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24. Mai 2012

Schöne Ecken

Kenner dieser Seiten werden es wohlmöglich mittlerweile bemerkt haben: hier werden die zwar hässlichen, aber deswegen nicht uninteressanten Ecken insbesondere von Nürnberg nach außen getragen. Und zwar mittels Fotografie. Wenn man so etwas tut oder auch rezipiert, dann beschäftigt man sich zwangsläufig mit einer Stadt. Man erforscht, entdeckt und interessiert sich für sie und ihre Ecken und Kanten. Unzulänglichkeiten werden kritisiert, dokumentiert, hervorgehoben und diskutiert, vielleicht auch mit dem Hintergedanken, dass mal etwas besser und angenehmer wird. Vielleicht macht’s aber auch einfach Spaß am Image zu kratzen. Wie auch immer.

Einen anderen, sehr interessanten Ansatz zum Thema Stadterforschung haben Helge Kletti und Cornelis Kater aus meiner alten Heimat Hannover bereits letztes Jahr gestartet. In ihrem exquisiten und schön subjektivem Podcast Schöne Ecken suchen sie nach „dem Wahren, Schönen, Lebenswerten und Gutem in unseren Städten“. Begonnen haben sie dann direkt mit dem hässlichen Raschplatz in Hannover, allerdings ohne da jetzt bis auf das Indiekino eine besonders schöne Ecke rauszuarbeiten (was auch schwierig ist). Sie sind mittlerweile aber auch in Berlin Kreuzberg/Friedrichshain unterwegs gewesen und haben aktuell die architekturbesessenen Spanier besucht.

Ich konnte z.B. der akustischen Tour durchs Wrangelkiez mit meinem geistigen Auge komplett folgen und habe fast jede Ecke wiedererkannt (inkl. Graffitis). In dem Podcast entdeckt man eine Stadt oder ein Kiez durch Leute, die dort leben und somit auf eine wahrhaftigere Art und Weise, als es jeder Touristenführer je könnte.

Ich bin gerade dabei, meine Heimatstadt akustisch neu zu entdecken und hoffe, dass noch viele weitere Städte folgen und vielleicht wäre ja auch mal Nürnberg eine Erforschung wert. Vielleicht findet man ja eine schöne Ecke ;)

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.


Quelle: Schöne Ecken Podcast

(via wir müssen reden. Auch so ein schöner Podcast.)

17. April 2012

Die Kneipe am Eck Bewegung

Aus aktuellem Anlass – denn es ist bald wieder soweit – möchte ich an dieser Stelle kurz das Konzept einer Kneipentour der besonderen Art vorstellen. Vielleicht sogar als Vorbild und Anregung für den einen oder die andere so was auch zu machen. Auch in Nürnberg oder anderswo.

Das ganze wurde in Nürnberg im April 2004 geboren, als Geburtstagsfeier eines (Zufall?) Sozialpädagogen. 44 Leute streiften zu der Zeit bestgelaunt durch die Nürnberger Südstadt auf der Suche nach den “assigsten und abgewracktesten” Kneipen der Gegend. Lokalitäten mit alten verrauchten Gardinen, dunklen Fenstern, den alten Spielautomaten an der Wand, den alten Möbeln, den Holzvertäfelungen und den immer gleichen vom Leben gezeichneten Gesichtern. Arbeiterkneipen, oder Kneipen von Menschen die mal Arbeit hatten. Oder von Menschen, die noch nie Arbeit hatten. Die Regeln wurden vorher festgelegt: rein, jeder “a Bier, an Schnaps, an Schnitt” und dann weiter in die nächste Eckkneipe. Das letzte Abenteuer unserer Zeit. Andere Stadtteile folgten. Stadteile mit einer spürbaren Dichte solcher Kneipen. Also Gegenden wie z.B. St. Leonhard/Schweinau. Am kommenden Samstag ist Wöhrd dran.

Solch eine Kneipentour ist in der Tat eine Erfahrung. Für die Kneipen sowie für die Teilnehmer der Tour. Für die Kneipen ist es der reinste Flashmob. Kommt nicht oft vor, dass einige Dutzend Leute (junge Leute!) solch eine Eckkneipe stürmen und dort was trinken wollen. Verwunderte Gesichter bei Barkeepern und den typischerweise nur eher vereinzelnden meist männlichen Gästen. Zudem werden die Getränke sofort bezahlt, was nicht so komplett selbstverständlich ist in jenen Kneipen mit den Strichlisten hinten an der Bar.

Und dann gibt es Annäherungen. Begegnungen der dritten Art. Biere, Schnäpse und Schnitte erleichtern die Interaktion mit den anderen Gästen und dem Barpersonal. Begegnungen, die sonst wohl so nie stattfinden würden. Wann kann man sich denn schon mal mit Dittsche unterhalten?

Etwas Mut gehört indes dazu, zu solch einer Tour. Es ist nicht für jeden ein unbedingt leichter Schritt die angetraute Gesellschaftsschicht zu verlassen, insbesondere wenn’s nach unten geht, in das “Milieu der Gescheiterten”. Ein regelmäßiges selbsterwirtschaftetes Einkommen ist etwas, was normalerweise Abstand von solchen Kneipen und den Schicksalen in ihnen schafft. Dittsche im Fernsehen gucken ist das eine. Dort ist es eine mit einem Fernsehpreis ausgezeichnete Improvisationskomiksendung. Solche eine Kneipentour und ihre Protagonisten sind real. Und man kann nicht umschalten wenn’s unangenehm wird, denn Reibungen sind nicht ausgeschlossen. Man kann aber dabei gewesen sein, wenn’s lustig war!

25. Juni 2009

Finnland Exkursion

you_should_be_here

Es sah so aus, als wäre ich nicht fünf Wochen in Urlaub gefahren, sondern in ein Trainingscamp. Ich hatte mich eigentlich seelisch auf etwas freie Zeit mit und in Finnland vorbereitet aber dann stand die Arbeit doch im Vordergrund. Und zwar mehr als sonst, hatte auch mehr Zeit für die Arbeit als sonst und lustigerweise war es auch interessanter als sonst. Die ganzen finnischen Kollegen (von denen etliche chinesisch, indisch, deutsch oder wer weiß was gewesen sind) machten den Job um einiges interessanter als wenn man normal zu Hause hocken würde. War Klimawechsel, war schon ne andere Welt und ein paar Erfahrungen durfte ich dann trotzdem noch machen, oben bei den kleinen Finnen, man hat ja nicht den ganzen Tag nur gearbeitet:

  • ja, es ist in Finnland kälter als in Deutschland.
  • Busse muss man selbst anhalten, und zwar per Handzeichen. Die halten nicht von selber. Man guckt doof hinterher wenn man das nicht weiß.
  • Die Finnische Sprache ist die Hölle und praktisch nicht erlernbar. Wenn man versucht ein finnisches Wort auszusprechen, z.B. einen Straßennamen, dann hat man spätestens ab der Mitte vergessen wie das Wort angefangen hat. Es ist wirklich sehr schwer. Ausländer, die seit vier Jahren in Finnland leben können sich so einigermaßen auf Finnisch unterhalten (nach eigenen Angaben). Dürfte so ungefähr der Level wie nach einem halben Jahr Englisch sein. Gibt aber auch Genies die Finnisch nach einem halben Jahr gut können. Man unterhält sich aus Ausländer mit den Finnen auch eher auf Englisch als auf Finnisch, selbst im Freundeskreis. Im Büro wird meist eh Englisch gesprochen.
    Wenn du dich nun immer noch etwas für Finnisch interessierst, dann seit dir mal der folgende schön ironische Text ans Herz gelegt: Finnisch, die Weltsprache, oder einfach mal schönes finnisches Radio hören.
  • Finnen haben dagegen kein Problem mit Fremdsprachen. Ab einem gewissen Bildungsgrad ist Englisch fast fließend, auch wenn man noch finnisches Kind ist und noch gar nicht so lange zur Schule geht. Im Kino sind die ausländischen Filme finnisch und schwedisch gleichzeitig untertitelt und laufen im Original. Was sehr schön ist. Endlich mal den Blockbuster unsynchronisiert im fetten Kino gucken und nicht im drittklassigen Fremdsprachenkino. Im Fernsehen dasselbe, es wird nicht synchronisiert und das wertet die ganzen Filme und TV-Serien sogar noch auf, selbst wenn es CSI irgendwo ist.
  • Kein Auto ohne Steinschlag in der Scheibe. Insgesamt wird nicht so schnell repariert oder ausgetauscht. Sei es der Bürostuhl mit der kaputten Armlehne, der Frühstückstisch mit dem Brandfleck, die etwas eingerissene Gardine oder die kaputte Fassade. Solange es hält ist’s doch ok.

Helsinki

  • Um Mitternacht ist gerade mal Dämmerung (Juni). Hell genug um draußen rum zu laufen. Es gibt aber Sperrzeiten. Je nach Stadtviertel ist um 3-4 Uhr der Laden dicht. Manchmal sogar früher. Um sechs Uhr morgens steht die Sonne schon recht hoch.
  • Richtigen Alkohol (also Wein, Schnaps, etc) dürfen nur die Alko-Shops verkaufen. Geht aber ohne Probleme, ist wie ein Supermarkt in dem nur Alkohol im Regal steht. Gibt’s an jeder zweiten Ecke. Macht arm.
  • Finnland macht generell arm. Alles ist locker um die Hälfte teuerer als in Deutschland.
  • Dafür ist die Landschaft, die Architektur teilweise unglaublich schön. Manchmal karg und reduziert aber sehr stimmig. Überhaupt ist Design sehr wichtig hier. Ein ganzes Viertel in Helsinki beherbergt mehr als 170 Läden, Galerien, etc die sich nur mit Kunst, Design, Klamotten usw. beschäftigen. Die Ecke wurde Design Destrict Helsinki getauft.
    Windowshopping deluxe und man kann gar nicht so viel verdienen wie man ausgeben möchte.
  • Ob die Menschen hier nun aber schön sind? Ich glaube ihr Ruf ist besser als die Leute selbst oder man verwechselt sie mit den Schweden. Klar hab ich mir ein paar Mal den Hals verrenkt aber die Leute gucken schon etwas sonderbar, seltsam und skurril aus. Man merkt die Nähe zu Russland, Sibirien oder ich weiß nicht was für nem Planeten. Ich würde nen Blog machen mit Fotos von so manchem lustigen Passanten, wenn es das nicht schon gäbe.

Helsinki Bushaltestelle

  • Die finnische Sauna ist ein kleiner Raum aus Holz mit Ofen, einer Holzbank, einer Schale Wasser und einem großen Löffel. Und gar nicht mal so heiß. 70-80 Grad sind schon wieder zu viel, eher weniger. Praktisch jedes Haus hat eine Sauna. Zu Wohnungen ab BJ 2000 gehört die Sauna ins Badezimmer wie das Waschbecken.
  • Moi! Dieses Moi kannst du dir merken, falls du auch mal nach Finnland kommst. Es ist das Finnische Servus oder Ciao, geht als Begrüßung wie als Abschied gleich gut. Man kann es schön in die Länge ziehen (Moooooiii) oder auch doppeln (Moi Moi) oder noch öfter am Stück sagen wie die (attraktive) Kollegin im Büro im Nachbarcubicle, die es manchmal am Ende eines Telefonates drei vier mal gesagt hat. Vermutlich um dem Gesprächspartner endgültig klar zu machen, dass nun wirklich Ende ist mit labern. Gerüchten zufolge ist es auch eins der wenigen Worte, das sich die Finnen aus einer anderen Sprache entliehen haben. Die Ähnlichkeit zum norddeutschen “Moin” kommt nicht von ungefähr. Und somit war es für mich als Norddeutscher auch sehr einfach dieses Moi zu lernen und es funktioniert auch. Man erntet strahlende Gesichter wenn man morgens ins Büro kommt und “Mooooiii” sagt. Man geht als Einheimischer durch, auch wenn nach dem Mooooiii keine finnischen Wörter mehr kommen, der erste Eindruck zählt halt auch hier.
  • Man zahlt viel mit Kreditkarte, auch bzw. gerade in Bars. Es ist kein Problem den ganzen Laden aufzuhalten weil man die 5,80 € für das Bier mit Karte, Unterschrift, etc. begleicht anstatt schnell das Kleingeld auf den Tresen zu legen. Bargeld ist zweitrangig. Man müsste eh nach jedem dritten Getränk zum Geldautomaten rennen bei den Getränkepreisen, von daher geht Kreditkartenzahlung schon ok.
  • Betritt man eine Wohnung, zieht man die Schuhe aus.
  • Ist man wo eingeladen, bringt man ein Gastgeschenk mit, am besten Wein (Alkohol).

Archipelago

  • Reichtum wird nicht sonderlich zur Schau gestellt. Reiche Viertel sehen schon gut und teuer aus, aber nicht sonderlich protzig, sonder eher stilvoll. Ist man reich, behält man es für sich. Protzige Autos sieht man auch vergleichsweise selten. Im mittelmäßigen Nürnberg fahren mehr Oberklasseautos rum als im ganzen Großraum der Finnischen Landeshauptstadt. Einer meinte mal, dass es sogar untersagt sein soll, sein exklusives Seegrundstück abzuschotten. Solange man keinen stört darf man als Privatperson auch ans Ufer der Villa (mal versuchen das dem Bonzen mit der Villa am Starnberger See zu erklären).
  • Auf der anderen Seite ist vermutlich ein VW Golf schon ein Luxusartikel. Wer sich in Helsinki City ein Appartement leisten kann, der lacht über die Preise in München. Ist wohl alles relativ mit dem Reichtum.
  • Glücksspiel ist Volkssport, in jedem Dorfsupermarkt steht ein einarmiger Bandit. Spielhallen haben nichts von dem ranzigen Alkoholiker- / Versagerimage wie in Deutschland, sondern sind hell und freundlich. Selbst der Businesstyp im Anzug versucht nach dem Einkauf noch mal schnell sein Glück. Wenn man etwas drüber nach denkt, dann passt das auch schon wieder zu den Preisen in Finnland.
  • Die gefühlte Hälfte aller Barthaare weltweit wachsen in Finnland.
  • Gespräche über das Wetter sind kein Smalltalk, sondern gehen tief in die finnische Seele. Da macht man besser keine Witze. Licht ist essenziell, man hat nur den kurzen Sommer. Wenn man sich vor Augen hält, dass im Winter die Sonne Mittags für vier Stunden kurz über den Horizont blinzelt, durch die tief hängende Wolkensuppe dazu eh kein Licht durch kommt und man so leben muss, dann kann man das einigermaßen verstehen.
  • Hasen und Kaninchen sind die Ratten von Helsinki und echt ein Problem der Stadt. Wenn man solch ein Tier sieht dann nicht “oh süß!” rufen, sondern drauf schießen.
  • Das Finnische Staatsoberhaupt (Tarja Halonen) sieht nicht nur so aus, sondern sie hat auch ein ähnliches Image und ist ähnlich lange im Amt wie Helmut Kohl.
  • Bei den Schaltern der Post oder bei den Fahrkarten zieht man sich eine Nummer wie man es vom Einwohnermeldeamt gewohnt ist und man wartet dann brav bis die eigene Nummer leuchtet. Ordnung muss sein.

Kiasma Cafe

  • Wenn es im Standard-Finnlandreiseführer heisst: “People generally avoid small talk. Never interrupt others when they are speaking“, es stimm nicht. Die Leute quatschen und labern als gäbe es kein morgen. Gerade wenn Alkohol im Spiel ist.
  • Auch falsch: “Finns are not prone to physical contact (such as greeting one another with embraces)“, kein Unterschied zu Deutschland. Gibt keine besondere Distanz. Im Alltag nicht und mit Alkohol noch weniger.
  • Komplett falsch ist zudem: “Finns are generally a quiet people, so don’t be alarmed by long silences in conversation“, es gibt keine langen Pausen in Unterhaltungen, nicht mehr als anderswo auch. Mal kurz am Glas nippen, den letzen Satz sacken lassen, etc… zu solchen Zeitpunkten ist mal kurz Ruhe, aber wo ist das nicht so? Allerdings: wenn man etwas aus der Stadt raus ist und zu den Bären mit den vielen Haaren kommt, Leute die selten Besuch haben und Menschen vielleicht nur aus dem Fernsehen oder aus den Büchern kennen, da könnte ich mir das schon eher vorstellen. Sprache könnte da vielleicht auch generell ein Problem sein, aber so weit bin ich noch nicht ins Landesinnere vorgedrungen.
  • Refer to people by either Mr., Mrs. or Ms. and their surname until invited to address them otherwise“. Diese Reisetipps sind entweder nicht für Finnland gemacht oder stammen aus dem späten Mittelalter. Ich habe nicht eine Person in Finnland mit Nachnamen angesprochen. Selbst Vorgesetzte nicht oder andere Personen die älter/jünger/schlauer/dümmer/reifer/reicher/toller als ich waren. Kann aber auch an meiner Firmenkultur liegen. Englisch ist Unternehmenssprache und damit gibt es schon mal kein “sie”. Jeder soll konsequent mit Vornamen angesprochen werden, auch wenn es der Vorstand ist. Soll Hierarchien und Kommunikationshürden klein halten. Und ja, es funktioniert!
  • Richtig dagegen ist, dass es keine ein und zwei Cent-Stücke gibt. Wird alles auf 5 Cent aufgerundet.
  • Übrigens: “Do not fold your arms as this may be interpreted as a sign of arrogance. It is impolite to carry on a conversation with your hands in your pockets.” Richtig ist, dass Arroganz in Finnland nicht geht. Habe auch praktisch keine Arroganz erlebt. Aber laut eigenen Angaben haben Finnen keine Ahnung von Körpersprache und es interessiert sie auch nicht. Wenn die Arme verschränkt werden, dann ist dem Finnen einfach kalt.

Das Hotel war am Ende meiner Reise recht ausgestorben auf den Strassen war wenig los. Am Tag zuvor gab es Staus wie in Deutschland zur Osterreisewelle. Alle wollten weg. Das Büro war am Nachmittag schon leer. Nur ich war da und ein paar andere Versprengte ohne Verwandte oder Familie in der Nähe. Denn die Besucht man zu Mittsommer. Man zieht sich zurück, ins Mökki. Die Banken, Geschäfte, Supermärkte hatten geschlossen. Helsinki City war im Vergleich zu normalen Wochenenden eine Geisterstadt. Nur wenige Clubs und Bars hatten überhaupt geöffnet. Touristen zogen umher, der öffentliche Nahverkehr war eingeschränkt. Es soll dieses Jahr jedoch mehr los gewesen sein als sonst zu Mittsommer. Durch das regnerische Wetter am ersten Mittsommertag sind wohl einige in der Stadt geblieben.
Es ist super wenn man um halb 11 Uhr abends am Wasser mit einem Weinchen in der Hand und Sonne im Gesicht aufs ruhige Meer gucken kann und die Schiffe langsam vorbei ziehen. Der Himmel ist sehr weit in Skandinavien, die Luft ist klar und frisch und es ist insgesamt ruhiger und entspannter. Man hat auch mehr Raum. Platz ist eh der einzig wahre Luxus und das hat man dort oben begriffen. Finnland ist manchmal mit all der Ruhe und Relaxtheit plus einem kreativen und reifen Lebensgefühl nur schwer zu toppen.

Update:
Ich muss den Bericht oben etwas korrigieren. Es ist nicht unbedingt so, dass ein Golf teuer wäre, man ist durchaus in der Lage auch teurere und sinnlosere Autos zu bezahlen, nur steht generell das Praktische im Vordergrund. Cabrios machen in den langen Wintern ja keinen Sinn und was will man mit nem Porsche der weder ein Schlagloch aushält noch beladen werden kann. Der Fokus liegt einfach auf nützliche Autos. Grüße an die finnische Kollegin, die das noch mal zur Sprache brachte.

X-post: Dieser Beitrag wurde in einer leicht aktualisieren Version im Juli 2011 auch bei Spreeblick (im Rahmen der Open-Spreeblick-Aktion) veröffentlicht.

8. Januar 2009

Nürnberg Erfahrungsaustausch mit Peter Parkster

Lesen und schreiben ist definitiv schwer angesagt. Überall im Dunstkreis wimmelt es vor Autoren, Poeten, Lyrikern, Lesungen, Poetry Slams usw. “Wohin mit dem ganzen Worten im Kopf?” scheint sich so mancher zu denken und stellt sich dann einfach mal auf eine Bühne und vor Publikum. Das gibt Recht und Erfolg, wie auch Peter Parkster weiss.

Name/Pseudonym: Peter Parkster (jeweils halb/halb Name und Pseudonym)
Alter: 28
Beschäftigung: Arbeiten, Schreiben, Vor(lesen)
URL: www.parkster.de

Warum Nürnberg?
Vor vier Jahren hat es mich nun aus dem Südwesten der Republik nach Nürnberg verschlagen und ich finde die Stadt einfach klasse. Hat alle Vorteile einer Großstadt und ist übersichtlich wie eine Kleinstadt, einfach toll!

Ist Nürnberg schön?
Mir gefällt die Stadt wegen der Vorteile, die ich genannt habe. Und weil meine Freundin hier wohnt.

Was sollte man in Nürnberg tunlichst unterlassen?
Sagen dass Fürth schöner ist (ist es nicht!), sagen, dass “Easy Credit Stadion” gut klingt (tut es nicht) und sagen, dass man alkoholfreies Bier mag (mag man nicht!)

Was sollte man in Nürnberg unbedingt tun?
Im Krakauer-Turm was essen (Salat Danzig), im Sommer auf der Wöhrder Wiese bolzen, im Tierpark Tiere gucken, in die Weinerei gehen, wenn aus.Lese ist.

Nur Nürnberg hat?
Mich. Außerdem die Weinerei (aus.lese!!!), Flocke und das unfreundlichste Burger King-Personal außerhalb der USA.

5. Oktober 2008

Nürnberg Erfahrungsaustausch mit Herrn von Runkenstein

Wer den Herrn von Runkenstein samt seiner horizonterweiterndern Ader nicht kennt, war zumindest noch nie bei einer aus.lese, und zwar noch auf keiner einzigen. Es ist sicherlich nicht einfach HvR zu begreifen. Für eine Beschreibung dieses Zeitgenossen reicht der bisher verfügbare Wortschatz der Menschheit ja nicht aus, geschweige denn der deutsche oder gar fränkische. Ist es Religion, Wissenschaft oder Visionäres? Oder alles Zusammen?
Hin und wieder besucht er jedenfalls Nürnberg (“aufgrund eines erhöhten Schwerkraftfeldes unterhalb dieser Perle an der Pegnitz”) und kann uns deshalb auch etwas über diesen geheimnisvollen Ort berichten. Bitte schön.

Name/Pseudonym: Herr von Runkenstein. Weder “Herr Runkenstein” noch “Runkenstein” noch “Dieser Runkentyp da”.
Alter: Lässt sich aufgrund umfangreicher Raum- und Zeitreisen sowie diverser Zeitdehnungen, -streckungen und -schleifen nicht genau ermitteln.
Beschäftigung: Abenteurer und Forscher im weitesten Sinne, angetrieben von gelegentlicher Geldgier, regelmäßigen was-wäre-wenn-Experimenten sowie einer ausgeprägen ich-mache-es-weil-ich-es-kann-Weltanschauung.
URL: runkenstein.de

Warum Nürnberg?
Warum nicht? Es gibt wesentlich schlimmere Orte. Nürnberg ist beispielsweise besser als:

  • Castrop-Rauxel. Nürnberg klingt einfach schöner, melodischer, kosmopolitischer.
  • Der Mond. Da ist es zwar schön ruhig, aber auch nur schwarz-weiß.
  • Nordkorea. Denn in Nürnberg gibt es keine lästigen Militärparaden und keinen Diktator, dafür genügend Strom und ausreichend Nahrung.
  • München. Hab bisher nur schlechtes darüber gehört.
  • Treibsand. In Nürnberg kann man zwar auch versinken, aber nur im übertragenen Sinne.
  • Der Nordpol. Denn Nürnberg hat wärmeres Klima (zumindest bis jetzt noch), mehr Menschen, und es schmilzt nicht weg.

Ist Nürnberg schön?
Das klingt nach einer Fangfrage. Selbstverständlich ist Nürnberg schön!
Zwar nicht so schön wie Bad Runkenstein, doch definitiv schöner als München, Duisburg, Bielefeld, Halle, Pjöngjang, Juckreiz und Blutsuppe.

Was sollte man in Nürnberg tunlichst unterlassen?

  • sich verfahren.
  • Einen Einheimischen als “Bayer” bezeichnen.
  • Schwarzen Löchern anbieten, ihren Hunger zu stillen.
  • Eine Leiche auf dem alten Indianerfriedhof vergraben.

Was sollte man in Nürnberg unbedingt tun?

  • Nürnberger essen. Die Würstchen, nicht die Leute!
  • Einen Einheimischen als “Bayer” bezeichnen.
  • Brücken- und Bardenfestival besuchen.

Nur Nürnberg hat?

  • Ein Parkhaus unter einer Insel in der Pegnitz. Das muss man sich mal vorstellen: Ein Flussinselparkhaus! Unterirdisch! Sowas verrücktes würde mir selbst auf mit LSD gestrecktem Crack nicht einfallen!
  • Die aus.lese in der Weinerei. Beste Unterhaltung mit erstklassigen Künstlern, und das für umsonst. Der gute Gast hinterlässt allerdings eine Spende.

Nürnberg Erfahrungsaustausch mit Martin.von.der.Rolle

Früher oder später trifft man sie, die Nürnberger, die die Stadt am Leben halten. Die Leute mit Eigeninitiative, Idealismus, Geschmack und dem Herz am rechten Fleck. Man trifft sie aber nicht bei Starbucks oder im Fussballstadion, man trifft sie an den Orten, die jede Stadt so besonders machen, nämlich an diesen kleinen und sehr eigenen Orten. SugarRay proudly presents: Martin.von.der.Rolle

Name/Pseudonym: Martin.von.der.Rolle
Alter: 35
Beschäftigung: exeptionally gifted dental technician
URL: www.residentadvisor.net/dj-page.aspx?id=3576

Warum Nürnberg?
Da ich hier geboren und aufgewachsen bin und bis jetzt nichts zu meckern habe, stellt sich viel mehr die Frage: Warum woanders hin?

Ist Nürnberg schön?
Nürnberg ist wundervoll. Klassische Biergärten, alternative Kneipen, verwanzte Winkel, durchgestylte Ecken, interessante Menschen jeder Couleur. Ich liebe das echt oldschoolige und ziemlich verfallene Westbad und diesen typischen Freibad/Pommes/Mayo-Duft. Man kann bei doch adäquater Größe alles gut mit dem Rad erreichen. Man kann die Anonymität der Großstadt ebenso finden wie die Geborgenheit eines fränkischen Dorfes. Man kann leicht Leute treffen und genauso leicht Leuten aus dem Weg gehen. Eine ausgiebige Südstadtrundfahrt gefällig? Mit der “Schdrasserboh” ganz easy zu erledigen. Ja Nürnberg ist schön aber seine Menschen sind noch viel schöner.

Was sollte man in Nürnberg tunlichst unterlassen?
Die Hotline des örtlichen Stromanbieters anrufen, ein kleines Bier bestellen “dann wartst bist a groos dringn kannst”, sich mit Leuten in der Nordstadt anfreunden, wenn man nicht selbst dort wohnt (Burgberg!) :)

Was sollte man in Nürnberg unbedingt tun?
Im Krakauer Haus ein Schnitzel essen, Die Weinerei besuchen, eine Kneipentour durch Gostenhof und Johannis machen, mal auf der Pegnitz mit dem Schlauchboot nach Fürth schippern …

Nur Nürnberg hat…
… so dicke Mädchen auf Inlinern mit Wassereis und Walkman.

24. Juni 2008

Nürnberg Erfahrungsaustausch mit VIP

Lokalblogger sind im Nürnberger Raum rar gesät. Welche, die auch noch mit kritischen und anregenden Posts glänzen, nicht nur die Nürnberg Klischees rezitieren, sondern den gemeinen Franken so genau kennen, dass der Spiegel vorgehalten wird, ja solche muss man mit der Lupe suchen. Aber es gibt sie. VIP (vermutlich steht dieses Kürzel gerne unter seinen Artikeln in der Nürnberger Zeitung) ist eine dieser Raritäten. Bitteschön.

Name/Pseudonym: vip
Alter: immer zu alt
Beschäftigung: Journalist
URL: http://blog.nz-online.de/vipraum

Warum Nürnberg?
Kenn nix anderes! Genauer gesagt; Bin hier aufgewachsen und Versuche, anderswo in Deutschland heimisch zu werden, sind an “Kommunikationsschwierigkeiten” gescheitert.

Ist Nürnberg schön?
Schön ist was anderes. Aber nicht so häßlich wie Hagen, Duisburg, Stuttgart, Hannover, Bielefeld…

Was sollte man in Nürnberg tunlichst unterlassen?
Nach 22 Uhr noch Hunger bekommen.

Was sollte man in Nürnberg unbedingt tun?
In die Nischen gucken und die wenigen freundlichen Menschen mit einem aufrichtigen “Sers” begrüßen.

Nur Nürnberg hat…
Einwohner, die selbstkritisch mumpfeln können.

4. Januar 2008

myspace my ass

Natürlich kann man die Augen vor dem stetigen gesellschaftlichen Wandel nicht verschließen. Der Underground spielt sich heutzutage einfach nicht mehr in zugetagten Hinterhöfen und alten Fabrikhallen ab, sondern auf myspace und wer dagegen ist, der ist draußen, einfach nicht mit dabei. Man kann nicht mal dagegen protestieren, denn wie soll man ohne myspace-Profil gegen myspace sein? Man wird doch schlicht nicht gehört.
Aber solche Gedanken sind 2007 und ich habe mich gebeugt. Unter www.myspace.com/inanace_digitaljockey hat mein DJ Alter Ego nun sein Profil und jeder darf sein Freund sein. Ich habe bald wieder Einblick in die Szene und dann wieder wirklich ein Gefühl dafür, wo der Hase läuft. Längst vergessene Netzbekanntschaften werden wieder auftauchen und alles wird so sein wie früher, zu guten alten Netz-, und Chatterzeiten. So weit die Theorie. Doch noch existiert die betagte Seite www.inanace.de mit all der schönen alten Musik und das wird sich so schnell nicht ändern, denn diese Seite gehört mir, mir ganz alleine und ich habe die volle Kontrolle. Myspace hat Haken, die mich nach wie vor zweifeln lassen. Es sieht nun mal verdammt scheisse aus. Selbst mit guten Webdesignkenntnissen hat man auch kaum eine Chance da groß was zu ändern, denn ein weiterer Haken kommt dazu: myspace bedient sich wie ein russisches Atomkraftwerk. Auch wenn es für einen Webdienst erstaunlich viele Freiheiten in der Gestaltung gibt, so bringt einem das alles nichts, weil myspace dann doch ein undurchsichtiges Eigenleben hat und an machen Stellen wieder recht restriktiv ist. Selbst an so einfachen Sachen wie Einstellen der Schriftgröße bin ich verzweifelt. Wie soll man sich denn im Netz ordentlich präsentieren, wenn einem durch myspace beide Hände auf den Rücken gebunden werden? Jeder Billigproviderhomepagebaukasten bringt bessere Ergebnisse zustande als dieser olle Profileditor des Murdoch-Imperiums.
Also ich könnt kotzen, schon weil ich nun trotzdem ein Profil habe, aber es wird immer Stiefkind bleiben.

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Soziales Nerdswerk

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