Schlagwort: beobachtung

Krakau Exkursion

Krakau Altstadt

Nürnbergs Partnerstadt Krakau gehört nicht unbedingt zu den Alphazielen wenn es um Städtereisen geht. Aber genau das hat es so interessant gemacht. So mancher schwärmte schon von der Stadt und ihrer Lebendigkeit und dem Flair. Geheimtipp. Es brauchte also nicht viel Überredungskunst und die Reise, die vom Cafe/Bar Wanderer/Bieramt zusammen mit Polenreisen organisiert wurde war gebucht, galt es doch den eher enttäuschenden Aufenthalt in Prag wieder gut zu machen und ums kurz zu machen: Mission accomplished! Krakau fesselt, insbesondere das schön ranzig und leicht skurrile jüdische Viertel Kazimierz saugt einen direkt an. Idealparkett für die Bohème. Dicke Auswahl an Cafés, haufenweise kleine Läden und Boutiquen, viel Antiquitäten, Restaurants, Kneipen, Bars, Clubs und wer weiß was alles. Haufenweise tolle und inspirierende Orte. Viele Leute, insbesondere junge und sehr schöne Menschen auf den Straßen und das alles äußerlich in einem recht runtergekommenen aber insgesamt in einem kultivierten Stil. Die Fassaden zu renovieren würde den Charme vernichten. Man guckt einfach viel zu verträumt auf die herrlichen alten Häuser mit den verblichenen Beschriftungen und dem bröckelnden Putz. Was anderswo direkt renoviert wird gehört hier scheinbar zum guten Ton, denn die Bars und Läden selber sind mit viel Liebe zum Detail und sehr individuell eingerichtet. Was gerade an den Ostkneipen so herrlich stimmig ist (und bei Ostkneipen beginnt der Osten in den neuen Bundesländern), sind die oftmals sehr künstlerisch, aufwändig und gerne auch mit einem guten Schuss Humor und Ironie gestalteten Räume. Sterile und funktionale Bars gibt es auch in Krakau aber sie kuscheln sich gemütlich an die Künstlerkneipen und haben sich gern. Man staunt also beim Kaffee und beim Bier, dass man je nach Ort mit Händen und Füssen oder mit gebrochenem Englisch bestellt bekommt. Die Zlotys rinnen einem aus der Hand, manchmal auch etwas unfreiwillig, aber egal. Es hat Charme!

Krakau Singer Cafe

Manchmal wird man auch eingeladen, von einer hyperaktiven Kunsthistorikerin z.B. die der Reisegruppe eine fulminante Tour durch die Stadt und ihre Geschichte spendierte (bzw. hat wohl die Städtepartnerschaft eine Rolle gespielt. Danke an dieser Stelle!), vorbei an viel Jüdischer Historie, Originalschauplätzen aus Hollywood Filmen (Schindlers Liste), der prächtig und touristisch renovierten Altstadt, vorbei an ruhmreichen Königen und atemberaubenden weil unglaublich aufwändig und präzise gearbeiteten Kunstschätzen bis hin zu umstrittenen Gegebenheiten der Neuzeit, wie dem Grab des jüngst verstorbenen Polnischen Präsidenten Kaczinski. Eher wenig prächtig und wenig ruhmreich aber nun liegt er halt da und Menschen stehen Schlange um sein Grab anzufassen.

Prag gab seine Authenzität nicht gerne preis. Viel zu überladen war die gewollte touristische Attraktivität die es am Ende halt versaut hat. Da ist Krakau anders. Kazimierz wirkt zum einen noch recht unverfälscht und mit der Bimmelbahn gelangt man auch schnell nach Nova Huta und ist direkt in einer Satellitenstadt, einem künstlichen Arbeiterviertel, eine korrekte kommunistische Planstadt aus dem Bilderbuch, rund um ein Eisenhüttenkombinat vom Fließband gebaut und nach wie vor bewohnt und gut in Schuss. Keine schönen Menschen mehr auf den Straßen und keine Bohème. Dafür das echte Leben (vermutlich) und die Arbeit oder halt auch keine Arbeit. Man munkelt, dass Nova Huta der Gegenpol zu Kazimierz ist. Es stößt sich ab. Man mischt sich nicht. Obwohl Nova Huta nicht unfreundlich oder unangenehm ist, nur hat das eine mit dem anderen nichts zu tun. Krakau, eine Stadt mit zwei Welten und zwei Herzen. Nicht uninteressant.

Cracovia Nova Huta

Eine Auffälligkeit hat Krakau zusätzlich zu bieten: es besitzt eine fast schon unangenehme Anzahl an Überwachungskameras. Es ist auffällig, dass viele Plätze und Ecken, insbesondere Eingänge von Gebäuden von Kameras überwacht werden. So richtig unbeobachtet fühlt man sich in der Stadt nicht. Etwas Sicherheit gibt da die Tatsache, dass einige der Kameras Placebos sind, ohne Innenleben oder nicht verkabelt. Interessanterweise war sich selbst eine Reiseführerin, die sich ja mit der Stadt auskennen sollte, der Kameras nicht bewusst. Krakau hat eine stark jüdisch geprägte Geschichte und da in Deutschland jüdische Friedhöfe stark überwacht werden, kam die Vermutung hoch, dass Krakau aus Vorsicht vor Antisemitismusattacken die Stadt überwacht. Das wurde jedoch dementiert. Die Kameras sind wohl eher ein Wahn der Einwohner.

Das Jüdische Kulturfestival war eher klein bzw. wirkte unterbesucht, jedenfalls wenn man den Ankündigungen geglaubt hat. Es gab auch Stimmen, die in den Vorjahren mehr Aktivität festgestellt hatten. Egal, es ist ein lebendiges Straßenfest mit viel Flair, ohne Sperrzeiten und mit tanzenden Rabbinern. Sehr angenehm, aber ich will noch etwas über Auschwitz schreiben, einen Ort den man von Krakau aus mit dem Bus leicht erreicht. Die Frage, wie es denn war, lässt sich nur schwer beantworten da Wörter wie “toll” einfach nicht greifen. Es führt einem die Grausamkeit des Holocaust sehr plastisch vor Augen und zwar spätestens in den Räumen in denen die originalen Schuhe, Brillen und Koffer der Opfer bergeweise gestapelt sind. Wenn man die Namen auf den Koffern liest die von Leuten angebracht wurden, die ihre Koffer später wieder haben wollten, dann kommt die Geschichte ganz nah in die Gegenwart zurück und zwar in Farbe, denn es sind die verdammten Originalkoffer die da liegen und nicht die ewig wiederholten verwackelten und surreal wirkenden Schwarzweis-Filmdokumente. Ein Ort der wirkt, auch wenn die Besuchermassen etwas zu routiniert und fliessbandartig geführt werden. Ausschwitz ist eine Gradwanderung aus touristischem Ausverkauf und historischem Erbe.

Touristenmassen in Auschwitz

Ok, viel zu kurzer aber umso intensiverer Trip nach Krakau. Lohnt sich. Die Partnerkneipe heißt übrigens Prowincja unweit vom großen Hauptmarkt in der Altstadt.

3 Kommentare 25. Juli 2010

Authentizität in Prag

Prag von hinten

Man wird das Gefühl nicht los, dass sich Prag komplett dem Tourismus hingegeben und unterworfen hat und das stößt etwas unangenehm auf. Man ist ja in eine Hauptstadt eines fremden Landes, einer fremden Nation und somit in eine fremde Kultur gefahren, von der man was erfahren oder zumindest mal gesehen haben möchte und zwar unverfälscht. Aber in Prag kann man die Altstadt und alles in näherer Umgebung nur als „Disneyland“ bezeichnen. Es schieben sich Massen an Touristen im Schneckentempo über die Karlsbrücke. Davor und dahinter säumen Unmengen der immer gleichen Andenkenshops die Strassen und man glaubt gar nicht wie viele Überwachungskameras nötig sind, um selbst kleine Nebengassen im Blick zu behalten. Nix mit Authentizität, so gar nicht. Es haben nur noch Schiessbuden und Zuckerwattestände zum perfekten Rummel gefehlt.

Auch ein anderes Thema kam direkt am zweiten Tag auf die Agenda: Korruption! Tschechien ist laut Transparency International gerade mal Mittelklasse was dieses heikle Thema angeht. Als Tourist bekommt man davon sicherlich nicht viel mit, wenn man nicht grade aufgefordert wird das Hotelzimmer zu wechseln weil jemand anders rein will oder wenn einem beim Mittagessen von Fremden am Tisch erzählt bekommt mit was für Hürden man als Ausländer zu kämpfen hat wenn man ein Gründstück verwalten möchte. Ok, es ist nichts bewiesen aber man geht auf einmal mit einem ganz anderen Blick durch die Strassen. Korruption ist unfair und schwer zu greifen aber auf einmal war sie auf eine unheimliche Art gegenwärtig.

Was kann man in Prag nun sehen? Vorzeige-Enfant terrible David Cerný hat Spuren in der Stadt hinterlassen die es zu entdecken gilt. Am auffälligsten sind seine krabbelnden Babies am hübsch spacigen Fernsehturm und auch seine „Pissing Men“, die gemütlich SMS-Textnachrichten auf eine Karte von Tschechien pinkeln sind einen Blick wert. Und nicht zuletzt hängt das EU-Aufrege-Kunstwerk Entropa zurzeit im DOX Zentrum für Gegenwartskunst, ein Ort der im Vergleich zur Karlsbrücke angenehm unterbesucht ist.

Die Straßenbahnlinie 22 verrät etwas mehr von der Stadt als das touristische Zentrum. Zwar auch nix um in Poesie zu schwelgen, aber auf der Suche nach der sozialistischen Vergangenheit und den in die Jahre gekommenen Vorortdatschas mit dem Lada im Hof wird man so am ehesten fündig. Auch sieht man so die Millionen von kleinen Geschäften die jede Strasse säumen und die was Asiatisches haben und die Leute selbst die mit Kleidung und Ausdruck den Westen verinnerlicht haben. Mit ihren Autos sowieso. Wenn jemand osteuropäisch aussieht, dann sind’s russische Touristen.

Eine Offenbarung war der Cross Club unweit des DOX, ein mit viel Liebe, noch mehr Zeit und Hingabe gestalteter industrieller Cyberpunktempel. Von alten Bohrköpfen über metallene Nähmaschinen bis hin zu Motorblöcken wurde hier alles zu Licht-, Sitz- und Raumelementen verbaut was man auf einem gut sortierten Schrottplatz finden kann. Dazu glasklarer Sound, ein Kino, viele Bars und noch mehr Areas mit Garten auf mehreren Etagen und entspanntem Publikum. Ein Club wie aus dem Bilderbuch.
Wohingegen sich der Parukarka Bunker Club als Flop herausgestellt hat. Nicht alles was hinter einer dicken Stahltür und mehrere Stockwerke tief in der Erde steckt hat auch direkt Flair. Aber wer ein bunt gepinseltes Jugendzentrum mit billigem Bier mag ist hier sicher richtig. Aber billiges Bier kann man auch in einer der vielen Prekariatskneipen haben. Das bringt zudem die lang vermisste Authentizität mit und gerne auch einen Altherrenmonolog unter starkem Alkoholeinfluss während der Typ hinter einem es sich schon auf der Eckbank für die Nacht gemütlich macht.

Prag hinterlässt einen gemischten Geschmack. Sicherlich sind zweieinhalb Tage zu wenig um in eine Kultur einzutauchen. Auf der anderen Seite gibt es Orte die weniger Zeit brauchen um zu begeistern. Im Zweifelsfall noch mal besuchen.

Hinterlasse einen Kommentar 15. August 2009

Finnland Exkursion

you_should_be_here

Es sah so aus, als wäre ich nicht fünf Wochen in Urlaub gefahren, sondern in ein Trainingscamp. Ich hatte mich eigentlich seelisch auf etwas freie Zeit mit und in Finnland vorbereitet aber dann stand die Arbeit doch im Vordergrund. Und zwar mehr als sonst, hatte auch mehr Zeit für die Arbeit als sonst und lustigerweise war es auch interessanter als sonst. Die ganzen finnischen Kollegen (von denen etliche chinesisch, indisch, deutsch oder wer weiß was gewesen sind) machten den Job um einiges interessanter als wenn man normal zu Hause hocken würde. War Klimawechsel, war schon ne andere Welt und ein paar Erfahrungen durfte ich dann trotzdem noch machen, oben bei den kleinen Finnen, man hat ja nicht den ganzen Tag nur gearbeitet:

Fortfahren 10 Kommentare 25. Juni 2009

Nürnberg Erfahrungsaustausch mit Pandoras Täschchen

Nicht wenige Menschen nutzen Städte, um ihr Leben in Erfüllung gehen zu lassen. Nürnberg ist sicherlich ein Ort um erwachsen zu werden, aber auch einer um alt zu werden?

Name/Pseudonym: Pandoras Täschchen
Alter: 28
Beschäftigung: studieren und dies und das
URL: bald

Warum Nürnberg?
Ein privater Unfall; dem Verursacher nicht unbedingt zu danken, der ist wieder von hier weg gezogen.

Ist Nürnberg schön?

Na klar, wenn man nicht immer auf die Strasse schaut, um nicht in Hundescheiße zu tappen.

Was sollte man in Nürnberg tunlichst unterlassen?
Nicht mit dem 43er und 44er Bus nach Zabo fahren; es stinkt, es engt ein, es zieht einen in trübe Gewässer, man möchte niemals Kinder und ein eigenes sauberes und wohlriechendes Auto, um über den Frankenschnellweg zu düsen…

Was sollte man in Nürnberg unbedingt tun?
Mit den Strabas bis zur Endhaltestelle und zurück.

Nur Nürnberg hat…
Die Strasse der Menschenrechte.

5 Kommentare 9. April 2009

Kantine Franken

Der Sugar Ray pendelt ja zwischen den Welten. Er ist in der Kantine in München genau so zu Hause wie in der Kantine in Nürnberg. Historisch und durch den Einstellungsort bedingt sind die Stunden die bisher in der Franken Kantine zugebracht wurden natürlich viel zahlreicher als die in München auch wenn das Essen in der dortigen Kantine eine ganze Liga besser ist als der fleischlastige Pampf den es hier gibt, aber das ist eine andere Geschichte.
Auffällig ist, dass es in München öfter mal vorkommt, das Menschen mit ihren Tabletts zusammenstoßen und eine Sauerei machen. Natürlich ist das kein großer Aufhänger und bei dem Gedränge und der knappen Zeit zur Mittagespause mehr als verständlich. Dagegen ist es mir hier in Nürnberg noch nie aufgefallen, dass irgendwer sein Tablett runtergeschissen hat oder mit wem zusammengestoßen ist. Eine Erklärung musste her und das Thema wurde in einer Pause dann zur Sprache gebracht.
Vorschläge wie „in der großen Stadt ist alles viel stressiger und hektischer als hier am Dorf“ oder „das ist die fränkische Gemütlichkeit“ wollten nicht so recht greifen bis dann die (urfränkische) Kollegin mit der einleuchtenden Erklärung kam: „In Franken hat man gelernt, sich aus dem Weg zu gehen!“

3 Kommentare 8. Dezember 2008

Gross Circus Fussball

Gross Circus Club Arsch

Entschuldigung wenn ich als Unfranke hier fotografisch Stellung beziehen muss, aber mir kam zu Ohren, dass es Probleme mit dem Tabellenplatz gibt.

4 Kommentare 28. April 2008


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