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16. Mai 2013

Industrie geremixed: Plotterroboter KEN

Plotterroboter KEN aus Berlin ist einer der Produzenten der Ästhetik, die ich schon mehrfach versucht habe hier im Blog zu dokumentieren (z.B. Urban Art Biennale 2013 oder Nord Ost Art). Er mixt Urban Exploration mit Urban Art bzw. er geht noch einen Schritt weiter: er verschmilzt diese Strömungen indem er seine Werke nicht nur in verlassener Industrie ausstellt, sondern sie dort mit der Industrie zusammen entstehen lässt. Die Arbeiten sind genauso dem Verfall und dem Zahn der Zeit ausgesetzt wie die gewählte Szenerie drumherum und sie bedienen sich virtuos an der Ästhetik der Szenerie. Und sie werden nie in einem Museum oder einem Wohnzimmer zu sehen sein, jedenfalls nicht als Original. Die Originale sind nur dort, wo sie entstanden sind und nur für denjenigen zu erfahren, der sie aktiv aufzusuchen vermag.

Graffitileute bedienen sich oft verlassener Gebäude um zu sprühen, allerdings mehr aus dem Grund um ungestört arbeiten zu können. Sie produzieren damit mehr oder weniger gewollt die Vorstufe der – ich nennen sie mal – Urban Exploration Art (oder kurz UrbExArt ;). Das Schwesternwohnheim in Nürnberg ist so ein Fall einer Vorstufe. Kids verschaffen sich Zugang, halten zum ersten Mal eine Sprühdose in der Hand und fangen dann mal an, mehr oder weniger künstlerisch die Räume umzugestalten. Sie schaffen damit aber die Grundlage, die später dazu führt, das ganze Gebäude oder Teile von Industriearealen verkunstet bzw. geremixt werden. Das Video zeigt, wie solch eine Arbeit entsteht und würde auch ohne den omnipräsenten Dubstep gut funktionieren.

via Freundeskreis Street-Art Berlin

7. April 2013

Urban Art Biennale 2013

Urban Art Biennale 2013 im Weltkulturerbe Völklinger Hütte

Urban Art Biennale 2013 - 01 - SugarRayBanister

Während andere Ostereier suchten, suchte meine Kamera Urban Art Referenzwerke und rostigen Stahl. Eine perfekte Symbiose findet man noch bis November im Saarland, genauer im Weltkulturerbe Völklinger Hütte. Dort hat man nämlich die Urban Art Biennale 2013 geschaffen:

Die Metropolen der Welt sind die Inspirationsquellen der Künstler der Urban Art. New York, Los Angeles, Paris, Berlin, London, und das Weltkulturerbe Völklinger Hütte werden zu Orten der Begegnung mit einer Kunst, die dank Digitalkamera und Internet den Siegeszug auf den Straßen und in die Museen angetreten hat. Der Anfang der Urban Art liegt im Graffiti. Von den Jugendlichen der New Yorker Bronx in den späten 60ern auf U-Bahnwaggons und Häuserfassaden gesprüht, entwickelt sich der Graffiti Style zu einem globalen Ausdruck von Jugendkultur.

Urban Art ist ein weltumspannendes kulturelles Phänomen: Kunstmuseen und Galerien nehmen die Arbeiten der Post-Graffiti-Generation in ihre Sammlungen auf. Leinwandarbeiten der Urban Art-Künstler erzielen auf Auktionen bisweilen Höchstpreise. Die Stadt, die Straße bleiben das Arbeitsfeld der Urban Art-Akteure, die heute auch ohne Sprühdose auskommen und mit Leinwand und Pinsel das Erbe der Graffiti-Generation antreten. Das Weltkulturerbe Völklinger bietet der UrbanArt ein regelmäßiges Forum – die UrbanArt Biennale.

Ostern war auch offenbar genau der richtige Zeitpunkt für die kleine Exkursion. Entweder wussten nicht viele von dieser Kombination von urbaner Kunst und Industrie, oder es waren wirklich alle Ostereier suchen. Jedenfalls waren das Areal und die Ausstellung angenehm unterbesucht.

Urban Art Biennale 2013 - 03 - Arbeit von Augustine Kofie

Angenehm ist dieser Schritt über den Tellerrand. In Nürnberg hat jedes Graffiti, jedes Stück Urban Art um Aufmerksamkeit und um eine Daseinsberechtigung zu kämpfen (ja, ich weiss hin und wieder passiert auch hier großartiges, aber eher im Kleinen). In Völklingen wird das Ganze dem gemacht, was es ist, nämlich die spannendste und vielleicht auch wichtigste Kunstströmung im 21. Jahrhundert. Ein riesiges altes Stahlwerk als Galerie zu verwenden ist wunderschön, richtig und nicht weniger als angemessen.

Urban Art Biennale 2013 - 06 - SugarRayBanister

Urban Art Biennale 2013 - 08 - SugarRayBanisterUrban Art funktioniert nirgends besser als im Rahmen von alter Industrie, umweht vom Geruch des rostigen Stahls. Jedes Werk bekommt in Völklingen richtig viel Raum und viele der Sachen wirken, als wären sie für den Raum, in dem sie dort existieren, extra gemacht. Sie interagieren farblich und ästhetisch mit der Umgebung.

Allerdings nicht alle. Es gibt viel Großartiges zu sehen (ich habe bei weitem nicht alles fotografiert), aber ich muss dann doch mitteilen, dass mich gerade der Invader enttäuscht hat. Er bekommt zwar mit seinem plastischen Space Invader den mit Abstand meisten Raum zugewiesen, aber die Kunststoffpixelfigur funktioniert nicht mal annähernd so gut, wie die betonierten Kacheloriginale aus z. B. Paris. Hier fehlt wieder die „Natürlichkeit“, die diese Arbeiten haben, wenn sie spontan an Fassaden auftauchen. Schade, dass man sich da in Völklingen nicht zu durchringen konnte echte Invaderkacheln auf dem Areal zu verteilen.

Das ist aber nur ein winzig-wenig Kritik an der grundsätzlich großartigen Ausstellung.
Und es gibt ja auch noch mehr zu sehen.

Urban Art Biennale 2013 - 17 - SugarRayBanister

Wir haben es hier mit einem unfassbar komplexen, schön in die Jahre gekommenen, fast komplett (offiziell!) begehbaren und erforschbaren Industriedenkmal zu tun. Die Urban Art Biennale ist zwar umfangreich, belegt aber nur einen relativ kleinen Teil der alten Stahlhütte. Begibt man sich erst mal auf Entdeckungstour, kommt das Auge eines Urban Explorers ja gar nicht mehr aus dem Staunen raus. Ging mir jedenfalls so. Ich staunte die 3-4 Stunden der Tour. Viel weniger Zeit sollte man nicht einplanen, eher mehr. Die folgenden Fotos sollen meine Staunerei und den Forscherdrang ein kleinbisschen dokumentieren.

Die Tagesschau hat Biennale auch angekündigt. Für ihre Verhältnisse erstaunlich fresh sogar.

via Freundeskreis Street-Art Berlin

30. Januar 2013

Komm in die Gänge

Mit der Überschrift sind nicht die Nürnberger Historischen Felsengänge gemeint, diese führen nur den selben Slogan wie das Hamburger Gängeviertel. Auch eint beide Lokationen, dass sie sehr eigen sind und weitgehend unbeeindruckt von äußeren Einflüssen die Zeiten überdauern, was natürlich nie ganz einfach ist.

Eine Fototour.

Gängeviertel Hamburg 01 - SugarRayBanister

Gängeviertel Hamburg 02 - SugarRayBanister

Gängeviertel Hamburg 03 - SugarRayBanister

Gängeviertel Hamburg 05 - SugarRayBanister

Gängeviertel Hamburg 08 - SugarRayBanister

Gängeviertel Hamburg 09 - SugarRayBanister

Fotos von innen habe ich bislang nicht, auch keine fabelhafte Geschichte. Dafür hält das Internet aber ein dezent groovendes, hintergründiges Video bereit:

4. Januar 2013

Dürerstuben

Feine elektronische Musik, irgendwo in Richtung Ambientpostdubstep mit einem Schuss Mount Kimbie.

Nürnberger Traditionalisten würden wohl nie auf eine andere Idee kommen als Dürer als den zu feiern der er war, ein deutscher Maler, Grafiker, Mathematiker und Kunsttheoretiker von europäischem Rang. Alles andere wäre Ketzerei. Dennoch kam mir nach der Entdeckung des Projektes Dürerstuben sofort der Gedanke, es handele sich endlich mal um feine elektronische Musik aus Nürnberg inkl. Bezug auf Heimat und Historie. Leider lag ich falsch. Wie so oft zeigt sich auch hier der Einfluss Berlins auf die Musik, und insbesondere auf elektronische.

Stellen wir uns trotzdem vor, im Hause Dürers hätte es auch elektronische Musik gegeben. Möglicherweise wäre es Ambientpostdubstep gewesen.

[via]

25. Juli 2012

Wissenswertes über Erlangen

Ein kleiner feiner Ohrwurm aus dem Jahre 1982, dem Höhepunkt der Neuen Deutschen Welle, ein verblüffend lustiger dazu und mit dem jungen Max Goldt am Mikrofon. Lehrreiches über dieses Erlangen und seine Bewohner mit dem Charme der frühen 80er.

Etwas weniger lustiger anzusehen, aber dafür länger hörbar:

 

25. April 2012

In Bed With Invader

Ein kleines Update zu der Paris Invasion vom letzten Jahr. Auf der damaligen Ausstellung “Invader 1000″ wurde ein Video gezeigt, und zwar die Doku “In Bed With Invader” über eben jene Space Invaders auf den Straßen von Paris bzw. über den Invader höchstpersönlich bei der Arbeit. Dieses Video ist jetzt im Netz. Sehr schön ist das.

[via urbanshit]

25. April 2012

Ich kauf bei Robert

Als ich damals in Hannover noch Nachmittage und Abende verbracht habe ist mir immer dieser eine Typ aufgefallen. Meist in der Innenstadt um den Kröpke herum, manchmal aber auch in der Bahn nach Hause. Ein kleines drahtiges Männchen, auffällig wegen dem unentwegten, übergroßen starken Grinsen Richtung allem und jedem, dem sportlichen Gang, und den riesigen Kopfhörern und der herausquellenden unüberhörbaren Musik. Ich weiß, heute Läuft jeder zweite mit solchen bunten DJ-Kopfhörern rum, die die Portabilität der Wiedergabegeräte ad absurdem führen, aber damals war das nun mal noch nicht so, bzw. wussten wir Altvorderen noch um die Vorteile von Kompaktkopfhörern. Er war auffällig und irgendwie kannte ihn jeder aber niemand wusste wo er herkam, wo er hin wollte, warum er immer da war und warum er tat was er tat.

Jedenfalls scheint jede Stadt und jedes Kiez so seine Spezialisten zu haben, so auch Nürnberg. Und von einem dieser Zeitgenossen ist mir jetzt ein Video, eine kleine Doku zugeflogen. Wenn man sich öfter im K4 oder ähnlichen Dunstkreisen aufhält, wird man Robert schon kennen, manchmal reicht auch ein Schlenderer durch die Altstadt um ihn zu begegnen. Wo er herkommt, wo er hin will, warum er immer da ist und warum er das alles tut was er tut verrät auch diese Doku nicht. Aber wenn man all die Leute in dem Video etwas genauer betrachtet, dann zeichnet das Filmchen ein recht stimmiges Bild der fränkischen Seele.

Film ab.

26. August 2011

Bambi Davidson im Hemdendienst

Hemdendienst

Gut, das er wieder da ist. Und die neue Location in der Rothenburger tut wirklich gut. Der Hemdendienst ist einer dieser Clubs, wegen denen man normalerweise nach Berlin fährt und die Nächte in Neukölln verbringt und die man in Nürnberg nicht vermuten würde. Unkonventionell, mit Lust, Atmosphäre und Anarcho-Charme, mit verschroben Typen, locker und relaxed, ohne Zeitgefühl. Ideal gelegen in dufter Kulisse in einem Anbau des seit Jahren ungenutzten Volksbades. Alles schön stilecht mit Dellen und Kratzern.
Mittlerweile wurde der Innenhof von einer Tonne Taubenkot und Altmetall befreit und es gibt Platz für eine weitere Bar mit Bühne und die wurde gestern sehr eindrucksvoll eingeweiht. Krachiger alternative progressive Postrock (oder so) durch Bambi Davidson braute sich in dem Innenhof zusammen und obendrauf gab es die ausgereiften und sagenhaft stimmigen Livevisuals von delta400.net. Weitere Worte fehlen, deswegen möchte der Autor die Eindrücke und Stimmung anhand von zwei schrabbeligen Handyvideos vermitteln:

 

Kleine Randnotiz

Pünktlich um halb 11 stand natürlich wieder die Polizei vor der Tür und wollte für Ruhe sorgen. Mittlerweile reagieren die Beamten ja recht entspannt bei so was, aber sie werden offensichtlich sehr unverhältnismäßig aufgeregt alarmiert. Bei der Hemdendiensteröffnungsfeier kamen mehrere Einsatzwagen mit Vollgas aus allen Richtungen, z.B. entgegengesetzt der Einbahnstraße, angedonnert, nur um zum Großteil recht schnell wieder abzutrollen. Man ist wohl mittlerweile umsichtiger mit zu lauter Subkultur geworden. Nur der Nürnberger Pöbel vermutet offenbar bei spätabendlicher Musik und Ausgelassenheit bisher unbekannte Terrorzellen und alarmiert die Polizei entsprechend. Gestern standen die Officers jedenfalls staunend da ob der künstlerischen Darbietung und vermieden es einzugreifen. Das Konzert war trotzdem ohne die geforderte Zugabe planmäßig zu Ende. Leider.

Update
Ein kleiner Mitschnitt des Konzerts ist hier aufgetaucht: BambiDavidsonImHD.ogg (auch hier leider nur Smartphonequalität)

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