In Hamburg-Mümmelmannsberg, am Stadtrand

Hamburg-Mümmelmannsberg im November

Vorstädten, die in der kürzesten Zeit und mit vielen Stockwerken aus dem Boden gestampft wurden, wird ein eher raues und abweisendes Klima zugeschrieben. Architektonisches und soziales Ödland, Ghettoisierung, auch wenn die Intentionen in der Planung sicherlich immer andere waren. Solche Orte sind reizvoll, haben sie doch eine eigene, fast schon natürliche Ästhetik bekommen. Es sind Orte, die schon gelebt haben, ohne jemals lebendig gewesen zu sein. Sie wurde in die Starre hinein geboren, so die subjektive Wahrnehmung, und sie stehen nur im Rampenlicht, wenn mal wieder Bilder und O-Töne für Milieustudien, ein „armes Deutschland“ oder Hip-Hop-Videos gebraucht werden.

Mümmelmannsberg ist nun ein sehr weit östlicher Stadtteil von Hamburg und ein Teil von Billstedt. Entstanden in den 70er vermutlich auch, um einen Gegenentwurf zu den angrenzenden weiten Wiesen und Wäldern Schleswig-Holsteins zu machen. Mit Billstedt verbinde ich eine harte urbane Betonlandschaft ohne es wirklich zu wissen, Mümmelmannsberg war nun der erste Anlauf einer Annäherung an diesen Teil Hamburgs. Sich den grauen November auszusuchen war nicht der Plan, aber auf eine Art willkommen, um eine Reihe möglichst farbloser Bilder einzusammeln und damit dann doch wieder dem Klischee zu entsprechen 🤷.

Nun, lebendig war die Gegend an diesem Nachmittag wirklich nicht, aber niemand wäre bei dem feuchtkalten Wetter freiwillig länger draußen geblieben als nötig, egal wo. Und es gab sie auch, diese Momente als ein Ghettokid im Hoodie vorbei schlenderte und einen bösen Blick absonderte, als übte es für eine Statistenrolle im nächsten GZUZ-Video. Es gab aber auch die Spaziergänger mit Hund, die Sportgruppe auf dem Fußballfeld, die eh bei jedem Wetter trainieren, und die junge Mutter, die wissen wollte, wie dieser kleine Hautlappen an der Unterlippe heißt, damit man danach googeln könnte (keine Ahnung, sorry, aber netter Plausch!).

Insgesamt überwiegt der Eindruck einer unaufgeregten und gepflegten Wohngegend. Keine brennenden Mülltonnen oder Autowracks, keine Gangs mit Baseball-Schlägern, keine Kampfhunde. In Mümmelmannsberg bleibt man im November einfach zu Hause, jedenfalls rund um die Endhaltestelle der U2 bzw. U4.

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