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16. November 2012

Gentrifizierung in Istanbul

Istanbul Tarlabasi #01

Bei meinem letzten Istanbulbesuch kam ich nicht umhin, einen mir bis dahin unbekannten Stadtteil zu besuchen. Zwar kenne ich Taksim (bzw. Beyoğlu) ein bisschen, aber auf die Idee den Tarlabasi Boulevard in Richtung Norden zu überqueren, bin ich nie gekommen. Erst ein Bericht in dem Videoblog “Orient Express“ machte mich auf Tarlabaşı aufmerksam. Ein Stadtteil für Arme, Flüchtlinge oder Randständige (insbesondere Kurden) im Zentrum Istanbuls, dem eine komplette Aufwertung und Umgestaltung bevorsteht. Investoren haben offenbar die Lage und den Wert des Viertels erkannt und bereits große Werbetafeln aufgestellt die nicht nur zeigen, wie das Quartier mal aussehen soll, sondern auch den Blick auf die ramponierten Häuser versperren.

Beyoğlu ist quasi das Zentrum des modernen Istanbuls und zeichnet sich durch sehr geschäftige und lebendige Straßen aus. Insbesondere in den Nebenstraßen und Gässchen steppt nachts der Bär. Es gibt unzählige sehr volle (musikalisch allerdings tendenziell einfältige) Bars und Clubs und viele hübsche Menschen der betuchten Mittelschicht. Die İstiklal Caddesi ist eine funkelnde Einkaufsmeile par Excellence, in der man schnell vergisst, bzw. nicht mal ahnt, dass nur wenige hundert Meter weiter, getrennt durch eine große, stark befahrene Straße, sich ein komplett anderes Bild bietet. Keine funkelnden Läden mehr, keine Bars, keine gestylten Menschen. Dafür viele alte Häuser, oftmals ramponiert und eingestürzt. Es müffelt in den Straßen, Müll liegt rum. Als Fremder ist man schnell enttarnt, denn Touristen sichtet man nicht in den Straßen.

Istanbul Tarlabasi #15

Wir trafen uns mit Sila, einer türkischen Freundin aus Istanbul. Sie kannte Tarlabaşı selbst auch nicht und war auch neugierig auf die Erkundung und wir wollten nicht ohne eine Dolmetscherin nach Tarlabaşı. Auf dem Weg zu unserem Treffpunkt am Taksim Sqare wurde sie vom Taxifahrer vor dem Besuch des Viertels gewarnt. Es sei viel zu gefährlich.  Gut, wir schnallten die Rucksäcke nach vorne, kontrollierten die Reisverschlüsse und gingen vorbei an Prostituierten in die ersten nach Urin riechenden Straßen.

Die ersten Fotos entstanden dann auch etwas heimlich und zögerlich, aber nach den ersten Begegnungen mit den Einheimischen legte sich die Mulmigkeit. Eine sehr offenherzige und redegewandte Türkin dabei zu haben erwies sich als Glücksgriff. Wir wurden angesprochen und Sila ging souverän mit den Leuten um. Zwar erinnerte sie uns öfter doch auf unsere Taschen zu achten, aber zugleich wurden wir beim Fotografieren von Kindern umtanzt und auf Gebäude aufmerksam gemacht und manche posierten auch für uns.

Istanbul Tarlabasi #10

Ein spannender Fotowalk und vielleicht Fotos, die es so in Tarlabaşı bald nicht mehr geben wird. Die ersten Häuser sind schon saniert und warten auf neue Bewohner. Die bisherigen werden sich diese Wohnungen in ihrem Viertel bald nicht leisten können. Ob dann noch Mädchen mit Luftballons auf Balkons  für Fotos posieren werden, wage ich zu bezweifeln.

Istanbul Tarlabasi #22

Technik: Canon EOS 550D 18-135mm f/3.5-5.6. Die Fotos sind manchmal ein wenig gecropped und farblich gar nicht bis mittelstark nachbearbeitet um die Kontraste und die noch vorhandenen Farben der Häuser hervorzuheben.

5. Juni 2012

Das Bild von Wien

Wien 01 Prater

Jetzt war ich schon so oft in Wien, Sommers wie Winters, und habe noch nie was drüber geschrieben. Soll jetzt nachgeholt werden. Allerdings fehlt nun ein wenig das belegbare Vorher-/Nachherbild, denn Wien hat sich etwas verändert, oder zumindest hat sich die Wahrnehmung von Wien verändert.

Früher, also vor ein paar Jahren erst, war mein Wienbild relativ stark mediengeprägt. Wenn man sich in Bayern befindet, dann ist man medial eher auf Entzug und muss z.B. bei Interesse an Popkultur, Hintergrundinfos oder Selbstironie auf FM4 ausweichen, also auf den 24h Zündfunk. Obwohl das auch nicht mehr stimmt. Der Zündfunk ist ja arg alt geworden. Bayerisches Radio ist ansonsten praktisch nicht hörbar, Fränkisches noch weniger. Die leider allgegenwärtige heimelige und belanglose Dudelfunkigkeit ist abstoßend. Zum Glück gibt’s Internet und Streams.

So rund um die Mitte der Nullerjahre habe ich dann auch sehnsüchtig auf jede neue Folge der Sendung ohne Namen im ORF gewartet. Mit ihr kam dann auch endgültig der ordentlich mit Randwissen angereicherte, mit Popkulturreferenzen verfeinerte und tendenziell intellektuelle Blick auf Wien. Und das sah gut aus! Wien selbst sah eh gut aus. Viel unzerbombte großbürgerliche Architektur aus der Kaiserzeit gepaart mit neumodischem Hauptstadtwahnsinn und dazwischen tolle entdeckenswerte Orte und Ecken. Und es kam auch einfach viel Spannendes und Interessantes aus dieser Stadt, u.a. so ein unfassbar schlaues und charmantes Fernsehformat wie die Sendung ohne Namen. Wien war das Berlin Bayerns. Und wenn ich da war, dann spürte ich das auch.

An dieser Stelle möchte ich dann auch kurz eine Folge der SoN einspielen, falls sie jemand nicht kennt oder sie in Vergessenheit geraten ist. Es ist natürlich die Folge über Wien.

Weiter mit Teil 2 und Teil 3. Ich erinnere mich an eine weitere Folge über bzw. in Wien. Und zwar eine, die komplett ohne Schnitt (eine SoN-Folge ohne Schnitt!) an einem Stück in den Innenbezirken der Stadt gedreht wurde. Eine Michel Gondry-eske Meisterleistung. Aber ich weiss nicht mehr welche Folge das war.

Aber ich schweife ab. Wo war ich gerade? Na jedenfalls hat sich das Bild von Wien gewandelt. Spätestens seit dem letzten Besuch in Mai. Es liegt vielleicht an der Berlinschablone die ich mittlerweile auf jeden Urbanen Raum lege und schaue, wie sich dieser im Vergleich so macht. Wien fällt da mittlerweile etwas ab, leider. Es wirkt allmählich konservativ, was mir früher nie aufgefallen war. Beispiel Museumsquartier. Das MQ hat sich nicht sonderlich entwickelt oder gewandelt. Was noch vor 5 Jahren sehr hip und weit vorne gewirkt hat, wirkt heuer etwas bemüht (ich mein das Areal an sich, einzelne Ausstellungen mögen immer noch großartig sein). Nicht falsch verstehen, es ist nach wie vor einer der besten Orte um stilecht abzuhängen, nen Gespritzten zu konsumieren und lustigen, interessanten und hübsche Menschen beim existieren zuzusehen. Es ist ein quirliger und wertiger Ort, gerahmt von Architektur, Kunst und Hedonismus. Vielen Städten fehlt so was. Aber nunja, der Retrospielekonsolenladen ist immer noch da und der Lomoshop auch. Alles wie schon seit Jahren. Was vor 10 Jahren vielleicht die Speerspitze von urbaner Kultur war, ist mittlerweile und in Zeiten von Instagram leider wirklich nur noch was fürs Museum. Es ist nicht mehr der Ort der Gegenwartskultur und der Impulse, der er mal war für mich.

Schlendert man etwas durch die Gassen der Bezirke, dann zeigt sich auch ein etwas gewandeltes Bild. Wien wirkt hochverdichtet. Das ist es sicherlich nicht erst seit gestern so aber hochverdichtete Städte nerven. Nürnberg hat dasselbe Problem. Die Straßen sind zu eng. Viel zu eng um mal Stühle rauszustellen oder um wenigstens ein bisschen mehr zu machen als Autos zu parken. Viele Straßen wirken sehr leblos und der Eindruck wird noch durch etliche leblose Fenster unterstrichen. Da sind viele dunkle Fenster mit alten Gardienen, ohne schmückendes Gedöns. Löcher in kahlen Räumen. Oftmals wirken komplette Gebäude einfach unbewohnt, aber man soll sich wohl nicht täuschen lassen: „Die Leute die dort wohnen, sind die ersten, die die Polizei rufen wenn irgendwas zu laut ist.“ Der Satz hämmert seitdem er gesprochen wurde mit aller Gewalt auf mein sorgsam gepflegtes Discowienbild.

Nun kenne ich jedoch nur die Ecken des ersten Bezirks und die der angrenzenden Bezirke. Mag sein, dass der 16. Bezirk jetzt wirklich brummt aber leider war ich da noch nicht. Der zweite brummt westlich vom Prater, anders als es die Gerüchte vermuten lassen, jedenfalls nicht nennenswert. Jedenfalls nicht sehr offensichtlich. Der 7. hat nach wie vor seinen Charme und vermag dieses gewisse laissez-faire zu versprühen. Bemerkenswerterweise wirkt diese Ecke auch seit Jahren unverändert. In Berlin hätte man ein solches Kiez in derselben Zeit dreimal durchgentrifiziert.

Zum Glück gibt’s den Donaukanal und da passiert dann auch das, was in gut sortierten Städten so passiert. Zwar schön ordentlich und aufgeräumt aber immerhin. Die Wände sind voll mit teilweise sehr großartigen Graffitis und dazwischen tummeln sich Bars und Clubs mit (manchmal) dufter Musik und Liegestühlen. Vom Donaukanal zeugen dann auch die meisten der folgenden Fotos. Wie ordentlich und aufgeräumt der Kanal trotz der subkulturigen Atmosphäre dann wiederum ist, zeigt das eine Erlebnis, als wir uns mit mehreren Leuten die Liegestühle etwas zurecht gerückt hatten um uns besser unterhalten zu können. Ein Barmann (mit Rastas, yo!) bat uns dann recht umgehend, die Stühle doch wieder so hinzuräumen, wie sie aufgestellt waren. Was wir dann auch murrend taten. In Wien hat einfach alles seine Ordnung zu haben.

Technik: Canon EOS 550D 18-135mm f/3.5-5.6. Die Fotos sind teilweise gecropped und farblich leicht nachbearbeitet.

20. April 2011

Istanbul Exkursion

Istanbul 01

Istanbul ist die Stadt, die man besuchen sollte um jedes auf welche Weise auch immer entstandenes Bild türkischer Kultur anzupassen, umzudeuten oder zu korrigieren. Eine Reise nach Istanbul lohnt sich. Es gibt Eindrücke en masse, Überraschungen auch und nicht zuletzt hält die Stadt einen nicht unerheblichen Batzen Charme bereit, den man so nicht erwartet hätte. Meine erste Tour nach Istanbul, sicher nicht die Letze. Hier ein paar Handlungshinweise:

Unterkunft

Egal was alle anderen sagen, man besorgt sich ein Hotel oder Hostel in Taksim was praktisch das Zentrum der Stadt ist. Ok, bei so einer großen Stadt ist es schwer ein Zentrum zu definieren, aber nur Touristen glauben, dass sich das Zentrum durch die Altstadt (Sultanahmet oder Eminönü) definiert.

Allgemeines

Alle Taxis haben ein Taxameter und es sollte an sein. Sind sie auch normalerweise aber die Taxifahrer sind auf Touristennapping spezialisiert und man sollte besser prüfen ob es läuft. Wenn nicht, dann steigt man aus und nimmt das nächste Taxi. Es gibt Tages- und Nachtfahrpreise. Die Fahrer sprechen nicht viel mehr als Türkisch und sie fahren gerne die längere Tour zum Ziel um einen höheren Fahrpreis zu bekommen. Ihnen Adressen zu geben hilft nicht viel, man muss ihnen Hotelnamen, Sehenswürdigkeiten oder Landmarken sagen oder was im Reiseführer zeigen oder so. Wenn sie das Ziel nicht kennen, fahren sie trotzdem irgendwo hin. Am Ende kommt man aber an. Beim Wechselgeld wird dann auch noch mal gerne geschummelt.

Es gibt auch eine U-Bahn und in Taksim eine tief unter der Erde steckende Station aber man wundert sich, was man von Taksim aus alles locker zu Fuß erreichen kann. Die Altstadt mit all ihren Sehenswürdigkeiten auf jeden Fall, endlos viele Shops und Clubs und Bars sowieso.

Wenn man im Restaurant etwas bestellt sollte man drauf achten, dass man vorher den Preis kennt. Wenn z.B. der Preis fürs Essen ok aussieht und man sich einfach einen Drink dazu bestellt (in der Annahme, der Preis sei dann wohl auch ok) kann man möglicherweise sein kleines Wunder erleben. Nachverhandlungen sind aussichtslos. Wenn man etwas zum Drink dazu bekommt (z.B. Nüsse in einer Bar) sollte man auch besser mal nach dem Preis fragen. Die sind meist nicht kostenlos.

Wenn man wie ein Tourist aussieht bzw. nicht türkisch, wird man gerade an den Läden, Bars und Restaurants an den touristischen Orten von auf Touristen spezialisieren und sehr aufmerksamen Mitarbeitern sehr offensiv umworben doch bitte in genau ihr Geschäft zu kommen. Man wird teilweise sehr gekonnt und manchmal nicht mal auffällig in ein Gespräch verwickelt (gerne auch auf fließend Deutsch) und man landet dann wenn man nicht aufpasst in eben jener Lokalität. Diese Läden sind nicht per se schlecht, aber teilweise halt doch. Die wirklich guten Läden haben solch Offensivmarketing nicht nötig. Protipp (macht man nach dem 35sten Touristenfänger eh automatisch): diese Leute einfach eiskalt ignorieren.

Sultanahmet

Das ist der historische Teil der Stadt und hat viele große und kleine Sehenswürdigkeiten. Wenn man sich die Führungen spart und sich einfach nur treiben lässt, schafft man die Altstadt zu Fuße leicht an einem Tag mit Sachen wie:

  • Die Sultan-Ahmed-Moschee mit ihren sechs Minaretten (weswegen die Moschee in Mekka ein zusätzliches Minarett bauen musste)
  • Hagia Sophia, eigentlich eine Orthodoxe Kirche aus den Zeiten Konstantinopels, dann zur Moschee umgebaut und heute ein Musem
  • Topkapı-Palast, der alte Palast des Sultans
  • Die Cisterna Basilica, oft auch Versunkener Palast genannt, ist eine spätantike Zisterne westlich der Hagia Sophia. Szenen aus dem Bondstreifen „Liebesgrüße aus Moskau“ wurden hier gedreht.
  • Der große Basar. Ok, sollte man mal gesehen haben wie unglaublich groß, bunt und wuselig ein Basar sein kann. Allerdings verderben einem die oben genannten Touristenfänger die Laune und es ist zu voll und zu wuselig. Kaufen will man eh nichts. Man findet all das Zeug anderswo auch und vermutlich sogar billiger.

Istanbul 09

Taksim

İstiklal Caddesi ist die Hauptstraße mit hunderten von Geschäften, Restaurants, Cafes und all das. In den Seitengassen verstecken sich dann auch zu allem Überfluss noch viel mehr davon. Es ist sicher nicht die beste Einkaufmeile, die ganzen globalisierten Standartmarken finden sich zuhauf hier. Individuelles findet man wenn, dann in den Seitengassen der Seitengassen aber man findet hier lecker Essen. Viele Clubs findet man hier auch, die mainstreamingen direkt an der Straße, die besseren etwas versteckter in den Seitengassen (eh klar).
Wenn man was essen geht entweder Efes (Bier) trinken oder lecker Türkischen Wein (trocken). Dazu als Starter oder vollwertige Mahlzeit „Meze“, die türkischen Tapas.
Läuft man die Straße bis zum Ende kommt man an den „Taksim square“. Ein riesiger, aber nicht sonderlich schöner Platz und Verkehrsknotenpunkt. Hier wedelt man entweder eine türkische Fahne auf irgendeiner Kundgebung oder taucht in die angrenzenden Stadtteile ab.

Beşiktaş

Schonwieder ein Zentrum der Stadt. Barbaros Bulvari ist die Hauptstraße inkl. Den tausenden von Restaurants. In der Nähe ist der Dolmabahçe-Palast, der neue Palast des Sultans direkt am Bosporus, der sehr europäisch aussieht und vor Superlativen fast platzt. Von Beşiktaş kommt man mit der Fähre auch rüber nach Asien (von woanders auch). Vom Palast mal abgesehen ist diese Ecke schon nicht mehr so touristisch. Man wird nicht mehr in alle möglichen Läden gezerrt sondern höflich bedient, auch die Bars sind angenehm.

Das Museum für Moderne Kunst, Istanbul Modern, ist glaub ich auch gerade noch in Beşiktaş gelegen. Kann man sich angucken, sind schöne Sachen drin, die man allerdings auch schon kennt, wenn man sich minimal für zeitgenössische Kunst interessiert. Falls man sich auf heißen Scheiß aus der Istanbuler Kunstszene freut, ist man hier falsch. Überhaupt wird wohl dem Vernehmen nach eine blubbernde Kunstszene in der Stadt ziemlich unterdrückt bzw. existiert diese nicht sonderlich, auch wenn man Spuren von ordentlicher Streetart findet, ist diese zwar da, aber wenig originell im Sinne von bekannt aus anderen Städten.

Istanbul 14

Nişantaşı

Der Shoppingstadtteil, falls man eine gut gefüllte Portokasse übrig hat. Auch mit zehntausenden von Bars und Restaurants. Außergewöhnlich ist, dass hier die Einkaufsläden sonntags geschlossen haben, wohingegen man in Taksim sonntags um 23:00 Uhr noch seine Turnschuhe kaufen kann, die sich übrigens auch preislich von hiesigen Einkaufsstraßen nicht unterscheiden. Überhaupt sollte man nicht glauben, dass Istanbul besonders billig ist.

Hat man diese Teile der Stadt abgelaufen, hat man sicher schon einen guten Einblick bekommen bzw. den Charme gerochen. Ist man erst mal von den Touristenfängern weg fallen tolle Kleinigkeiten auf, wie z.B. wunderhübsche Frauen/Menschen auf den Straßen, viele freundliche Gesichter, häufiger Körperkontakt untereinander bzw. auch gerne mal ein tapfere Klopfer auf die Schulter als Entschuldigung wenn man mal angerempelt wurde. Natürlich auch die komplett bis auf das Gesicht verhangenen Frauen, die aber manchmal auch nicht ohne Desingerbrille auskommen. Und auf einmal entdeckt man dann, was für eine wohlklingende und schöne Sprache Türkisch doch ist. Kein Vergleich mit dem bekannten Unterschicktendialekt aus den U-Bahnen der Republik. Auch wenn man nix versteht, ist die Sprache phonisch sehr interessant und es macht Spaß Leuten beim Meze bestellen zuzuhören (oder was auch immer da geredet wurde).

Achja, unbedingt testen sollte man auch ein Hamam für ein zwei Stunden und sich auch ein Extra gönnen wie eine Schrubbung. Ein kräftiger und haariger Mann kommt dann an und seift, rubbelt und schrubbt einen so richtig blitzeblank (bei den Frauen ists ähnlich. Nur hat der Schrubbmeister weniger Haare und noch mehr Brustumfang). Die Geschlechter sind strikt getrennt und zumindest bei den Männern wird zu dem peinlich drauf geachtet, dass einem das kleine Handtuch nicht verrutscht, was einer gewissen Putzigkeit nicht entbehrt.

Die Stadt lädt also zum Eintauchen ein und überrascht mit einer besonderen Szenerie wenn zu bestimmten Zeiten die Geräusche der Stadt durch den Muezzin übertönt werden. Hat schon was Unverwechselbares wenn man sonst nur Kirchengebimmel gewohnt ist.

Technik: Panasonic Lumix DMC-FZ28 und HTC Desire HD mit Vignette

25. Juli 2010

Krakau Exkursion

Krakau Altstadt

Nürnbergs Partnerstadt Krakau gehört nicht unbedingt zu den Alphazielen wenn es um Städtereisen geht. Aber genau das hat es so interessant gemacht. So mancher schwärmte schon von der Stadt und ihrer Lebendigkeit und dem Flair. Geheimtipp. Es brauchte also nicht viel Überredungskunst und die Reise, die vom Cafe/Bar Wanderer/Bieramt zusammen mit Polenreisen organisiert wurde war gebucht, galt es doch den eher enttäuschenden Aufenthalt in Prag wieder gut zu machen und ums kurz zu machen: Mission accomplished! Krakau fesselt, insbesondere das schön ranzig und leicht skurrile jüdische Viertel Kazimierz saugt einen direkt an. Idealparkett für die Bohème. Dicke Auswahl an Cafés, haufenweise kleine Läden und Boutiquen, viel Antiquitäten, Restaurants, Kneipen, Bars, Clubs und wer weiß was alles. Haufenweise tolle und inspirierende Orte. Viele Leute, insbesondere junge und sehr schöne Menschen auf den Straßen und das alles äußerlich in einem recht runtergekommenen aber insgesamt in einem kultivierten Stil. Die Fassaden zu renovieren würde den Charme vernichten. Man guckt einfach viel zu verträumt auf die herrlichen alten Häuser mit den verblichenen Beschriftungen und dem bröckelnden Putz. Was anderswo direkt renoviert wird gehört hier scheinbar zum guten Ton, denn die Bars und Läden selber sind mit viel Liebe zum Detail und sehr individuell eingerichtet. Was gerade an den Ostkneipen so herrlich stimmig ist (und bei Ostkneipen beginnt der Osten in den neuen Bundesländern), sind die oftmals sehr künstlerisch, aufwändig und gerne auch mit einem guten Schuss Humor und Ironie gestalteten Räume. Sterile und funktionale Bars gibt es auch in Krakau aber sie kuscheln sich gemütlich an die Künstlerkneipen und haben sich gern. Man staunt also beim Kaffee und beim Bier, dass man je nach Ort mit Händen und Füssen oder mit gebrochenem Englisch bestellt bekommt. Die Zlotys rinnen einem aus der Hand, manchmal auch etwas unfreiwillig, aber egal. Es hat Charme!

Krakau Singer

Manchmal wird man auch eingeladen, von einer hyperaktiven Kunsthistorikerin z.B. die der Reisegruppe eine fulminante Tour durch die Stadt und ihre Geschichte spendierte (bzw. hat wohl die Städtepartnerschaft eine Rolle gespielt. Danke an dieser Stelle!), vorbei an viel Jüdischer Historie, Originalschauplätzen aus Hollywood Filmen (Schindlers Liste), der prächtig und touristisch renovierten Altstadt, vorbei an ruhmreichen Königen und atemberaubenden weil unglaublich aufwändig und präzise gearbeiteten Kunstschätzen bis hin zu umstrittenen Gegebenheiten der Neuzeit, wie dem Grab des jüngst verstorbenen Polnischen Präsidenten Kaczinski. Eher wenig prächtig und wenig ruhmreich aber nun liegt er halt da und Menschen stehen Schlange um sein Grab anzufassen.

Prag gab seine Authenzität nicht gerne preis. Viel zu überladen war die gewollte touristische Attraktivität die es am Ende halt versaut hat. Da ist Krakau anders. Kazimierz wirkt zum einen noch recht unverfälscht und mit der Bimmelbahn gelangt man auch schnell nach Nova Huta und ist direkt in einer Satellitenstadt, einem künstlichen Arbeiterviertel, eine korrekte kommunistische Planstadt aus dem Bilderbuch, rund um ein Eisenhüttenkombinat vom Fließband gebaut und nach wie vor bewohnt und gut in Schuss. Keine schönen Menschen mehr auf den Straßen und keine Bohème. Dafür das echte Leben (vermutlich) und die Arbeit oder halt auch keine Arbeit. Man munkelt, dass Nova Huta der Gegenpol zu Kazimierz ist. Es stößt sich ab. Man mischt sich nicht. Obwohl Nova Huta nicht unfreundlich oder unangenehm ist, nur hat das eine mit dem anderen nichts zu tun. Krakau, eine Stadt mit zwei Welten und zwei Herzen. Nicht uninteressant.

Cracovia Nova Huta

Eine Auffälligkeit hat Krakau zusätzlich zu bieten: es besitzt eine fast schon unangenehme Anzahl an Überwachungskameras. Es ist auffällig, dass viele Plätze und Ecken, insbesondere Eingänge von Gebäuden von Kameras überwacht werden. So richtig unbeobachtet fühlt man sich in der Stadt nicht. Etwas Sicherheit gibt da die Tatsache, dass einige der Kameras Placebos sind, ohne Innenleben oder nicht verkabelt. Interessanterweise war sich selbst eine Reiseführerin, die sich ja mit der Stadt auskennen sollte, der Kameras nicht bewusst. Krakau hat eine stark jüdisch geprägte Geschichte und da in Deutschland jüdische Friedhöfe stark überwacht werden, kam die Vermutung hoch, dass Krakau aus Vorsicht vor Antisemitismusattacken die Stadt überwacht. Das wurde jedoch dementiert. Die Kameras sind wohl eher ein Wahn der Einwohner.

Das Jüdische Kulturfestival war eher klein bzw. wirkte unterbesucht, jedenfalls wenn man den Ankündigungen geglaubt hat. Es gab auch Stimmen, die in den Vorjahren mehr Aktivität festgestellt hatten. Egal, es ist ein lebendiges Straßenfest mit viel Flair, ohne Sperrzeiten und mit tanzenden Rabbinern. Sehr angenehm, aber ich will noch etwas über Auschwitz schreiben, einen Ort den man von Krakau aus mit dem Bus leicht erreicht. Die Frage, wie es denn war, lässt sich nur schwer beantworten da Wörter wie “toll” einfach nicht greifen. Es führt einem die Grausamkeit des Holocaust sehr plastisch vor Augen und zwar spätestens in den Räumen in denen die originalen Schuhe, Brillen und Koffer der Opfer bergeweise gestapelt sind. Wenn man die Namen auf den Koffern liest die von Leuten angebracht wurden, die ihre Koffer später wieder haben wollten, dann kommt die Geschichte ganz nah in die Gegenwart zurück und zwar in Farbe, denn es sind die verdammten Originalkoffer die da liegen und nicht die ewig wiederholten verwackelten und surreal wirkenden Schwarzweis-Filmdokumente. Ein Ort der wirkt, auch wenn die Besuchermassen etwas zu routiniert und fliessbandartig geführt werden. Ausschwitz ist eine Gradwanderung aus touristischem Ausverkauf und historischem Erbe.

Touristenmassen in Auschwitz

Ok, viel zu kurzer aber umso intensiverer Trip nach Krakau. Lohnt sich. Die Partnerkneipe heißt übrigens Prowincja unweit vom großen Hauptmarkt in der Altstadt.

17. Januar 2010

Shanghai Exkursion

Vordergrund: Yuyuan-Garten, Hintergrund die bekannte Skyline von Pudong

Es ist eigentlich eine Schnapsidee im Winter nach Shanghai zu reisen. Die Stadt erwartet einen zwar nicht mit Schnee und Glatteis, dennoch sind Mantel und Mütze ständige Begleiter bei den Touren durch die Stadt. Es gibt mildere Tage mit dezenter bzw. gedimmter Sonne, aber auch Tage mit einem unbarmherzigen eisigen Wind. Unterm Strich herrscht ein Grau in Grau, außer wenn abends und nachts die Lichter der Stadt funkeln und wie wild zucken.

Es dauert auch etwas bis sich ein verklärter Blick auf die Großstadt einstellt, denn die Stadt bietet nicht unbedingt das, was man von einer Millionenstadt erwartet. Eigentlich bietet sie sogar verdammt wenig wenn man bedenkt, dass die 20 Millionen Menschen doch irgendwas tun müssen um nicht zu versauern. Das offensichtliche ist das Verdienen von Geld und das unverzügliche Ausgeben des selbigen. Keinen Anderen Sinn scheint Shanghai zu haben, doch das Gefühl bleibt, dass da doch mehr sein muss.

Shanghai ist die Stadt gewordene Shoppingmeile eines X-beliebigen Flughafens. So schick, teuer, gestyled und ästhetisch wie auswechselbar, oberflächlich und künstlich. Bei dem schnellen Wachstum blieb wohl die Substanz auf der Strecke. Die Stadt ist westlich orientiert und als Westler mit etwas Taschengeld hat man auch alle Privilegien. Tolle Bars und Restaurants mit viel Service und gutem Essen, manchmal auch mit gutem Wein. Touristische Sehenswürdigkeiten gibt es, aber man hat sie in zwei, drei Tagen alle abgeklappert. Man steht staunend vor Chinesischer Landschaftsarchitektur, Tempeln, Museen und einladenden europäisch anmutenden Stadtviertel, voll mit den buntesten Bars, Restaurants und Shops. Alles toll und super und sehr einfach, jedoch besser nicht groß nachdenken oder hinterfragen, denn Inspiration gibt die Stadt nur in homöopathischen Dosen her. Es gibt sie, diese kleinen und kreativen Künstlerareale aber sie gehen unter zwischen Massen an Gesichtslosen Hochhäusern die nur zum Schlafen und Arbeiten gebaut sind. Die Stadt ist eine Arbeiter- und Businessstadt, jeder kommt und versucht sein Glück aber die Kulturrevolution hat offensichtlich zu einer Gleichschaltung geführt die sich in Großstädten wie Shanghai, die in der ersten Liga der Weltstädte spielen wollen, negativ bemerkbar macht. Reife Städte erneuern sich ständig von innen heraus und tragen diese Kraft auch nach außen. In Shanghai fehlt das. Mag daran liegen, dass Individualismus nicht unbedingt fest zur Chinesischen Kultur gehört. Kann aber auch sein, dass die Jahre der staatlichen medialen Kontrolle ihre Spuren hinterlassen haben. Die Leute kommen einfach nicht auf die Idee bestehendes zu hinterfragen oder in einem anderen Licht erscheinen zu lassen. Aber das sind nur Mutmaßungen, denn Areale wie das M50 zeigen ja, dass es eine Szene gibt, wenn auch nur eine kleine. Auch gab es eine Ausstellung mit bekannten Graffiti-Künstlern, allerdings in einem 5-Sternekomplex in Bestlage am Bund und nicht standesgemäß in einem abgefuckten Industrieareal. Folglich wird die Kreativität und der Rock&Roll nach Shanghai eingekauft und nicht von innen heraus selbst produziert.

Shanghai 04

Aber wie fühlt sich Shanghai nun an? Ein erster und bleibender Eindruck hämmert sich direkt beim Anflug ins Hirn. Da wo eigentlich die Stadt liegen sollte, liegt ein Meer aus Dunst und Wolken aus dem vereinzelt Hochhäuser raus stechen. Was man eingangs dann noch als romantische Nebeldecke abtut entpuppt sich als ständige Dunstglocke um die Stadt. Je nach Wetterlage lässt diese Dunstglocke blaugrauen Himmel zu oder trübt die Sicht nach wenigen hundert Metern schon deutlich. Was man da alles einatmet will man gar nicht so genau wissen. Da im Zentrum rund um die Uhr gebaut wird ist auch eine Menge Baustaub mit dabei der sich spür- und sichtbar auf die Kleidung, Autos und Fassaden legt. Leute laufen mit Atemschutzmasken rum, aber nicht übermäßig viele. Raucher haben es in Shanghai durch ihr Training sicherlich einfacher, alle anderen müssen halt die Ablagerungen im Hals öfter mal abhusten. Ein Ritual was schamlos und unentwegt auf den Strassen zelebriert wird. Es fegen und putzen pausenlos Leute und überhaupt durchzieht eine beeindruckende Geschäftigkeit die Strassen. Jeder scheint was zu tun zu haben oder was erledigen zu müssen. In jeder Ecke wuselt irgendwer oder man will irgendwo hin. Erst später fallen einem die Leute auf, die zwar offensichtlich einem Beruf nachgehen, aber effizient nur darauf warten, dass der Tag rum ist. Wie die unzähligen Bewacher von Eingangstüren z.B. oder die Leute die einem in riesigen Gebäuden einfach nur den Weg weisen oder auf der Toilette das Handtuch reichen.

Und riesige Gebäude gibt es in Shanghai wahrlich genug. Auf den ersten Blick merkt man das kaum, erst wenn man die ersten dieser Monster besteigt bekommt man eine Ahnung der Masse und des Umfangs der Bebauung. Egal in welche Richtung man schaut, bis zum Horizont (bzw. Dunstsichtgrenze) Betonburgen. 30, 40 oder 50 Stockwerke, manchmal mehr. Gerne in Gruppen von etlichen identischen Wohnklötzen, schnell und effizient hingezimmert und dazwischen immer noch Platz für die nächsten Hochhäuser die natürlich auch schon wieder im Bau sind. Aber so richtig unbegreiflich wird die Bebauung erst, wenn man im Stadtplanungsmuseum ein Tennisplatzgrosses und detailverliebtes Modell der Innenstadt (innerer der drei Autobahnringe) sieht, und man genau die Lage und Gestaltung der Hauser und Strassen begutachten kann. Ganze Stadtteile mit hunderten von Wolkenkratzern (wie z.B. die berühmte Skyline in Pudong) waren vor 20 Jahren noch Sumpfland. Es wird wie wild gebaut. Geld spielt keine Rolle. Shanghai soll das nächste Hongkong werden. Das ist beschlossene Sache und es gilt keine Zeit zu verlieren.
Dazu kommt der Verkehr. Normal kann man sich in der Innenstadt relativ luftig bewegen. Zu den Rushhours spürt man dann, dass man in einer Millionenstadt ist. In der riesigen U-Bahnstation am Peoples Square quetschen sich die Menschen und werden von hunderte Meter langen U-Bahnen im Takt von wenigen Minuten braunkohleartig weggebaggert. Das passiert für die Beteiligten sehr konzentriert und routiniert. Drängeln wird erwartet.

Shanghai 09

Auf der Strasse sieht es nicht anders aus. Verkehrsregeln gibt es möglicherweise, es gibt ja auch Ampeln und Verkehrspolizisten, nur es hält sich keiner dran. Ampeln gelten nur an den richtig großen Strassen, ansonsten wuselt sich jeder, ob Fußgänger, Elektromofas (es gibt praktisch keine Mofas mit Verbrennungsmotor) oder Auto, gleichzeitig über eine Kreuzung. Und das klappt berührungslos und effizienter als wenn die eine Hälfte auf ein ominöses grünes Licht warten müsste. Die flinken E-Mofas schlängeln sich um die Passanten, welche ihrerseits etwas die Taxis in Schach halten die gerne mal etwas zu nahe kommen, aber eigentlich auch nur spielen wollen. Macht man als Fußgängergruppe beim überqueren der Strasse aber den Fehler und lässt eine Lücke, dann schafft es manch ein Auto und schlüpft durch. Aber halb so wild, so lange sie einen nicht beim gehen behindern. Nur eine Rasse hat auf der Strasse keine natürlichen Feinde: der Linienbus. Größe schafft Respekt. Vor ihm haben und sollten alle anderen kuschen wenn sie leben wollen.

China ist Entwicklungsland. Shanghai versucht das zwar zu überspielen mit den vielen Shoppingcentern und Boutiquen, mit den Luxusmarken und teuren Autos auf den Strassen, die selbst in den Vororten noch das Straßenbild prägen. Und mit den Hinweistafeln in den citynahen Vierteln, dass die Leute doch bitte aufhören ihre Wäsche draußen zu trocknen. Doch das dürfte ähnlich wirkungsvoll sein wie das Hupverbot, an dass sich auch niemand zu halten scheint. Wenn die Expo kommt, wird sich die Stadt nicht in einen Tempel verwandeln. Vielleicht wird sich der Dunst etwas verziehen wenn zur Expo der Verkehr eingeschränkt wird wie in Beijing in der Zeit der Olympischen Spiele. An Beijing wird man auch verwiesen, wenn man nach Kunst, Kultur und dem echten China fragt. Man macht sich gar nicht erst die Mühe Shanghai zu glorifizieren, sondern verweist auf die Stadt die wirklich Substanz zu haben scheint.
Unterm Strich kann man die Zeit in Shanghai angenehm verbringen, wenn man hedonistische Genüsse zu schätzen weiß und nicht groß nachdenken mag.

Shanghai 24

Zensur
Natürlich ist das Internet zensiert, daran wird auch Google nichts ändern. Twitter, Facebook und Youtube funktionieren nicht. Man bekommt aber kein Stoppschild, sondern einen DNS-Error (die Seite kann einfach nicht aufgerufen werden). Wikipedia funktioniert zwar, auch kann man Artikel über Chinesische Zensur aufrufen, aber nur einmal. Beim wiederholten klick auf einen entsprechenden Link existiert die Seite nicht mehr. Sie wurde aktiv weggefiltert. Auf einmal spürt man den Atem des Großen Bruders im Nacken und man fragt sich, ob nun schon die Staatspolizei unten vorm Hotel auf einen wartet. Als kleine Entschädigung kann man sich dafür offiziell unter www.google.cn/music praktisch alles an Musik kostenlos runterladen ohne an Urheberrechte denken zu müssen. Ein Service der überrascht, weil Google hierzulande mit dem Verweis auf Urheberrechtsverletzungen nicht mal eine spezielle Musiksuche anbietet, geschweige denn einen Downloadservice.
Paradoxerweise kann man sich die Freiheit kaufen. VPN-Dienste bieten für wenige Dollar im Monat Zugang zu westlichen Proxys und damit die Umgehung der Chinesischen Kontrollen. Das wird offensichtlich geduldet, vermutlich weil es einfach Devisen ins Land spült und solch ein Service vornehmlich von Expats in Anspruch genommen wird.

Links
http://www.smartshanghai.com (Webzine)
http://www.lonelyplanet.com/china/shanghai (Shanghai Travelguide)
http://travel.ninemsn.com.au/shanghai/ (“Shanghai: Boring but important”)

15. August 2009

Authentizität in Prag

Prag von hinten

Man wird das Gefühl nicht los, dass sich Prag komplett dem Tourismus hingegeben und unterworfen hat und das stößt etwas unangenehm auf. Man ist ja in eine Hauptstadt eines fremden Landes, einer fremden Nation und somit in eine fremde Kultur gefahren, von der man was erfahren oder zumindest mal gesehen haben möchte und zwar unverfälscht. Aber in Prag kann man die Altstadt und alles in näherer Umgebung nur als „Disneyland“ bezeichnen. Es schieben sich Massen an Touristen im Schneckentempo über die Karlsbrücke. Davor und dahinter säumen Unmengen der immer gleichen Andenkenshops die Strassen und man glaubt gar nicht wie viele Überwachungskameras nötig sind, um selbst kleine Nebengassen im Blick zu behalten. Nix mit Authentizität, so gar nicht. Es haben nur noch Schiessbuden und Zuckerwattestände zum perfekten Rummel gefehlt.

Auch ein anderes Thema kam direkt am zweiten Tag auf die Agenda: Korruption! Tschechien ist laut Transparency International gerade mal Mittelklasse was dieses heikle Thema angeht. Als Tourist bekommt man davon sicherlich nicht viel mit, wenn man nicht grade aufgefordert wird das Hotelzimmer zu wechseln weil jemand anders rein will oder wenn einem beim Mittagessen von Fremden am Tisch erzählt bekommt mit was für Hürden man als Ausländer zu kämpfen hat wenn man ein Gründstück verwalten möchte. Ok, es ist nichts bewiesen aber man geht auf einmal mit einem ganz anderen Blick durch die Strassen. Korruption ist unfair und schwer zu greifen aber auf einmal war sie auf eine unheimliche Art gegenwärtig.

Was kann man in Prag nun sehen? Vorzeige-Enfant terrible David Cerný hat Spuren in der Stadt hinterlassen die es zu entdecken gilt. Am auffälligsten sind seine krabbelnden Babies am hübsch spacigen Fernsehturm und auch seine „Pissing Men“, die gemütlich SMS-Textnachrichten auf eine Karte von Tschechien pinkeln sind einen Blick wert. Und nicht zuletzt hängt das EU-Aufrege-Kunstwerk Entropa zurzeit im DOX Zentrum für Gegenwartskunst, ein Ort der im Vergleich zur Karlsbrücke angenehm unterbesucht ist.

Die Straßenbahnlinie 22 verrät etwas mehr von der Stadt als das touristische Zentrum. Zwar auch nix um in Poesie zu schwelgen, aber auf der Suche nach der sozialistischen Vergangenheit und den in die Jahre gekommenen Vorortdatschas mit dem Lada im Hof wird man so am ehesten fündig. Auch sieht man so die Millionen von kleinen Geschäften die jede Strasse säumen und die was Asiatisches haben und die Leute selbst die mit Kleidung und Ausdruck den Westen verinnerlicht haben. Mit ihren Autos sowieso. Wenn jemand osteuropäisch aussieht, dann sind’s russische Touristen.

Eine Offenbarung war der Cross Club unweit des DOX, ein mit viel Liebe, noch mehr Zeit und Hingabe gestalteter industrieller Cyberpunktempel. Von alten Bohrköpfen über metallene Nähmaschinen bis hin zu Motorblöcken wurde hier alles zu Licht-, Sitz- und Raumelementen verbaut was man auf einem gut sortierten Schrottplatz finden kann. Dazu glasklarer Sound, ein Kino, viele Bars und noch mehr Areas mit Garten auf mehreren Etagen und entspanntem Publikum. Ein Club wie aus dem Bilderbuch.
Wohingegen sich der Parukarka Bunker Club als Flop herausgestellt hat. Nicht alles was hinter einer dicken Stahltür und mehrere Stockwerke tief in der Erde steckt hat auch direkt Flair. Aber wer ein bunt gepinseltes Jugendzentrum mit billigem Bier mag ist hier sicher richtig. Aber billiges Bier kann man auch in einer der vielen Prekariatskneipen haben. Das bringt zudem die lang vermisste Authentizität mit und gerne auch einen Altherrenmonolog unter starkem Alkoholeinfluss während der Typ hinter einem es sich schon auf der Eckbank für die Nacht gemütlich macht.

Prag hinterlässt einen gemischten Geschmack. Sicherlich sind zweieinhalb Tage zu wenig um in eine Kultur einzutauchen. Auf der anderen Seite gibt es Orte die weniger Zeit brauchen um zu begeistern. Im Zweifelsfall noch mal besuchen.

25. Juni 2009

Finnland Exkursion

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Es sah so aus, als wäre ich nicht fünf Wochen in Urlaub gefahren, sondern in ein Trainingscamp. Ich hatte mich eigentlich seelisch auf etwas freie Zeit mit und in Finnland vorbereitet aber dann stand die Arbeit doch im Vordergrund. Und zwar mehr als sonst, hatte auch mehr Zeit für die Arbeit als sonst und lustigerweise war es auch interessanter als sonst. Die ganzen finnischen Kollegen (von denen etliche chinesisch, indisch, deutsch oder wer weiß was gewesen sind) machten den Job um einiges interessanter als wenn man normal zu Hause hocken würde. War Klimawechsel, war schon ne andere Welt und ein paar Erfahrungen durfte ich dann trotzdem noch machen, oben bei den kleinen Finnen, man hat ja nicht den ganzen Tag nur gearbeitet:

  • ja, es ist in Finnland kälter als in Deutschland.
  • Busse muss man selbst anhalten, und zwar per Handzeichen. Die halten nicht von selber. Man guckt doof hinterher wenn man das nicht weiß.
  • Die Finnische Sprache ist die Hölle und praktisch nicht erlernbar. Wenn man versucht ein finnisches Wort auszusprechen, z.B. einen Straßennamen, dann hat man spätestens ab der Mitte vergessen wie das Wort angefangen hat. Es ist wirklich sehr schwer. Ausländer, die seit vier Jahren in Finnland leben können sich so einigermaßen auf Finnisch unterhalten (nach eigenen Angaben). Dürfte so ungefähr der Level wie nach einem halben Jahr Englisch sein. Gibt aber auch Genies die Finnisch nach einem halben Jahr gut können. Man unterhält sich aus Ausländer mit den Finnen auch eher auf Englisch als auf Finnisch, selbst im Freundeskreis. Im Büro wird meist eh Englisch gesprochen.
    Wenn du dich nun immer noch etwas für Finnisch interessierst, dann seit dir mal der folgende schön ironische Text ans Herz gelegt: Finnisch, die Weltsprache, oder einfach mal schönes finnisches Radio hören.
  • Finnen haben dagegen kein Problem mit Fremdsprachen. Ab einem gewissen Bildungsgrad ist Englisch fast fließend, auch wenn man noch finnisches Kind ist und noch gar nicht so lange zur Schule geht. Im Kino sind die ausländischen Filme finnisch und schwedisch gleichzeitig untertitelt und laufen im Original. Was sehr schön ist. Endlich mal den Blockbuster unsynchronisiert im fetten Kino gucken und nicht im drittklassigen Fremdsprachenkino. Im Fernsehen dasselbe, es wird nicht synchronisiert und das wertet die ganzen Filme und TV-Serien sogar noch auf, selbst wenn es CSI irgendwo ist.
  • Kein Auto ohne Steinschlag in der Scheibe. Insgesamt wird nicht so schnell repariert oder ausgetauscht. Sei es der Bürostuhl mit der kaputten Armlehne, der Frühstückstisch mit dem Brandfleck, die etwas eingerissene Gardine oder die kaputte Fassade. Solange es hält ist’s doch ok.

Helsinki

  • Um Mitternacht ist gerade mal Dämmerung (Juni). Hell genug um draußen rum zu laufen. Es gibt aber Sperrzeiten. Je nach Stadtviertel ist um 3-4 Uhr der Laden dicht. Manchmal sogar früher. Um sechs Uhr morgens steht die Sonne schon recht hoch.
  • Richtigen Alkohol (also Wein, Schnaps, etc) dürfen nur die Alko-Shops verkaufen. Geht aber ohne Probleme, ist wie ein Supermarkt in dem nur Alkohol im Regal steht. Gibt’s an jeder zweiten Ecke. Macht arm.
  • Finnland macht generell arm. Alles ist locker um die Hälfte teuerer als in Deutschland.
  • Dafür ist die Landschaft, die Architektur teilweise unglaublich schön. Manchmal karg und reduziert aber sehr stimmig. Überhaupt ist Design sehr wichtig hier. Ein ganzes Viertel in Helsinki beherbergt mehr als 170 Läden, Galerien, etc die sich nur mit Kunst, Design, Klamotten usw. beschäftigen. Die Ecke wurde Design Destrict Helsinki getauft.
    Windowshopping deluxe und man kann gar nicht so viel verdienen wie man ausgeben möchte.
  • Ob die Menschen hier nun aber schön sind? Ich glaube ihr Ruf ist besser als die Leute selbst oder man verwechselt sie mit den Schweden. Klar hab ich mir ein paar Mal den Hals verrenkt aber die Leute gucken schon etwas sonderbar, seltsam und skurril aus. Man merkt die Nähe zu Russland, Sibirien oder ich weiß nicht was für nem Planeten. Ich würde nen Blog machen mit Fotos von so manchem lustigen Passanten, wenn es das nicht schon gäbe.

Helsinki Bushaltestelle

  • Die finnische Sauna ist ein kleiner Raum aus Holz mit Ofen, einer Holzbank, einer Schale Wasser und einem großen Löffel. Und gar nicht mal so heiß. 70-80 Grad sind schon wieder zu viel, eher weniger. Praktisch jedes Haus hat eine Sauna. Zu Wohnungen ab BJ 2000 gehört die Sauna ins Badezimmer wie das Waschbecken.
  • Moi! Dieses Moi kannst du dir merken, falls du auch mal nach Finnland kommst. Es ist das Finnische Servus oder Ciao, geht als Begrüßung wie als Abschied gleich gut. Man kann es schön in die Länge ziehen (Moooooiii) oder auch doppeln (Moi Moi) oder noch öfter am Stück sagen wie die (attraktive) Kollegin im Büro im Nachbarcubicle, die es manchmal am Ende eines Telefonates drei vier mal gesagt hat. Vermutlich um dem Gesprächspartner endgültig klar zu machen, dass nun wirklich Ende ist mit labern. Gerüchten zufolge ist es auch eins der wenigen Worte, das sich die Finnen aus einer anderen Sprache entliehen haben. Die Ähnlichkeit zum norddeutschen “Moin” kommt nicht von ungefähr. Und somit war es für mich als Norddeutscher auch sehr einfach dieses Moi zu lernen und es funktioniert auch. Man erntet strahlende Gesichter wenn man morgens ins Büro kommt und “Mooooiii” sagt. Man geht als Einheimischer durch, auch wenn nach dem Mooooiii keine finnischen Wörter mehr kommen, der erste Eindruck zählt halt auch hier.
  • Man zahlt viel mit Kreditkarte, auch bzw. gerade in Bars. Es ist kein Problem den ganzen Laden aufzuhalten weil man die 5,80 € für das Bier mit Karte, Unterschrift, etc. begleicht anstatt schnell das Kleingeld auf den Tresen zu legen. Bargeld ist zweitrangig. Man müsste eh nach jedem dritten Getränk zum Geldautomaten rennen bei den Getränkepreisen, von daher geht Kreditkartenzahlung schon ok.
  • Betritt man eine Wohnung, zieht man die Schuhe aus.
  • Ist man wo eingeladen, bringt man ein Gastgeschenk mit, am besten Wein (Alkohol).

Archipelago

  • Reichtum wird nicht sonderlich zur Schau gestellt. Reiche Viertel sehen schon gut und teuer aus, aber nicht sonderlich protzig, sonder eher stilvoll. Ist man reich, behält man es für sich. Protzige Autos sieht man auch vergleichsweise selten. Im mittelmäßigen Nürnberg fahren mehr Oberklasseautos rum als im ganzen Großraum der Finnischen Landeshauptstadt. Einer meinte mal, dass es sogar untersagt sein soll, sein exklusives Seegrundstück abzuschotten. Solange man keinen stört darf man als Privatperson auch ans Ufer der Villa (mal versuchen das dem Bonzen mit der Villa am Starnberger See zu erklären).
  • Auf der anderen Seite ist vermutlich ein VW Golf schon ein Luxusartikel. Wer sich in Helsinki City ein Appartement leisten kann, der lacht über die Preise in München. Ist wohl alles relativ mit dem Reichtum.
  • Glücksspiel ist Volkssport, in jedem Dorfsupermarkt steht ein einarmiger Bandit. Spielhallen haben nichts von dem ranzigen Alkoholiker- / Versagerimage wie in Deutschland, sondern sind hell und freundlich. Selbst der Businesstyp im Anzug versucht nach dem Einkauf noch mal schnell sein Glück. Wenn man etwas drüber nach denkt, dann passt das auch schon wieder zu den Preisen in Finnland.
  • Die gefühlte Hälfte aller Barthaare weltweit wachsen in Finnland.
  • Gespräche über das Wetter sind kein Smalltalk, sondern gehen tief in die finnische Seele. Da macht man besser keine Witze. Licht ist essenziell, man hat nur den kurzen Sommer. Wenn man sich vor Augen hält, dass im Winter die Sonne Mittags für vier Stunden kurz über den Horizont blinzelt, durch die tief hängende Wolkensuppe dazu eh kein Licht durch kommt und man so leben muss, dann kann man das einigermaßen verstehen.
  • Hasen und Kaninchen sind die Ratten von Helsinki und echt ein Problem der Stadt. Wenn man solch ein Tier sieht dann nicht “oh süß!” rufen, sondern drauf schießen.
  • Das Finnische Staatsoberhaupt (Tarja Halonen) sieht nicht nur so aus, sondern sie hat auch ein ähnliches Image und ist ähnlich lange im Amt wie Helmut Kohl.
  • Bei den Schaltern der Post oder bei den Fahrkarten zieht man sich eine Nummer wie man es vom Einwohnermeldeamt gewohnt ist und man wartet dann brav bis die eigene Nummer leuchtet. Ordnung muss sein.

Kiasma Cafe

  • Wenn es im Standard-Finnlandreiseführer heisst: “People generally avoid small talk. Never interrupt others when they are speaking“, es stimm nicht. Die Leute quatschen und labern als gäbe es kein morgen. Gerade wenn Alkohol im Spiel ist.
  • Auch falsch: “Finns are not prone to physical contact (such as greeting one another with embraces)“, kein Unterschied zu Deutschland. Gibt keine besondere Distanz. Im Alltag nicht und mit Alkohol noch weniger.
  • Komplett falsch ist zudem: “Finns are generally a quiet people, so don’t be alarmed by long silences in conversation“, es gibt keine langen Pausen in Unterhaltungen, nicht mehr als anderswo auch. Mal kurz am Glas nippen, den letzen Satz sacken lassen, etc… zu solchen Zeitpunkten ist mal kurz Ruhe, aber wo ist das nicht so? Allerdings: wenn man etwas aus der Stadt raus ist und zu den Bären mit den vielen Haaren kommt, Leute die selten Besuch haben und Menschen vielleicht nur aus dem Fernsehen oder aus den Büchern kennen, da könnte ich mir das schon eher vorstellen. Sprache könnte da vielleicht auch generell ein Problem sein, aber so weit bin ich noch nicht ins Landesinnere vorgedrungen.
  • Refer to people by either Mr., Mrs. or Ms. and their surname until invited to address them otherwise“. Diese Reisetipps sind entweder nicht für Finnland gemacht oder stammen aus dem späten Mittelalter. Ich habe nicht eine Person in Finnland mit Nachnamen angesprochen. Selbst Vorgesetzte nicht oder andere Personen die älter/jünger/schlauer/dümmer/reifer/reicher/toller als ich waren. Kann aber auch an meiner Firmenkultur liegen. Englisch ist Unternehmenssprache und damit gibt es schon mal kein “sie”. Jeder soll konsequent mit Vornamen angesprochen werden, auch wenn es der Vorstand ist. Soll Hierarchien und Kommunikationshürden klein halten. Und ja, es funktioniert!
  • Richtig dagegen ist, dass es keine ein und zwei Cent-Stücke gibt. Wird alles auf 5 Cent aufgerundet.
  • Übrigens: “Do not fold your arms as this may be interpreted as a sign of arrogance. It is impolite to carry on a conversation with your hands in your pockets.” Richtig ist, dass Arroganz in Finnland nicht geht. Habe auch praktisch keine Arroganz erlebt. Aber laut eigenen Angaben haben Finnen keine Ahnung von Körpersprache und es interessiert sie auch nicht. Wenn die Arme verschränkt werden, dann ist dem Finnen einfach kalt.

Das Hotel war am Ende meiner Reise recht ausgestorben auf den Strassen war wenig los. Am Tag zuvor gab es Staus wie in Deutschland zur Osterreisewelle. Alle wollten weg. Das Büro war am Nachmittag schon leer. Nur ich war da und ein paar andere Versprengte ohne Verwandte oder Familie in der Nähe. Denn die Besucht man zu Mittsommer. Man zieht sich zurück, ins Mökki. Die Banken, Geschäfte, Supermärkte hatten geschlossen. Helsinki City war im Vergleich zu normalen Wochenenden eine Geisterstadt. Nur wenige Clubs und Bars hatten überhaupt geöffnet. Touristen zogen umher, der öffentliche Nahverkehr war eingeschränkt. Es soll dieses Jahr jedoch mehr los gewesen sein als sonst zu Mittsommer. Durch das regnerische Wetter am ersten Mittsommertag sind wohl einige in der Stadt geblieben.
Es ist super wenn man um halb 11 Uhr abends am Wasser mit einem Weinchen in der Hand und Sonne im Gesicht aufs ruhige Meer gucken kann und die Schiffe langsam vorbei ziehen. Der Himmel ist sehr weit in Skandinavien, die Luft ist klar und frisch und es ist insgesamt ruhiger und entspannter. Man hat auch mehr Raum. Platz ist eh der einzig wahre Luxus und das hat man dort oben begriffen. Finnland ist manchmal mit all der Ruhe und Relaxtheit plus einem kreativen und reifen Lebensgefühl nur schwer zu toppen.

Update:
Ich muss den Bericht oben etwas korrigieren. Es ist nicht unbedingt so, dass ein Golf teuer wäre, man ist durchaus in der Lage auch teurere und sinnlosere Autos zu bezahlen, nur steht generell das Praktische im Vordergrund. Cabrios machen in den langen Wintern ja keinen Sinn und was will man mit nem Porsche der weder ein Schlagloch aushält noch beladen werden kann. Der Fokus liegt einfach auf nützliche Autos. Grüße an die finnische Kollegin, die das noch mal zur Sprache brachte.

X-post: Dieser Beitrag wurde in einer leicht aktualisieren Version im Juli 2011 auch bei Spreeblick (im Rahmen der Open-Spreeblick-Aktion) veröffentlicht.



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