Schlagwort: verfall
Im Jahr 2008 schloss “das schönste Kino Nürnbergs“, das Atrium. “Ein Filmpalast aus der guten alten Kinozeit, komplett neu renoviert und mit modernster Licht- und Tontechnik für anspruchsvollen Filmgenuss in unwiderstehlich charmantem Ambiente” so stands geschrieben seinerzeit, aber der Tod des Filmvorführers (so munkelt man) brachte dem Kino ein jähes Ende. Im Jahr 2010 entstand dann das Foto des verfallenen Atriums. Der schön ranzige Charme war noch da, getragen vor allem durch den die ganze Fassade einehmenden Schriftzug. Auch davon ist gerade nicht mehr viel zu sehen. Scheinbar bekommt das Gebäude eine Farbsanierung, vielleicht um es attraktiv für eine weitere Nutzung zu machen? Wer weiss…
3. November 2011
Edition St. Leonhard / Schweinau
Es ist beängstigend, wie leer, bedrückend und lieblos ein Stadtteil sein kann. St. Leonhard ist eine dieser Ecken, in der man an einem Sonntag-Nachmittag durchläuft und nicht Halt macht. Nichts lädt einen ein oder schmeichelt die Sinne. Die Häuser liegen schmuck- und regungslos und verschlossen da. Es wirkt zwar aufgeräumt und auch irgendwie sauber, aber wenn das farbenfrohste eines Viertels der Friedhof ist, dann lässt das auf die Lebendigkeit des Rests schließen.
Dazu gesellen sich verlassene Fensterfronten von Orten, die wohl mal Geschäfte gewesen sind. Verblichene Poster aus den 80ern schmücken mit Mühe die staubigen Fenster. Graffitis finden sich praktisch nicht, von einigen motivationslos hingekritzelten Tags mal abgesehen. Nicht mal für Unfug reicht der Antrieb in dieser Ecke, so scheint es, für Gestaltung der eigenen Umgebung zeigt sich erst recht keine Energie.
An Autos wird jedoch nicht primär gespart. Der Fuhrpark des Viertels kann sich durchaus sehen lassen. Falls es Finanzen, Ideale und Interessen in St. Leonhard gibt, dann sind sie nicht für den eigenen Ort bestimmt, sondern dienen anderen Zwecken.
14. Oktober 2011
Edition Humboldtstraße
„Nürnberg in zwei Stunden? Schlendern Sie durch die Humboldtstraße in der Südstadt!“, steht wohl in noch keinem einzigen Reiseführer. Zu Unrecht, findet der Autor. Die Humboldtstraße flankiert fast das ganze südliche Zentrum der Stadt und schlängelt sich bzw. sticht durch verschiedene Quartiere und Epochen. Von West nach Ost geht’s von schlichter Arbeitersiedlung und Nachkriegsarchitektur, vorbei an Backsteinindustrie bis hin zu Jugendstilensemblen. Vieles hat zwar schon mal bessere Tage gehabt, aber das ist ja in Nürnberg auch allgemein so. Ist dennoch ein guter und facettenreicher Querschnitt durch die Stadt. Etwas verträumt mit vielen verschlossenen Fenstern, schmucklosen Fassaden und insgesamt wenig einladend. Könnte ein quirliges Kiez sein, ist es aber nicht. Da ist noch viel Platz für Cafés, Boutiquen und Straßenleben, gerade im östlichen Teil. Aber für einen Fotowalk ists genau richtig:
Die Fassaden in der ganzen Straße sind übrigens erstaunlich frei von Graffitis, Stenciln, Stickern und ähnlichem. Etwas bedenklich in einem urbanen Quartier wie diesem. Lässt insgesamt auf älteres, regungsloses, wenig studentisches Publikum schließen. Da wird so schnell nix hippes draus. Gostenhof ist dagegen ja das Leben pur.
Technik: Canon EOS 1000D 18-135mm f/3.5-5.6. Die Fotos sind gecropped und meist farblich nachbearbeitet.
20. September 2011
Edition Nordstadt
Ein paar Fotos aus der Nürnberger Nordstadt (Uhlandstraße, Maxfeld). Eine Gegend, die von der Bausubstanz her stellenweise recht vielversprechend aussieht. Es gibt vergleichsweise viel jugendstiligen Altbau, der besser in Schuss ist als z.B. in Gostenhof, gerade im westlichen Teil Richtung Friedrich-Ebert-Platz. Aber dann doch wieder trostlos erscheint, weils eine reine Wohngegend ist, mit einem homöopathischen Anteil an Bars, fancy Läden und anderen Aktivitätsmöglichkeiten (Ausnahmen bestätigen die Regel). Richtig gruselig wirds im östlichen Teil und Richtung Nordring. Dieser Teil hängt offensichtlich durch eine Raumzeitverschiebung in den 50er Jahren fest. Vielleicht ändert da die Revitalisierung vom Tuchergelände was dran, aber nur, wenn man sich nicht wie so oft “architektonisch an der Umgebung orientiert”.
Technik: Panasonic Lumix DMC-FZ28, die Fotos sind gecropped und farblich (leicht) nachbearbeitet.
15. Mai 2011
22. Dezember 2010
Der Natur-Park Südgelände (Webseite, Wikipedia) wurde eigentlich bis vor einigen Jahrzehnten als Rangierbahnhof Tempelhof genutzt. Nach der Stilllegung hat sich später eine Bürgerinitiative erfolgreich dagegen gewehrt, dass das Gelände einer neuen Nutzung zugeführt wurde. Jetzt ist es ein sehr interessantes Areal und Naherholungsgebiet, in dem man zugucken kann, wie ein alter Rangierbahnhof langsam von der Natur zurückerobert wird. Die Gleise versinken im Moos oder wehren sich tapfer gegen die immer kräftiger werdenden Birken. Tafeln informieren über Tiere, die dort gar nicht beheimatet sein dürften, sondern damals von den Güterzügen eingeschleppt wurden. Sprayer freuen sich über alte Tunnelanlagen und werden geduldet. Der Eisenbahnnerd freut sich über eine alte Drehscheibe und der Intellektuelle über ein Künstlerareal mit haufenweise Stahlskulpturen und Plastiken. Ein Restaurant gibts auch. Und nicht zuletzt freut sich der Urbexer, der hier einer posthumanistischen Szenerie beim verrosten und ergrünen zugucken kann. Am Ende bleibt das Gefühl, dass mit dem Südgelände das absolut richtige getan wurde.
26. September 2010