Abend des Lobes
Die Freiräume eines unkommerziellen und subkulturell angehauchten öffentlichen Wohnzimmers ermöglichen gerne mal Experimente mit Barkonzepten. Die Weinerei in Nürnberg ist ein solcher Ort und vor einigen Jahren schon wurde dort ein besonderer Abend eingeführt: der Abend des Lobes. Es kam einst im Smalltalk zu einer Beschwerde einer (hübschen!) kolumbianischen Frau, die bemerkte, dass in Deutschland zu wenig gelobt wird bzw. zu wenig Komplimente gemacht werden (gerade Frauen gegenüber). Es entstand die Idee, die Gegenbewegung zu starten. Natürlich bot sich die Weinerei an, da ihr reger Publikumsverkehr für genug Öffentlichkeit sorgt und wo die Leute offen genug für ein derartiges Experiment sind. In der Praxis läuft das so, dass die Gäste nur an Getränke kommen, wenn sie loben. Es muss ja einen Anreiz geben, von nix kommt nix. Es müssen zum Beispiel die Gäste gelobt werden, die Ausstellung muss gelobt werden, die Weinerei selbst muss gelobt werden. Je authentischer das Lob, desto besser. Natürlich werden besonders tolle Lobe auch besonders gelobt! Die allermeisten Leute sind für Lob stark empfänglich und es zeigt sich, dass der Funke des Lobens gerne auf das Publikum überspringt und sich verbreitet. Auch wenn es vielleicht nur ein Spaß ist und so manches Lob übertrieben sein mag, es funktioniert trotzdem. Die Psyche wird gestreichelt, das Selbstwertgefühl leuchtet und ein Lächeln macht sich breit.
Seit etwa 5-6 Jahren gibt es den Abend des Lobes in der Weinerei. Er findet mehr oder weniger jährlich statt (ja, ich weiss. Viel zu selten). Am Anfang immer mit mir an der Bar, jetzt nach einer kleineren Pause mit neuer Besetzung. Der nächste Abend des Lobes findet am 18 Mai statt (Facebook Event). Wäre schön, wenn ihr alle kommt!
Meanwhile vor meiner Haustür
Nürnberg, Lindengasse, am 19. Februar 2013 um 08:09 Uhr.
Unfassbar großartige Urban Knitting Aktion von der häkelnden Fränkischen Hausfrau direkt vor meiner Haustür. Mit Widmung. Ich bin völlig überrascht und zutiefst gerührt und bedanke mich auch auf diesem Wege ganz herzlich für dieses großartige Geschenk. Ich werde nie mehr behaupten, Nürnberg wäre hässlich. Denn wahre Schönheit kommt von innen und liegt (ganz offenbar) in den Menschen selbst! :)
Update
Jutta gibt dezent Hinweise auf die Hintergründe der Aktion und impliziert noch weitere Fundstücke im Stadtbereich (Hinweis: Fleischbrücke, Terrasse des Cinecitta, Prinzregentenufer).
Und ich vermute sehr stark, dass ich mit diesem Artikel die Aufmerksamkeit seiner Zeit auf mich gezogen habe.
Update 2
Eine weitere Arbeit wurde in meinem Dunstkreis entdeckt. Am Fenster der Weinerei Nürnberg hängt seit neuestem ein gehäkelter Blumenkübel inkl. Blumen und Bewässerungsanweisung. Es wird immer besser :)
Update 3
Die Häkelarbeiten am Cinecitta wurden durch selbiges auf Facebook verbreiet.
Update 4
nordbayern.de wurde auf die häkelnde Fränkische Hausfrau aufmerksam: Fünf Fragen an… Jutta Leykauff, Woll-Künstlerin
Die Entdeckung des Normalen [Ungeschminkt]
Freunde von mir betreiben hauptberuflich eine Unternehmung für Abenteuerfreizeiten, Klassenfahrten, Seminare und ähnliches für Kinder und Jugendliche. Die Kids werden aus Deutschland gerne mal in die entlegenen Ecken Europas gekarrt und lernen dort nicht selten zum ersten Mal die Natur kennen oder, was auch spannend ist, bunt gemischt aus den wildesten Ecken Europas kommen Austauschjugendliche nach Deutschland. Sie lernen hier in speziell gestalteten Seminaren die interkulturelle Zusammenarbeit untereinander und auch die oftmals überaus befremdliche Kultur Deutschlands, bzw. der Franken kennen.
Für eins solcher Seminare wurde jüngst auch ein Fotografieworkshop eingeplant und als Kenner der Stadt und der Fotografie sollte ich nun eine Gruppe aus jungen Rumänen, Polen, Estländer, Italienern, Griechen und Türken etwas durch Nürnberg führen.
Nichts leichter als das. Ich konfrontierte die Gruppe mit der Idee, dass wir auf keinen Fall die üblichen Touristenwege mit den Sehenswürdigkeiten ablaufen würden. Es wurden von diesen Sehenswürdigkeiten nämlich schon alle erdenklichen Fotos gemacht. Für das Fotografenauge gäbe es nichts mehr zu entdecken auf einer solchen Tour. Ich erklärte, dass man eine Stadt, die Bewohner, die Kultur, ja das ganze ungeschminkte Wesen am besten erkunden kann, wenn man sich dahin begibt, wo die normalen Leute leben: in die Wohngebiete also. Und somit fanden sich die jungen urbanen Forscher direkt in den Seitenstraßen des sehr unaufgeregten Wöhrd wieder und begannen sich mit den überaus schmucklosen Profanbauten deutscher Nachkriegsarchitektur zu beschäftigen. Der Kenner weiß natürlich, für das Fotografenauge gibt es nichts besseres als schmucklose Langeweile. Denn nun ist es gefordert, das besondere und spezielle zu entdecken. Denn jetzt kommt es auf den Fotografen an, etwas aus der Szene zu machen und Kreativität zu entwickeln. Er kann sich nicht mehr auf die Schönheit des Motivs verlassen.
Die Gruppe entdeckte auf der Tour allerhand, von Häusern, die offenbar den Krieg überlebt hatten und sich optisch nicht so recht in ein Straßenbild einfügen wollten und wie ein Fremdkörper wirkten bis hin zu kleinen sauber geharkten Vorgärten mit Tontieren (gibt es etwas deutscheres?). Und alles wurde schön in Szene gesetzt. Eins der Mädels enteckte dann in der Hohfederstraße eine an einen Baum befestige Uhr, die offenbar zu einer Bar gehört. Neben anderen Dingen ist diese Uhr ein Beweis, dass man mit etwas Beobachtung Besonderheiten im Normalen finden kann, wenn man nur Aufmerksam genug ist. Eine schöne Lektion für die Gruppe. Und noch etwas schönes entdeckte der Seminarleiter, ein Italiener aus Rom: Er machte schon öfter solche Fototouren mit Jungendlichen in diversen Ländern und bislang immer inklusive der jeweiligen Sehenswürdigkeiten. Er lobte die Tour als ein besonderes Zeichen von Reife und Selbstbewusstsein, da sonst immer versucht wird, die schönen Seiten zu präsentieren und eher beschämt mit dem profanen umgegangen wird. Und auch die Gruppe hatte ihren Spaß. Es sind viele tolle Fotos entstanden.
Hintergrund
Für den Verlag Nürnberger Presse erstöber ich einmal im Monat eine „ungewöhnliche Stadtansicht“ und erdenke mir einen Text dazu. Beides erscheint dann im Stadtanzeiger, der Beilage der NN und NZ. Der Name der Fotokolumne ist „Ungeschminkt“. Einen Tag nach der Veröffentlichung in der Zeitung erscheint Bild und Text auch hier im Blog.
Diptychon ! Kunst
Dieses Bild ist eine Zusammenarbeit von Florian Roth und meiner Wenigkeit und ist für das Fotografiemagazin ”kwerfeldein“ im Rahmen der Leseraktion ”Diptycha für alle“ entstanden.
Zwei an kreativem Austausch und Experimenten interessierte zufällig zusammengewürfelte Fotografen hatten die Aufgabe, ein Diptychon aus ihren Fotografien zu erstellen. Zwei Bilder aus dem jeweiligen Fundus sollten neben-, oder übereinander kombiniert werden, um so eine neue Einheit zu ergeben. Die Fotos sollten auf inhaltlicher oder formaler Ebene miteinander interagieren.
And this is what we did!
Mein Quellbild (das Rechte) ist hier zu finden. Diese Arbeit befindet sich auch in der Fotocommunity.
Diptychon ! Tonarm
Eine weitere Zusammenarbeit von Florian Roth und meiner Wenigkeit für das Fotografiemagazin “kwerfeldein“ im Rahmen einer Leseraktion “Diptycha für alle”.
Zwei an kreativem Austausch und Experimenten interessierte zufällig zusammengewürfelte Fotografen hatten die Aufgabe, ein Diptychon aus ihren Fotografien zu erstellen. Zwei Bilder aus dem jeweiligen Fundus sollten neben-, oder übereinander kombiniert werden, um so eine neue Einheit zu ergeben. Die Fotos sollten auf inhaltlicher oder formaler Ebene miteinander interagieren.
And this is what we did!
Mein Quellbild (das Rechte) ist hier zu finden. Diese Arbeit befindet sich auch in der Fotocommunity.
Die Kneipe am Eck Bewegung
Aus aktuellem Anlass – denn es ist bald wieder soweit – möchte ich an dieser Stelle kurz das Konzept einer Kneipentour der besonderen Art vorstellen. Vielleicht sogar als Vorbild und Anregung für den einen oder die andere so was auch zu machen. Auch in Nürnberg oder anderswo.
Das ganze wurde in Nürnberg im April 2004 geboren, als Geburtstagsfeier eines (Zufall?) Sozialpädagogen. 44 Leute streiften zu der Zeit bestgelaunt durch die Nürnberger Südstadt auf der Suche nach den “assigsten und abgewracktesten” Kneipen der Gegend. Lokalitäten mit alten verrauchten Gardinen, dunklen Fenstern, den alten Spielautomaten an der Wand, den alten Möbeln, den Holzvertäfelungen und den immer gleichen vom Leben gezeichneten Gesichtern. Arbeiterkneipen, oder Kneipen von Menschen die mal Arbeit hatten. Oder von Menschen, die noch nie Arbeit hatten. Die Regeln wurden vorher festgelegt: rein, jeder “a Bier, an Schnaps, an Schnitt” und dann weiter in die nächste Eckkneipe. Das letzte Abenteuer unserer Zeit. Andere Stadtteile folgten. Stadteile mit einer spürbaren Dichte solcher Kneipen. Also Gegenden wie z.B. St. Leonhard/Schweinau. Am kommenden Samstag ist Wöhrd dran.
Solch eine Kneipentour ist in der Tat eine Erfahrung. Für die Kneipen sowie für die Teilnehmer der Tour. Für die Kneipen ist es der reinste Flashmob. Kommt nicht oft vor, dass einige Dutzend Leute (junge Leute!) solch eine Eckkneipe stürmen und dort was trinken wollen. Verwunderte Gesichter bei Barkeepern und den typischerweise nur eher vereinzelnden meist männlichen Gästen. Zudem werden die Getränke sofort bezahlt, was nicht so komplett selbstverständlich ist in jenen Kneipen mit den Strichlisten hinten an der Bar.
Und dann gibt es Annäherungen. Begegnungen der dritten Art. Biere, Schnäpse und Schnitte erleichtern die Interaktion mit den anderen Gästen und dem Barpersonal. Begegnungen, die sonst wohl so nie stattfinden würden. Wann kann man sich denn schon mal mit Dittsche unterhalten?
Etwas Mut gehört indes dazu, zu solch einer Tour. Es ist nicht für jeden ein unbedingt leichter Schritt die angetraute Gesellschaftsschicht zu verlassen, insbesondere wenn’s nach unten geht, in das “Milieu der Gescheiterten”. Ein regelmäßiges selbsterwirtschaftetes Einkommen ist etwas, was normalerweise Abstand von solchen Kneipen und den Schicksalen in ihnen schafft. Dittsche im Fernsehen gucken ist das eine. Dort ist es eine mit einem Fernsehpreis ausgezeichnete Improvisationskomiksendung. Solche eine Kneipentour und ihre Protagonisten sind real. Und man kann nicht umschalten wenn’s unangenehm wird, denn Reibungen sind nicht ausgeschlossen. Man kann aber dabei gewesen sein, wenn’s lustig war!
Volksbad Briefmarkenensemble
Fotos von meiner letzten Volksbadwanderung zieren übrigens nun Briefmarken zum Wohle des Volksbades in Nürnberg.
Verkauft werden die guten Stücke zum Spendenpreis von mindestens 5 Euro. OB Ulrich Maly war sein Exemplar dem Vernehmen nach wohl 50 Euro wert.
Wer übrigens selbst mal rein möchte, es gibt Volksbadführungen am 08. Januar und 22. Januar 2012. Mehr Infos unter foerderverein-volksbad.de. Die Marken kann man direkt bei einer dieser Führungen kaufen.
Experimentelle Kneipentour durch Nürnberg
Eine verspielte Art des Reisens, die das Geschehen weitgehend dem Zufall überlässt. Mit Sugar Ray Banister, Urmel und Don Luka, frei nach Joel Henry.
Ein Gastbeitrag von: Urmel
Samstag, 6. März 2010
Wir beginnen im Wanderer (bzw. Bieramt, Beim Tiergärtnertor 6), weil wir eigentlich immer im Wanderer beginnen und weil wir außerdem Lust haben auf altes Gemäuer, heimelige Atmosphäre und diese wirklich leckeren Schmalzbrote. Der Sugar Ray trinkt ein Krugbier, die Urmel probiert sich an einem Bamberger Spezial Rauchbier und erhebt dies sogleich auf einen Thron in ihrer Lieblingsgetränkliste. Doch egal ob Krug oder Glas, beides hält nicht ewig vor. Wir fragen den Barkeeper um Rat. Stefan, was ist deine Lieblingskneipe in Nürnberg? Und was trinkst du da? Stefan hat entschieden. Auf geht’s zum
Gregor Samsa (Maxfeldstr. 79), das uns nicht unbekannt ist, also finden wir es trotz der verwinkelten Gasse schnell wieder. Don Luka sammeln wir noch auf dem Weg ein. An den Wänden und Decken großformatiger Expressionismus auf Holz und Leinwand, an den Tischen vor allem Männer über 40, die entweder tatsächlich Künstler sind oder zumindest intellektuell aussehen. Für ein Gulasch reicht die Zeit nicht, schließlich geht es hier um die Getränke. Die anderen Gäste erfahren von unserer Mission und verkünden begeistert, dass sie sich unserer Bewegung anschließen werden. Der Auftrag lautet auf Kellerbier, doch das gibt es heute nicht mal unter der Theke. So bestellen wir irgendwas und folgen unverzüglich der Weisung des Barkeepers
ins Kloster (Obere Wörthstr. 19). Dieser Laden fällt eindeutig unter die Legenden in Nürnberg. Sakrale Elemente und Devotionalien über der Tür und den Plüschsofas mögen auf ein Gothic-Nest hinweisen, aber weit gefehlt. Meist gibt’s irgendwas mit Gitarren auf die Ohren, und das gerade laut genug um sich nicht unterhalten zu müssen sondern sich – wie in unserem Fall – dem verordneten Wodka Lemon hinzugeben und Verhaltensbeobachtungen bei den anderen Gästen anzustellen. Diese gehören sicher auch zu den Legenden in Nürnberg. Oder so. Egal. Schluss für heute.
Donnerstag, 18. März 2010
Fortsetzung wie von der Kloster-Barfrau befohlen im Druid (Weißgerbergasse 18), das sich authentic traditional Irish pub nennt (bei Gelegenheit werden wir einen echten Iren fragen), der Barkeeper weiß aber definitiv mehr über Russland. Seine Guiness dauern lang genug um richtig durstig zu werden und wir werden in der Zwischenzeit irgendwie melancholisch und trinken auf die wahre Freundschaft. Es ist nett, aber leer, die wahren Iren erholen sich vermutlich noch vom St. Patrick’s Day am Tag zuvor. Der sympathische Russe behauptet dass er jeden Tag im Druid ist und ansonsten überhaupt nie weggeht. Also müssen wir auf den Schichtwechsel warten und werden von der Ablösung dafür einfach nur über die Straße geschickt.
Gegenüber befindet sich die Mata Hari Bar (Weißgerbergasse 31). Wenn man mal reinkommt, dann so schnell nicht wieder raus, was an der ölsardinenartigen Gästeanordnung liegt. Die geschätzten 35qm Gastraum werden mit 20qm fast vollständig von der Bar eingenommen. Das bedeutet: Das Barpersonal hat massig Beinfreiheit, die Gäste dagegen müssen kuscheln. Ob das jetzt gut oder schlecht ist hängt vom Nebenmann/-frau ab, in unserem Fall (wir erinnern uns an die wahre Freundschaft) ist es optimal. Gin Tonic macht richtig gute Laune und wir wippen zu Mata’s Indie-Rundumschlag. Voller Zuversicht beschließen wir, dass diese Fortsetzungs-Kneipentour erst dann endet, wenn uns irgendjemand in die Weinerei (Heimatkneipe der Protagonisten, Anm. d. Red.) schickt. Die Mixer an der Theke bescheren uns aber noch einen Umweg: Sie würden in jedem Fall in die Prinzenbar gehen und Weinschorle trinken.
Regel ist Regel – wir fügen uns und gehen in die Karl-Grillenberger-Str. 36, Sieht wenig glamourös aus von außen, was an dem alten “Gaststätte Noris” Schild im Eckkneipen-Charme liegen mag, welches anscheinend anhand fehlender Baugenehmigung momentan noch nicht ausgetauscht werden kann. Weitere Erkenntnisse zur Prinzenbar: 1. Weinschorle auf Gin Tonic geht gar nicht, 2. Einrichtung ist nicht ungeschmackvoll, legendär aber was anderes und 3. haben wir irgendwo auf dieser Kneipentour anscheinend die richtige Abzweigung verpasst. Von hier aus wird’s nicht besser, so viel sei schon verraten. Nächstes Mal erwartet uns: The dark night of the project. Da muss man durch.
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