Die Fabrik im Hafen
Mit Nürnberg assoziiert sich nicht in erster Linie Schifffahrt. Der Hafen entzieht sich auch gekonnt dem Stadtbild und der öffentlichen Wahrnehmung. Ich kenne den Hafen auch nur von Kurierfahrten, wenn mal was mit einer Spedition verschickt werden muss, oder wenn irgendeine Sendung im Zoll hängen geblieben ist. Der Nürnberger Hafen ist ein echtes Industrieviertel. Am Wochenende ausgestorben und ohne nennenswerten Freizeitwert. Was für einen Hafen natürlich schade ist, da ein Blick auf Wasser und vorbeiziehende Schiffe was ungemein Beruhigendes und Entspannendes hat.
Aber kaputte Industrie hat auch was ungemein Beruhigendes, Entspannendes und Faszinierendes. Und dafür ist der Hafen dann doch wieder zu gebrauchen. Eine Fabrik steht in seinem Inneren am Wasser. Leer, einsturzgefährdet und angenehm verbraucht. In diesen Zustand befindet sich das Gebäude offenbar noch nicht so lange. Ein Wandkalender im Meisterkabuff zeigt das Jahr 2009. Ohne diesen Hinweis hätte ich aber nie vermutet, dass die Hallen erst ein paar Jahre leer stehen. Es hätten auch Jahrzehnte sein können, seitdem der letzte Arbeiter durch die Gänge geschlurft ist und versucht hat, den Boden sauber zu halten. Das dürfte eh recht schwer gewesen sein. Was auch immer in den Hallen gelagert, gestapelt und bearbeitet wurde, es hat getrocknete Schlacke und interessante Verfärbungen hinterlassen. Auf die Idee, irgendwas anzufassen, zu streicheln oder abzulecken kommt hier derzeit niemand so schnell.
Die Fotos sind an einem frostigen Sonntag entstanden. Das trübe Wetter und der unberührte Schnee geben der ganzen Szenerie noch mal eine besondere Note. Der Wind war seicht und kühl. Zu hören war kaum etwas. Hin und wieder tröpfelte mal was von der Decke, oder irgendetwas schlug im Wind gegeneinander und gab metallisch Geräusche von sich. Sehr unregelmäßig, dumpf und entfernt. Bis auf den schlummernden Fernfahrer in dem Lastwagen vor dem Gebäude dürfte auch sonst niemand in der Gegend gewesen sein.
Technik: Canon EOS 550D 18-135mm f/3.5-5.6. Die Fotos sind manchmal leicht gecropped und farblich etwas in die richtige (düstere) Richtung geschubst.
Weitere Fotos der Location von Danko.Green.
Meanwhile in Weißenfels
Eigenartige Industrie auf Ackerland. In der Nähe von Weißenfels.
Sprengung des Schornsteins im Milchhof
Update
Weitere Bilder u.a. da, hier und dort.
Update 2
Haufenweise Videos von der Sprengung sind hier versammelt.
Da geht er hin…

…, der Milchhof, trotz Denkmalschutz, und macht richtig viel Platz für Neubauten. Mal sehen was das wird. Andere olle Gebäude, die auch unter Denkmalschutz stehen, lässt man dafür stehen und pflegt sie. Die Frauenkirche zum Beispiel. Allerdings habe ich die im Gegensatz zum Milchhof nie von innen gesehen.
Bewundernswerte Industriedenkmäler
Wer denkt, architektonische Meisterleistungen hat es in Nürnberg seit dem Mittelalter nicht mehr gegeben, der ist schief gewickelt. Gerade in den letzen Jahrzehnten hat man es geschafft echte Akzente zu setzen. Es gibt viele interessante Bauwerke, die Nürnberg seinen einzigartigen Charme geben und nachhaltig das Stadtbild prägen.
Besonders hervorzuheben wäre da eine wundervolle Müllverbrennungsanlage, die nicht mal 1000m südlich vom historischen Kern der Stadt erbaut wurde. Sie wurde so gestaltet, wie es sich für eine Müllverbrennungsanlage im Herzen einer Stadt gehört. In formvollendeter industrieller Nüchternheit steht sie da. Man hat zum Beispiel nicht den grotesken Fehler der Wiener gemacht, und ein Kunstwerk draus gebaut.
Im Norden befindet sich ein Bauwerk, dass mit seiner Ästhetik und seinem Charisma die Menschen in seinen Bann zieht. Eine grazil geformte Manufaktur, die über einen ganzen Stadtteil erstrahlt. Das schnöde Produkt Eis wird zu einer Offenbarung, denn wenn ein Unternehmen so viel Liebe zum Detail und Geschmack in ihre Manufaktur steckt, wie muss dann erst das dort produzierte Eis schmecken?
Eine Fotostrecke.
Bayerische Milchversorgung

Die Paladin Milchfabrik war der Sitz der “Bayerischen Milchversorgung”. Die Fabrik befindet sich in Nürnberg-Tullnau unweit des Wöhrder Sees und des Norikus. Sie wurde wohl Ende der zwanziger Jahre erbaut, steht unter Denkmalschutz und seit bestimmt über 10 Jahren leer.
Fotos vom 15. September 2002
Es gibt weitere Fotos der alten Fabrik im Netz, z.B. von Oliver Spuhl.
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