Meanwhile in Nürnberg (14)
Bielingplatz Verbotistan / Nürnberg am 02. März um 16:02 Uhr.
Meanwhile in Weimar
Weimar, Bauhausstraße (gleich hinter dem Bauhaus), am 02. Januar 2013 um 14:07 Uhr.
Wunderland Köhnstraße [Ungeschminkt]
Ich war schon mal in St. Peter. Das ist deswegen so besonders, weil ich sonst nicht so oft nach St. Peter komme. Selbst in kleineren und kompakteren Städten wie Nürnberg ist es so, dass man seine eigenen Regionen und Pfade hat. Wohnung, Büro, Stammkneipe, Lieblingsläden und da wo man was erleben kann, also meist der „Szenebezirk“ (5€ in die Kasse für die überstrapazierten Modewörter). Bei mir wäre das also Johannis, die Altstadt und Gostenhof. Damit wäre dann mein Nürnberg beschrieben. Nach St. Peter komme ich unfassbar selten. Eine Freundin wohnt dort, ein junger Hüpfer und vermutlich auch viele andere junge Leute denn dort gibt es ein Studentenwohnheim. Wir waren auch schon mal auf Entdeckungstour in St. Peter und haben geschaut, ob es dort etwas mehr zu entdecken gibt als in normalen Wohnvierteln mit eher gesetzterer Bevölkerungsstruktur. Denn dem Vernehmen nach hat St. Peter nach GoHo die aktivste alternative Barszene. Es gibt dort so Orte wie das sehr einladend klingende Arsch & Friedrich und auch andere kleine Bühnen, Theater und Kleinkunsteinrichtungen lassen sich wohl dort finden, wenn ich denn nun mal dort hinkommen würde.
Wie so oft im Leben darf man nicht warten, bis es einen irgendwo hin verschlägt, sondern man muss selbst aktiv werden (5€ in die Lebensweisheitskasse). Und dann passierte das unfassbare. Ganz zufällig und beiläufig entdeckte ich an einem grauen Dezembernachmittag mitten in einer eher tristen Ecke in St. Peter nichts weniger als das mystische und sommerliche Wunderland mitsamt Fliegenpilz und Blick ins Grüne. Mir fällt spontan auf meinen ausgetretenen Pfaden nicht eine einzige Wand ein, die nur halb so großflächig und fantasievoll bepinselt wäre. Darf ruhig öfter passieren das Leute ihre Wände bemalen. Nicht nur in St. Peter, sondern auch überall sonst in der Stadt. Eintönige Fassaden gäbe es zur Genüge und vielleicht locken andere Wunderländer auch noch ein paar mehr Leute weg von ihren ausgetretenen Pfaden (5€ in die Kasse mit den unerfüllten Wünschen).
Hintergrund
Für den Verlag Nürnberger Presse erstöber ich einmal im Monat eine „ungewöhnliche Stadtansicht“ und erdenke mir einen Text dazu. Beides erscheint dann im Stadtanzeiger, der Beilage der NN und NZ. Der Name der Fotokolumne ist „Ungeschminkt“. Einen Tag nach der Veröffentlichung in der Zeitung erscheint Bild und Text auch hier im Blog.
Nürnberger Lebkuchen
Nürnberg, Kilianstr. im Dezember 2012
Meanwhile in Istanbul
Straßenzene in Kadiköy / Istanbul am 12. November um 16:09 Uhr.
Canon EOS 550D
Canon EF-S 18-135 mm 1:3.5-5.6 IS
Vintage colors by Pixlr-o-matic
Meanwhile in Weißenfels
Eigenartige Industrie auf Ackerland. In der Nähe von Weißenfels.
Meanwhile in Nürnberg (13)
Nüchterne deutsche Nachkriegsarchitektur. Nürnberg.
Der Barbierstuhl hinterm Volksbad [Ungeschminkt]
Mein erster Besuch im Volksbad in Nürnberg kam überraschend. Ein Filmteam vom Bayrischen Rundfunk meldete sich bei mir und war für eine kleine Dokumentation über “Urban Exploring” auf der Suche nach Leuten, die in Bayern leben und “urban Exploring” machen. Also Leute die am liebsten in Industrieruinen einsteigen und sich an der Ästhetik des Verfallenen erfreuen und fotografisch dokumentieren. Diese Szene ist in Bayern unfassbar klein und so fällt man schon auf, wenn man auf der eigenen Webseite zwei-drei Mal was über solch ein Hobby schreibt und entsprechende Bilder veröffentlicht. Man erkundigte sich auch nach einem Ort wo man drehen könnte und nachdem der Milchhof ja leider Geschichte ist, blieb fast nur das vorbildlich runtergekommende Volksbad übrig. Mit seiner schön verfallenden, verschlissenen, verstaubten und verdreckten Jugenstilästhetik bietet es nach wie vor das perfekte Ambiente für solch ein Vorhaben.
Ich beitreibe “Urban Exploring” maximal als Nebenhobby und bin bei aller Unscheinbarkeit der Szene zwar nicht der einzige in Bayern aber ich war offenbar der einzige, der sich überhaupt auf Anfragen vom BR zurück gemeldet hat und somit kam der Auftrag, zusammen mit den Leuten vom BR im Volksbad zu drehen. Nach der Frage, nach weiteren Bekannten mit diesem Hobby wurde Fotografiefreundin Hanna durch Handauflegen direkt zur Urban-Exploring-Spezialistin und es konnte losgehen. Wir drehten fast einen ganzen Tag im Volksbad, stellten Szenen nach, taten so als würden wir staunend das Gebäude erforschen (war nicht geschauspielert, war wirklich so), machten Interviews und vor allem fotografierten wir. Das Filmteam war voll ausgestattet mit Lichttechnik und Nebelmaschine und so entstanden grandiose grandiose Bilder.
Man unterschätzt das Gebäude komplett, wenn man es nur von außen kennt und seine Ausmaße sind nur schwer zu erahnen. Es ist sehr weitläufig, hat drei große Schwimmbecken, etliche Räume mit Badewannen, diverse Umkleide- und Duschräume, riesige Technikbereiche im Keller, einen großen Wasserturm und einen separaten Club- und Saunabereich mit Dachterrasse, der aber offensichtlich nachträglich installiert wurde, weil die hässlichen Holzvertäfelungen so gar nicht zu dem geschmackvollen Ambiente des restlichen Bades passen wollen. Man kann sich wirklich einen ganzen Tag drin aufhalten und die Ecken erforschen und beim durchstöbern der Räume fanden wir nicht nur die offensichtlichen Relikte der Nassnutzung, sondern auch Spuren von Technoparties, Modenschauen und insbesondere Ecken, die für Fetischfotografie dekoriert wurden.
Der Beitrag wurde nie gesendet und wir bekamen das Filmmaterial (wird ordentlich viel gewesen sein) nie zu Gesicht. Aber der Tag hat die ganzen letzten Jahre des freudlosen GEZ-zahlens locker wettgemacht. Wann bekommt man für seine Gebühren schon mal professionelles Equipment samt Techniker gestellt?
Jedenfalls war ich seit dem öfter im Volksbad. Bei einer der Führungen durch das alte Bad, organisiert und durchgeführt vom Förderverein Volksbad e.V. war es nach dem Ende der offiziellen Tour und nach etwas Klönschnack mit den Vereinsmitgliedern möglich, durch Türen zu gehen, die dem normalen Besucher der Tour verschlossen blieben. Man kann nämlich auf einen südlich gelegenen Hinterhof gelangen und dort einen alten Barbierstul finden. Nachdem im Volksbad selbst mittlerweile praktisch jede mögliche Ecke aus jedem erdenklichen Winkel von vielen Leuten fotografiert wurde (man findet viele Fotos im Netz) ist solch ein Foto von einem Gegenstand aus dem Orbit des Bades wieder etwas besonderes. Die Zeiten in denen Menschen in dem Stuhl Platz genommen haben sind offenbar lange her und er fristet nun ein Dasein irgendwo zwischen Liebhaberstück und nicht abgeholtem Schrott, wie vergessene Oldtimer in alten Garagen.
Hintergrund
Vom Verlag Nürnberger Presse habe ich den Auftrag einmal im Monat eine „ungewöhnliche Stadtansicht“ einzufangen, eine Art Fotokolumne. Ihr Name ist „Ungeschminkt“ und erscheint im Stadtanzeiger, der Beilage der NN und NZ. Dieser Text und das Bild ist ihm Rahmen dieser Kolumne entstanden.
Einen Tag nach der Veröffentlichung in der Zeitung erscheint Bild und Text auch hier im Blog.
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