziehen kam erstmal nicht in Frage, Angebote nach München zu gehen schlug ich aus (wenn schon Bayern, dann Nürnberg). Ich habe dann dieses Blog gebaut, quasi als Selbsthilfegruppe für mich selbst. Anfangs habe ich aus purer Provokationslust absichtlich die hässlichsten Fotos gepostet und gelästert. Es hat Spaß gemacht, dem Lokalstolz den Spiegel vorzuhalten und die Leute zu piesacken.

Mein Blick auf Berlin, Hannover und Hamburg

Rückblickend war das vielleicht nicht die eleganteste Art, in einer neuen Stadt anzukommen, so macht man sich schließlich nicht gerade Freunde. Andererseits fand ich damals schon die Diskussionen spannend, die sich aus den Beiträgen ergeben haben. Nach den ganzen Jahren in Nürnberg habe ich die Mechanismen und damit die Stadt und ihre Mentalität als Ganzes besser verstanden und auch schätzen gelernt. Manchmal wurden auch spannende Dinge zu Tage gefördert, die gar nicht in dieses Bild von Nürnberg als bürgerliche Arbeiterstadt ohne feinsinniges und Schöngeist gepasst haben. Außerdem war ich die meiste Zeit selbst in der Kulturszene aktiv und habe meinen Teil dazu beigetragen, dass Nürnberg ein winzigwenig cooler und lebendiger geworden ist. Dennoch hat sich am kritischen Blick über die Jahre nicht viel geändert, die subjektiven Eindrücke eines „architektonisch interessierten Laien“ finden sich nach wie vor im Blog. Natürlich sind die Beiträge zur Stadt Nürnberg auch als Kritik an der Stadtentwicklung zu verstehen bzw. als indirekte Verbesserungsvorschläge. Überhaupt sollten sich viel mehr Leute mit ihrer Stadt als Lebensraum auseinandersetzen. Ich habe den Eindruck, dass das in Nürnberg immer noch nicht wirklich passiert.

Mein Blick auf Nürnberg

Aber ich bin auf keiner Mission und habe keinen Auftrag. Mit diesem Blog soll auch kein Gewinn abgeworfen werden, falls das indirekt vielleicht sogar möglich wäre. Hier liegt alles abseits der profanen Geschäfte und soll vielmehr Nutzen stiften, auch wenn dieser vorerst nur in meinem eigenen Erkenntnisgewinn besteht und meine eigene Lust an Streifzügen befriedigt. Sugar Ray Banister ist Müßiggang. Alles was hier passiert ist freiwillig.

Dirk Murschall, Nürnberg im Juni 2015

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Dieses Blog wurde im Juli 2006 gestartet und ist damit schon über fünf acht 10 Jahre alt. Der erste Blogpost ist nach wie vor vorhanden. Zwischendurch habe ich aber etliche andere Beiträge über die Zeit teilweise umgeschrieben oder auch aus unterschiedlichen Gründen aus der Öffentlichkeit entfernt. Manchmal ist das besser so.

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