Fotowalk mit Nürnbergs Instagram-Szene

Fotowalk mit Nürnbergs Instagram-Szene

Instagram wurde durch mich lange Zeit vernachlässigt. Zwar habe ich schon länger einen Account dort, vollständig überzeugt hat mich die kleine App noch nie. Es gibt beispielsweise keine Möglichkeit, vom Desktop aus zu arbeiten. Man ist auf das quadratische Bildformat beschränkt, was einigen Fotos nicht gut tut, und zuweilen erhärtet sich der Eindruck, so mancher User kümmere sich mehr um möglichst viele Hashtags, als um ein ordentliches Bild. Die absolute Reduktion auf sehr wenige Funktionen stört gewaltig. Auch habe ich noch den Aufschrei im Hinterkopf, als die einst reine iPhone-App 2012 auf Android portiert wurde. Apple-User machten sich um den Verfall »ihrer« Fotokultur Sorgen. Ein deutlicher Hinweis auf die hohe Bindung mancher Menschen an die Plattform. Es gibt andere, weitaus umfangreichere und professionellere Fototools und -plattformen (schaut euch mal VSCO an).

Nun hat Instagram die derzeit aktivste und agilste Nutzerbasis, was nicht zuletzt an der Einfachheit der Applikation liegt. Mir drängt sich nicht nur ob der Retrobildqualität der Vergleich zur Lomografischen Gesellschaft auf. Selbige hielt in den 90ern mit billigen einfachen analogen Kameras eine sehr aktive und kreative Community am Laufen. Instagram hat dieses Treiben mittlerweile digitalisiert. Die Nutzer kümmern sich gerne und viel um Treffen und gemeinsame Aktivitäten. Fotos inklusive.

Das soziale lokale Netz

Nürnberg spielt mittlerweile sehr gekonnt auf der Klaviatur der sozialen Medien. Die Stadt ist bei Instagram weit vorne vertreten, jedenfalls was deutsche Städte angeht. Das Konzept, die Vielfalt jenseits der touristischen Highlights und der Hochglanz-PR-Bilder abzubilden, kommt bei den Fans und Followern Nürnbergs sehr gut an, verriet mir Johannes Barthel aus der Online-Redaktion letztes Jahr in einem Interview.

Folgt man nuernberg_de, so erlebt man nicht nur das Engagement der Follower, sondern erhält auch Einladungen zu eigens organisierten Fotowalks zu denen man sich anmelden kann. Die Fotowalks werden einem Thema oder einer Örtlichkeit gewidmet und bekommen einen Hashtag um alle Fotos später zusammenzuführen. In Nürnberg haben wir es mit #igersmeetnürnberg beziehungsweise hatten es jüngst mit #igersmeetnürnberg03 zu tun. Darüber hinaus gibt es auch die teilweise etwas kitschige Aktion »das User-Bild der Woche« rund um den Hashtag #nuernberg_de. Man kümmert sich um die fotoaffine Community und das passiert auf keiner anderen Plattform so wie auf Instagram.

Am Samstag, den 21. März, gab es nun das dritte große Igers-Treffen in Nürnberg. Ich war zum ersten Mal mit dabei. Wir besuchten das Planetarium, das Volksbad (bin dort 2010 schon mal gewesen) und die Dachterrasse des Hochhauses am Plärrer. Schöne Locations für einen entspannten Fotowalk. Lustigerweise fotografierte kaum jemand ausschließlich mit dem Telefon. Einige Leute hatten viel und mächtiges Fotoequipment dabei. Dinge, mit denen man eigentlich nicht so eine simple App wie Instagram bespielt. Aber es geht auch nicht um Technik. Es geht um die Community, den sozialen Aspekt und das Netzwerk. Das funktionierte hervorragend an diesem Nachmittag.

Fotowalk mit Nürnbergs Instagram-Szene 01
Instagrammer bei der Arbeit

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Sonnenfinsternis 2015 Nürnberg 00

Sonnenfinsternis 2015 fotografiert mit DSLR und Rettungsfolie

Da war es, ein Naturspektakel an einem schönen, fast wolkenlosen Tag im März 2015 in Nürnberg und dem Rest der Welt. Den Hype um die Vorbereitungen, den Ansturm auf spezielle Sonnenbrillen oder Aufsätze für Objektive habe ich schlicht ignoriert. Im Haushalt gibt es auch Material, um eine Sonnenfinsternis zu beobachten. Rettungsfolie aus alten Verbandskästen beispielsweise. Mit zwei Schichten dieser Folie vor den Augen ließ sich die Sonne wunderbar direkt beobachten und klebte die Folie vor der Linse der Kamera, lies sie sich auch fotografieren, ohne zu überstrahlen.

Das Ganze war schnell gebastelt und sah wie folgt aus.

Sonnenfinsternis Setup

Da die Sonne etwas weiter weg ist, macht es Sinn mit sehr viel Brennweite zu fotografieren. Mehr als 135 mm habe ich allerdings nicht in meinem Fundus. Aber reicht auch.

Aus der Hüfte lässt sich eine Sonnenfinsternis auch fotografieren. Das sieht dann so aus. Gefällt mir persönlich sehr gut, aber ich wurde auch mit der Lomographie fotografisch sozialisiert.

Sonnenfinsternis 2015 Nürnberg 01

Sonnenfinsternis 2015 Nürnberg 02

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Das Ihme-Zentrum Hannover damals 01

Das Ihme-Zentrum damals (2001 / 2002)

Der Verfall des Ihme-Zentrums in Hannover kam für mich jetzt doch etwas überraschend. Nach der Aufbereitung hier im Blog bin ich jetzt kurzerhand in die hintere Ecke der Festplatte gekrabbelt um nach alten Fotos zu suchen. Ich habe in meiner Zeit in Hannover unweit vom Koloss in der Nordstadt gewohnt und habe damals auch so langsam meinen Hang zur urbanen Fotografie entdeckt. Überraschenderweise sehen die Fotos von damals jetzt auch nicht so groß anders aus als die von heute. Allerdings wurden sie mit etwas einfacheren Mitteln gemacht. Das Titelbild ist mit einem Lomo Supersampler im Jahr 2001 entstanden. Diese sehr einfache analoge Plastikkamera hat ein Foto in vier Abschnitte unterteilt und mit leichtem Zeitversatz vier mal belichtet. Damit konnte man recht geschickt Bewegungen einfangen oder auch recht eigenwillig Fassaden fotografieren. (Vielleicht sammel ich die Fotos aus der Zeit mal zusammen und mache nen eigenen Retropost draus. Ist lustiges Zeug dabei.) Die anderen Fotos sind dann 2002 mit meiner ersten Digitalkamera, einer Canon Ixus, entstanden. Für diesen Post habe ich die Bilder, außer das Supersampler-Foto, farblich leicht angepasst. Sie sehen jetzt etwas analoger und auch älter aus, als sie eigentlich sind.

Viel mehr als diese 10 Fotos habe ich jetzt allerdings nicht finden können. Sehr schade. Fotowalks und die ausdauernde urbane Spurensuche waren mir damals noch fremd und auch war eine Kamera, beispielsweise in Form eines Mobiltelefons, noch nicht ständiger Begleiter. Somit existiert als Erinnerung an das noch halbwegs vitale Ihme-Zentrum nur diese kleine Fotosammlung, entstanden an einem sonnigen Nachmittag im Mai 2002.

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Teneriffa Impression

Teneriffa Impressionen

Im Norden von Teneriffa im Herbst. Ein paar versprengte Surfer umkreisen die kontinuierliche Brandung. Es gibt keine Möwen und kaum Verkehr um diese Zeit. Der Lininenbus fährt meistens Luft durch die Gegend. Es ist nicht sehr warm und auch nicht sehr kalt. Es ist sehr wechselhaft und die Insel bekam im Norden so viel Regen ab wie schon lange nicht mehr. Wanderwege waren teilweise zu Sturzbächen geworden und nicht begehbar. Vom trockenen Süden bekamen wir nichts mit. In einer fast 100 Jahre alten Behausung am Hang drückte sich Wasser durch die Ritzen im Steinboden. Die Besitzerin fand keine Erklärung und verwies auf den Klimawandel. So viel Wasser und Regen war der gebürtigen Teneriffianerin bisher nie passiert. Der Süden der Insel ist generell trockener aber auch optisch langweiliger. Als Einheimischer ist man auch lieber im Norden und man mag die üblichen Touristen nicht. Die liegen ja nur im Süden am Strand rum, trinken Bier und bekommen sonst nix mit von der Insel. Als Einheimischer sitzt man lieber im Norden mit offener Tür zur Straße hin vorm Fernseher und krault den Hund. Auch im November, die Temperaturen ließen es zu.

Wir fielen nicht weiter auf trotz Kamera vorm Bauch. Wir waren auch keine Touristen. Wir waren Reisende.

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Verlassenes Hotel auf Teneriffa

Ein verlassenes Hotel auf Teneriffa

Teneriffa im Herbst. Kaum Touristen und überhaupt kaum Menschen bevölkern um diese Zeit die Insel, jedenfalls nicht den Teil im Nordosten. Es ist eher die pure Natur, die um diese Zeit die Insel prägt und den Takt vorgibt.

Unsere Ferienwohnung lag etwas abseits am Rande der kleinen Ortschaft. Drum rum waren Berge, Landwirtschaft und der Ozean mit seiner Brandung. Etwas dorfeinwärts waren dann schon Anzeichen von Tourismusindustrie in Form von Hotels, die aber saisonbedingt eher ungenutzt und noch langweiliger wirkten als sonst. Ein Hotel war dann aber doch interessant. Es steht direkt an einer felsigen Abbruchkante zig Meter über dem Meer. Es musste schon vor Jahren verlassen worden sein. Offenbar droht es einzustürzen. Einige der Bungalows im Vorgarten hat sich die Flut schon genommen und es sieht nicht danach aus, als würde sich der Bau jemals wiederbeleben lassen. Zu dicht hat sich der Ozean schon an den Bettenturm herangegraben.

Was ist aber so spannend daran, verlassene Gebäude zu erkunden? Für mich persönlich macht dies einen ganz besonderen Reiz aus, der über das Erleben üblicher Besucherattraktionen hinausgeht. Die Atmosphäre dieser alten, verlassenen Gebäude ist ganz besonders. Die Vergangenheit, die Vergänglichkeit ist allgegenwärtig. Dabei kommen Fragen auf: Was ist hier passiert? Wieso steht das Objekt leer? Wie und bis wann wurde das Gebäude benutzt? Wird es immer noch für etwas benutzt und wenn ja, durch wen und warum?

Mit diesen Fragen im Kopf durchstöbern wir das Areal, suchen Indizien, gehen den Gedanken nach und versuchen die faszinierende Schönheit des Verfalls in Fotos festzuhalten. Die Fotos sind eine Mischung aus Dokumentation und ästhetischer Fotografie. Zum einen geht es darum, wie Orte wie dieses Hotel in Gänze aussehen, zum anderen sollen die Bilder auch die subjektive Wahrnehmung der Lost Places transportieren. In diesen ungestalteten und manchmal surrealen Szenerien entstehen oft Bilder, die anderswo nicht entstehen könnten.

In diesem Hotel lebte auf alle Fälle noch was. Nicht nur wurde es von diversen Sprühdosenmeistern als Leinwand genutzt, manche der Bungalows und etliche Räume im Hotel selbst waren offenbar Schlaflager. Und es wurde urban gegärtnert wie unter Selbstversorgern. Bei solchen Indizien hat man schon verstärkt das Gefühl, in einen fremden Lebensraum unerwünscht einzudringen. Auch konnten wir uns nicht sicher sein, hinter der nächsten Ecke oder in einem schummrigen Raum nicht doch einen Bewohner anzutreffen. An diesem Tage blieb aber alles ruhig. Und der Urlaub war um eine spannende Entdeckung reicher.

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Körperwelten Impressionen

Körperwelten Impressionen

Die Körperwelten gastieren derzeit noch in Nürnberg. Ich kannte Teile der Ausstellung bereits von einem Besuch damals in München. Zur Nürnberger Ausstellung kam ich schon vor der Eröffnung. Ich wurde vom Veranstalter zur Pressekonferenz eingeladen und war auch bei der Presseaktion in der Altstadt mit dabei. Hier wurde eins der Plastinate aufgebaut und konnte von Passanten und der massiv anwesenden Presse dokumentiert werden. Ein Aufreger war das nicht, auch wenn sich das so mancher Medienmacher möglicherweise gerne gewünscht hätte.

Interessant ist die Ausstellung auf jeden Fall. Für meine Fotoauswahl habe ich mich für schwarzweiße Bilder mit starkem Kontrast entschieden. Eine eher seltene Variante. Neben den Körpern und ihren Posen ist ihre Farbe ja auch schon zur Marke geworden. Durch das Fehlen der Farbe reduzieren sich die Körper auf ihre pure Form.


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Mutti bei der Arbeit. Im Jahr 1964.

Mutti bei der Arbeit (1964)

Über Weihnachten wurde dann in all der Besinnlichkeit und Kontemplation mal tief in den Fotoalben der Familie gewühlt. Eine Tätigkeit, die man nicht aus ästhetischen Gründen toll findet, sondern eher aus sentimentalen. Die vielen Fotos sind meist eher mittelmäßige Schnappschüsse aus fast vergessenen Jahrzehnten. Doch dann war da dieses eine Foto aus dem Jahr 1964. Meine Mutter wurde offenbar von einem professionellen Fotografen bei ihrer Arbeit im Postscheckamt in Hannover fotografiert. Im Hintergrund sieht man den den alten Fernsehturm (aka Telemoritz) am Raschplatz.

Ich finds ja immer wieder erstaunlich, dass man auch schon vor einem halben Jahrhundert ohne den ganzen technischen Firlefanz sehr ordentlich und schön fotografieren konnte. Und Mutti (die Dame im Vordergrund) sieht gut aus! :)

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Sturmflut im Urlaubsparadies

Sturmflut im Urlaubsparadies

Die Rätselheftdichte im Ferienflieger war beängstigend hoch. Trotz der Anreise in der Nebensaison und Buchung der Unterkunft via Airbnb abseits jeder Hotelburg blieb das mulmige Pauschalurlaubsgefühl bis zuletzt. Aber es besserte sich. Der Norden der Insel ist einem starken Passatwind ausgesetzt der für Feuchtigkeit, üppige Vegetation und starken Wellengang sorgt. Er weht auch die meisten Touristen in den trockenen, sonnigen und südlichen Teil von Teneriffa, es sei denn, sie wollen surfen. Wir hatten nicht nur eine ganze Bucht fast für uns alleine, ohne den redseligen Mann an der Tankstelle hätte vermutlich auch kaum noch wer was von der Unwetterwarnung mitbekommen. Der Wind kam dann auch und mit ihm die Wellen. Eine wirklich ruppige Szenerie entstand, die gar nicht einem Palmenstrandimage entsprechen wollte. Es war besser. Die Gewalt der Wellen und der Brandung strömten eine unglaubliche Faszination aus. Stunden hätten vergehen können, ohne das es langweilig geworden wäre in das Getöse zu starren. Wer denkt, echte Entspannung findet sich auf einer Badeliege mit Cocktailbar in Laufweite, der irrt. Nichts erdet einen Menschen so gründlich und befreit ihn von Druck und Gram wie das Spiel mit den Naturgewalten.

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Ballermann Konträrfaszination

Ballermann Konträrfaszination

Es existiert ein Mythos rund um den Ballermann, der gleichzeitig als Klischee und Stereotyp existiert. Wir assoziieren ein ganz bestimmtes Szenario, das sich dort in ungefähr dieser Form auch immer wieder ereignet. Zum typischen Ambiente gehört die mehr oder weniger laute Beschallung mit einer sehr hässlichen Mischung aus volkstümlichem Schlager, Eurodance und Kirmestechno gepaart mit Grundbedürfnissen wie Alkoholkonsum, Übelkeit, Sex und stinken. Vergleichbare Szenarien kennen wir sonst nur von Volksfesten wie dem Kölner Karneval, dem Münchner Oktoberfest oder ähnlichem.

Dennoch, der Ballermann ist leider weltberühmt und entfaltet auch über seine Zielgruppe hinaus eine gewisse Anziehungskraft. Einen Besuch könnte man mal einplanen, wenn man sich eh in der Nähe befindet. Es wäre jedoch drauf zu achten, unbedingt die Nebensaison zu erwischen. Abseits des Sommers zeigt sich der Ballermann, so wie auch ganz Mallorca, von einer sehr angenehmen und ungeschminkten Seite. Nur vereinzelnd lässt sich erkennen was los wäre, wenn was los wäre. Eigentlich ist der Ballermann einfach trist, leer und austauschbar.

 


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BP-Haus Hamburg City Nord

Ehemaliges BP-Haus in der City Nord

Der graue, mittlerweile mit Graffitis verzierte Betonklotz in der Hamburger City Nord steht schon etwas länger leer. Die Fenster sind zersplittert oder komplett entfernt. Der einstige Hauptsitz der BP-Verwaltung an der Ecke Überseering und Kapstadtring soll teilweise abgerissen und in ein Bürogebäude und Hotel umgewandelt werden. 1971 versuchten Kölner Architeken so gut es ging auf rechte Winkel durch sechseckige Formen zu ersetzen. Das Gebäude bildet die Form des Benzolrings. Das BP-Haus war eines der ersten echten Großraumbüros in Hamburg, die Anfang der 70er-Jahre aufkamen. Mittlerweile läuft der Teilabriss und Umbau der Immobilie. Die unverwechselbarer und unterkühlte Architektur der City Nord dürfte leider, beziehungsweise zum Glück, erhalten bleiben.


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