Schlagwort: urban exploration
Edition Humboldtstraße
„Nürnberg in zwei Stunden? Schlendern Sie durch die Humboldtstraße in der Südstadt!“, steht wohl in noch keinem einzigen Reiseführer. Zu Unrecht, findet der Autor. Die Humboldtstraße flankiert fast das ganze südliche Zentrum der Stadt und schlängelt sich bzw. sticht durch verschiedene Quartiere und Epochen. Von West nach Ost geht’s von schlichter Arbeitersiedlung und Nachkriegsarchitektur, vorbei an Backsteinindustrie bis hin zu Jugendstilensemblen. Vieles hat zwar schon mal bessere Tage gehabt, aber das ist ja in Nürnberg auch allgemein so. Ist dennoch ein guter und facettenreicher Querschnitt durch die Stadt. Etwas verträumt mit vielen verschlossenen Fenstern, schmucklosen Fassaden und insgesamt wenig einladend. Könnte ein quirliges Kiez sein, ist es aber nicht. Da ist noch viel Platz für Cafés, Boutiquen und Straßenleben, gerade im östlichen Teil. Aber für einen Fotowalk ists genau richtig:
Die Fassaden in der ganzen Straße sind übrigens erstaunlich frei von Graffitis, Stenciln, Stickern und ähnlichem. Etwas bedenklich in einem urbanen Quartier wie diesem. Lässt insgesamt auf älteres, regungsloses, wenig studentisches Publikum schließen. Da wird so schnell nix hippes draus. Gostenhof ist dagegen ja das Leben pur.
Technik: Canon EOS 1000D 18-135mm f/3.5-5.6. Die Fotos sind gecropped und meist farblich nachbearbeitet.
20. September 2011
Es ist das rohe, ungehobelte, postindustrielle, das sehr einladende und inspirierende Ambiente aus einer Welt der komplett entgegengesetzten Nutzung. Es fasziniert immer wieder aufs Neue, wenn sich auflösende Orte ihren Charme behalten, während sie einer neuen Nutzung zugeführt werden. Insbesondere wenn’s was mit Kreativität, Aus- und Eindrücken zu tun hat. Es reibt sich so schön. Orte, die sich gegen Konzepte wehren, dafür aber mit Ideen und Improvisation punkten. Ein schöner Idealzustand der sich gerade im Nordostpark in Nürnberg beim Happening „NORDOSTART“ wieder bewundern lässt.
Und der Autor bekommt zudem abermals das Gefühl eingepflanzt, dass in Nürnberg „was geht“. Solche Aktionen, vor allem in solchem Ambiente wurden lange schmerzlich vermisst, bzw. dann einfach in Berlin oder anderen Kreativhochburgen gesucht und auch gefunden.
Spannende Kombination aus Kunst- und Fotografie-Ausstellung, Kurzfilmen, Theater, Livemusik und Videoinstallationen.
Infos unter www.frame-artconcept.de, am 22.09. kommt noch eine Finnisage.
19. September 2011
Edition Nordstadt
Ein paar Fotos aus der Nürnberger Nordstadt (Uhlandstraße, Maxfeld). Eine Gegend, die von der Bausubstanz her stellenweise recht vielversprechend aussieht. Es gibt vergleichsweise viel jugendstiligen Altbau, der besser in Schuss ist als z.B. in Gostenhof, gerade im westlichen Teil Richtung Friedrich-Ebert-Platz. Aber dann doch wieder trostlos erscheint, weils eine reine Wohngegend ist, mit einem homöopathischen Anteil an Bars, fancy Läden und anderen Aktivitätsmöglichkeiten (Ausnahmen bestätigen die Regel). Richtig gruselig wirds im östlichen Teil und Richtung Nordring. Dieser Teil hängt offensichtlich durch eine Raumzeitverschiebung in den 50er Jahren fest. Vielleicht ändert da die Revitalisierung vom Tuchergelände was dran, aber nur, wenn man sich nicht wie so oft “architektonisch an der Umgebung orientiert”.
Technik: Panasonic Lumix DMC-FZ28, die Fotos sind gecropped und farblich (leicht) nachbearbeitet.
15. Mai 2011
Der Natur-Park Südgelände (Webseite, Wikipedia) wurde eigentlich bis vor einigen Jahrzehnten als Rangierbahnhof Tempelhof genutzt. Nach der Stilllegung hat sich später eine Bürgerinitiative erfolgreich dagegen gewehrt, dass das Gelände einer neuen Nutzung zugeführt wurde. Jetzt ist es ein sehr interessantes Areal und Naherholungsgebiet, in dem man zugucken kann, wie ein alter Rangierbahnhof langsam von der Natur zurückerobert wird. Die Gleise versinken im Moos oder wehren sich tapfer gegen die immer kräftiger werdenden Birken. Tafeln informieren über Tiere, die dort gar nicht beheimatet sein dürften, sondern damals von den Güterzügen eingeschleppt wurden. Sprayer freuen sich über alte Tunnelanlagen und werden geduldet. Der Eisenbahnnerd freut sich über eine alte Drehscheibe und der Intellektuelle über ein Künstlerareal mit haufenweise Stahlskulpturen und Plastiken. Ein Restaurant gibts auch. Und nicht zuletzt freut sich der Urbexer, der hier einer posthumanistischen Szenerie beim verrosten und ergrünen zugucken kann. Am Ende bleibt das Gefühl, dass mit dem Südgelände das absolut richtige getan wurde.
26. September 2010

Danko schreibt mich an und bittet darum, doch etwas Werbung für seine neue Seite zu machen. Gerne doch. Es sieht so aus als haben wir es hier mit einen vielversprechenden Newcomer in Nürnberg zu tun, der die Stadt und ihre dunklen Ecken genau unter die Lupe nimmt. Bisher befinden sich Fotosets von der alten Tucher Bräu Brauerei, dem Zuckerbär und dem Schwesternwohnheim am Nordklinikum auf der Seite.
Empfehlenswert ist auch sein Flickr Account.
9. September 2010
Das Volksbad in Nürnberg. Toplage, mitten im Zentrum, beste Verkehrsanbindung. Jeder kennt es, fast jeder war schon mal drin ob damals zu Betriebszeiten oder hinterher auf Technoparties, Modenschauen oder als Fetischfotograf, nur so richtig nutzen will es keiner.
Dabei haben wir es mit einem unglaublich weitläufigen und großartigen Gebäude zu tun, dass zwar die eine oder andere Delle hat, aber insgesamt den Umständen entsprechend noch gut in Schuss ist. Unfassbar, dass da keinem eine Nutzung einfällt, aber auf der anderen Seite kann das Gebäude von mir aus auch ruhig noch etwas so stehen bleiben, denn so ein altes verlassenes Jugendstilbad hat etliche Reize fürs Kameraauge. Und der Forscherdrang wird auch voll befriedigt beim stöbern durch die unzähligen Ecken und Winkel, von den Katakomben bis hin zum Wasserturm, den einzelnen schön verranzten Baderäumen, den gut erhaltenen Becken und den Betriebsräumen. Das Bad bietet so wie es ist genug Wellness für Freunde der morbiden Ästhetik.
Also liebe Investoren: Gentrifizierung ist böse und Nürnberg hat genug Bäder. Und außerdem: wo sollen die ganzen Latexmodels denn posen wenn das Bad renoviert ist? Etwa vor den Nachkriegsplattenbauten der Stadt? Das sieht doch nich aus…
Technik: Panasonic Lumix DMC-FZ28, teilweise gecropped und farblich nachbearbeitet.
24. April 2010