Die Diskussion wie man denn nun im Internet mit Inhalten Geld verdienen kann ist fast so alt wie das Netz selber. Tauschbörsen z.B. stellten und stellen praktisch alles was irgendwie digitalisierbar ist kostenlos zur Verfügung. Man bezahlt gemeinhin nicht monetär, sondern mit der Freigabe der Inhalte seiner eigenen Sammlung. Das funktioniert gut, allerdings ist das Prinzip nicht auf die reale Welt übertragbar. Geld für Rechnungen kann so nicht erwirtschaftet werden und wird für Content Geld investiert kann eine Refinanzierung auch nicht statt finden. Bis der Kapitalismus abgeschafft ist muss also eine Alternative her und da bietet sich nun Flattr an. Seit dem Flop mit den Paypal Spenden-Buttons ist das die erste Idee, der ich ernsthaft was zutraue, da sie so einfach funktioniert wie die magich-Buttons auf Facebook.
Beim Micro-Payment-Service Flattr bezahlt der Nutzer monatlich einen frei wählbaren Abonnements-Betrag auf ein Konto ein. Die Medienanbieter platzieren auf ihrer Website einen flattr-Button, den der Nutzer anklicken kann, wenn ihm der Internet-Inhalt gefällt. Am Monatsende wird der Abonnements-Betrag des Nutzers gemäß seinen Klicks an die Medienanbieter verteilt.
Das Video erklärt den Rest:
Ich bin nun einer der Tester der Betaphase von Flattr und habe Buttons hier im Blog und dort drüben eingebunden. Da es noch kaum Nutzer gibt, verspreche ich mir noch nicht viel von der Aktion aber vielleicht wird das System so populär wie die allgegenwärtigen Facebook-magich-Knöpfe und spätestens dann wird’s ernsthaft interessant. Bis dahin wird flattr aufmerksam beobachtet.
Und du, lieber Leser, könntest dich zwischenzeitlich auch schon mal registrieren und eifrig drauflos flattern (vorzugsweise auf meinen Seiten! :). Wenn alles glatt läuft haben wir hier die Lösung für die Contentindustrie und die gesuchte Alternative zur Kulturflatrate.
Mehr Info und Hintergründe gibts z.B. hier oder dort.
Update 19.05.
Gute Contraargumente in den Kommentaren zu dem Text “Warum ich flattr doof finde” und insgesamt guter und nachdenklicher Text “Ich habe flattr schiss!“, der die Unausgereiftheit und Untiefen des Systems gut darlegt.
Habe die flattr-Funktion aus meinem Zweitblog wieder entfernt. Es dreht sich dort um freie Musik aus dem Netz und da macht ein Bezahlbutton einfach den falschen Eindruck. Hinzu kommt ein gravierender Nachteil von Flattr. Das System honoriert zurzeit nur pure Massentauglichkeit. Für Nischen ist kein Platz. Selbst wenn man ein paar Gönner hat müssen diese einen Monat lang mit ihren Flattrreien gut haushalten um den Lieblingsbeiträgen einen nennenswerten Betrag zukommen zu lassen. Das ist eine konzeptionelle Lücke, die mir nicht gefällt. Die pure Gleichschaltung meiner Klicks empfinde ich zunehmend als Nachteil.
Falls ich mich dazu entscheiden sollte, mein Flattrkonto nicht mehr aufzuladen, dann verschwinden die Buttons hier aus dem Blog auch automatisch. Man kann nur Geld einsammeln, wenn man selber welches ins System pumpt, was natürlich den Anreiz gibt, das Flattrkonto liquide zu halten. Man bezahlt quasi für den Button und damit finanziert sich auch der Dienst, über die kleine Provision bei den Geldtransfers.
Momentan machen sich die Gegenargumente breit, allerdings ist der Dienst auch noch alles andere als ausgereift. Mal weiter gucken.
Update 20.05.
Die Taz führ Flattr ein. Und das ist eine Größe bei der sich das System durchaus lohnen könnte. Man kann bei Flattr sein Konto mit maximal 20 € im Monat aufladen. Man kann aber beliebig viele Klicks ernten. Wenn man nur genug Leser mobilisiert hat man das zum verklicken ausgegebene Geld schnell wieder eingespielt. Wie gesagt, man braucht Masse, keine Klasse.
Update 01.06.
Auf vielen Blogs findet man mittlerweile die Flattr-Buttons, insbesondere auf den wichtigen und insbesondere auch auf Blogs die man sicherlich nicht anders als in Vollzeit betreiben kann, wie z.B. netzpolitik.org. Auch kam heute die erste Abrechnung. Bei mir war es ein Nullsummenspiel: ich habe 2€ verflattert und 1,48€ erflattert. Nun bin ich auch nicht der aktivste Blogger, sondern eher der Gelegenheitsblogger. Ich blogge nicht, weil ich muss, sondern weil ich es möchte wenn ich etwas Zeit habe. Und diesen Grundsatz sollte man auch bei der Verwendung von Flattr berücksichtigen. Wenn das Blog Lebensinhalt und dominierend im eigenen Alltag ist, dann mach Flattr Sinn, weil es sich zu einem Nebenerwerb entwickeln kann und die investierte Zeit monetär kompensieren kann.
Als Hobbyblogger sollte man eher drauf verzichten die Hand auf zuhalten. Das Standing zu haben etwas nicht für Geld zu tun ist mehr wert als die paar Kröten die ggf. über Flattr kommen.
Auf der einen Seite das Killerargument, warum man Details aus dem Privatleben in die Öffentlichkeit trägt die eigentlich unter das Datenschutzgesetz fallen, zum anderen der Hintergedanke, dass natürlich die Welt keine Ahnung hat was man eigentlich tut, wenn man ihr davon nicht erzählt. Außerdem muss man ja ins Internet wenn das lokale persönliche Umfeld Meinungen, Informationen und Aufmerksamkeit nur unzureichend bereit hält.
Vor 10 Jahren war es doch auch schon nicht anders. Fragen, Ideen, Anregungen und Aufmerksamkeit zu allen möglichen Themen wurden im Internet, in Foren und den damals noch populären Mailinglisten bzw. Newsgroups diskutiert/besorgt/bearbeitet. Mit ein paar Handgriffen hatte man schon damals viel Persönliches über einen Menschen erfahren. Schmeißt man heute die Suchmaschine an sind noch viele der Sachen von damals zu finden, gespeichert an den unmöglichsten Plätzen im Netz. Fast schon unheimlich was da alles wieder zu Tage kommt. Auf der anderen Seite natürlich auch eine Auszeichnung und am Ende der Beweiß, dass man sich schon recht zeitig mit einem Medium auseinandergesetzt hat, in ihm geschwommen ist, es gestaltet hat, dass mittlerweile zur Mutter aller Medien geworden ist. Early-Adopter, ole!
Der Nachteil heutzutage ist, dass sich praktisch jeder unangenehme Mitmensch über jeden informieren kann. Personensuchmaschinen und populäre Netzwerke nehmen jedem Amateur die Recherchearbeit ab und Kontextualisierung findend so sicherlich gar nicht mehr statt. Man wirkt gläsern obwohl man es gar nicht ist. Damals war alleine der Zugang ins Netz schon eine Hürde, für Amateure erst recht, der Zugang zu speziellen Foren oder Szenen für den Ottonormalbürger gar unmöglich. Man war im Internet auch schon wieder für sich und in seinem Personenkreis. Heute stöbert sogar Mutti auf der eigenen Homepage und das komische Gefühl, dass gerade das Kinderzimmer von ihr durchsucht wurde kommt wieder hoch.
Der Schritt sich aus Communities zurückzuziehen ist wohl nicht der richtige und eher mit Kopf-in-den-Sand-Stecken zu vergleichen. Wenns dumm kommt stellen andere den Content über einen ein, oder fast noch schlimmer: gar keiner machts. Kein Treffer in irgend einer Suchmaschine zeugt von mangelnder Relevanz. Das Argument, dass sich die Besitzer einer Community oder eines Dienstes an dem Content bereichern ist auch alt. Eine Community ist nun mal so viel Wert wie ihr Content und wird auch erst über selbigen interessant. Frau Bunz bringt einen ganz anderen Aspekt ein, denn die gesellschaftlichen Kreise verschwimmen. Arbeits- und Privatleben verschwimmen. Was sich komisch anfühlt ist die einzig logische Konsequenz. Man hat nur ein Leben, warum eigentlich Grenzen innerhalb dieses Kosmoses ziehen? Eine Umgewöhnung setzt ein. Gesellschaftliche Normen werden auf den Prüfstand gestellt und Kulturpessimismus dabei ist kein guter Ratgeber, Menschenverstand ist wie immer besser.
Schlimm ist, dass es unangenehmer geworden ist Informationen ins Internet zu stellen, weil der Missbrauch gefühlt ansteigt und durch den Charakter des Massenmediums wurde der Anspruch gesenkt. Dabei ist das Internet doch erst zu dem geworden was es ist, weil Leute Informationen – auch persönliche – eingestellt haben. Das sollte man jetzt nicht einfach abschaffen oder sich verschließen. Man bräuchte vielmehr einen Marcel Reich-Ranicki fürs Internet um zu zeigen wo der Maßstab ist.
Natürlich kann man die Augen vor dem stetigen gesellschaftlichen Wandel nicht verschließen. Der Underground spielt sich heutzutage einfach nicht mehr in zugetagten Hinterhöfen und alten Fabrikhallen ab, sondern auf myspace und wer dagegen ist, der ist draußen, einfach nicht mit dabei. Man kann nicht mal dagegen protestieren, denn wie soll man ohne myspace-Profil gegen myspace sein? Man wird doch schlicht nicht gehört.
Aber solche Gedanken sind 2007 und ich habe mich gebeugt. Unter www.myspace.com/inanace_digitaljockey hat mein DJ Alter Ego nun sein Profil und jeder darf sein Freund sein. Ich habe bald wieder Einblick in die Szene und dann wieder wirklich ein Gefühl dafür, wo der Hase läuft. Längst vergessene Netzbekanntschaften werden wieder auftauchen und alles wird so sein wie früher, zu guten alten Netz-, und Chatterzeiten. So weit die Theorie. Doch noch existiert die betagte Seite www.inanace.de mit all der schönen alten Musik und das wird sich so schnell nicht ändern, denn diese Seite gehört mir, mir ganz alleine und ich habe die volle Kontrolle. Myspace hat Haken, die mich nach wie vor zweifeln lassen. Es sieht nun mal verdammt scheisse aus. Selbst mit guten Webdesignkenntnissen hat man auch kaum eine Chance da groß was zu ändern, denn ein weiterer Haken kommt dazu: myspace bedient sich wie ein russisches Atomkraftwerk. Auch wenn es für einen Webdienst erstaunlich viele Freiheiten in der Gestaltung gibt, so bringt einem das alles nichts, weil myspace dann doch ein undurchsichtiges Eigenleben hat und an machen Stellen wieder recht restriktiv ist. Selbst an so einfachen Sachen wie Einstellen der Schriftgröße bin ich verzweifelt. Wie soll man sich denn im Netz ordentlich präsentieren, wenn einem durch myspace beide Hände auf den Rücken gebunden werden? Jeder Billigproviderhomepagebaukasten bringt bessere Ergebnisse zustande als dieser olle Profileditor des Murdoch-Imperiums.
Also ich könnt kotzen, schon weil ich nun trotzdem ein Profil habe, aber es wird immer Stiefkind bleiben.
“Internet-Labels bieten ihre Musik kostenlos zum Download an”, schreibt oder besser sendete das Radiofeuilleton des Deutschlandradios. Und weiter heißt es:
Die großen Plattenfirmen kämpfen verzweifelt gegen illegale Downloads von Musik aus dem Internet. Doch inzwischen gibt es viele kleine unabhängige Labels, die ihre Musik ins Netz stellen und nichts dagegen haben, dass man sie sich herunter lädt. Im Gegenteil: Musik, kostenlos, für alle, das ist Kern ihrer Philosophie. Auch die Künstler profitieren von dieser virtuellen musikalischen Visitenkarte
Schön ist, dass es die Netzmusik mittlerweile auch in den Bereich der Feuilletonisten geschafft hat. Leider kommt dieser Schritt einige Jahre zu spät. Die im Artikel genannten alteingesessenen Labels haben ihre großen Tage spätestens so um 2003/2004 herum gehabt. Die ganze Szene ist aufgeweicht. Die vielen kleinen Pilze, die aus dem Boden geschossen wurden machten die Netlabelwelt unübersichtlich. Der musikalischen Einheitsbrei bzw. die Massenproduktion, wie sie durch die einfache Herstellung der Musik nur allzu leicht passieren konnte, verwässerte die Suppe zusätzlich. Wirkliche Alleinstellungsmerkmale blieben die Ausnahme und sie sind zugegebenermaßen im virtuellen Raum auch nur schwer zu realisieren. Spätestens wenn die Musik an Schnittstellen kommt (brennen auf CD, wegsharen via Tauschbörse) ist jegliche noch so kreative Eigenständigkeit verloren.