Schlagwort: bier

Experimentelle Kneipentour durch Nürnberg

Eine verspielte Art des Reisens, die das Geschehen weitgehend dem Zufall überlässt. Mit Sugar Ray Banister, Urmel und Don Luka, frei nach Joel Henry.
Ein Gastbeitrag von: Urmel

Samstag, 6. März 2010

Wir beginnen im Wanderer (bzw. Bieramt, Beim Tiergärtnertor 6), weil wir eigentlich immer im Wanderer beginnen und weil wir außerdem Lust haben auf altes Gemäuer, heimelige Atmosphäre und diese wirklich leckeren Schmalzbrote. Der Sugar Ray trinkt ein Krugbier, die Urmel probiert sich an einem Bamberger Spezial Rauchbier und erhebt dies sogleich auf einen Thron in ihrer Lieblingsgetränkliste. Doch egal ob Krug oder Glas, beides hält nicht ewig vor. Wir fragen den Barkeeper um Rat. Stefan, was ist deine Lieblingskneipe in Nürnberg? Und was trinkst du da? Stefan hat entschieden. Auf geht’s zum

Gregor Samsa (Maxfeldstr. 79), das uns nicht unbekannt ist, also finden wir es trotz der verwinkelten Gasse schnell wieder. Don Luka sammeln wir noch auf dem Weg ein. An den Wänden und Decken großformatiger Expressionismus auf Holz und Leinwand, an den Tischen vor allem Männer über 40, die entweder tatsächlich Künstler sind oder zumindest intellektuell aussehen. Für ein Gulasch reicht die Zeit nicht, schließlich geht es hier um die Getränke. Die anderen Gäste erfahren von unserer Mission und verkünden begeistert, dass sie sich unserer Bewegung anschließen werden. Der Auftrag lautet auf Kellerbier, doch das gibt es heute nicht mal unter der Theke. So bestellen wir irgendwas und folgen unverzüglich der Weisung des Barkeepers

ins Kloster (Obere Wörthstr. 19). Dieser Laden fällt eindeutig unter die Legenden in Nürnberg. Sakrale Elemente und Devotionalien über der Tür und den Plüschsofas mögen auf ein Gothic-Nest hinweisen, aber weit gefehlt. Meist gibt’s irgendwas mit Gitarren auf die Ohren, und das gerade laut genug um sich nicht unterhalten zu müssen sondern sich – wie in unserem Fall – dem verordneten Wodka Lemon hinzugeben und Verhaltensbeobachtungen bei den anderen Gästen anzustellen. Diese gehören sicher auch zu den Legenden in Nürnberg. Oder so. Egal. Schluss für heute.

Donnerstag, 18. März 2010

Fortsetzung wie von der Kloster-Barfrau befohlen im Druid (Weißgerbergasse 18), das sich authentic traditional Irish pub nennt (bei Gelegenheit werden wir einen echten Iren fragen), der Barkeeper weiß aber definitiv mehr über Russland. Seine Guiness dauern lang genug um richtig durstig zu werden und wir werden in der Zwischenzeit irgendwie melancholisch und trinken auf die wahre Freundschaft. Es ist nett, aber leer, die wahren Iren erholen sich vermutlich noch vom St. Patrick’s Day am Tag zuvor. Der sympathische Russe behauptet dass er jeden Tag im Druid ist und ansonsten überhaupt nie weggeht. Also müssen wir auf den Schichtwechsel warten und werden von der Ablösung dafür einfach nur über die Straße geschickt.

Gegenüber befindet sich die Mata Hari Bar (Weißgerbergasse 31). Wenn man mal reinkommt, dann so schnell nicht wieder raus, was an der ölsardinenartigen Gästeanordnung liegt. Die geschätzten 35qm Gastraum werden mit 20qm fast vollständig von der Bar eingenommen. Das bedeutet: Das Barpersonal hat massig Beinfreiheit, die Gäste dagegen müssen kuscheln. Ob das jetzt gut oder schlecht ist hängt vom Nebenmann/-frau ab, in unserem Fall (wir erinnern uns an die wahre Freundschaft) ist es optimal. Gin Tonic macht richtig gute Laune und wir wippen zu Mata’s Indie-Rundumschlag. Voller Zuversicht beschließen wir, dass diese Fortsetzungs-Kneipentour erst dann endet, wenn uns irgendjemand in die Weinerei (Heimatkneipe der Protagonisten, Anm. d. Red.) schickt. Die Mixer an der Theke bescheren uns aber noch einen Umweg: Sie würden in jedem Fall in die Prinzenbar gehen und Weinschorle trinken.

Regel ist Regel – wir fügen uns und gehen in die Karl-Grillenberger-Str. 36, Sieht wenig glamourös aus von außen, was an dem alten “Gaststätte Noris” Schild im Eckkneipen-Charme liegen mag, welches anscheinend anhand fehlender Baugenehmigung momentan noch nicht ausgetauscht werden kann.  Weitere Erkenntnisse zur Prinzenbar: 1. Weinschorle auf Gin Tonic geht gar nicht, 2. Einrichtung ist nicht ungeschmackvoll, legendär aber was anderes und 3. haben wir irgendwo auf dieser Kneipentour anscheinend die richtige Abzweigung verpasst. Von hier aus wird’s nicht besser, so viel sei schon verraten. Nächstes Mal erwartet uns: The dark night of the project. Da muss man durch.

1 Kommentar 5. April 2010

Nürnberg Erfahrungsaustausch mit Peter Parkster

Lesen und schreiben ist definitiv schwer angesagt. Überall im Dunstkreis wimmelt es vor Autoren, Poeten, Lyrikern, Lesungen, Poetry Slams usw. “Wohin mit dem ganzen Worten im Kopf?” scheint sich so mancher zu denken und stellt sich dann einfach mal auf eine Bühne und vor Publikum. Das gibt Recht und Erfolg, wie auch Peter Parkster weiss.

Name/Pseudonym: Peter Parkster (jeweils halb/halb Name und Pseudonym)
Alter: 28
Beschäftigung: Arbeiten, Schreiben, Vor(lesen)
URL: www.parkster.de

Warum Nürnberg?
Vor vier Jahren hat es mich nun aus dem Südwesten der Republik nach Nürnberg verschlagen und ich finde die Stadt einfach klasse. Hat alle Vorteile einer Großstadt und ist übersichtlich wie eine Kleinstadt, einfach toll!

Ist Nürnberg schön?
Mir gefällt die Stadt wegen der Vorteile, die ich genannt habe. Und weil meine Freundin hier wohnt.

Was sollte man in Nürnberg tunlichst unterlassen?
Sagen dass Fürth schöner ist (ist es nicht!), sagen, dass “Easy Credit Stadion” gut klingt (tut es nicht) und sagen, dass man alkoholfreies Bier mag (mag man nicht!)

Was sollte man in Nürnberg unbedingt tun?
Im Krakauer-Turm was essen (Salat Danzig), im Sommer auf der Wöhrder Wiese bolzen, im Tierpark Tiere gucken, in die Weinerei gehen, wenn aus.Lese ist.

Nur Nürnberg hat?
Mich. Außerdem die Weinerei (aus.lese!!!), Flocke und das unfreundlichste Burger King-Personal außerhalb der USA.

Hinterlasse einen Kommentar 8. Januar 2009

Nürnberg Erfahrungsaustausch mit Stilhäschen

Natürlich darf eine Portion fränkischer Positivismus und die Stimme für die Partei der Biertrinker nicht fehlen, hier vertreten durch das Stilhäschen:

Name/Pseudonym: Stilhäschen
Alter: 31
Beschäftigung: Ja. Mit Zeug, Design und Geschwalle.
URL: http://www.stilhaeschen.de

Warum Nürnberg?
Schiggsahl, keinesfalls Heimweh. Ich hätt’ lieber Hamburg oder Köln genommen, zur Not sogar Berlin. Aber um mich geworben hat eben nur Nürnberg – wenn man das mal in diese Kiste übertragen will: der Kindergartenkumpel. Die hippen Kerle mit den schicken Schlitten wollten ja nicht. Und jetzt kann ich sagen: das war das Beste, was mir passieren konnte. Ehrlich, treu und mit unschlagbarem Humor. Und dem mit Abstand bestmöglichen Bier im Keller.

Ist Nürnberg schön?
Nicht schöner als andere Städte, aber auch nicht hässlicher. Und die besten Momente hat man sicher nicht an klassischen Touri-Orten. Schön isses ja überall da, wo man sich trotz oder wegen aller Hässlichkeit zuhause fühlt.

Was sollte man in Nürnberg tunlichst unterlassen?
Zuhören, wenn Marcharedd Mülllller (dieses rausgekotze L! Als ob Lippen und Zunge von Wespenvölkern bestochen worden wären!) ihre Blagen Beedra-Mischellll und Lllugga-Lllluhsjöö ruft. Das schlägt alle verdreckten Hinterhöfe, das muss ich zugeben.

Was sollte man in Nürnberg unbedingt tun?
Bier trinken, z.B. in der Altstadtbrauerei. Und Schäufala essen, z.B. in den Albrecht-Dürer-Stuben. Bei mehr als zwei Tagen Zeit unbedingt mal raus in die Fränkische, am besten mit dem Zug – wecher denne Brauereien, ist klar.

Nur Nürnberg hat…
Uff. Ich sag’ ja gern: Nürnberg ist das neue Berlin. Und Fürth ist Ostberlin, und das meine ich jetzt gar nicht abfällig. Ihr werdet alle noch an mich denken, Ihr Hipster.

3 Kommentare 24. August 2007

horch a mol…

Um zu lernen, wie der Mensch an sich hier im Frankenland so tickt, ist irgendwann Wissen über die Mundart, den Dialekt, ganz hilfreich. Ich habe ja schon so manches Mal richtig doof geguckt und mit Unverständnis auf so manche Kommunikationsversuche insbesondere der Grattler hier reagiert. Ich habe Vermutungen über die Hintergründe der “Mindsets” der Einheimischen entwickelt, aber so richtig greifbar wurde es erst jetzt durch einen 15 Minütigen Fränkisch-Chrashkurs der Deutschen Welle: Frängisch beim Schobbe, von Erdäpfeln und Erdbirnen.

Mein Resume: wie zu erwarten alles sehr bäuerlich, bodenständig und es dreht sich kleinbürgerlich zu viel um den Alkohol. Man grenzt sehr gerne ab, sei es von Bayern oder vom nächsten Dorf. Alles was anders ist, ist nicht erwünscht. Man unterscheidet lustigerweise zwischen Bierfranken und Weinfranken, wobei der Weinfranke eher der geselligere und gemütlichere Typ ist (auch meine Erfahrung!), und der Bierfranke eher etwas “langsamer und schwerer” ist. Bier- und Weinfranken sind dann auch regional etwas unterschiedlich verteilt. So um Nürnberg rum regiert der Bierfranke. Die weltweit höchste Brauereidichte legt diese Vermutung nahe. Das erklärt auch die streckenweise arg mumpfige Mentalität hier und das dazu passende Aussehen der Stadt. Die Weinfranken sind nördlicher angesiedelt und wie durch ein Wunder sind die Landstriche dort auch spürbar offenherziger.

Und die Moral von der Geschichte: ich hätte mich besser informieren sollen, wo ich hinziehe…

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Weitere deutsche Dialekte gibts im Dialektatlas

13 Kommentare 8. Mai 2007


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