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14. März 2013

Großversandhausfotografie

Quelle - Ausstellung Großversandhausfotografie

Im Dezember letzten Jahres bin ich mit einer beachtlich großen Gruppe durch das riesige Gebäude der alten Quelle gelaufen. Wir haben uns die Räume zeigen lassen und haben natürlich viel fotografiert. Schon damals gab es schnell die Idee, die Fotos nicht nur online zu zeigen, sondern sie auch im Rahmen einer Ausstellung zusammenzuführen. Kurzum, ich freue mich, dass sich 8 Fotografinnen und Fotografen gefunden haben, die nun im April gemeinsam inklusive meiner Wenigkeit in der Weinerei in Nürnberg Fotos aus dem alten Versandhaus ausstellen.

Das Quelle-Versandgebäude ist das derzeit zweitgrößte “leerstehende” Gebäude Deutschlands, nach dem alten Flughafen Tempelhof in Berlin. Es befindet sich derzeit in einem Dämmerzustand zwischen Leben und Stille. Teile des Areals werden von Künstlern, Designern, Musikern und Kreativen genutzt, die ideale Räume für ihr Schaffen gefunden haben. Ein weitaus größerer Teil, meist riesige Räume der alten Versandflächen, aber auch Bürotrakte, stehen derzeit tatsächlich leer.

Die Ausstellung dokumentiert diesen Zustand der ungewissen Nutzung und des großflächigen Leer- und Stillstandes, aber auch den aufkeimenden Neuanfang.
Die Sammelausstellung präsentiert Fotografien von:

Mehr Infos gibt es hier. Wir werden alle zur Vernissage anwesend sein und natürlich über die Bilder und die Quelle selbst viel zu erzählen haben.

Die Vernissage findet am Donnerstag, den 04.04.2013 um 20 Uhr mit musikalischer Begleitung durch DJ Nosmoke statt (es gibt ein Facebook Event).
Die Ausstellung wird in der Weinerei bis zum 27.04.2013 zu sehen sein.

 

Update

Bei nordbayern.de sind Bilder von der Vernissage zu sehen.
Das Franken Fernsehen hat zudem einen wunderbaren Fernsehbeitrag über die Weinerei Nürnberg und die Ausstellung gedreht. Der Typ der die Weinerei erklärt bin ich :)

20. Oktober 2012

Gastspiel in einem Mietshaus in Fürth

Durch den werten Herrn Weber von eyeshots.net bin ich überhaupt erst auf diese kleine Perle aufmerksam geworden. An der Stadtgrenze bzw. im Niemandsland zwischen Nürnberg und Fürth steht seit ca. zwei Jahren ein Wohn-/Mietshaus leer welches im Rahmen des Gastspiels 2012 von Künstler und Kreativen okkupiert wurde und dieses Wochenende für den Besucher freigegeben ist.

Völlig wunderbar ist diese Wechselwirkung aus Kunst und der oftmals noch vorhandenen biederen Wohnungseinrichtung und Gestaltung die teilweise bewusst in die Ausstellung der verschiedenen Künstler mit eingebaut wurde. Ein Großteil der Wohnungen und Zimmer waren zugänglich und es gab somit Einblicke in die Hinterlassenschaften der ehemaligen Bewohner. Ich hab mich beim Besuch Freitagnacht fast lieber mit dem Gebäude als mit der Ausstellung beschäftigt. Da war z.B. die Wohnung mit den vergilbten Tapeten auf der noch die Umrisse von Bildern zu erkennen waren die dort Jahrzehnte gehangen haben müssen. Oder die ausgetretenen Teppiche und aus der Mode und Zeit gefallenen Einrichtungsgegenstände und Verzierungen. Ein anderes Zimmer im Gebäude wurde so gestaltet, als wäre es das Jugendzimmer eines Bundeswehrsoldaten gewesen und Christian Weber hat seine Räume gleich komplett mit künstlichen Schatten ausgestattet. Sehr schön, aber nicht von allem habe ich Fotos gemacht.

Und noch was ist mir aufgefallen: das Publikum war angenehm schräg, schrullig und authentisch. Wenn die Lokalpresse was vom hippen Fürth schreibt, dann hat sich das an diesem Ort manifestiert. Meine Fotos geben das nicht sonderlich gut wieder, weil sich Gespräche und spontan entwickelnde Szenen nun mal schlecht fotografieren lassen und ich lass die Kamera auch gerne mal weg wenn sich was ulkiges entwickelt. Man muss ja nicht immer alles dokumentieren. Ich hab mich beim Knipsen lieber auf die Räume konzentriert wenns mal etwas ruhiger war.

25. September 2012

Offen Auf AEG 2012 – Räume und Rezipienten

Auf AEG 2012

Vor einem Jahr war es erstmals so weit. Das AEG Werksgelände in Nürnberg öffnete etliche Tore und Türchen und lud zu einer Besichtigungstour ein. Ein Jahr später passierte es wieder. Ich war fast das ganze Wochenende da, habe den Samstag, Teile der samstäglichen Nacht und weite Teile des Sonntages genutzt um möglichst viel zu erstöbern, das Flair einzuatmen und um mir ein Bild bzw. mit der Kamera viele Bilder zu machen. Mir ging es nicht unbedingt um die Kunst oder die Leute (tagsüber viele Familien, tendenziell älteres Publikum. Wird der Grund gewesen sein, warum leider niemand außer mir vom Gelände getwittert hat*) zu fotografieren, sondern beides zusammen wenn sie interagieren und verschmelzen und so gemeinsam wiederum zum Kunstwerk werden und betrachtenswert sind. Und natürlich ging es um die Räume. Wir haben es hier mit einer alten Industriebrache zu tun deren Nutzung um 180 Grad gedreht wurde. Was spannenderes und widersprüchlicheres gibt es kaum.
Einen Haken gab es allerdings. Irgendwann habe ich den Begriff „bodenständig“ während des flanierens aufgeschnappt und das trifft es fast am besten. Die ganze Veranstaltung verlief sauber, akkurat, unaufgeregt, unanstößig. Ich fand das etwas – nunja – fad. Wenn ich Künstlern Räume überlassen würde, dann erwarte ich geradezu, dass verstört, angeregt und das Publikum mit eingebunden wird. Im BEAST-Gebäude waren dementsprechende Arbeiten noch am ehesten zu sehen. Z.B. informierte an einem geschlossenen von außen einsehbaren Raum ein Aufdruck, dass man diesen Raum wegen der Luft bitte mit Vorsicht betreten solle. Nun war der Raum offensichtlich leer und man fragt sich was da sein solle. Und schon beginnt man zu grübeln. Geht man da jetzt rein und findet es raus? Oder lässt man es in so einem Industrieareal der Gesundheit wegen lieber bleiben? Nur ein Beispiel von vielen was aber zeigen soll wie eine Verbindung mit mir bzw. dem Publikum und den Ausstellungsräumen hergestellt werden kann. Die Drop Sculpture geht in die selbe Richtung weil sie das Konzept einer Ausstellung hinterfragt. Nach Sichtung dieser Arbeit konnte auf einmal alles Erdenkliche auf dem Areal wieder Kunst sein und somit eine besondere Bedeutung haben. Die Grenzen sind eh schon verflossen. Einfache Bilder an der Wand sind reizlos geworden. Mein Internet zeigt mir genug fantastische Bilder von tollen Künstlern aus aller Welt wann immer ich das will. Der Mehrwert von Ausstellungen liegt in der Interaktion, in der Überraschung und in der Wechselwirkung zwischen dem Werk, dem Raum und dem Rezipienten.

Die Begleitausstellungen „WALDRAND“ im Quellegebäude geneüber fand ich übrigens extrem mittelmäßig. Zwar technisch perfekt aber sehr langweilig. Schade, insbesondere weil suggeriert wird, dass die gesamte Kraft der Fotoszene Nürnbergs dort versammelt ist, die es hier schon mal viel besser gekonnt hat.

Aber hier nun einige Fotos von mir. Bitteschön.

Technik: Canon EOS 550D 18-135mm f/3.5-5.6 und Lensbaby Composer. Die Fotos sind teilweise gecropped und farblich gar nicht bis leicht nachbearbeitet.

*

AdBK Sommerfest 2012 Rezipienten

Am 14. Juli fand wie jedes Jahr das Sommerfest der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg statt und abermals habe ich versucht nicht unbedingt die Kunst oder die (sehr hübschen) Leute zu fotografieren, sondern beides zusammen wenn sie interagieren und verschmelzen und so gemeinsam wiederum zum Kunstwerk werden und betrachtenswert sind.

Eine Auswahl. Bitteschön.

AdBK Sommerfest 2012 #03

Bonusfoto
Nach der Aufregung um das letzte eher mittelmäßig lustige Titanic-Coverbild und die einstweilige Verfügung aus dem Vatikan möchte ich insbesondere die folgenden prima stilsicheren Werke hervorheben. Künstlername: leider gerade entfallen.

AdBK Sommerfest 2012 Bonusbild

Technik: Canon EOS 550D 18-135mm f/3.5-5.6. Die Fotos sind teilweise gecropped und farblich leicht bis stark nachbearbeitet.

6. April 2012

Urbane Nomaden

Projekt Occupied Wall Space von Winfried Baumann

Urbane Nomaden 5

Winfried Baumanns Arbeiten kreisen um Themen wie mobiles Leben, Armut und modernes Nomadentum: Seit 2001 entwickelt er Wohnsysteme für „urbane Nomaden“, bei denen Kunst, Design und sozialer Aktivismus ineinandergreifen. Für die aktuelle Ausstellung entwickelte Baumann eine Installation für die Rückfront des Kunstraums Sterngasse 18 Wohnsystem-elemente, die eine Art urbaner Pueblo-Architektur vorführen.

Installation im Rahmen von 30 KÜNSTLER / 30 RÄUME im Innenhof des Kunstraums Sterngasse in der Hinteren Sterngasse 25-27. Noch bis zum 17.06.2012

Update 23.05.2012
Ein Artikel dazu im MonopolMagazin: Nürnberg dient als Trainingsgelände für Großschauen.

6. Januar 2012

Eyeshots – Streetart in Nürnberg

EYESHOTS-STREET-PARKING-1

Der urbane Raum ist schon etwas Seltsames. Wir leben in einem, er ist Alltag. Er wird von vielen Menschen geteilt und gehört doch niemandem. Eine aufgelegte Ordnung, eine Art von Kompromiss liegt über dem öffentlichen Raum. Man arrangiert sich mit ihm, so wie er ist und man stört sich nicht weiter an ihm. Der Eingriff in den Raum bedingt üblicherweise Ab- und Zustimmung. Denn die Ordnung soll ja erhalten bleiben.

Hier kommt Christian Weber ins Spiel. Künstler, lebt in Nürnberg und kommt aus der Malerei, widmet sich aber auch der Streetart, der Kunst im öffentlichen Raum und insbesondere der Spielart des Urban Hackings. Er greift durch kleine, gezielte und möglichst kreative Arbeiten in den urbanen Raum ein und verändert ihn punktuell. Es geht ihm nur zum kleinen Teil um figurative Arbeiten (ein weites Feld der Streetart), vielmehr soll in den Alltag der Leute eingegriffen werden, sie in Entscheidungssituationen zwingen, kurz zögern und rätseln lassen, Verwirrung stiften.

Ihm gelingt das durch Modifikationen von Bekanntem. Dinge, die oftmals für sich alleine unauffällig sind und oftmals unbemerkt bleiben. Aber für jemanden, der sich gemeinsam mit der Modifikation in derselben Situation befindet, bekommt sie eine Bedeutung, und eine sehr unerwartete dazu. Diese Momente fordert er heraus.

Die Werke werden in den öffentlichen Raum eingebracht und dort sich selbst überlassen. Sie existieren manchmal nur kurze Zeit, wenige Tage (es handelt sich um Aufkleber, die man rückstandsfrei entfernen kann), manchmal bleiben sie aber auch über einen sehr langen Zeitraum bestehen, oftmals unbemerkt von den Menschen und ihrem Alltag.

Nun zeigt die Weinerei Nürnberg im Februar 2012 unter dem Titel “Hin und weg” eine Sammlung von Fotoabzügen dieser Werke, die u.a. in Nürnberg, Stuttgart, Hamburg, Lüneburg und Berlin entstanden bzw. in die freie Wildbahn gesetzt wurden. Die Vernissage ist am 02.02.2012 um 20 Uhr.

Die Fotos auf dieser Seite zeigen Arbeiten von Christian, die allesamt in Nürnberg, also einer Stadt, die in Sachen Kunst und Zierrat im öffentlichen Raum nach wie vor sehr geizig ist, teilweise vor wenigen Monaten, aber auch vor etlichen Jahren zu finden waren und zum überwiegenden Teil nicht mehr existieren. Und ich freue mich wirklich, diese Bilder zeigen zu dürfen, denn sie beweisen, was man in Nürnberg alles finden kann, wenn man nur etwas sucht und buddelt und das vieles unter der Oberfläche passiert. Diese Sammlung ist übrigens auch unvollständig. Wer nach weiteren Arbeiten stöbert und mit offenen Augen durch die City läuft, wird durchaus fündig.

Offenlegung: Dirk Murschall ist nicht nur Autor dieser Zeilen, sondern auch für Promotion der Weinerei in Nürnberg (weinerei.de) zuständig. Er hat Christian irgendwann letztes Jahr mal gefragt, ob er nicht mal Lust hätte, eine Ausstellung in der Weinerei zu machen.

9. November 2011

Architektur überwintern

Archinovo Dauerausstellung

Was man mit Bildern und Fotos machen sollte, bevor sie im Wohnbereich oder im Keller vor sich hin stauben: in der Stadt verteilen!

Es gibt nun noch einen weiteren Grund mal durch die Humboldtstraße zu spazieren. Nicht nur um Nürnberg mal von einer vielleicht etwas nicht so klischeehaften Seite zu erkunden, sondern um bei der Hausnummer 90 innezuhalten und staunend durchs Schaufenster zu blicken. Das befreundete Architekturbüro Archinovo hat sich nämlich bereiterklärt, eine Wand freizuräumen, um Fotos aus diesem Blog ein warmes Heim für den Winter zu geben. Also schaun Sie doch mal rein. (Die Ausstellung ist mittlerweile beendet.)

Wäre doch eigenartig, wenn man bei der Energieberatung nicht etwas abwesend, dafür aber inspiriert rüber zu den Fotos gucken und sich überlegen würde, wie man das Volksbad sanieren könnte, das Atrium kultivieren, den Optiker wiedereröffnen oder eine alte Fassade wenigstens in Ansätzen wieder etwas Leben einhauchen könnte. Galerien sind ja auch oft ein Ort für neue Ideen, ein Architekturbüro in der Südstadt nun möglicherweise auch.

27. September 2011

Offen Auf AEG

Fotos der Neubesiedelung des alten AEG Werksgeländes in Nürnberg. Entstanden im Rahmen der Aktion Offen Auf AEG.

Offen auf AEG 21

Bisher war der Autor davon ausgegangen, dass Kunst in Nürnberg nicht groß passiert*. Nürnberg als Arbeiter- und Bauernstadt, geprägt von Schwerindustrie und einem verpassten Strukturwandel. Kunst im öffentlichen Raum ist nach wie vor nur schwer zu entdecken und der Ruf, dass Nürnberg eine Kunstszene oder gar eine Bohème hat, hält sich arg in Grenzen. Der letzte, der in der Stadt etwas Kunst gemacht hat und das auch nach außen getragen hat, muss Dürer gewesen sein. Soweit das zementierte und schön stimmige Weltbild.

Wo nun auf einmal die ganzen Künstler und Kreativen herkommen, die das alte AEG-Gelände bevölkern, erklärt dieses Weltbild nur unzureichend. “Na von der Kunstakademie!”, wird dann geantwortet. Allerdings wo waren die ganzen Leute vor 4 Jahren, als das Gelände noch Industriebrache war? Etwa in kleinen versteckten Zimmern, abgeschnitten von der Außenwelt? Würde erklären warum nie was nach draußen gedrungen ist.

Das Spinnereigelände in Leipzig ist Vorbild für die Umgestaltung des AEG-Geländes. Nun hat Leipzig einen Ruf als Künstlerstadt und es gibt die “Leipziger Schule” als Strömung in der modernen Malerei. Somit war es schlüssig dort einen Schaffenstempel für die ganzen Kreativen zu errichten. Die Nürnberger Schule ist eine Baumkletterschule (ja, auf Bäume klettern. Nicht kompliziert, einfach zu verstehen). Und somit weitab von Kunst und es war dem Autor auch deswegen unklar, wie so ein riesiges Gelände, wie das der AEG, mit lokaler Kunst vollgemacht werden sollte.

Das Gelände ist nun voll mit lokaler Kunst und die Warteliste für die Ateliers ist lang (ca. 90 Leute). Kunst passiert in Nürnberg und das nicht zu knapp und vor allem passieren tolle Sachen. Das ist völlig überraschend. “Toll, dass es diesen Schaffenskomplex jetzt gibt und ein Austausch stattfindet”, formulierte man in einem der Ateliers. Wird Zeit, dass das auch nach außen getragen wird und dass man die Stadt auch auf der Kunstebene wahrnimmt (ja, der Autor tut sich da auch schwer mit, aber die Faktenlage ist erdrückend). Es bleibt außerdem zu hoffen, dass das Gelände nicht weiter vermainstreamt. Die Blaue Nacht ist z.B. zum reinen Promotionquatsch verkommen und künstlerisch arg wertlos geworden. Wenn das mit dem AEG-Gelände auch passiert, dann wird das nix mit dem Ruf als Künstlerstadt.

Hier nun Fotos von einem Rundgang durch die Ateliers, das Gelände und einiger Ausstellungsräume:

*ja, es gab und gibt etliche kleinere Aktionen und auch Aktive. Bekommt man schon mit. Allerdings zeitlich und räumlich sehr verstreut bisher. Nichts was ein Stadtbild prägt.

Technik: Canon EOS 1000D 18-135mm f/3.5-5.6. Die Fotos sind gecropped und meist farblich nachbearbeitet.

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