Schlagwort: nürnberg

Freiluftkantine

Schnepperschütz

Dieses Foto erinnert etwas an die etlichen sonnigen und flauschig warmen Mittage, die der Autor anstatt bei klimatisierte Einheitsluft und currywurstduftgeschwängerte Einheitsverköstigung in der Firmenkantine, in der zwar warmen aber dennoch verhältnismäßig frischen Luft im Schnepperschütz verbracht hat. Das Publikum ist zwar mittags keine echte Alternative zur Kantine, aber dafür ist das Essen nicht so derb deftig und man gewinnt recht schnell Abstand zum Alltag. Und man badet sich in einem Stück Stadtentwicklung, wenn man sich beim belegten Brot überlegt, wie trostlos das Eck vor recht kurzer Zeit noch war und wie lebendig die Gegend nun geworden ist und was so eine einzige Kneipe alles bewirken kann.

Hinterlasse einen Kommentar 1. September 2011

Bambi Davidson im Hemdendienst

Hemdendienst

Gut, das er wieder da ist. Und die neue Location in der Rothenburger tut wirklich gut. Der Hemdendienst ist einer dieser Clubs, wegen denen man normalerweise nach Berlin fährt und die Nächte in Neukölln verbringt und die man in Nürnberg nicht vermuten würde. Unkonventionell, mit Lust, Atmosphäre und Anarcho-Charme, mit verschroben Typen, locker und relaxed, ohne Zeitgefühl. Ideal gelegen in dufter Kulisse in einem Anbau des seit Jahren ungenutzten Volksbades. Alles schön stilecht mit Dellen und Kratzern.
Mittlerweile wurde der Innenhof von einer Tonne Taubenkot und Altmetall befreit und es gibt Platz für eine weitere Bar mit Bühne und die wurde gestern sehr eindrucksvoll eingeweiht. Krachiger alternative progressive Postrock (oder so) durch Bambi Davidson braute sich in dem Innenhof zusammen und obendrauf gab es die ausgereiften und sagenhaft stimmigen Livevisuals von delta400.net. Weitere Worte fehlen, deswegen möchte der Autor die Eindrücke und Stimmung anhand von zwei schrabbeligen Handyvideos vermitteln:

Kleine Randnotiz
Pünktlich um halb 11 stand natürlich wieder die Polizei vor der Tür und wollte für Ruhe sorgen. Mittlerweile reagieren die Beamten ja recht entspannt bei so was, aber sie werden offensichtlich sehr unverhältnismäßig aufgeregt alarmiert. Bei der Hemdendiensteröffnungsfeier kamen mehrere Einsatzwagen mit Vollgas aus allen Richtungen, z.B. entgegengesetzt der Einbahnstraße, angedonnert, nur um zum Großteil recht schnell wieder abzutrollen. Man ist wohl mittlerweile umsichtiger mit zu lauter Subkultur geworden. Nur der Nürnberger Pöbel vermutet offenbar bei spätabendlicher Musik und Ausgelassenheit bisher unbekannte Terrorzellen und alarmiert die Polizei entsprechend. Gestern standen die Officers jedenfalls staunend da ob der künstlerischen Darbietung und vermieden es einzugreifen. Das Konzert war trotzdem ohne die geforderte Zugabe planmäßig zu Ende. Leider.

Update
Ein kleiner Mitschnitt des Konzerts ist hier aufgetaucht: BambiDavidsonImHD.ogg (auch hier leider nur Smartphonequalität)

1 Kommentar 26. August 2011

Städteranking

Eine spannende Studie findet man unter www.insm-staedteranking.de. Ein Niveauranking vergleicht den Ist-Zustand deutscher Städte (Wohlstand). Das Dynamikranking bildet ab, wie sich die untersuchten Großstädte in der Zeit von 2004 bis 2009 entwickelt haben. Überraschend: Erlangen kommt beim Niveau gleich nach dem Sieger München. Berlin ist beim Niveau weit hinten, hat aber eine beachtliche Dynamik (Ausgewählte Lebensmittelpunkte des Autors).

„In Erlangen findet sich der höchste Anteil Hochqualifizierter. Die Arbeitslosenquote ist sehr niedrig. Die Einkommensteuerkraft übertreffen nur noch München und Hamburg. Eine Analyse der Cityregion Nürnberg, die wir ergänzend zum Städteranking durchgeführt haben, zeigt, dass Erlangen die ganze Region nach vorne bringt und sogar die Probleme des früheren Quelle-Standorts Fürth überkompensiert“

Beim Cityregionen-Ranking, d. h. dem Vergleich der 20 größten Wirtschaftsräume liegt die Region Nürnberg bei der Dynamik vorne. Das deckt sich in etwa mit den Veränderungen in der Stadt die man in der letzten Zeit so beobachten kann.

Großstadt-typische soziale Probleme sowie noch vorhandene Teilungsfolgen trüben die Niveaubilanz Berlins. Die Hauptstadt kommt auf Niveaurang 90. Sie zeigt sich jedoch überdurchschnittlich dynamisch: Platz 30. Positiv entwickelte sich in Berlin der Arbeitsmarkt, wenn auch von niedrigem Niveau aus: Die Arbeitslosenquote verbesserte sich um 3,5 Prozentpunkte, Rang 21. Auch die Jobversorgung ist deutlich gestiegen.

Die mittelfristige Perspektive Berlins beurteilen die Wissenschaftler jedoch positiv. Ein Grund: Hier entstehen viele neue Unternehmen in der wissensintensiven, unternehmensnahen Dienstleistung und Beratung.

Rankings aus der Studie

Es lohnt sich zumindest die ersten Seiten des Endberichts zu lesen um einen tieferen Einblick zu bekommen. Es sieht nämlich so aus, als würde (Ober)Franken den Anschluss wiederfinden, denn Städte wie Bayreuth, Bamberg und Hof stehen in der Dynamik weit oben. Wer sich selbst in die Auswertung mit einrechnen will schaut sich mal die Liste mit den verfügbaren Einkommen an (die Fürther liegen da übrigens weit vor den Nürnbergern, hihi, auch Straftaten gibts in Fürth am wenigsten).

Berlin kann leider nirgends so richtig punkten, allerdings waren kulturelle Strahlkraft und Hippness auch nicht Teil der Studie :)

Hinterlasse einen Kommentar 21. August 2011

Städteranting

Falls man mit dem eigenen Wohnort oder mit der Wohnsituation oder mit dem sozialen Umfeld, dem kulturellen Angebot, dem Ansehen, der Hippness oder der Strahlkraft des Aufenthaltsortes leicht unzufrieden ist, dann könnte man sich vielleicht bei Gelegenheit in zwei Diskurse einlesen die unterschiedlicher und gleichzeitig gleicher nicht sein könnten und möglicherweise sogar exemplarisch sind.

Städtera(n)ting Nürnberg

Da haben wir zum einen die leicht an Identitätsarmut leidende ewige Nummer zwei in Bayern. Der Stadt in der, seit dem der Vorschlag aufgetaucht ist, wieder die Sperrzeiten zu verkürzen, es praktisch niemanden mehr gibt, der nicht irgendeine Meinung über die Lebensqualität von Nürnberg hat. Manifestiert hat sich das in den Kommentaren zu dem Artikel “Nürnberg: Die langweiligste Großstadt Deutschlands?“. Alle möglichen Meinungen die man zu Nürnberg haben kann wurden niedergeschrieben bzw. gerne auch mal hingekotzt. Wer in Nürnberg wohnt bzw. in vergleichbaren Städten, dürfte die eigene Meinung in den Kommentaren wiederfinden.

Städtera(n)ting Berlin

Zum anderen haben wir eine Stadt die defacto Hauptstadt ist und sich in der Selbst- und Fremdwahrnehmung quasi über den Rest im Lande stellt, aber eigentlich mitten in der Pubertät steckt. Eine Stadt, die mehr Probleme hat, als der ganze Rest in Deutschland zusammen, aber gleichzeitig über die Anziehungskraft eines schwarzen Loches verfügt und nicht nur theoretisch Lebendigkeit versprüht. Vorbild und Heilsbringer für Orte und Leute mit Profilneurosen. Nun herrscht dort auch ein ganz eigener Diskurs, der in den Kommentaren zu dem anderthalb Jahre alten und immer noch fröhlich kommentierten Text “Der Berliner Szenemensch” hervortritt, denn offenbar nervt es gewaltig, wenn Leute endlich im Hedonisten-Mekka angekommen sind, sich uniformieren und stereotypisieren und zwanghaft versuchen sich abzugrenzen und zu individualisieren und das Schlachtfeld die eigene Stadt ist.

Tja, wo man auch hinkommt, es wird gemeckert. Allerdings ist die Diskussion dieselbe auch wenn das Thema ein anderes ist. Selbst die Argumente sind ähnlich. Es geht um diese leichte Unzufriedenheit mit sich und dem Universum und dagegen hilft ganz gut einfach mal den Blick zu weiten, auf beiden Seiten und über den Tellerrand. Und Humor.

Hinterlasse einen Kommentar 21. August 2011

Nürnberg Streetart Juni und Juli 2011

Reizend

Eine Übersicht von Schnappschüssen die sich von März bis Mai auf dem Flickraccount angesammelt haben.

Streetart ist Nürnberg nicht sonderlich verbreitet. Viele Ecken kommen gänzlich ohne aus. Es ist auch kein Thema zu erkennen das sich durch die dennoch vorhandenen Arbeiten zieht. Etwas Politik hier, ein wenig Gentrifizierung da. Am ehesten sieht man noch klassische Graffitis oder hingestencilte Tags aber das ist alles weit weg von den kampagnenartigen Arbeiten die gerne mal ganze Viertel von Städten durchziehen und das Bild prägen bzw. etwas über die Straßen, die Häuser und ihre Bewohner erzählen. Allerdings haben wir es hier auch mit Sachbeschädigung zu tun, wenns keine Auftragsarbeiten sind, und es braucht auch einen gewissen inneren Antrieb um überhaupt erst mal raus zu gehen um die Sachen anzufertigen und nicht zuletzt brauchts auch etwas Kreativität bzw. ein Gespür für die Diskurse die gerade da sind. Und damit erzählt die Nürnberger (Nicht-)Streetart ja auch schon wieder etwas über die Straßen, die Häuser und ihre Bewohner.

Südstadt Playground IKSK - Streetlovers Spaceinvader Denk nach! Tu was! Duckyduck Cyborg Vorsicht Dachlawinen Dart a Nazi Reizend Hood ART Verteilerkastenaffe Gecko Schicker solles werden on off Skully AMOK Laserbot Vorstadtidylle

Die Fotos sind geogetagged. Ein Klick auf ein Bild führt zur Flickrseite des jeweiligen Bildes und dort findet sich auch eine Karte mit der genauen Location. Der Facebook-Account “Streetart Nürnberg” informiert übrigens auch über die kleinen Werke in den Strassen der Frankenmetropole.

Technik: HTC Desire HD mit Vignette (Retro/vintage styles app) bzw. manchmal auch mit der Canon EOS 1000D und dann etwas retrogefiltert.

Hinterlasse einen Kommentar 31. Juli 2011

Nürnberg und das Image

Nürnberg Leonhardstr

Es lebt sich unspektakulär in Nürnberg. Die Stadt will zwar irgendwie was sein, irgendwo vorne mitspielen, irgendwas tollstes größtes bestes haben. Will Historie und Urbanität haben, will Nachtleben haben und Urlaubsziel sein mit Flair und Lebensgefühl und vergisst/übersieht dabei leider den größten Vorteil: Nürnberg ist Großstadt (faktisch, nicht gefühlt) in Slowmotion.
Man kann zwei Monate weg sein und man verpasst nichts. Es ist allen einfach verdammt egal was ist und was werden könnte. Und das ist ein Vorteil, in einer Zeit in der der Rest der Welt beim laufen die Beine nicht nach bekommt. Nürnberg ist der Fels in der Brandung. Die Stadt ist offensichtlich gegen jede Art von gesellschaftlicher oder kultureller Strömung immun (seit dem Wiederaufbau).

Natürlich will sich die Stadt auch als Marke verkaufen, klappt nur nicht wenn Realität und Werbung etwas auseinanderklaffen. Egal was es zu sein gibt, Nürnberg ist es nicht und das ist verdammt nochmal ein Aushängeschild mit gestrecktem Mittelfinger und eine Oase in einer Welt, in der alles eine Marke sein muss!

3 Kommentare 30. Juli 2011

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