Autos vor Gebäuden
Unbewusst bin ich diesem speziellen Motiv schon länger auf der Spur. Es gibt da diese eher zufällige Szenerie, in der ein Auto einfach vor einem Gebäude steht. Vermutlich wird dieses Auto in den allerseltensten Fällen mit einem gestalterischen Gedanken dort geparkt, auch wenn es einem manchmal anders vorkommt. Ob nun mutwillig oder nicht, es entstehen für das Fotografenauge durch den Kontrast von Auto und Fassade gerne mal interessante Bilder. Mal passt das Auto in das Bild wie eingeflochten, mal wirkt es wie ein Fremdkörper. Gentrifizierung spielt bei vielen der Bilder eine Rolle. Wenn der fette glänzende Audi sich von einer Seite vor die vernachlässige Fassade schiebt, dann lässt sich die Gentrifizierung gut in das Foto reininterpretieren.
Beispiele sind die folgenden etwas älteren Fotos.
Autos vor Gebäuden in Berlin
Bewusst habe ich bei meinem letzten Berlin-Besuch mal so richtig auf die Suche nach diesem Motiv gemacht. Mit dem Rad ging es durch Kreuzberg, Neukölln und etwas Schöneberg. Eine kleine Fotosafari mit dem Hintergedanken, Autos vor Gebäuden in freier Wildbahn, also in ihrer natürlichen Umgebung, zu entdecken.
Und ich glaube mit der Sigma 10–20mm f/4–5.6 endlich meine Linse gefunden zu haben.
When you really live in…
Ein superlustiges Meme schwappt gerade durchs Netz. Auf diversen mehr oder weniger anonymen Tumblr-Blogs wird aufs amüsanteste Lokalkolorit mit animierten “Reaction-GIFs” verwoben.
Man kann anhand unzähliger kleiner Clips sehr gut überprüfen, ob man in der jeweiligen Stadt wirklich lebt, oder ob man vielleicht doch nur so ein ignoranter Fatzke ist.
Zur Überprüfung bereit stehen unter anderem:
Nürnberg fehlt.
Aber was sagt uns das nun über dieses Nürnberg und das Leben hier?
When you really live in Nuremberg, and any other city takes part in that meme
Mehr bei Nerdcore.
Filmtipp: Oh Boy!
Mit seiner nur 83 Minuten kurzen Tragikomödie „Oh Boy!” liefert Jan Ole Gerster ein bemerkenswertes Langfilmdebüt ohne nennenswerte Schwächen ab und empfiehlt sich damit nachhaltig für größere Aufgaben. Sein von einem melancholischen Soundtrack treffend untermaltes und stellenweise dennoch brüllend komisches Berliner Stimmungsbild sei nicht nur dem Haupstadtpublikum wärmstens ans Herz gelegt.
Eher zufällig bin ich letztens in Oh Boy! gestolpert worden, auf Empfehlung, ohne genau zu wissen, worum es überhaupt geht. Ein Hauptstadtfilm, in schwarzweiß und zwar ohne den ganzen Hype. Eher ein Film noir der das thematisiert, was Berlin u. a. nämlich auch auszeichnet, nämlich Heimat zu sein für Leute, die nichts auf die Reihe bekommen und in der Stadt die Lösung und Zerstreuung suchen. Ich empfehle diesen Film allen, die vor haben, mal nach Berlin zu gehen (also auch mir) um sich mal etwas zu erden und um wirklich mal zu überprüfen, warum man wirklich in genau diese Stadt will. Und allen anderen auch, die gute Filme mögen.
Beim schauen des Films ging mir auch ein Text aus dem Tagesspiegel nicht aus dem Kopf: Sex, Drugs und ganz wenig Kunst, über vier australische Musiker, die nach Neukölln kommen, “um inspiriert vom Geist der Stadt das ganz große Album aufzunehmen. [...] die Band merkt: In Berlin kann man zwar toll leben, aber unmöglich arbeiten” ob des ganzen Überangebots an Kultur und Parties und all dem. Zwar geht es in dem Text insbesondere um all die Massen an nach Berlin schwappenden Kreativen, aber das lässt sich auch auf andere Branchen zum Teil übertragen. Berlin ist keine Lösung, sondern eher ein Problem, wenn man etwas auf die Beine stellen möchte und deswegen in die Stadt kommt. Vielleicht ist eine Affäre mit der Stadt die smartere Lösung. Um Dinge auszuprobieren und zu erleben, die man woanders nicht so einfach ausprobieren und erleben kann, ist die Stadt perfekt. Die Ideen und die Vielfalt der Stadt lassen sich aber auch wunderbar exportieren und während man in Berlin einer von vielen ist, ist man in der sogenannten Provinz auf einmal einzigartig mit dem was man hat und kann. Also, noch mehr zerstreute Sinnsuchende braucht die Haupstadt nicht, eher Leute, die das Flair Berlins etwas in die Provinzen tragen.
Meanwhile in Berlin (6)
Brücken-Eck in Berlin Neukölln am 01. Januar 2013 um 15:45 Uhr.
Canon EOS 550D
Canon EF-S 18-135 mm 1:3.5-5.6 IS
Raw edit
Das Foto befindet sich auch in der Fotocommunity und bei 500px.
Schöne Ecken
Kenner dieser Seiten werden es wohlmöglich mittlerweile bemerkt haben: hier werden die zwar hässlichen, aber deswegen nicht uninteressanten Ecken insbesondere von Nürnberg nach außen getragen. Und zwar mittels Fotografie. Wenn man so etwas tut oder auch rezipiert, dann beschäftigt man sich zwangsläufig mit einer Stadt. Man erforscht, entdeckt und interessiert sich für sie und ihre Ecken und Kanten. Unzulänglichkeiten werden kritisiert, dokumentiert, hervorgehoben und diskutiert, vielleicht auch mit dem Hintergedanken, dass mal etwas besser und angenehmer wird. Vielleicht macht’s aber auch einfach Spaß am Image zu kratzen. Wie auch immer.
Einen anderen, sehr interessanten Ansatz zum Thema Stadterforschung haben Helge Kletti und Cornelis Kater aus meiner alten Heimat Hannover bereits letztes Jahr gestartet. In ihrem exquisiten und schön subjektivem Podcast Schöne Ecken suchen sie nach „dem Wahren, Schönen, Lebenswerten und Gutem in unseren Städten“. Begonnen haben sie dann direkt mit dem hässlichen Raschplatz in Hannover, allerdings ohne da jetzt bis auf das Indiekino eine besonders schöne Ecke rauszuarbeiten (was auch schwierig ist). Sie sind mittlerweile aber auch in Berlin Kreuzberg/Friedrichshain unterwegs gewesen und haben aktuell die architekturbesessenen Spanier besucht.
Ich konnte z.B. der akustischen Tour durchs Wrangelkiez mit meinem geistigen Auge komplett folgen und habe fast jede Ecke wiedererkannt (inkl. Graffitis). In dem Podcast entdeckt man eine Stadt oder ein Kiez durch Leute, die dort leben und somit auf eine wahrhaftigere Art und Weise, als es jeder Touristenführer je könnte.
Ich bin gerade dabei, meine Heimatstadt akustisch neu zu entdecken und hoffe, dass noch viele weitere Städte folgen und vielleicht wäre ja auch mal Nürnberg eine Erforschung wert. Vielleicht findet man ja eine schöne Ecke ;)
Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.
Quelle: Schöne Ecken Podcast
(via wir müssen reden. Auch so ein schöner Podcast.)
Best Places in Berlin. Amen.
Hier nun einige Bilder einer kleinen Plakatkampagne, die im Rahmen einer Bachelor Arbeit eines Studenten der Universität der Künste Berlin (UdK) entstanden ist. Auf den Plakaten stehen zur Wahrheit gewordene Klischees oder Klischee gewordene Wahrheiten oder wie rum auch immer. Und diese Plakate schmücken nun die entsprechenden Orte in der Hauptstadt und schwappen gerade durch diverse Blogs.
Da das ganze offenbar aus der Internet-Start-Ups-Szene kommt und es dazu auch eine passende App fürs iPhone gibt, aus der vermutlich die Statements stammen, würde ich die Geschichte jetzt weniger als Streetart, als vielmehr Werbung a la Qype-Aufkleber oder ähnliches werten. Lustig ists trotzdem.
Meanwhile in Berlin (5)
Berlin Neukölln am 29. April 2012 um 13:53 Uhr.
Canon EOS Digital Rebel XTi
Lens: Canon EF 50 mm 1:1.8 II
Vintage colors by Pixlr-o-matic
Das Foto befindet sich auch in der Fotocommunity und bei 500px.
Berlin Weserstr.
Die Weserstr. in Berlin Neukölln hat noch nicht ganz die Kneipen- und Touristendichte wie die Simon-Dach-Straße in Friedrichshain, aber dafür wird man dort auch (noch) nicht um 23:00 Uhr langsam, aber bestimmt von der Außenbestuhlung in die Bars gedrängt um den Anwohnern Ruhe zu geben. Die Anwohner dort haben nicht den Einfluss und möglicherweise auch nicht das Bedürfnis sich Ruhe einzuklagen. Die Flachbildschirmdichte in den Bars ist überschaubar. Noch herrscht dort dieses Fünkchen Anarchie, das Friedrichshain einst bekannt und begehrt gemacht hat. Auch hier wird es erlöschen. Die Weserstr. ist jetzt schon jetzt cooler. Es spricht sich rum und wird immer bekannter und attraktiver und ich war auch noch schuld, denn ich schrieb drüber und publizierte es. Ein Teufelskreis. Bringen wirs hinter uns.
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