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20. April 2013

Bamberg Exkursion

Bamberg ist jetzt das zweite UNESCO Weltkulturerbe innerhalb kurzer Zeit hier im Blog. Eine ungewöhnliche Häufung. Und nicht nur das; dieses hier ist auch tendenziell ähnlich mit Graffiti und Streetart durchsetzt wie die Völklinger Hütte. Würde man kaum vermuten bei einem so erzkatholisch geprägten Städtchen wie Bamberg. Aber die hohe Studentendichte sorgt offenbar dafür, dass es eine gesunde Portion Rebellion im Stadtbild gibt.

Bamberg Exkursion 15 - SugarRayBanister

Die weiter unten folgenden Fotos sind im Rahmen eines Fotowalks entstanden. Die Idee war, das touristisch komplett erschlossene Städtchen „von hinten“ zu erkunden. Zwar schon innerstädtisch, aber dennoch weg von den Touristenpfaden. So gut das halt geht in einem touristischen Ort. Zwei befreundete Bambergerinnen wurden engagiert eine kleine Gruppe an Leuten durch ihr mehr oder weniger alltägliches Bamberg zu führen.

Was in Bamberg sofort auffällt sind die vielen Leichen in den Straßen. Als aufgeklärter Mitteleuropäer mit wenig Interesse an Geschichte kann ich den folgenden Umstand nicht anders interpretieren. Denn da kommt man wirklich auf die Idee, tote, halbnackte, an Holz genagelte Männer gut sichtbar und schmückend im kompletten Stadtbild zu verteilen. Eine bizarre Szenerie, die offenbar kaum jemanden stört. Ich kam mir jedenfalls etwas vor wie in einem Zombiefilm.

Bamberg Exkursion 01 - SugarRayBanister

Geschichtliche bzw. religiöse Traditionen leben in Bamberg offenbar recht nah an der zeitgenössischen Realität. Zu sehen ist das vielleicht nicht so direkt, aber das schöne bei Touren mit einheimischen Guides sind nicht nur die kleinen Geheimtipps, sondern auch die Stories aus dem Alltag. Und Alltag ist kein Spaß in Bamberg, insbesondere nicht für hübsche Studentinnen. So war z.B. zu vernehmen, dass der Pöbel auf der Straße gerne mal maßregelnd zur Wortkeule greift, wenn der Rock zu kurz ist, das Kleid zu bunt, der Mund zu offen oder die Gerüchte vom letzten Wochenende zu obszön. Auch werden krasse Verstöße gegen Recht und Ordnung, wie das unerlaubte Überqueren einer Straße bei rotem Ampellicht, mit verbaler lebendiger Häutung geahndet. Solche Geschichtchen passen wunderbar in mein Bild einer katholischen Enklave.

Es ist natürlich nie gut sich als Tourist zu outen. Wo auch immer. Mit einer dicken Kamera vorm Bauch konnte man aber den Eindruck, ein Tourist zu sein, an diesem Tag nur schwer unvermittelt lassen. Und so kam es dann wirklich zu der Situation von Anfeindungen am helllichten Tag. Mitten auf einem verkehrsberuhigten Weg in unmittelbarer Ufernähe mussten wir uns von einem älteren Autofahrer beschimpfen lassen, der Verzögerungen bei seiner Reisetätigkeit nicht hinnehmen wollte. Wir stünden im Weg. Eine weitere Passantin schaltete sich geistesgegenwärtig ein und gab uns zu verstehen, dass man als Tourist auch in Bamberg nicht alles dürfe, vor allem nicht dort sein. An Touristenfeindlichkeit kann Bamberg locker mit Berlin mithalten.

Aber Bamberg hat auch schöne Ecken. Wir haben es hier in der Tat mit einem Städtchen mit Flair zu tun. Es drücken sich leicht Tränen in die Augen wenn man sich vorstellt, wie Nürnberg heute aussehen könnte, wäre das Stadtbild nicht kriegerischen Aggressionen und geschmacklosem Wiederaufbau ausgesetzt gewesen. Selbst abseits der Touristenpfade zeigt sich die Stadt nicht wirklich unhübsch. Und es zeigt sich ein gewisser Hang zu Graffiti und Streetart. Sind mir bei einem Besuch vor Jahren bereits kleinere Werke in den Gassen aufgefallen, so wurden uns auf unserem Walk noch weitaus größere Arbeiten offenbar. Bamberg hat nur ein Siebtel der Größe Nürnbergs, aber gefühlt doppelt so viel Urban Art im öffentlichen Raum, selbst in der Altstadt. Und das in einem katholisch geprägten Nest! Das protestantische Nürnberg darf sich da gerne mal eine Scheibe abschneiden.

Es folgt eine Bilderserie des Fotowalks. Danke an Manu und Niko!

ps: Nürnberg hat nach wie vor kein When you really live in… -Tumblr, Bamberg dagegen schon.

30. März 2013

Meanwhile in Kaiserslautern

Kaiserslautern Klosterstr. #1

Kaiserslautern Klosterstr. #2

Kaiserslautern, Klosterstraße, inmitten der Altstadt, am 30. März 2013 um 11:21 Uhr.

These: Kleine Universitätsstädte haben einen entspannteren Umgang mit Modifikationen des öffentlichen Raums.

2. März 2013

Meanwhile in Nürnberg (14)

Verbotistan #01 - SugarRayBanister

Verbotistan #02 - SugarRayBanister

Bielingplatz Verbotistan / Nürnberg am 02. März um 16:02 Uhr.

27. Oktober 2012

Deutsche!

Keine Opfer! Sondern Täter!

(ganz offensichtlich)

27. September 2012

Fototouren [Ungeschminkt]

Auto vor Wohnung (Nürnberg Impressionen #11)

Fototouren sind für mich eine schöne Art zu entspannen und die Zeit zu vertreiben. Sie sind meist auch nicht so passiv wie ein Abend vor dem Fernseher. Solche Ausflüge müssen nicht notwendigerweise alleine stattfinden. Es ergibt sich gerne mal, dass man zu zweit oder seltener auch in einer Gruppe durch die Gegend zieht und dann natürlich neben den eigenen Beobachtungen auch direkt mit den Entdeckungen der Mitläufer konfrontiert ist.
Bei meinen Touren ist es immer so, dass nichts unkommentiert bleibt. Ich fühlte mich somit auch schon mal dem Feedback von Freunden ausgesetzt, die auf einmal ein Interesse an Architektur und deren Bedeutung gewonnen haben. Sachen, die ihnen vor wenigen Jahren noch völlig egal waren, gelangen auf einmal in ihr Bewusstsein. Das schmeichelt mir natürlich.
Eine typische Diskussion auf solch einer Tour, in diesem Beispiel durch Maxfeld, entzündete sich an der Frage, warum es immer wieder vorkommt, das der Fuhrpark in gewissen Vierteln, repräsentiert durch all die parkenden Vehikel, so gar nicht zu den Wohnungen passt. Wie in dem Bild zu sehen, herrscht ein eklatantes Missverhältnis zwischen der eher billig oder altmodisch wirkenden Hausfassade und dem eher hochwertigen Auto. Es gibt natürlich keinen Beweis dafür, dass das Auto überhaupt zu einem der Bewohner gehört, aber wer ein solches Auto dort parkt, muss sich die Frage nach dem Warum gefallen lassen. Wer ein solches Auto besitzt, möchte sich neben dem eigentlich Zweck der Fortbewegung auch ein Stück weit mit der Außenwirkung des Wagens repräsentiert wissen. Autos sind, oder waren es zumindest bevor es Smartphones gab, Statussymbole. In diesem Fall wirft aber das Statussymbol die Frage auf, was es da soll. Ist es nur zu Besuch? Wer soll beeindruckt werden? Zu welchem Zweck? Und wieso ist das Haus kein Statussymbol, wo man wohnend doch viel mehr Zeit verbringt als im Auto. Wieso repräsentiert man sich viel lieber mit dem Auto als mit dem Haus? Oder repräsentieren sich die Bewohner bewusst auf diese Art? Was läuft da schief? Wären viele Stadtviertel nicht vielleicht einfach hübscher, wenn das Haus – und wenn‘s nur die Mietwohnung ist – viel mehr Statussymbol wäre? Ist die Werbung schuld? Ist der Sprit zu teuer, um das Auto bis zur Villa am Stadtrand zu fahren?
Und schon ist aus der gemütlichen Feierabendfototour eine Diskussion über den Zustand der Gesellschaft geworden. Antworten finden sich meist keine, aber wären wir vorm Fernseher sitzen geblieben, hätten wir auch keine Antworten auf all die offenen Fragen zu unserer Gesellschaft bekommen. Und so waren wir wenigstens zusammen an der frischen Luft.

 

Hintergrund
Für den Verlag Nürnberger Presse erstöber ich einmal im Monat eine „ungewöhnliche Stadtansicht“ und erdenke mir einen Text dazu. Beides erscheint dann  im Stadtanzeiger, der Beilage der NN und NZ. Der Name der Fotokolumne ist „Ungeschminkt“. Einen Tag nach der Veröffentlichung in der Zeitung erscheint Bild und Text auch hier im Blog.

21. September 2012

Sexshop ohne Bienen

Diverse Einrichtungen des öffentlichen Lebens haben sich mit der Zeit gewandelt und haben sich der Gesellschaft angepasst. Teilweise sind die Wandlungen schon einige Zeit her. Ich kann mich nur noch schemenhaft dran erinnern wie ich in Banken oder gar bei der Post durch eine Panzerglasscheibe hindurch bedient wurde und auch pünktlich auf die Sekunde zum Dienstschluss aus Filialen hinaus gebeten gedrängt wurde. Alles musste seine Ordnung und Distanz haben. Lange ist das her und mittlerweile kaum noch vorstellbar. Die Gesellschaft ist offener und auch praktischer geworden. Wozu sollen Panzerglasscheiben in Postfilialen auch gut sein. Mir gefällt das, da ich eher offen und praktisch veranlagt bin. Anfassen und ausprobieren liegt mir eher als zuhören und still sitzen. War damals in der Schule schon so und als ich sexuell aufgeklärt werden sollte war das ähnlich. Die offiziellen Kanäle wie Schule oder Elternhaus funktionierten diesbezüglich eh nur unzureichend und hinkten der Zeit deutlich hinterher. Wir Grünschnäbel waren auch damals schon gut vernetzt und bestens informiert und hatten uns schnell eigene Bilder (hihi) im Bereich der Aufklärung gemacht noch bevor die Bildungsträger mit ihrer Theorie angekrochen kamen.

Sexshops (wieso heißen die eigentlich nicht Geschlechtsverkehrgeschäfte? Der Begriff wäre noch frei) haben auch eine Entwicklung durchgemacht. Von kaum gekennzeichneten, sich dem öffentlichen Stadtbild entziehenden Spelunken mit dem Charme von illegaler Prostitution hin zum Servicedienstleister mit hellen, freundlichen Räumen und unkompliziertem und unanstößigem Personal. Auch die oftmals ansprechend dekorierten Schaufenster suggerieren den geneigten Kunden wohin die Reise gehen kann, vorausgesetzt natürlich eben jene bringen eine gewisse Aufklärung mit. Ob nun theoretisch oder praktisch. Ein solcher Sexshop in einer Nebenstraße im Zentrum von Fürth zeigt nun ein Bild wie aus der Vergangenheit und eins, in dem es offenbar Oswald Kolle nie gegeben hat. Und selbst wenn bei diesem Sexshop die theoretische Aufklärung noch im Anfangsstadium ist, so klafft dort doch eine eklatante Bildungslücke: bei den Blümchen fehlen die Bienen!

25. August 2012

Nürnberg Impressionen #18

Edition St. Peter

Nürnberg Impressionen #18 - St. Peter 01 - Ruine

Und dann war da letztens eine Fototour durch St. Peter, zusammen mit einer Bewohnerin des Kiezes. Die Idee war, Streetart aufzustöbern. St. Peter ist zwar nicht sonderlich berühmt für seine Streetartszene, eher für seine unfassbare Flairlosigkeit (und reiht sich damit passend in die Südstadt und in fast den ganzen Rest von Nürnberg ein), aber es ist der Stadtteil, der nach Gostenhof in dem Hinblick noch am aktivsten ist – oder so wirkt. Und ihr waren bereits die einen oder anderen Werke aufgefallen und so sind wir dann ein paar Stündchen mal durch die Straßen gelaufen. So ganz mühelos wird man dann doch nicht fündig. Und die wenigen Sachen, die man findet werden überlagert von der massiven und gleichförmig hässlichen Wohnbebauung. Aber es ist Potential da. Ich würde behaupten, das St.Peter (wo verlaufen da eigentlich die Grenzen zu anderen Stadtteilen?) nach GoHo die aktivste alternative Barszene hat. In Kombination mit den vielen Studenten sollte da doch ein guter Nährboden für Stadtteilmodifikationen sein.

Eins der Fotos der Serie zeigt den Blick hinaus aus einem Fenster eines mir bekannten Künstlers, der in St. Peter lebt und arbeitet (kein Einzelfall im Übrigen). Eine Art Symbolbild, denn es passiert nicht unbedingt wenig hinter den schmucklosen Nürnberger Fassaden, aber nach außen dringt meist nichts. Man muss wirklich hinter die Fassaden und unter die Oberfläche der Stadt gucken um ihr Potential zu sehen. Von alleine zeigt sie es keinem. Was schade und auch einer Entwicklung hinderlich ist. Wer sich nicht auf sich aufmerksam macht, wird nicht entdeckt. Umso großartiger ist es, dass es mittlerweile Orte wie das wiederbelebte AEG-Gelände gibt (nicht in St. Peter, aber in Nürnberg). Sowas sind Schaufenster in eine sonst im Verborgenen existierende Welt, die nur selten Lebenszeichen von sich gibt (insbesondere in Nürnberg).

Die ersten Bilder der Serie zeigen ein halb verfallenes Gebäude in der Sophienstr. Ecke Obere Baustraße. Ein Stockwerk ist offenbar bewohnt und dem Vernehmen nach passiert in den Teilen die noch begehbar sind noch ein bisschen mehr. Nur ist dieses Bisschen weder öffentlich noch zugänglich, sondern heimlich. Vielleicht ist es gerade ein Spielplatz für Leute, die solche Spielplätze brauchen. Vielleicht wird das alte Haus früher oder später unspektakulärer Wohnbebauung weichen, die es schon zur Genüge in der Ecke gibt, und vielleicht wird das noch nicht mal großartig wem auffallen. Selbst wenn dann jemand “Gentrifizierung!” brüllt, wird es ungehört bleiben, weil kaum jemand einen schönen aktiven Ort vermissen wird, sondern nur eine Ruine aus dem Stadtbild verschwindet.

Das Schild am Ende der Fotoserie gehört übrigens zu der charmanten Spelunke Arsch & Friedrich. Wer einen Stadtteilspaziergang nach Sonnenuntergang plant, sollte ihn dort beginnen. Oder noch besser – dort enden lassen.

Technik: Canon EOS 550D 18-135mm f/3.5-5.6. Die Fotos sind teilweise gecropped und farblich kaum bis stark nachbearbeitet.

1. August 2012

Guerilla Knitting in Nürnberg

Die Überschrift ist etwas irreführend. Wer jetzt erwartet eine lange Liste mit Guerilla-Knittings der Stadt zu finden wird weder hier noch in der Stadt selbst großartig fündig. Diese Unterform der Streetart, öffentliche Gegenstände werden dabei eingestrickt und verschönert, könnte Nürnberg aber dringend gebrauchen! Abermals zeigt sich der gemeine Franke als trend- und veränderungsresistent. Urban Knitting ist in den letzten Jahren durch die Szene und eigentlich durch alle populären Medien geschwappt. Nürnberg hat offensichtlich von dem Wind nichts wirklich abbekommen und hat dabei irritierenderweise gleichzeitig eine recht aktive (feminine) DIY-Szene, die sich u.a. auf Basaren wie dem Sommer- und Winterkiosk materialisiert. Strickware gehört dort zum Standartprogramm. Warum sich das nicht deutlicher aufs Stadtbild auswirkt ist mir etwas schleierhaft.

Vielleicht bewegt sich der gemeine Franke auch nicht, wenn er keine Aussicht auf Monetarisierung hat. Der einzig mir bekannte ernsthafte Urban Knittig Spot ist dann auch an einer der Säulen bei einem – Überraschung – Wollgeschäft direkt am Weinmarkt in der Altstadt. Wer an Marketing in dem Fall denkt dürfte nicht komplett falsch liegen.

Und doch. Dem Vernehmen nach schon öfter aufgetaucht, und vermutlich auch genauso schnell wieder verschwunden, sind kleine Mützen für Begrenzugspfähle. Das Bild zeigt solch eine Mütze in der Rothenburger Straße fast direkt am Volksbad. Auf die ganz große Strickerei im Stadtbild wartet Nürnberg aber noch.

Update
Über die Kommentare meiner Facebook-Seite kam dann auch prompt der Hinweis auf die Fotostrecken von Nordbayern.de. Dort ist dann in der Tat noch mehr Guerilla Knitting zu sehen, zum Teil aus dem letzen Jahr verteilt über die Stadt. So ganz ist der Wind doch nicht an Nürnberg vorbei gegangen und aus nordbayern.de ist offenbar ein Streetartmagazin geworden.

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