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7. April 2013

Urban Art Biennale 2013

Urban Art Biennale 2013 im Weltkulturerbe Völklinger Hütte

Urban Art Biennale 2013 - 01 - SugarRayBanister

Während andere Ostereier suchten, suchte meine Kamera Urban Art Referenzwerke und rostigen Stahl. Eine perfekte Symbiose findet man noch bis November im Saarland, genauer im Weltkulturerbe Völklinger Hütte. Dort hat man nämlich die Urban Art Biennale 2013 geschaffen:

Die Metropolen der Welt sind die Inspirationsquellen der Künstler der Urban Art. New York, Los Angeles, Paris, Berlin, London, und das Weltkulturerbe Völklinger Hütte werden zu Orten der Begegnung mit einer Kunst, die dank Digitalkamera und Internet den Siegeszug auf den Straßen und in die Museen angetreten hat. Der Anfang der Urban Art liegt im Graffiti. Von den Jugendlichen der New Yorker Bronx in den späten 60ern auf U-Bahnwaggons und Häuserfassaden gesprüht, entwickelt sich der Graffiti Style zu einem globalen Ausdruck von Jugendkultur.

Urban Art ist ein weltumspannendes kulturelles Phänomen: Kunstmuseen und Galerien nehmen die Arbeiten der Post-Graffiti-Generation in ihre Sammlungen auf. Leinwandarbeiten der Urban Art-Künstler erzielen auf Auktionen bisweilen Höchstpreise. Die Stadt, die Straße bleiben das Arbeitsfeld der Urban Art-Akteure, die heute auch ohne Sprühdose auskommen und mit Leinwand und Pinsel das Erbe der Graffiti-Generation antreten. Das Weltkulturerbe Völklinger bietet der UrbanArt ein regelmäßiges Forum – die UrbanArt Biennale.

Ostern war auch offenbar genau der richtige Zeitpunkt für die kleine Exkursion. Entweder wussten nicht viele von dieser Kombination von urbaner Kunst und Industrie, oder es waren wirklich alle Ostereier suchen. Jedenfalls waren das Areal und die Ausstellung angenehm unterbesucht.

Urban Art Biennale 2013 - 03 - Arbeit von Augustine Kofie

Angenehm ist dieser Schritt über den Tellerrand. In Nürnberg hat jedes Graffiti, jedes Stück Urban Art um Aufmerksamkeit und um eine Daseinsberechtigung zu kämpfen (ja, ich weiss hin und wieder passiert auch hier großartiges, aber eher im Kleinen). In Völklingen wird das Ganze dem gemacht, was es ist, nämlich die spannendste und vielleicht auch wichtigste Kunstströmung im 21. Jahrhundert. Ein riesiges altes Stahlwerk als Galerie zu verwenden ist wunderschön, richtig und nicht weniger als angemessen.

Urban Art Biennale 2013 - 06 - SugarRayBanister

Urban Art Biennale 2013 - 08 - SugarRayBanisterUrban Art funktioniert nirgends besser als im Rahmen von alter Industrie, umweht vom Geruch des rostigen Stahls. Jedes Werk bekommt in Völklingen richtig viel Raum und viele der Sachen wirken, als wären sie für den Raum, in dem sie dort existieren, extra gemacht. Sie interagieren farblich und ästhetisch mit der Umgebung.

Allerdings nicht alle. Es gibt viel Großartiges zu sehen (ich habe bei weitem nicht alles fotografiert), aber ich muss dann doch mitteilen, dass mich gerade der Invader enttäuscht hat. Er bekommt zwar mit seinem plastischen Space Invader den mit Abstand meisten Raum zugewiesen, aber die Kunststoffpixelfigur funktioniert nicht mal annähernd so gut, wie die betonierten Kacheloriginale aus z. B. Paris. Hier fehlt wieder die „Natürlichkeit“, die diese Arbeiten haben, wenn sie spontan an Fassaden auftauchen. Schade, dass man sich da in Völklingen nicht zu durchringen konnte echte Invaderkacheln auf dem Areal zu verteilen.

Das ist aber nur ein winzig-wenig Kritik an der grundsätzlich großartigen Ausstellung.
Und es gibt ja auch noch mehr zu sehen.

Urban Art Biennale 2013 - 17 - SugarRayBanister

Wir haben es hier mit einem unfassbar komplexen, schön in die Jahre gekommenen, fast komplett (offiziell!) begehbaren und erforschbaren Industriedenkmal zu tun. Die Urban Art Biennale ist zwar umfangreich, belegt aber nur einen relativ kleinen Teil der alten Stahlhütte. Begibt man sich erst mal auf Entdeckungstour, kommt das Auge eines Urban Explorers ja gar nicht mehr aus dem Staunen raus. Ging mir jedenfalls so. Ich staunte die 3-4 Stunden der Tour. Viel weniger Zeit sollte man nicht einplanen, eher mehr. Die folgenden Fotos sollen meine Staunerei und den Forscherdrang ein kleinbisschen dokumentieren.

Die Tagesschau hat Biennale auch angekündigt. Für ihre Verhältnisse erstaunlich fresh sogar.

via Freundeskreis Street-Art Berlin

17. Januar 2010

Shanghai Exkursion

Vordergrund: Yuyuan-Garten, Hintergrund die bekannte Skyline von Pudong

Es ist eigentlich eine Schnapsidee im Winter nach Shanghai zu reisen. Die Stadt erwartet einen zwar nicht mit Schnee und Glatteis, dennoch sind Mantel und Mütze ständige Begleiter bei den Touren durch die Stadt. Es gibt mildere Tage mit dezenter bzw. gedimmter Sonne, aber auch Tage mit einem unbarmherzigen eisigen Wind. Unterm Strich herrscht ein Grau in Grau, außer wenn abends und nachts die Lichter der Stadt funkeln und wie wild zucken.

Es dauert auch etwas bis sich ein verklärter Blick auf die Großstadt einstellt, denn die Stadt bietet nicht unbedingt das, was man von einer Millionenstadt erwartet. Eigentlich bietet sie sogar verdammt wenig wenn man bedenkt, dass die 20 Millionen Menschen doch irgendwas tun müssen um nicht zu versauern. Das offensichtliche ist das Verdienen von Geld und das unverzügliche Ausgeben des selbigen. Keinen Anderen Sinn scheint Shanghai zu haben, doch das Gefühl bleibt, dass da doch mehr sein muss.

Shanghai ist die Stadt gewordene Shoppingmeile eines X-beliebigen Flughafens. So schick, teuer, gestyled und ästhetisch wie auswechselbar, oberflächlich und künstlich. Bei dem schnellen Wachstum blieb wohl die Substanz auf der Strecke. Die Stadt ist westlich orientiert und als Westler mit etwas Taschengeld hat man auch alle Privilegien. Tolle Bars und Restaurants mit viel Service und gutem Essen, manchmal auch mit gutem Wein. Touristische Sehenswürdigkeiten gibt es, aber man hat sie in zwei, drei Tagen alle abgeklappert. Man steht staunend vor Chinesischer Landschaftsarchitektur, Tempeln, Museen und einladenden europäisch anmutenden Stadtviertel, voll mit den buntesten Bars, Restaurants und Shops. Alles toll und super und sehr einfach, jedoch besser nicht groß nachdenken oder hinterfragen, denn Inspiration gibt die Stadt nur in homöopathischen Dosen her. Es gibt sie, diese kleinen und kreativen Künstlerareale aber sie gehen unter zwischen Massen an Gesichtslosen Hochhäusern die nur zum Schlafen und Arbeiten gebaut sind. Die Stadt ist eine Arbeiter- und Businessstadt, jeder kommt und versucht sein Glück aber die Kulturrevolution hat offensichtlich zu einer Gleichschaltung geführt die sich in Großstädten wie Shanghai, die in der ersten Liga der Weltstädte spielen wollen, negativ bemerkbar macht. Reife Städte erneuern sich ständig von innen heraus und tragen diese Kraft auch nach außen. In Shanghai fehlt das. Mag daran liegen, dass Individualismus nicht unbedingt fest zur Chinesischen Kultur gehört. Kann aber auch sein, dass die Jahre der staatlichen medialen Kontrolle ihre Spuren hinterlassen haben. Die Leute kommen einfach nicht auf die Idee bestehendes zu hinterfragen oder in einem anderen Licht erscheinen zu lassen. Aber das sind nur Mutmaßungen, denn Areale wie das M50 zeigen ja, dass es eine Szene gibt, wenn auch nur eine kleine. Auch gab es eine Ausstellung mit bekannten Graffiti-Künstlern, allerdings in einem 5-Sternekomplex in Bestlage am Bund und nicht standesgemäß in einem abgefuckten Industrieareal. Folglich wird die Kreativität und der Rock&Roll nach Shanghai eingekauft und nicht von innen heraus selbst produziert.

Shanghai 04

Aber wie fühlt sich Shanghai nun an? Ein erster und bleibender Eindruck hämmert sich direkt beim Anflug ins Hirn. Da wo eigentlich die Stadt liegen sollte, liegt ein Meer aus Dunst und Wolken aus dem vereinzelt Hochhäuser raus stechen. Was man eingangs dann noch als romantische Nebeldecke abtut entpuppt sich als ständige Dunstglocke um die Stadt. Je nach Wetterlage lässt diese Dunstglocke blaugrauen Himmel zu oder trübt die Sicht nach wenigen hundert Metern schon deutlich. Was man da alles einatmet will man gar nicht so genau wissen. Da im Zentrum rund um die Uhr gebaut wird ist auch eine Menge Baustaub mit dabei der sich spür- und sichtbar auf die Kleidung, Autos und Fassaden legt. Leute laufen mit Atemschutzmasken rum, aber nicht übermäßig viele. Raucher haben es in Shanghai durch ihr Training sicherlich einfacher, alle anderen müssen halt die Ablagerungen im Hals öfter mal abhusten. Ein Ritual was schamlos und unentwegt auf den Strassen zelebriert wird. Es fegen und putzen pausenlos Leute und überhaupt durchzieht eine beeindruckende Geschäftigkeit die Strassen. Jeder scheint was zu tun zu haben oder was erledigen zu müssen. In jeder Ecke wuselt irgendwer oder man will irgendwo hin. Erst später fallen einem die Leute auf, die zwar offensichtlich einem Beruf nachgehen, aber effizient nur darauf warten, dass der Tag rum ist. Wie die unzähligen Bewacher von Eingangstüren z.B. oder die Leute die einem in riesigen Gebäuden einfach nur den Weg weisen oder auf der Toilette das Handtuch reichen.

Und riesige Gebäude gibt es in Shanghai wahrlich genug. Auf den ersten Blick merkt man das kaum, erst wenn man die ersten dieser Monster besteigt bekommt man eine Ahnung der Masse und des Umfangs der Bebauung. Egal in welche Richtung man schaut, bis zum Horizont (bzw. Dunstsichtgrenze) Betonburgen. 30, 40 oder 50 Stockwerke, manchmal mehr. Gerne in Gruppen von etlichen identischen Wohnklötzen, schnell und effizient hingezimmert und dazwischen immer noch Platz für die nächsten Hochhäuser die natürlich auch schon wieder im Bau sind. Aber so richtig unbegreiflich wird die Bebauung erst, wenn man im Stadtplanungsmuseum ein Tennisplatzgrosses und detailverliebtes Modell der Innenstadt (innerer der drei Autobahnringe) sieht, und man genau die Lage und Gestaltung der Hauser und Strassen begutachten kann. Ganze Stadtteile mit hunderten von Wolkenkratzern (wie z.B. die berühmte Skyline in Pudong) waren vor 20 Jahren noch Sumpfland. Es wird wie wild gebaut. Geld spielt keine Rolle. Shanghai soll das nächste Hongkong werden. Das ist beschlossene Sache und es gilt keine Zeit zu verlieren.
Dazu kommt der Verkehr. Normal kann man sich in der Innenstadt relativ luftig bewegen. Zu den Rushhours spürt man dann, dass man in einer Millionenstadt ist. In der riesigen U-Bahnstation am Peoples Square quetschen sich die Menschen und werden von hunderte Meter langen U-Bahnen im Takt von wenigen Minuten braunkohleartig weggebaggert. Das passiert für die Beteiligten sehr konzentriert und routiniert. Drängeln wird erwartet.

Shanghai 09

Auf der Strasse sieht es nicht anders aus. Verkehrsregeln gibt es möglicherweise, es gibt ja auch Ampeln und Verkehrspolizisten, nur es hält sich keiner dran. Ampeln gelten nur an den richtig großen Strassen, ansonsten wuselt sich jeder, ob Fußgänger, Elektromofas (es gibt praktisch keine Mofas mit Verbrennungsmotor) oder Auto, gleichzeitig über eine Kreuzung. Und das klappt berührungslos und effizienter als wenn die eine Hälfte auf ein ominöses grünes Licht warten müsste. Die flinken E-Mofas schlängeln sich um die Passanten, welche ihrerseits etwas die Taxis in Schach halten die gerne mal etwas zu nahe kommen, aber eigentlich auch nur spielen wollen. Macht man als Fußgängergruppe beim überqueren der Strasse aber den Fehler und lässt eine Lücke, dann schafft es manch ein Auto und schlüpft durch. Aber halb so wild, so lange sie einen nicht beim gehen behindern. Nur eine Rasse hat auf der Strasse keine natürlichen Feinde: der Linienbus. Größe schafft Respekt. Vor ihm haben und sollten alle anderen kuschen wenn sie leben wollen.

China ist Entwicklungsland. Shanghai versucht das zwar zu überspielen mit den vielen Shoppingcentern und Boutiquen, mit den Luxusmarken und teuren Autos auf den Strassen, die selbst in den Vororten noch das Straßenbild prägen. Und mit den Hinweistafeln in den citynahen Vierteln, dass die Leute doch bitte aufhören ihre Wäsche draußen zu trocknen. Doch das dürfte ähnlich wirkungsvoll sein wie das Hupverbot, an dass sich auch niemand zu halten scheint. Wenn die Expo kommt, wird sich die Stadt nicht in einen Tempel verwandeln. Vielleicht wird sich der Dunst etwas verziehen wenn zur Expo der Verkehr eingeschränkt wird wie in Beijing in der Zeit der Olympischen Spiele. An Beijing wird man auch verwiesen, wenn man nach Kunst, Kultur und dem echten China fragt. Man macht sich gar nicht erst die Mühe Shanghai zu glorifizieren, sondern verweist auf die Stadt die wirklich Substanz zu haben scheint.
Unterm Strich kann man die Zeit in Shanghai angenehm verbringen, wenn man hedonistische Genüsse zu schätzen weiß und nicht groß nachdenken mag.

Shanghai 24

Zensur
Natürlich ist das Internet zensiert, daran wird auch Google nichts ändern. Twitter, Facebook und Youtube funktionieren nicht. Man bekommt aber kein Stoppschild, sondern einen DNS-Error (die Seite kann einfach nicht aufgerufen werden). Wikipedia funktioniert zwar, auch kann man Artikel über Chinesische Zensur aufrufen, aber nur einmal. Beim wiederholten klick auf einen entsprechenden Link existiert die Seite nicht mehr. Sie wurde aktiv weggefiltert. Auf einmal spürt man den Atem des Großen Bruders im Nacken und man fragt sich, ob nun schon die Staatspolizei unten vorm Hotel auf einen wartet. Als kleine Entschädigung kann man sich dafür offiziell unter www.google.cn/music praktisch alles an Musik kostenlos runterladen ohne an Urheberrechte denken zu müssen. Ein Service der überrascht, weil Google hierzulande mit dem Verweis auf Urheberrechtsverletzungen nicht mal eine spezielle Musiksuche anbietet, geschweige denn einen Downloadservice.
Paradoxerweise kann man sich die Freiheit kaufen. VPN-Dienste bieten für wenige Dollar im Monat Zugang zu westlichen Proxys und damit die Umgehung der Chinesischen Kontrollen. Das wird offensichtlich geduldet, vermutlich weil es einfach Devisen ins Land spült und solch ein Service vornehmlich von Expats in Anspruch genommen wird.

Links
http://www.smartshanghai.com (Webzine)
http://www.lonelyplanet.com/china/shanghai (Shanghai Travelguide)
http://travel.ninemsn.com.au/shanghai/ (“Shanghai: Boring but important”)

25. Juni 2009

Finnland Exkursion

you_should_be_here

Es sah so aus, als wäre ich nicht fünf Wochen in Urlaub gefahren, sondern in ein Trainingscamp. Ich hatte mich eigentlich seelisch auf etwas freie Zeit mit und in Finnland vorbereitet aber dann stand die Arbeit doch im Vordergrund. Und zwar mehr als sonst, hatte auch mehr Zeit für die Arbeit als sonst und lustigerweise war es auch interessanter als sonst. Die ganzen finnischen Kollegen (von denen etliche chinesisch, indisch, deutsch oder wer weiß was gewesen sind) machten den Job um einiges interessanter als wenn man normal zu Hause hocken würde. War Klimawechsel, war schon ne andere Welt und ein paar Erfahrungen durfte ich dann trotzdem noch machen, oben bei den kleinen Finnen, man hat ja nicht den ganzen Tag nur gearbeitet:

  • ja, es ist in Finnland kälter als in Deutschland.
  • Busse muss man selbst anhalten, und zwar per Handzeichen. Die halten nicht von selber. Man guckt doof hinterher wenn man das nicht weiß.
  • Die Finnische Sprache ist die Hölle und praktisch nicht erlernbar. Wenn man versucht ein finnisches Wort auszusprechen, z.B. einen Straßennamen, dann hat man spätestens ab der Mitte vergessen wie das Wort angefangen hat. Es ist wirklich sehr schwer. Ausländer, die seit vier Jahren in Finnland leben können sich so einigermaßen auf Finnisch unterhalten (nach eigenen Angaben). Dürfte so ungefähr der Level wie nach einem halben Jahr Englisch sein. Gibt aber auch Genies die Finnisch nach einem halben Jahr gut können. Man unterhält sich aus Ausländer mit den Finnen auch eher auf Englisch als auf Finnisch, selbst im Freundeskreis. Im Büro wird meist eh Englisch gesprochen.
    Wenn du dich nun immer noch etwas für Finnisch interessierst, dann seit dir mal der folgende schön ironische Text ans Herz gelegt: Finnisch, die Weltsprache, oder einfach mal schönes finnisches Radio hören.
  • Finnen haben dagegen kein Problem mit Fremdsprachen. Ab einem gewissen Bildungsgrad ist Englisch fast fließend, auch wenn man noch finnisches Kind ist und noch gar nicht so lange zur Schule geht. Im Kino sind die ausländischen Filme finnisch und schwedisch gleichzeitig untertitelt und laufen im Original. Was sehr schön ist. Endlich mal den Blockbuster unsynchronisiert im fetten Kino gucken und nicht im drittklassigen Fremdsprachenkino. Im Fernsehen dasselbe, es wird nicht synchronisiert und das wertet die ganzen Filme und TV-Serien sogar noch auf, selbst wenn es CSI irgendwo ist.
  • Kein Auto ohne Steinschlag in der Scheibe. Insgesamt wird nicht so schnell repariert oder ausgetauscht. Sei es der Bürostuhl mit der kaputten Armlehne, der Frühstückstisch mit dem Brandfleck, die etwas eingerissene Gardine oder die kaputte Fassade. Solange es hält ist’s doch ok.

Helsinki

  • Um Mitternacht ist gerade mal Dämmerung (Juni). Hell genug um draußen rum zu laufen. Es gibt aber Sperrzeiten. Je nach Stadtviertel ist um 3-4 Uhr der Laden dicht. Manchmal sogar früher. Um sechs Uhr morgens steht die Sonne schon recht hoch.
  • Richtigen Alkohol (also Wein, Schnaps, etc) dürfen nur die Alko-Shops verkaufen. Geht aber ohne Probleme, ist wie ein Supermarkt in dem nur Alkohol im Regal steht. Gibt’s an jeder zweiten Ecke. Macht arm.
  • Finnland macht generell arm. Alles ist locker um die Hälfte teuerer als in Deutschland.
  • Dafür ist die Landschaft, die Architektur teilweise unglaublich schön. Manchmal karg und reduziert aber sehr stimmig. Überhaupt ist Design sehr wichtig hier. Ein ganzes Viertel in Helsinki beherbergt mehr als 170 Läden, Galerien, etc die sich nur mit Kunst, Design, Klamotten usw. beschäftigen. Die Ecke wurde Design Destrict Helsinki getauft.
    Windowshopping deluxe und man kann gar nicht so viel verdienen wie man ausgeben möchte.
  • Ob die Menschen hier nun aber schön sind? Ich glaube ihr Ruf ist besser als die Leute selbst oder man verwechselt sie mit den Schweden. Klar hab ich mir ein paar Mal den Hals verrenkt aber die Leute gucken schon etwas sonderbar, seltsam und skurril aus. Man merkt die Nähe zu Russland, Sibirien oder ich weiß nicht was für nem Planeten. Ich würde nen Blog machen mit Fotos von so manchem lustigen Passanten, wenn es das nicht schon gäbe.

Helsinki Bushaltestelle

  • Die finnische Sauna ist ein kleiner Raum aus Holz mit Ofen, einer Holzbank, einer Schale Wasser und einem großen Löffel. Und gar nicht mal so heiß. 70-80 Grad sind schon wieder zu viel, eher weniger. Praktisch jedes Haus hat eine Sauna. Zu Wohnungen ab BJ 2000 gehört die Sauna ins Badezimmer wie das Waschbecken.
  • Moi! Dieses Moi kannst du dir merken, falls du auch mal nach Finnland kommst. Es ist das Finnische Servus oder Ciao, geht als Begrüßung wie als Abschied gleich gut. Man kann es schön in die Länge ziehen (Moooooiii) oder auch doppeln (Moi Moi) oder noch öfter am Stück sagen wie die (attraktive) Kollegin im Büro im Nachbarcubicle, die es manchmal am Ende eines Telefonates drei vier mal gesagt hat. Vermutlich um dem Gesprächspartner endgültig klar zu machen, dass nun wirklich Ende ist mit labern. Gerüchten zufolge ist es auch eins der wenigen Worte, das sich die Finnen aus einer anderen Sprache entliehen haben. Die Ähnlichkeit zum norddeutschen “Moin” kommt nicht von ungefähr. Und somit war es für mich als Norddeutscher auch sehr einfach dieses Moi zu lernen und es funktioniert auch. Man erntet strahlende Gesichter wenn man morgens ins Büro kommt und “Mooooiii” sagt. Man geht als Einheimischer durch, auch wenn nach dem Mooooiii keine finnischen Wörter mehr kommen, der erste Eindruck zählt halt auch hier.
  • Man zahlt viel mit Kreditkarte, auch bzw. gerade in Bars. Es ist kein Problem den ganzen Laden aufzuhalten weil man die 5,80 € für das Bier mit Karte, Unterschrift, etc. begleicht anstatt schnell das Kleingeld auf den Tresen zu legen. Bargeld ist zweitrangig. Man müsste eh nach jedem dritten Getränk zum Geldautomaten rennen bei den Getränkepreisen, von daher geht Kreditkartenzahlung schon ok.
  • Betritt man eine Wohnung, zieht man die Schuhe aus.
  • Ist man wo eingeladen, bringt man ein Gastgeschenk mit, am besten Wein (Alkohol).

Archipelago

  • Reichtum wird nicht sonderlich zur Schau gestellt. Reiche Viertel sehen schon gut und teuer aus, aber nicht sonderlich protzig, sonder eher stilvoll. Ist man reich, behält man es für sich. Protzige Autos sieht man auch vergleichsweise selten. Im mittelmäßigen Nürnberg fahren mehr Oberklasseautos rum als im ganzen Großraum der Finnischen Landeshauptstadt. Einer meinte mal, dass es sogar untersagt sein soll, sein exklusives Seegrundstück abzuschotten. Solange man keinen stört darf man als Privatperson auch ans Ufer der Villa (mal versuchen das dem Bonzen mit der Villa am Starnberger See zu erklären).
  • Auf der anderen Seite ist vermutlich ein VW Golf schon ein Luxusartikel. Wer sich in Helsinki City ein Appartement leisten kann, der lacht über die Preise in München. Ist wohl alles relativ mit dem Reichtum.
  • Glücksspiel ist Volkssport, in jedem Dorfsupermarkt steht ein einarmiger Bandit. Spielhallen haben nichts von dem ranzigen Alkoholiker- / Versagerimage wie in Deutschland, sondern sind hell und freundlich. Selbst der Businesstyp im Anzug versucht nach dem Einkauf noch mal schnell sein Glück. Wenn man etwas drüber nach denkt, dann passt das auch schon wieder zu den Preisen in Finnland.
  • Die gefühlte Hälfte aller Barthaare weltweit wachsen in Finnland.
  • Gespräche über das Wetter sind kein Smalltalk, sondern gehen tief in die finnische Seele. Da macht man besser keine Witze. Licht ist essenziell, man hat nur den kurzen Sommer. Wenn man sich vor Augen hält, dass im Winter die Sonne Mittags für vier Stunden kurz über den Horizont blinzelt, durch die tief hängende Wolkensuppe dazu eh kein Licht durch kommt und man so leben muss, dann kann man das einigermaßen verstehen.
  • Hasen und Kaninchen sind die Ratten von Helsinki und echt ein Problem der Stadt. Wenn man solch ein Tier sieht dann nicht “oh süß!” rufen, sondern drauf schießen.
  • Das Finnische Staatsoberhaupt (Tarja Halonen) sieht nicht nur so aus, sondern sie hat auch ein ähnliches Image und ist ähnlich lange im Amt wie Helmut Kohl.
  • Bei den Schaltern der Post oder bei den Fahrkarten zieht man sich eine Nummer wie man es vom Einwohnermeldeamt gewohnt ist und man wartet dann brav bis die eigene Nummer leuchtet. Ordnung muss sein.

Kiasma Cafe

  • Wenn es im Standard-Finnlandreiseführer heisst: “People generally avoid small talk. Never interrupt others when they are speaking“, es stimm nicht. Die Leute quatschen und labern als gäbe es kein morgen. Gerade wenn Alkohol im Spiel ist.
  • Auch falsch: “Finns are not prone to physical contact (such as greeting one another with embraces)“, kein Unterschied zu Deutschland. Gibt keine besondere Distanz. Im Alltag nicht und mit Alkohol noch weniger.
  • Komplett falsch ist zudem: “Finns are generally a quiet people, so don’t be alarmed by long silences in conversation“, es gibt keine langen Pausen in Unterhaltungen, nicht mehr als anderswo auch. Mal kurz am Glas nippen, den letzen Satz sacken lassen, etc… zu solchen Zeitpunkten ist mal kurz Ruhe, aber wo ist das nicht so? Allerdings: wenn man etwas aus der Stadt raus ist und zu den Bären mit den vielen Haaren kommt, Leute die selten Besuch haben und Menschen vielleicht nur aus dem Fernsehen oder aus den Büchern kennen, da könnte ich mir das schon eher vorstellen. Sprache könnte da vielleicht auch generell ein Problem sein, aber so weit bin ich noch nicht ins Landesinnere vorgedrungen.
  • Refer to people by either Mr., Mrs. or Ms. and their surname until invited to address them otherwise“. Diese Reisetipps sind entweder nicht für Finnland gemacht oder stammen aus dem späten Mittelalter. Ich habe nicht eine Person in Finnland mit Nachnamen angesprochen. Selbst Vorgesetzte nicht oder andere Personen die älter/jünger/schlauer/dümmer/reifer/reicher/toller als ich waren. Kann aber auch an meiner Firmenkultur liegen. Englisch ist Unternehmenssprache und damit gibt es schon mal kein “sie”. Jeder soll konsequent mit Vornamen angesprochen werden, auch wenn es der Vorstand ist. Soll Hierarchien und Kommunikationshürden klein halten. Und ja, es funktioniert!
  • Richtig dagegen ist, dass es keine ein und zwei Cent-Stücke gibt. Wird alles auf 5 Cent aufgerundet.
  • Übrigens: “Do not fold your arms as this may be interpreted as a sign of arrogance. It is impolite to carry on a conversation with your hands in your pockets.” Richtig ist, dass Arroganz in Finnland nicht geht. Habe auch praktisch keine Arroganz erlebt. Aber laut eigenen Angaben haben Finnen keine Ahnung von Körpersprache und es interessiert sie auch nicht. Wenn die Arme verschränkt werden, dann ist dem Finnen einfach kalt.

Das Hotel war am Ende meiner Reise recht ausgestorben auf den Strassen war wenig los. Am Tag zuvor gab es Staus wie in Deutschland zur Osterreisewelle. Alle wollten weg. Das Büro war am Nachmittag schon leer. Nur ich war da und ein paar andere Versprengte ohne Verwandte oder Familie in der Nähe. Denn die Besucht man zu Mittsommer. Man zieht sich zurück, ins Mökki. Die Banken, Geschäfte, Supermärkte hatten geschlossen. Helsinki City war im Vergleich zu normalen Wochenenden eine Geisterstadt. Nur wenige Clubs und Bars hatten überhaupt geöffnet. Touristen zogen umher, der öffentliche Nahverkehr war eingeschränkt. Es soll dieses Jahr jedoch mehr los gewesen sein als sonst zu Mittsommer. Durch das regnerische Wetter am ersten Mittsommertag sind wohl einige in der Stadt geblieben.
Es ist super wenn man um halb 11 Uhr abends am Wasser mit einem Weinchen in der Hand und Sonne im Gesicht aufs ruhige Meer gucken kann und die Schiffe langsam vorbei ziehen. Der Himmel ist sehr weit in Skandinavien, die Luft ist klar und frisch und es ist insgesamt ruhiger und entspannter. Man hat auch mehr Raum. Platz ist eh der einzig wahre Luxus und das hat man dort oben begriffen. Finnland ist manchmal mit all der Ruhe und Relaxtheit plus einem kreativen und reifen Lebensgefühl nur schwer zu toppen.

Update:
Ich muss den Bericht oben etwas korrigieren. Es ist nicht unbedingt so, dass ein Golf teuer wäre, man ist durchaus in der Lage auch teurere und sinnlosere Autos zu bezahlen, nur steht generell das Praktische im Vordergrund. Cabrios machen in den langen Wintern ja keinen Sinn und was will man mit nem Porsche der weder ein Schlagloch aushält noch beladen werden kann. Der Fokus liegt einfach auf nützliche Autos. Grüße an die finnische Kollegin, die das noch mal zur Sprache brachte.

X-post: Dieser Beitrag wurde in einer leicht aktualisieren Version im Juli 2011 auch bei Spreeblick (im Rahmen der Open-Spreeblick-Aktion) veröffentlicht.

2. Juli 2008

St(e)ilvorlage über Rechtsaußen

In Zeiten, in denen selbst Günter Netzer rechts radikalisiert wird (Seitenscheitel plus Gefasel über deutsche Tugenden…), kann nur noch die Kunst helfen.
Jahresausstellung 2008 der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg

Eröffnung: Mi 09.07.08, 19 Uhr
Sommerfest: Sa 12.07.08, 19 Uhr

19. November 2007

aus.lese 2.0

auslese.gifNachdem unsere erste aus.lese in meinem externen Wohnzimmer ja ein (und ich will nicht mit Superlativen um mich werfen) sehr schöner Abend war, möchte ich hiermit den Nachfolger bewerben. Am Donnerstag 22.11. gehts weiter mit viel frischem Textgut – auch aus der fränkischen Blogszene – und Livemusik. Der Sugar Ray kümmert sich während der Performance um den Wein, das ist nämlich eine schöne Aufgabe. Mehr Infos hier oder hier. Bitte zahlreich erscheinen, sonst ist das Gejammer was verpasst zu haben wieder groß.

3. September 2007

Nürnberg Erfahrungsaustausch mit Urmel

Aus einer Gegend, aus der sonst nur der Stoiber kommt, stieß die Urmel zu uns. Trotz der tiefschwarzen Vergangenheit (zumindest wahlkreistechnisch) geht’s ihr wohl ganz gut hier…

Name/Pseudonym: Urmel
Alter: 25
Beschäftigung: Studentin
URL:

Warum Nürnberg?
Die Zentrale Studienplatzvergabe war schuld. Per ZVS-Kinderlandverschickung ist es ja für jeden Studenten ein spannendes Glücksspiel, wo es einen hin verschlägt.

Ist Nürnberg schön?
Ja doch. Ich wäre in jede Stadt in Bayern gegangen, nur ins Ausland wollte ich nicht. Mit Nürnberg bin ich ziemlich zufrieden. Besonders gern mag ich die Burg und die alten Stadtmauern.

Was sollte man in Nürnberg tunlichst unterlassen?
Aufs Volksfest gehen. Ganz schlimme Veranstaltung. Außerdem empfiehlt es sich nicht, zum parken in die Innenstadt zu fahren.

Was sollte man in Nürnberg unbedingt tun?
Auf die Blaue Nacht gehen. Sie ist jedes Jahr anders und die Stimmung ist eine ganz Besondere. (Aber nicht versuchen, dort zu parken!) Nürnberg ist von der Größe her auch genau richtig für eine experimentelle Kneipentour.

Nur Nürnberg hat…
… diesen Dialekt, der die Leute etwas dumm und zugleich drollig aussehen lässt.
… dra im Weckla
… die großartige Weinerei

8. Juni 2007

Projekt Aufstehen

jardin_schenone_aufstehen.jpgRomina Schenone und Christophe Jardin waren letzten schon (hier und dort) in der Weinerei mit Ausstellungen zu sehehen. Nun gehts nach draussen und zwar mit einer Installation vom 10. bis 17. Juni auf dem Hugenottenplatz in Erlangen im Rahmen der französischen Woche (Flyer pdf). Vernissage ist am 10.06. um 17:30. Mehr Infos hier.

25. April 2007

Wegen der Blümchen und Bienen

Ich fiecke ganz Nuernberg - Copyright: Andrea Sohler … gefühlte Kunst

Vernissage/Ausstellung mit Martin Fürbringer, Andrea Sohler und Philipp Moll am Donnerstag den 10.05. im Kunst- und Kurhaus Katana

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Soziales Nerdswerk

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