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Fotos der Neubesiedelung des alten AEG Werksgeländes in Nürnberg. Entstanden im Rahmen der Aktion Offen Auf AEG.
Bisher war der Autor davon ausgegangen, dass Kunst in Nürnberg nicht groß passiert*. Nürnberg als Arbeiter- und Bauernstadt, geprägt von Schwerindustrie und einem verpassten Strukturwandel. Kunst im öffentlichen Raum ist nach wie vor nur schwer zu entdecken und der Ruf, dass Nürnberg eine Kunstszene oder gar eine Bohème hat, hält sich arg in Grenzen. Der letzte, der in der Stadt etwas Kunst gemacht hat und das auch nach außen getragen hat, muss Dürer gewesen sein. Soweit das zementierte und schön stimmige Weltbild.
Wo nun auf einmal die ganzen Künstler und Kreativen herkommen, die das alte AEG-Gelände bevölkern, erklärt dieses Weltbild nur unzureichend. “Na von der Kunstakademie!”, wird dann geantwortet. Allerdings wo waren die ganzen Leute vor 4 Jahren, als das Gelände noch Industriebrache war? Etwa in kleinen versteckten Zimmern, abgeschnitten von der Außenwelt? Würde erklären warum nie was nach draußen gedrungen ist.
Das Spinnereigelände in Leipzig ist Vorbild für die Umgestaltung des AEG-Geländes. Nun hat Leipzig einen Ruf als Künstlerstadt und es gibt die “Leipziger Schule” als Strömung in der modernen Malerei. Somit war es schlüssig dort einen Schaffenstempel für die ganzen Kreativen zu errichten. Die Nürnberger Schule ist eine Baumkletterschule (ja, auf Bäume klettern. Nicht kompliziert, einfach zu verstehen). Und somit weitab von Kunst und es war dem Autor auch deswegen unklar, wie so ein riesiges Gelände, wie das der AEG, mit lokaler Kunst vollgemacht werden sollte.
Das Gelände ist nun voll mit lokaler Kunst und die Warteliste für die Ateliers ist lang (ca. 90 Leute). Kunst passiert in Nürnberg und das nicht zu knapp und vor allem passieren tolle Sachen. Das ist völlig überraschend. “Toll, dass es diesen Schaffenskomplex jetzt gibt und ein Austausch stattfindet”, formulierte man in einem der Ateliers. Wird Zeit, dass das auch nach außen getragen wird und dass man die Stadt auch auf der Kunstebene wahrnimmt (ja, der Autor tut sich da auch schwer mit, aber die Faktenlage ist erdrückend). Es bleibt außerdem zu hoffen, dass das Gelände nicht weiter vermainstreamt. Die Blaue Nacht ist z.B. zum reinen Promotionquatsch verkommen und künstlerisch arg wertlos geworden. Wenn das mit dem AEG-Gelände auch passiert, dann wird das nix mit dem Ruf als Künstlerstadt.
Hier nun Fotos von einem Rundgang durch die Ateliers, das Gelände und einiger Ausstellungsräume:
*ja, es gab und gibt etliche kleinere Aktionen und auch Aktive. Bekommt man schon mit. Allerdings zeitlich und räumlich sehr verstreut bisher. Nichts was ein Stadtbild prägt.
Technik: Canon EOS 1000D 18-135mm f/3.5-5.6. Die Fotos sind gecropped und meist farblich nachbearbeitet.
27. September 2011
Es ist das rohe, ungehobelte, postindustrielle, das sehr einladende und inspirierende Ambiente aus einer Welt der komplett entgegengesetzten Nutzung. Es fasziniert immer wieder aufs Neue, wenn sich auflösende Orte ihren Charme behalten, während sie einer neuen Nutzung zugeführt werden. Insbesondere wenn’s was mit Kreativität, Aus- und Eindrücken zu tun hat. Es reibt sich so schön. Orte, die sich gegen Konzepte wehren, dafür aber mit Ideen und Improvisation punkten. Ein schöner Idealzustand der sich gerade im Nordostpark in Nürnberg beim Happening „NORDOSTART“ wieder bewundern lässt.
Und der Autor bekommt zudem abermals das Gefühl eingepflanzt, dass in Nürnberg „was geht“. Solche Aktionen, vor allem in solchem Ambiente wurden lange schmerzlich vermisst, bzw. dann einfach in Berlin oder anderen Kreativhochburgen gesucht und auch gefunden.
Spannende Kombination aus Kunst- und Fotografie-Ausstellung, Kurzfilmen, Theater, Livemusik und Videoinstallationen.
Infos unter www.frame-artconcept.de, am 22.09. kommt noch eine Finnisage.
19. September 2011
Update:
Weitere Bilder u.a. da, hier und dort.
Update 2:
Haufenweise Videos von der Sprengung sind hier versammelt.
15. März 2008

…, der Milchhof, trotz Denkmalschutz, und macht richtig viel Platz für Neubauten. Mal sehen was das wird. Andere olle Gebäude, die auch unter Denkmalschutz stehen, lässt man dafür stehen und pflegt sie. Die Frauenkirche zum Beispiel. Allerdings habe ich die im Gegensatz zum Milchhof nie von innen gesehen.
23. Februar 2008
Wer denkt, architektonische Meisterleistungen hat es in Nürnberg seit dem Mittelalter nicht mehr gegeben, der ist schief gewickelt. Gerade in den letzen Jahrzehnten hat man es geschafft echte Akzente zu setzen. Es gibt viele interessante Bauwerke, die Nürnberg seinen einzigartigen Charme geben und nachhaltig das Stadtbild prägen.
Besonders hervorzuheben wäre da eine wundervolle Müllverbrennungsanlage, die nicht mal 1000m südlich vom historischen Kern der Stadt erbaut wurde. Sie wurde so gestaltet, wie es sich für eine Müllverbrennungsanlage im Herzen einer Stadt gehört. In formvollendeter industrieller Nüchternheit steht sie da. Man hat zum Beispiel nicht den grotesken Fehler der Wiener gemacht, und ein Kunstwerk draus gebaut.
Im Norden befindet sich ein Bauwerk, dass mit seiner Ästhetik und seinem Charisma die Menschen in seinen Bann zieht. Eine grazil geformte Manufaktur, die über einen ganzen Stadtteil erstrahlt. Das schnöde Produkt Eis wird zu einer Offenbarung, denn wenn ein Unternehmen so viel Liebe zum Detail und Geschmack in ihre Manufaktur steckt, wie muss dann erst das dort produzierte Eis schmecken?
Eine Fotostrecke.
2. Juni 2007

Die Paladin Milchfabrik war der Sitz der “Bayerischen Milchversorgung”. Die Fabrik befindet sich in Nürnberg-Tullnau unweit des Wöhrder Sees und des Norikus. Sie wurde wohl Ende der zwanziger Jahre erbaut, steht unter Denkmalschutz und seit bestimmt über 10 Jahren leer.
Fotos vom 15. September 2002
Es gibt weitere Fotos der alten Fabrik im Netz, z.B. von Oliver Spuhl.
16. September 2006