Das KW Institute for Contemporary Art in der Berliner Auguststraße beschäftigt sich erwartungsgemäß mit Kunst, die in diesem Fall schon vor dem Eingang stattfindet. Der Bürgersteig wurde um einige Grad sehr sauber um seine eigene Achse verdreht. Ein verblüffender Effekt.
Man nimmt sie lustiger weise nach einer Weile fast gar nicht mehr wahr. Der Alltag in einer Großstadt verwischt den Blick für die Details. Jedoch sind sie es, die Spaziergänge durch die Bezirke und Kieze erst interessant machen, die unzähligen Straßenkunstwerke die von Namenlosen für alle zur Verfügung gestellt werden.
Warum ich Streetart so mag: Es ist die Attitüde der Künstler, etwas nicht für Geld und nicht als Selbstdarstellung zu tun, denn in der Regel bleiben sie ja anonym. Es ist der oft politische oder kritische Touch der Stencils oder Graffitis, oder auch deren Ironie. Der kleine Rebell in mir findet Streetart und den mitschwingenden Anarchocharme auch toll. Streetart ist eine wohltuende Alternative zu den hässlichen Werbeflächen die mich überall anbrüllen. Und Streetart will mir nichts verkaufen, aber sie will mir manchmal etwas Interessantes und Richtiges sagen. Nicht zuletzt sind die Sachen oftmals unglaublich aufwändig gemacht. Darum mag ich sie.
Besonders möchte ich auf die drei Werke von Blu hinweisen. Durchs Web schwappen atemberaubende Stopmotion-Filme von ihm und in Berlin fallen einem direkt drei riesige unverkennbar von Blu gestaltete Wände auf. Alle in Bestlage rund um die Mediaspreeareale, was den Illustrationen eine besondere Note verleiht. Mögen sie noch lange leben.
Der Zündfunk organisiert eine Podiumsdiskussion (am 09. September in München, Facebookevent) und ein Stundenfeature zum Thema Gentrifizierung und stolperte auf der Suche nach Meinungsträgern auch über dieses Blog. Leider schreibt hier kein Gentrifizierungsopfer, sondern eher ein Gentrifizierungstourist, dessen Meinung zum Thema durchaus ambivalent ist. Deshalb hier nun nur in schriftlicher Form kurz Gedanken zum Thema.
Gentrifizierung ist nicht schwarz/weiss und Stadtentwicklung nicht grundsätzlich schlecht. Es kommt halt wie immer drauf an. Wenn in Berlin ganze Kieze umgekrempelt und wirklich tolle individuelle, gewachsene und gar künstlerische Strukturen gesichtslos renoviert werden, dann ist das in der Tat verachtenswert. In Nürnberg dagegen wird durch Investoren überhaupt erst Leben in manche Ecken eingehaucht, siehe AEG-Gelände und nicht zuletzt in der Altstadt. Ich wage die These, dass Nürnberg vergleichsweise gentrifizierungssicher ist. Stadtentwicklung findet statt, aber es gibt kaum etwas, was man ausrotten könnte. Nürnberg hat keine ausgeprägte Medien- und Kreativszene und auch vergleichsweise wenig Studenten. Insgseamt kann das Stadtbild nur gewinnen. Deshalb hier ein kleiner Vorschlag: Weshalb nicht den doch arg gebeutelten Gentrifizierungsopfern aus München eine neue Heimat in Nürnberg bieten? Billigen Raum und Leerstand gibt’s nach wie vor genug und es passiert zu wenig damit. Was die eine Stadt tötet kann Chance für eine andere sein. Leipzig kann als Vorbild dienen, so wie schon das Spinnereigelände Vorbild für die Nutzung des AEG-Geländes ist. Der dortige Oberbürgermeister bot vertriebenen Individualisten aus Hamburg an nach Leipzig umzuziehen. Als Stadt die eine künstlerischen Ruf pflegt weiß man um das Potential einer kreativen Bohème. Nürnberg könnte also endlich mal eine Bohème haben!
Ich wünsche der Podiumsdiskussion gutes Gelingen und viele fruchtvolle Argumente. Bis dahin schleichen wir durch Friedrichshain und Kreuzberg und schauen uns Gentrifizierung in Echtzeit an:
Puh, das wars schon wieder. Drei Tage Nerdtum in Reinform. Schales Licht allerorten von den kleinen Displays in die viele Augenpaare starrten, wenn denn mal Netz da war. Für eine Onlinekonferenz musste man auffällig oft aufs WLAN und auch auf eine Mobilfunkverbindung verzichten. Aber offline ging genug auf den ganzen Panels und Vorträgen.
Am zweiten Tag war etwas Pause für mich. Der erste Tag war so voll, dass man etwas zurück schalten musste. War Zeit zum bloggen. Zu viel Zeit. Habe etwas den Beitrag zur Deep Packet Inspection zur Hälfte Verpasst. Die Technik hat meinen Arbeitgeber in der Vergangenheit medial etwas in Zugzwang gebracht. Und auf dem Vortrag “The politics of Deep Packet Inspection” wurde dann auch die Crux noch mal deutlich, von einer Technik mit der man zentral Inhalte im Netz kontrollieren und manipulieren kann, die aber auch wichtig ist um die Leistungsfähigkeit von moderner Infrastruktur zu gewährleisten. Eine mächtige Technik, die in falschen Händen gefährlich für eine Informationskultur ist jedoch auch per Gesetz in praktisch jedem Land vorgeschrieben ist.
Das Thema Sexismus im Netz klang vielversprechend, kam aber recht trocken und feministisch daher und nennt mich ruhig Macho, aber ich kann mich in die Problematik nicht rein denken. Wenns darum geht, dass Bloggerinnen in den Blogcharts nur in homöopathischen Dosen auftauchen, dann sollte man über Inhalte nachdenken und nicht über das Geschlecht, falls Charts überhaupt relevant sind. Bei Musik misst man mit Charts ja auch eher nur die Dämlichkeit einer Gesellschaft. Die Antwort auf die Frage habe ich verpasst, bin raus, und habe damit auch nen echten Shitstorm und Skandal verpasst. Auch schon wieder schade, wäre das Praxissemester für die Lobotheorien vom Vortag gewesen.
Interessant war auch ein kleiner Kritikpunkt an der re:publica der in der Presse aufkam, nämlich dass es etwas am Austausch mit der “Außenwelt” fehlt. Man ist fachlich und theoretisch teilweise arg weit vorne und das bringt Probleme bei der Vermittlung der Themen mit dem Rest der Bevölkerung mit sich, ein bilateraler Diskurs wäre sicherlich hilfreich. Z.B. am eher oberflächlichen Panel “Wenn Prada Pakete schickt” ging es um Werbegeschenke und die dadurch hervorgerufene Manipulation von Berichterstattung (in diesem Fall bei Modeblogs). Mir ist in meinen langen Jahren in der Arbeitswelt seit jeher verboten, Werbegeschenke ab einem gewissen Wert anzunehmen. Es gilt die Korruption zu vermeiden. Auf dem Panel schien so eine Idee jedoch eine echte Innovation zu sein. Lustig, die gute alte deutsche Industrie kann den hippen Bloggern durchaus was beibringen. Auf der anderen Seite hat man hier auch nicht ganz unrecht. Konferenzen sind nun mal für Fachleute da. Wo man auch hinschaut, überall offene Diskurse.
Naja, futtern, email, schlafen gehen.
Zu spät wieder munter geworden und den wohl großartigen Vortrag von Götz W. Werner so gut wie verpasst. Ging ums bedingungslose Grundeinkommen und die Chancen die dadurch entstehen. Habs nur bei Twitter verfolgt. Den Vortrag kann man noch mal nachgucken.
Nadenn schnell rüber zur Googlewerbeshow und mal geschaut, was es so an Kollaborationswerkzeugen gibt, Google Docs, Google Wave usw. alles ganz nett, aber nichts von Bedeutung.
Der nächste Knüller kam dann mit Miriam Meckel und ihrem sehr fundiertem und einleuchtenden Beitrag “This object cannot be liked“, über die Grenzen menschlichen Ermessens und das Ermessen menschlicher Grenzen. Sie spannten einen Bogen von einer Facebookgeburtstagstorte über das iPad bis hin zum Ende der Welt. Großartig! Aber warum? Hab mittlerweile versucht mehreren Menschen den Inhalt zu erkären. War mir nicht mehr möglich. Habs wohl nicht verstanden.
Kurz noch die Nase in den Vortrag über den Obamawahlkampf gehalten, wurde aber etwas in Zeitlupe vorgetragen im Vergleich zur Miriam Meckel und thematisch war da auch nix neues mehr dabei. Außerdem hatte ich Hunger.
Mit einem Ohr nur beim Leistungsschutzrecht gewesen. Not my business, war aber gut besucht das Panel und sicherlich auch ein heißes Thema. Richtig spannend wurde es dann beim hacken von Medien. Kommunikationsguerilla deluxe, die besten Hacks der letzen Zeit wurden präsentiert und auch die Hintergründe. Toll, ich steh ja auf David-gegen-Goliath-Kriege wo am Ende das gute Gewinnt. Schwer begeistert, auch von der kleinen Aktion die initiiert wurde.
Schnell weiter zu den Einsichten in 10 Jahre Heise-Foren-Moderation. Dachte es geht um Trollwars und freute mich schon auf eine Ergänzung an den Shitstormvortrag vom Lobo vom ersten Tag, ging aber tatsächlich um die rechtlichen Hürden beim Betrieb eines Forums. Recht trocken, aber auch sehr interessant wie schnell man vorm Kadi stehen kann. Forummoderator bei Heise ist ein Knochenjob.
Ok, rüber zu den Memen. Hab mich schon gefreut auf den ganzen unglaublichen Schleiß der sich im Netz die ganzen Jahre so entwickelt hat, aber Pustekuchen. Sehr lahme und unwitzige Präsentation die mir erklären wollte, wie Tradition entsteht. Keine Zeit für sowas, schon gar nicht wenn es neben an um die Freiheit im Netz geht, Diskussion, pro und contra. Sollte man ein Netz reglementieren oder soll alles frei sein? @plomlompom und Moderator @mspro diskutierten interessant fundiert über Grenzen der Freiheit im Internet, @baranek kam nicht richtig in Gang und bekam fette Breitseiten, konnte dann aber später mit Sozithemen punkten. Am Ende hitzige Diskussionen auch mit dem Publikum, aber wie so oft keine Antworten, nur die Aussicht, dass noch viel vor uns liegt bei der Besiedelung des achten Kontinentes.
Dann wars schon wieder rum und die Augen leuchteten die Augen ob der ganzen Diskurse und Denkanstöße die es gab. Gerne wieder und gerne mehr.
Die Party am Ende war den Twittermeldungennach auch super und Zoe.Leela hätte ich auch gerne live gesehen, aber Werksspionage bei den Weinereien in Berlin war auf dem Plan. Die Keimzellen der Weinerei in Nürnberg wurden undercover begutachtet, aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andern mal erzählt werden.
Puh, erster Tag. Ich kann die Eindrücke nur stakkatoartig wiedergeben. Ist meine erste re:publica und ich habe mich unvorbereitet ins Getümmel gestürzt. Habe zur vollen Stunde immer auf die Vortragsübersicht geschaut und dann spontan entschieden wo es hin geht. Entsprechend diffus und inhomogen sind die gesammelten Erfahrungen. Sehr facettenreiche Veranstaltung, indeed.
Los gings mit der besinnlich philosophischen Eröffnungsrede von Peter Glaser. Wusste nicht, dass er Rollstuhlfahrer ist. Das Reallife hat manchmal doch Überraschungen parat. Perfekter Einstieg jedenfalls um Technikeuphorie erstmal etwas zu erden bevor es dann in die Fachvorträge ging.
Weiter zum Google Buzz Vortrag in einen Keller ohne funktionierendem WLAN und ohne Mobilfunkverbindung. Sinnloses Unterfangen, habe Buzz eh erstmal auf Halde gelegt und hat sich auch nicht grundlegend geändert.
Während offensichtlich alle Twitterer drüben bei Jeff Jarvis feierten, steckte ich in der eher trockenen Veranstaltung zur Staatlichkeit und Internet. Beängstigendes Thema rund um globale und territoriale Interessen vs. das freie Internet. Ein Vortrag der zeigte, dass die großen Hürden alle noch vor uns liegen. Ein Gefühl, dass sich noch öfter auf der re:publica einstellen sollte.
Deftige Themen für den Anfang. Abwechslung musste her. Die kam dann in der Mittagspause in Form eines frisch importierten iPads. Schmuckes Gerät, könnte mein erster Apple werden, aber weiter.
Zur Entspannung gings in den Workshop über Modefotografie auf der Straße, äußerst charmant präsentiert von Stil in Berlin. Weiss jetzt, wie man perfekt Leute fotografiert, kann es nur noch nicht.
Bin direkt im Raum sitzen geblieben und es lohnte sich abermals, denn was Kathrin Passig mit trockenem Witz über die Arten und Weisen wie man Leuten nichts beibringt referierte sollte Inhalt eines jeden Informatikstudiums sein. Leuchtende Augen bei denen, den schon mal von Nerds die Ohren abgekaut wurden.
Die erste richtige Enttäuschung kam postwendend. Ein Vortrag über Blogs und wie man damit Geld verdient von Sascha Pallenberg. Möchte ich nicht weiter verlinken. Es ging primär darum, wie Herr Pallenberg sein Geld mit seinem Blog verdient und wie geil sich das anfühlen muss, dass er mehr mit seinem Blog verdient als alle anderen anwesenden Blogger zusammen. Klassischer didaktischer Fehlzünder. Schwach, aber außer mir blieben die meisten bis zum Schluss.
Da Geld offensichtlich blöd macht musste es nun wieder zu den Theoretikern gehen und da kam der smarte Plomlompom mit seinen Identity Wars gerade richtig. Ein Vortrag mit der Dichte eines schwarzen Lochs. Schwierig die Theorie zusammenzufassen. Klang aber logisch und ich sag mal so: ich fühle mich bestärkt meine Identitäten im Netz auszuleben, da die herkömmlichen Methoden genau so virtuell aber stärker reglementiert sind. Aber vielleicht ändert sich das auch bald wieder, siehe den Vortrag über Staatlichkeit und Internet. Da war es wieder, dieses Gefühl, dass die ganze Zivilisation gerade im Umbruch ist.
Puh, also wieder Entspannung: gab klasse Kurzfilme und ich blieb dann erst mal hocken im Friedrichsstadtpalast, denn wenn es um Sex geht, kann man ja nicht aufmerksam genug sein. Melissa Gira Grant referierte dann auch aus Sicht einer sexuell aktiven Frau im Netz über die aktuellen Zustände und Diskurse und Widersprüche. Der Knüller kam mit der Vorführung von Chatroulette vor 2000 Leuten… aber seht selbst.
Mit wirklich guter Laune ging es dann direkt über zu Sascha Lobo und seinem Referat über das Überleben in einem “Shitstorm”. Ich hatte ihn bisher nie live gesehen und man mag über ihn denken was man will, aber er hat unbestrittene Qualitäten und ein charmantes Checkertum. Ich bin froh, dass wir ihn haben. Der gnadenlos überzogene Vortrag (zeitlich sowie inhaltlich) blieb hängen wie sonst nichts. Ich freu mich auf den nächsten Trollwar.
Dann noch Twitterlesung. Bin ich Nerd, weil ich die Hälfte der vorgetragenen Tweets schon kannte?
Dann Bier, kurz schlafen, surfen, Frühstück.
Vortrag über Community Banking und Geldgeschäfte im Web2. Bin vorsichtig, da bei dem Thema alle immer mein Bestes wollen, nämlich mein Geld. Bin trotzdem halbwegs angetan von dem Konzept der Fidor Bank, obwohl ich dachte, dass der Vortrag eher Richtung Smava geht.
Laut Plan laufen gerade den halben Tag lang Vorträge über Netzneutralität. Habe mich entschieden kurz zu pausieren um etwas zu resümieren. Viel Input, hoffentlich platze ich nicht.