Urban Art
Mural Art Weekend Nürnberg Impressionen
Impressionen des Mural Art Weekends für zeitgenössische Graffiti Art am Freibad West (Westbad) in Nürnberg.
Industrie geremixed: Plotterroboter KEN
Plotterroboter KEN aus Berlin ist einer der Produzenten der Ästhetik, die ich schon mehrfach versucht habe hier im Blog zu dokumentieren (z.B. Urban Art Biennale 2013 oder Nord Ost Art). Er mixt Urban Exploration mit Urban Art bzw. er geht noch einen Schritt weiter: er verschmilzt diese Strömungen indem er seine Werke nicht nur in verlassener Industrie ausstellt, sondern sie dort mit der Industrie zusammen entstehen lässt. Die Arbeiten sind genauso dem Verfall und dem Zahn der Zeit ausgesetzt wie die gewählte Szenerie drumherum und sie bedienen sich virtuos an der Ästhetik der Szenerie. Und sie werden nie in einem Museum oder einem Wohnzimmer zu sehen sein, jedenfalls nicht als Original. Die Originale sind nur dort, wo sie entstanden sind und nur für denjenigen zu erfahren, der sie aktiv aufzusuchen vermag.
Graffitileute bedienen sich oft verlassener Gebäude um zu sprühen, allerdings mehr aus dem Grund um ungestört arbeiten zu können. Sie produzieren damit mehr oder weniger gewollt die Vorstufe der – ich nennen sie mal – Urban Exploration Art (oder kurz UrbExArt ;). Das Schwesternwohnheim in Nürnberg ist so ein Fall einer Vorstufe. Kids verschaffen sich Zugang, halten zum ersten Mal eine Sprühdose in der Hand und fangen dann mal an, mehr oder weniger künstlerisch die Räume umzugestalten. Sie schaffen damit aber die Grundlage, die später dazu führt, das ganze Gebäude oder Teile von Industriearealen verkunstet bzw. geremixt werden. Das Video zeigt, wie solch eine Arbeit entsteht und würde auch ohne den omnipräsenten Dubstep gut funktionieren.
Urban Art Biennale 2013
Urban Art Biennale 2013 im Weltkulturerbe Völklinger Hütte
Während andere Ostereier suchten, suchte meine Kamera Urban Art Referenzwerke und rostigen Stahl. Eine perfekte Symbiose findet man noch bis November im Saarland, genauer im Weltkulturerbe Völklinger Hütte. Dort hat man nämlich die Urban Art Biennale 2013 geschaffen:
Die Metropolen der Welt sind die Inspirationsquellen der Künstler der Urban Art. New York, Los Angeles, Paris, Berlin, London, und das Weltkulturerbe Völklinger Hütte werden zu Orten der Begegnung mit einer Kunst, die dank Digitalkamera und Internet den Siegeszug auf den Straßen und in die Museen angetreten hat. Der Anfang der Urban Art liegt im Graffiti. Von den Jugendlichen der New Yorker Bronx in den späten 60ern auf U-Bahnwaggons und Häuserfassaden gesprüht, entwickelt sich der Graffiti Style zu einem globalen Ausdruck von Jugendkultur.
Urban Art ist ein weltumspannendes kulturelles Phänomen: Kunstmuseen und Galerien nehmen die Arbeiten der Post-Graffiti-Generation in ihre Sammlungen auf. Leinwandarbeiten der Urban Art-Künstler erzielen auf Auktionen bisweilen Höchstpreise. Die Stadt, die Straße bleiben das Arbeitsfeld der Urban Art-Akteure, die heute auch ohne Sprühdose auskommen und mit Leinwand und Pinsel das Erbe der Graffiti-Generation antreten. Das Weltkulturerbe Völklinger bietet der UrbanArt ein regelmäßiges Forum – die UrbanArt Biennale.
Ostern war auch offenbar genau der richtige Zeitpunkt für die kleine Exkursion. Entweder wussten nicht viele von dieser Kombination von urbaner Kunst und Industrie, oder es waren wirklich alle Ostereier suchen. Jedenfalls waren das Areal und die Ausstellung angenehm unterbesucht.
Angenehm ist dieser Schritt über den Tellerrand. In Nürnberg hat jedes Graffiti, jedes Stück Urban Art um Aufmerksamkeit und um eine Daseinsberechtigung zu kämpfen (ja, ich weiss hin und wieder passiert auch hier großartiges, aber eher im Kleinen). In Völklingen wird das Ganze dem gemacht, was es ist, nämlich die spannendste und vielleicht auch wichtigste Kunstströmung im 21. Jahrhundert. Ein riesiges altes Stahlwerk als Galerie zu verwenden ist wunderschön, richtig und nicht weniger als angemessen.
Urban Art funktioniert nirgends besser als im Rahmen von alter Industrie, umweht vom Geruch des rostigen Stahls. Jedes Werk bekommt in Völklingen richtig viel Raum und viele der Sachen wirken, als wären sie für den Raum, in dem sie dort existieren, extra gemacht. Sie interagieren farblich und ästhetisch mit der Umgebung.
Allerdings nicht alle. Es gibt viel Großartiges zu sehen (ich habe bei weitem nicht alles fotografiert), aber ich muss dann doch mitteilen, dass mich gerade der Invader enttäuscht hat. Er bekommt zwar mit seinem plastischen Space Invader den mit Abstand meisten Raum zugewiesen, aber die Kunststoffpixelfigur funktioniert nicht mal annähernd so gut, wie die betonierten Kacheloriginale aus z. B. Paris. Hier fehlt wieder die „Natürlichkeit“, die diese Arbeiten haben, wenn sie spontan an Fassaden auftauchen. Schade, dass man sich da in Völklingen nicht zu durchringen konnte echte Invaderkacheln auf dem Areal zu verteilen.
Das ist aber nur ein winzig-wenig Kritik an der grundsätzlich großartigen Ausstellung.
Und es gibt ja auch noch mehr zu sehen.
Wir haben es hier mit einem unfassbar komplexen, schön in die Jahre gekommenen, fast komplett (offiziell!) begehbaren und erforschbaren Industriedenkmal zu tun. Die Urban Art Biennale ist zwar umfangreich, belegt aber nur einen relativ kleinen Teil der alten Stahlhütte. Begibt man sich erst mal auf Entdeckungstour, kommt das Auge eines Urban Explorers ja gar nicht mehr aus dem Staunen raus. Ging mir jedenfalls so. Ich staunte die 3-4 Stunden der Tour. Viel weniger Zeit sollte man nicht einplanen, eher mehr. Die folgenden Fotos sollen meine Staunerei und den Forscherdrang ein kleinbisschen dokumentieren.
Die Tagesschau hat Biennale auch angekündigt. Für ihre Verhältnisse erstaunlich fresh sogar.
Meanwhile in Kaiserslautern
Kaiserslautern, Klosterstraße, inmitten der Altstadt, am 30. März 2013 um 11:21 Uhr.
These: Kleine Universitätsstädte haben einen entspannteren Umgang mit Modifikationen des öffentlichen Raums.
Meanwhile in Nürnberg (15)
Nürnberg, Prinzregentenufer, am 23. März 2013 um 15:11 Uhr.
Die häkelnde Fränkische Hausfrau hat ganze Arbeit geleistet. Nicht nur mit ihrer sehr umfangreichen und offenbar von langer Hand geplanten Aktion am letzten Freitag, sondern sie hat vermutlich auch einen Rekord aufgestellt. Die Spinne am Geländer hält jetzt bestimmt schon seit vier Wochen. Das ist für Guerilla Knitting dieser Art insbesondere in Verbindung mit den derzeit herrschenden strengen Wetterverhältnissen ein enormer Zeitraum.
Insider munkeln, dass sie und ihre Häkelnadeln gerade erst warm geworden sind.
Streetartführungen in Nürnberg
Der Place De La Créativité bietet Streetartführungen auch in Nürnberg an. Der Slogan: “Nürnberger Urban Art hautnah erleben - Street Art Touren 2013″
Da ich die Nürnberger Streetartszene im nationalen Vergleich für maximal mittelaufregend halte, werde ich mich natürlich auch auf so eine Tour begeben und mich möglicherweise eines Besseren belehren lassen. Schöner wäre es natürlich, wenn hier richtig was brummen würde, aber möglicherweise gibt es Ecken, die mir bislang entgangen sind (die Hoffnung stirbt zuletzt).
Vom 06. bis zum 09. März 2013 nehmen Pablo Fontagnier aka Hombre und Carlos Lorente aka Kid Crow euch mit auf eine Tour durch die kreative Welt von Nürnbergs Streetart Künstlern. Sie erklären Techniken, Tricks, erzählen mehr über die Künstler, ihre Werke und Ihr könnt Fragen aller Art loswerden.
Es gibt sieben Touren. Anmeldungen sind über die Webseite möglich.
Update
Hinter der Aktion steht offenbar die Reemtsma Cigarettenfabriken GmbH (u.a. Gauloises, falls einem das Logo der Aktion bekannt vorkommt). Somit verschiebt sich das alles mehr oder weniger weg aus der Kunst- und Kulturecke und hin in die Marketingecke. Vielleicht nicht weiter schlimm, vielleicht geht der geneigte Teilnehmer aber auch mit einem Beutel Werbematerial nach Hause.
Update 2
Die Führung war überaus großartig und inhaltlich gut präsentiert. Ich konnte noch was lernen, auch wenn ich die vorgestellten Werke allesamt bereits kannte. Der Fokus lag auf Graffiti, und nicht auf Streetart. Schon weil es in Nürnberg zwar eine Graffitiszene, aber keine sonderliche Streetartszene gibt. Eine Übersicht der Tour gibts bei nordbayern.de, die werte Lisa war ein paar Tage vor mir mit dabei.
Und eine Anmerkung zum ersten Update: die Tour wurde zwar gesponsort, aber es war alles andere als eine Werbeveranstaltung. Es wurde nicht versucht irgendwelche Produkte unterschwellig zu präsentieren. Es ging rein um die Kunst und um die lokale Szene. Konsumkritik, Politik, und was auch immer Streetart für Diskurse mitbringt, wurden thematisiert (z.B. auch die Farbbeutelattacke in der Mittleren Kanalstr.). Das Sponsoring wurde indes angesprochen, weil es erst eine kommerzielle Firma braucht um die Straßenkunst in Nürnberg zu präsentieren. Die Stadt selbst bekommt es ihrer Kulturförderung nicht hin. Es werden nicht mal Flächen für Sprayer freigegeben. Das für Mai geplante Urban Art Festival muss auch mit Budgetkürzungen leben. Aber es ist wohl insgesamt besser geworden in den letzen 10-15 Jahren, attestierte der Tourguide, auch wenn es diese Kunst immer noch sehr schwer hat in unserem Städtchen.
Meanwhile vor meiner Haustür
Nürnberg, Lindengasse, am 19. Februar 2013 um 08:09 Uhr.
Unfassbar großartige Urban Knitting Aktion von der häkelnden Fränkischen Hausfrau direkt vor meiner Haustür. Mit Widmung. Ich bin völlig überrascht und zutiefst gerührt und bedanke mich auch auf diesem Wege ganz herzlich für dieses großartige Geschenk. Ich werde nie mehr behaupten, Nürnberg wäre hässlich. Denn wahre Schönheit kommt von innen und liegt (ganz offenbar) in den Menschen selbst! :)
Update
Jutta gibt dezent Hinweise auf die Hintergründe der Aktion und impliziert noch weitere Fundstücke im Stadtbereich (Hinweis: Fleischbrücke, Terrasse des Cinecitta, Prinzregentenufer).
Und ich vermute sehr stark, dass ich mit diesem Artikel die Aufmerksamkeit seiner Zeit auf mich gezogen habe.
Update 2
Eine weitere Arbeit wurde in meinem Dunstkreis entdeckt. Am Fenster der Weinerei Nürnberg hängt seit neuestem ein gehäkelter Blumenkübel inkl. Blumen und Bewässerungsanweisung. Es wird immer besser :)
Update 3
Die Häkelarbeiten am Cinecitta wurden durch selbiges auf Facebook verbreiet.
Update 4
nordbayern.de wurde auf die häkelnde Fränkische Hausfrau aufmerksam: Fünf Fragen an… Jutta Leykauff, Woll-Künstlerin
Meanwhile in Weimar
Weimar, Bauhausstraße (gleich hinter dem Bauhaus), am 02. Januar 2013 um 14:07 Uhr.
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