Schlagwort: beobachtung
Es gibt dieses eine Foto von der Erde in ihrer vollen Fülle, aufgenommen während der Mondumkreisung von Apollo 8 im Jahr 1968. Man sieht die Erde als kleine blaue Kugel mitten im ewigen Nichts des Weltalls. Alle Grenzen, alle Konflikte, die Geschichte, alle Kunst, das ganze menschliche Dasein reduziert sich auf diesen fingernagelgroßen Punkt der sich im Raum verliert.
Um diese Wirkung mit Nürnberg zu erzielen muss man nicht zum Mond fliegen, es reicht ein bisschen aus der Stadt raus zu fahren. Man merkt wie das, womit sich die Stadt identifiziert schon nach wenigen Kilometern im Dunst verschwindet. Die Bratwürste (deswegen der Dunst?), die Geschichte, die weitläufige Nachkriegsbebauung, selbst die Burg ist nur mit etwas Mühe zu erkennen. Heraus sticht nur das aufgepiekste Ei (aka Fernsehturm) in mitten einer schmucklosen Betonpfütze die in einem beliebigen und auswechselbaren Acker zu liegen scheint.
Lustig, dass ich diese Bild erst jetzt mache. Ich kenne die Strecke durch den Vorort Stein hindurch nach Westen, bin ihn aber offenbar noch nie bei Tageslicht in Richtung Nürnberg gefahren, oder noch nie mit offenen Augen. Diese Ansicht ist mir optisch sehr neu. Gefühlsmäßig nicht so.
2. April 2012
Da ist er nun, der mehr oder weniger fertige Friedrich-Ebert-Platz. Wobei das Wort “Platz” in dem Namen den Ort nicht sonderlich korrekt beschreibt. Denn es gibt keinen Platz oder irgendeinen Freiraum an diesem Ort. Er ist eng und zugestellt und er ist so abgrundtief hässlich wie damals schon und pflegt damit eine Tradition der Stadt, in der schöne und einladende Plätze und öffentliche Räume praktisch nicht vorhanden sind. Man kann da wirklich bald ein Konzept hinter vermuten. Ein schöner Ort würde ja auffallen, und auffallen möchte man in Nürnberg eher nicht.
Die NZ gibt mit dem Artikel “Was lief falsch am Friedrich-Ebert-Platz?” etwas Einblick in die Wirren die zu Tage treten, wenn man versucht in Nürnberg Architektur und Stadtplanung zu machen.
18. Dezember 2011
Falls man mit dem eigenen Wohnort oder mit der Wohnsituation oder mit dem sozialen Umfeld, dem kulturellen Angebot, dem Ansehen, der Hippness oder der Strahlkraft des Aufenthaltsortes leicht unzufrieden ist, dann könnte man sich vielleicht bei Gelegenheit in zwei Diskurse einlesen die unterschiedlicher und gleichzeitig gleicher nicht sein könnten und möglicherweise sogar exemplarisch sind.
Da haben wir zum einen die leicht an Identitätsarmut leidende ewige Nummer zwei in Bayern. Der Stadt in der, seit dem der Vorschlag aufgetaucht ist, wieder die Sperrzeiten zu verkürzen, es praktisch niemanden mehr gibt, der nicht irgendeine Meinung über die Lebensqualität von Nürnberg hat. Manifestiert hat sich das in den Kommentaren zu dem Artikel “Nürnberg: Die langweiligste Großstadt Deutschlands?“. Alle möglichen Meinungen die man zu Nürnberg haben kann wurden niedergeschrieben bzw. gerne auch mal hingekotzt. Wer in Nürnberg wohnt bzw. in vergleichbaren Städten, dürfte die eigene Meinung in den Kommentaren wiederfinden.
Zum anderen haben wir eine Stadt die defacto Hauptstadt ist und sich in der Selbst- und Fremdwahrnehmung quasi über den Rest im Lande stellt, aber eigentlich mitten in der Pubertät steckt. Eine Stadt, die mehr Probleme hat, als der ganze Rest in Deutschland zusammen, aber gleichzeitig über die Anziehungskraft eines schwarzen Loches verfügt und nicht nur theoretisch Lebendigkeit versprüht. Vorbild und Heilsbringer für Orte und Leute mit Profilneurosen. Nun herrscht dort auch ein ganz eigener Diskurs, der in den Kommentaren zu dem anderthalb Jahre alten und immer noch fröhlich kommentierten Text “Der Berliner Szenemensch” hervortritt, denn offenbar nervt es gewaltig, wenn Leute endlich im Hedonisten-Mekka angekommen sind, sich uniformieren und stereotypisieren und zwanghaft versuchen sich abzugrenzen und zu individualisieren und das Schlachtfeld die eigene Stadt ist.
Tja, wo man auch hinkommt, es wird gemeckert. Allerdings ist die Diskussion dieselbe auch wenn das Thema ein anderes ist. Selbst die Argumente sind ähnlich. Es geht um diese leichte Unzufriedenheit mit sich und dem Universum und dagegen hilft ganz gut einfach mal den Blick zu weiten, auf beiden Seiten und über den Tellerrand. Und Humor.
21. August 2011
Es lebt sich unspektakulär in Nürnberg. Die Stadt will zwar irgendwie was sein, irgendwo vorne mitspielen, irgendwas tollstes größtes bestes haben. Will Historie und Urbanität haben, will Nachtleben haben und Urlaubsziel sein mit Flair und Lebensgefühl und vergisst/übersieht dabei leider den größten Vorteil: Nürnberg ist Großstadt (faktisch, nicht gefühlt) in Slowmotion.
Man kann zwei Monate weg sein und man verpasst nichts. Es ist allen einfach verdammt egal was ist und was werden könnte. Und das ist ein Vorteil, in einer Zeit in der der Rest der Welt beim laufen die Beine nicht nach bekommt. Nürnberg ist der Fels in der Brandung. Die Stadt ist offensichtlich gegen jede Art von gesellschaftlicher oder kultureller Strömung immun (seit dem Wiederaufbau).
Natürlich will sich die Stadt auch als Marke verkaufen, klappt nur nicht wenn Realität und Werbung etwas auseinanderklaffen. Egal was es zu sein gibt, Nürnberg ist es nicht und das ist verdammt nochmal ein Aushängeschild mit gestrecktem Mittelfinger und eine Oase in einer Welt, in der alles eine Marke sein muss!
30. Juli 2011
Am 09. Juli fand wie jedes Jahr das Sommerfest der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg statt. Ein Anlass den man nicht ungenutzt lassen kann wenn man Kunstinteressierte ungestört in freier Wildbahn beobachten möchte.
Ein Fotoset mit Polaroidversionen der Bilder gibts drüben bei Flickr.
Technik: Canon EOS 1000D, Standardobjektiv 18-55 mm (leider mit zu wenig Akkuladung).
Fotos sind manchmal leicht gecropped und farblich etwas mit Sepia abgemischt.
10. Juli 2011