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Im Jahr 2008 schloss “das schönste Kino Nürnbergs“, das Atrium. “Ein Filmpalast aus der guten alten Kinozeit, komplett neu renoviert und mit modernster Licht- und Tontechnik für anspruchsvollen Filmgenuss in unwiderstehlich charmantem Ambiente” so stands geschrieben seinerzeit, aber der Tod des Filmvorführers (so munkelt man) brachte dem Kino ein jähes Ende. Im Jahr 2010 entstand dann das Foto des verfallenen Atriums. Der schön ranzige Charme war noch da, getragen vor allem durch den die ganze Fassade einehmenden Schriftzug. Auch davon ist gerade nicht mehr viel zu sehen. Scheinbar bekommt das Gebäude eine Farbsanierung, vielleicht um es attraktiv für eine weitere Nutzung zu machen? Wer weiss…
3. November 2011
Die Weserstr. in Berlin Neukölln hat noch nicht ganz die Kneipen- und Touristendichte wie die Simon-Dach-Straße in Friedrichshain, aber dafür wird man dort auch (noch) nicht um 23:00 Uhr langsam, aber bestimmt von der Außenbestuhlung in die Bars gedrängt um den Anwohnern Ruhe zu geben. Die Anwohner dort haben nicht den Einfluss und möglicherweise auch nicht das Bedürfnis sich Ruhe einzuklagen. Die Flachbildschirmdichte in den Bars ist überschaubar. Noch herrscht dort dieses Fünkchen Anarchie, das Friedrichshain einst bekannt und begehrt gemacht hat. Auch hier wird es erlöschen. Die Weserstr. ist jetzt schon jetzt cooler. Es spricht sich rum und wird immer bekannter und attraktiver und ich war auch noch schuld, denn ich schrieb drüber und publizierte es. Ein Teufelskreis. Bringen wirs hinter uns.
4. Oktober 2011
Fotos der Neubesiedelung des alten AEG Werksgeländes in Nürnberg. Entstanden im Rahmen der Aktion Offen Auf AEG.
Bisher war der Autor davon ausgegangen, dass Kunst in Nürnberg nicht groß passiert*. Nürnberg als Arbeiter- und Bauernstadt, geprägt von Schwerindustrie und einem verpassten Strukturwandel. Kunst im öffentlichen Raum ist nach wie vor nur schwer zu entdecken und der Ruf, dass Nürnberg eine Kunstszene oder gar eine Bohème hat, hält sich arg in Grenzen. Der letzte, der in der Stadt etwas Kunst gemacht hat und das auch nach außen getragen hat, muss Dürer gewesen sein. Soweit das zementierte und schön stimmige Weltbild.
Wo nun auf einmal die ganzen Künstler und Kreativen herkommen, die das alte AEG-Gelände bevölkern, erklärt dieses Weltbild nur unzureichend. “Na von der Kunstakademie!”, wird dann geantwortet. Allerdings wo waren die ganzen Leute vor 4 Jahren, als das Gelände noch Industriebrache war? Etwa in kleinen versteckten Zimmern, abgeschnitten von der Außenwelt? Würde erklären warum nie was nach draußen gedrungen ist.
Das Spinnereigelände in Leipzig ist Vorbild für die Umgestaltung des AEG-Geländes. Nun hat Leipzig einen Ruf als Künstlerstadt und es gibt die “Leipziger Schule” als Strömung in der modernen Malerei. Somit war es schlüssig dort einen Schaffenstempel für die ganzen Kreativen zu errichten. Die Nürnberger Schule ist eine Baumkletterschule (ja, auf Bäume klettern. Nicht kompliziert, einfach zu verstehen). Und somit weitab von Kunst und es war dem Autor auch deswegen unklar, wie so ein riesiges Gelände, wie das der AEG, mit lokaler Kunst vollgemacht werden sollte.
Das Gelände ist nun voll mit lokaler Kunst und die Warteliste für die Ateliers ist lang (ca. 90 Leute). Kunst passiert in Nürnberg und das nicht zu knapp und vor allem passieren tolle Sachen. Das ist völlig überraschend. “Toll, dass es diesen Schaffenskomplex jetzt gibt und ein Austausch stattfindet”, formulierte man in einem der Ateliers. Wird Zeit, dass das auch nach außen getragen wird und dass man die Stadt auch auf der Kunstebene wahrnimmt (ja, der Autor tut sich da auch schwer mit, aber die Faktenlage ist erdrückend). Es bleibt außerdem zu hoffen, dass das Gelände nicht weiter vermainstreamt. Die Blaue Nacht ist z.B. zum reinen Promotionquatsch verkommen und künstlerisch arg wertlos geworden. Wenn das mit dem AEG-Gelände auch passiert, dann wird das nix mit dem Ruf als Künstlerstadt.
Hier nun Fotos von einem Rundgang durch die Ateliers, das Gelände und einiger Ausstellungsräume:
*ja, es gab und gibt etliche kleinere Aktionen und auch Aktive. Bekommt man schon mit. Allerdings zeitlich und räumlich sehr verstreut bisher. Nichts was ein Stadtbild prägt.
Technik: Canon EOS 1000D 18-135mm f/3.5-5.6. Die Fotos sind gecropped und meist farblich nachbearbeitet.
27. September 2011
Edition Humboldtstraße
„Nürnberg in zwei Stunden? Schlendern Sie durch die Humboldtstraße in der Südstadt!“, steht wohl in noch keinem einzigen Reiseführer. Zu Unrecht, findet der Autor. Die Humboldtstraße flankiert fast das ganze südliche Zentrum der Stadt und schlängelt sich bzw. sticht durch verschiedene Quartiere und Epochen. Von West nach Ost geht’s von schlichter Arbeitersiedlung und Nachkriegsarchitektur, vorbei an Backsteinindustrie bis hin zu Jugendstilensemblen. Vieles hat zwar schon mal bessere Tage gehabt, aber das ist ja in Nürnberg auch allgemein so. Ist dennoch ein guter und facettenreicher Querschnitt durch die Stadt. Etwas verträumt mit vielen verschlossenen Fenstern, schmucklosen Fassaden und insgesamt wenig einladend. Könnte ein quirliges Kiez sein, ist es aber nicht. Da ist noch viel Platz für Cafés, Boutiquen und Straßenleben, gerade im östlichen Teil. Aber für einen Fotowalk ists genau richtig:
Die Fassaden in der ganzen Straße sind übrigens erstaunlich frei von Graffitis, Stenciln, Stickern und ähnlichem. Etwas bedenklich in einem urbanen Quartier wie diesem. Lässt insgesamt auf älteres, regungsloses, wenig studentisches Publikum schließen. Da wird so schnell nix hippes draus. Gostenhof ist dagegen ja das Leben pur.
Technik: Canon EOS 1000D 18-135mm f/3.5-5.6. Die Fotos sind gecropped und meist farblich nachbearbeitet.
20. September 2011
Nürnberg war nicht immer hässlich, aber in der Vergangenheit führten Fehler in der Ideologie der Bewohner zum heutigen Stadtbild. Eine sehr krasse ideologische Verfehlung sorgte für die fast restlose Zerstörung der Stadt im Jahr 1945 und die nächste blöde Idee war, die Stadt mit den Mitteln und Ideen der Nachkriegszeit wieder so aufzubauen als wäre nix gewesen (Könnte man die NPD als Quasinachfolger der NSDAP nicht mal für die architektonischen Fehlleistungen haftbar machen?). Ein Schicksal das aber auch andere deutsche Städte teilen, wenn auch nicht alle.
Richtig traurig wird’s dann, wenn man Fotos von vor der Zerstörung sieht und eben solche sind letztens bei Flickr aufgetaucht. Ein Fotoset von 21 Bildern aus oder von einem Souvenirfotoalbum. Die meisten Bilder davon aus einer Zeit, als die Altstadt noch intakt war, aber auch einige, die die Zerstörung zeigen. Das Copyright liegt vermutlich beim Stojaverlag. Ich hoffe es ist in Ordnung, wenn ich ein paar der Bilder hier exemplarisch zeige.
23. Juni 2011
In Franken herrscht akute Wasserflächenarmut. Was schade ist, da man keine schöne Runde um den See drehen kann (zumindest um keinen schönen See) oder man kann auch nicht abends mit ner Flasche Wein runter ans Meer und den Tag zu begießen. Man kann sich aber unterwürfig der Macht von Wetter hingeben, auch wenn der Charme von einem Tag mit Starker Brandung und Orkanböen etwas fehlt, so gibt es doch stark wechselhafte Tage mit Sonne und kräftigen Schauern, wie heute am Walberla. Und auf einmal denkt man auch nicht mehr an Waserflächenarmut, weil nämlich gerade eine Wasserfläche auf einen zukommt. Zwar nicht ganz mit dem Thrill den möglicherweise Tornadofotografen verspüren aber doch mit der Gewissheit, dass gleich alles klitschepatschenass ist wenn die Wolke von dem Dorf ablässt und das Frischfleisch am Hang wittert…
19. Juni 2011