Stadtgeschehen. Sachen die passieren.
Mural Art Weekend Nürnberg Impressionen
Impressionen des Mural Art Weekends für zeitgenössische Graffiti Art am Freibad West (Westbad) in Nürnberg.
Abend des Lobes
Die Freiräume eines unkommerziellen und subkulturell angehauchten öffentlichen Wohnzimmers ermöglichen gerne mal Experimente mit Barkonzepten. Die Weinerei in Nürnberg ist ein solcher Ort und vor einigen Jahren schon wurde dort ein besonderer Abend eingeführt: der Abend des Lobes. Es kam einst im Smalltalk zu einer Beschwerde einer (hübschen!) kolumbianischen Frau, die bemerkte, dass in Deutschland zu wenig gelobt wird bzw. zu wenig Komplimente gemacht werden (gerade Frauen gegenüber). Es entstand die Idee, die Gegenbewegung zu starten. Natürlich bot sich die Weinerei an, da ihr reger Publikumsverkehr für genug Öffentlichkeit sorgt und wo die Leute offen genug für ein derartiges Experiment sind. In der Praxis läuft das so, dass die Gäste nur an Getränke kommen, wenn sie loben. Es muss ja einen Anreiz geben, von nix kommt nix. Es müssen zum Beispiel die Gäste gelobt werden, die Ausstellung muss gelobt werden, die Weinerei selbst muss gelobt werden. Je authentischer das Lob, desto besser. Natürlich werden besonders tolle Lobe auch besonders gelobt! Die allermeisten Leute sind für Lob stark empfänglich und es zeigt sich, dass der Funke des Lobens gerne auf das Publikum überspringt und sich verbreitet. Auch wenn es vielleicht nur ein Spaß ist und so manches Lob übertrieben sein mag, es funktioniert trotzdem. Die Psyche wird gestreichelt, das Selbstwertgefühl leuchtet und ein Lächeln macht sich breit.
Seit etwa 5-6 Jahren gibt es den Abend des Lobes in der Weinerei. Er findet mehr oder weniger jährlich statt (ja, ich weiss. Viel zu selten). Am Anfang immer mit mir an der Bar, jetzt nach einer kleineren Pause mit neuer Besetzung. Der nächste Abend des Lobes findet am 18 Mai statt (Facebook Event). Wäre schön, wenn ihr alle kommt!
Großversandhausfotografie
Im Dezember letzten Jahres bin ich mit einer beachtlich großen Gruppe durch das riesige Gebäude der alten Quelle gelaufen. Wir haben uns die Räume zeigen lassen und haben natürlich viel fotografiert. Schon damals gab es schnell die Idee, die Fotos nicht nur online zu zeigen, sondern sie auch im Rahmen einer Ausstellung zusammenzuführen. Kurzum, ich freue mich, dass sich 8 Fotografinnen und Fotografen gefunden haben, die nun im April gemeinsam inklusive meiner Wenigkeit in der Weinerei in Nürnberg Fotos aus dem alten Versandhaus ausstellen.
Das Quelle-Versandgebäude ist das derzeit zweitgrößte “leerstehende” Gebäude Deutschlands, nach dem alten Flughafen Tempelhof in Berlin. Es befindet sich derzeit in einem Dämmerzustand zwischen Leben und Stille. Teile des Areals werden von Künstlern, Designern, Musikern und Kreativen genutzt, die ideale Räume für ihr Schaffen gefunden haben. Ein weitaus größerer Teil, meist riesige Räume der alten Versandflächen, aber auch Bürotrakte, stehen derzeit tatsächlich leer.
Die Ausstellung dokumentiert diesen Zustand der ungewissen Nutzung und des großflächigen Leer- und Stillstandes, aber auch den aufkeimenden Neuanfang.
Die Sammelausstellung präsentiert Fotografien von:
- Danko Green (Student, Blogger)
- Dirk Such (Analogfreak)
- Lisa Hahn (Journalistin)
- Marco Wenzel (Blogger)
- René Radomsky (Kunststudent)
- Sarah Sternkopf (Architektin)
- Sugar Ray Banister (Blogger)
Mehr Infos gibt es hier. Wir werden alle zur Vernissage anwesend sein und natürlich über die Bilder und die Quelle selbst viel zu erzählen haben.
Die Vernissage findet am Donnerstag, den 04.04.2013 um 20 Uhr mit musikalischer Begleitung durch DJ Nosmoke statt (es gibt ein Facebook Event).
Die Ausstellung wird in der Weinerei bis zum 27.04.2013 zu sehen sein.
Update
Bei nordbayern.de sind Bilder von der Vernissage zu sehen.
Das Franken Fernsehen hat zudem einen wunderbaren Fernsehbeitrag über die Weinerei Nürnberg und die Ausstellung gedreht. Der Typ der die Weinerei erklärt bin ich :)
Streetartführungen in Nürnberg
Der Place De La Créativité bietet Streetartführungen auch in Nürnberg an. Der Slogan: “Nürnberger Urban Art hautnah erleben - Street Art Touren 2013″
Da ich die Nürnberger Streetartszene im nationalen Vergleich für maximal mittelaufregend halte, werde ich mich natürlich auch auf so eine Tour begeben und mich möglicherweise eines Besseren belehren lassen. Schöner wäre es natürlich, wenn hier richtig was brummen würde, aber möglicherweise gibt es Ecken, die mir bislang entgangen sind (die Hoffnung stirbt zuletzt).
Vom 06. bis zum 09. März 2013 nehmen Pablo Fontagnier aka Hombre und Carlos Lorente aka Kid Crow euch mit auf eine Tour durch die kreative Welt von Nürnbergs Streetart Künstlern. Sie erklären Techniken, Tricks, erzählen mehr über die Künstler, ihre Werke und Ihr könnt Fragen aller Art loswerden.
Es gibt sieben Touren. Anmeldungen sind über die Webseite möglich.
Update
Hinter der Aktion steht offenbar die Reemtsma Cigarettenfabriken GmbH (u.a. Gauloises, falls einem das Logo der Aktion bekannt vorkommt). Somit verschiebt sich das alles mehr oder weniger weg aus der Kunst- und Kulturecke und hin in die Marketingecke. Vielleicht nicht weiter schlimm, vielleicht geht der geneigte Teilnehmer aber auch mit einem Beutel Werbematerial nach Hause.
Update 2
Die Führung war überaus großartig und inhaltlich gut präsentiert. Ich konnte noch was lernen, auch wenn ich die vorgestellten Werke allesamt bereits kannte. Der Fokus lag auf Graffiti, und nicht auf Streetart. Schon weil es in Nürnberg zwar eine Graffitiszene, aber keine sonderliche Streetartszene gibt. Eine Übersicht der Tour gibts bei nordbayern.de, die werte Lisa war ein paar Tage vor mir mit dabei.
Und eine Anmerkung zum ersten Update: die Tour wurde zwar gesponsort, aber es war alles andere als eine Werbeveranstaltung. Es wurde nicht versucht irgendwelche Produkte unterschwellig zu präsentieren. Es ging rein um die Kunst und um die lokale Szene. Konsumkritik, Politik, und was auch immer Streetart für Diskurse mitbringt, wurden thematisiert (z.B. auch die Farbbeutelattacke in der Mittleren Kanalstr.). Das Sponsoring wurde indes angesprochen, weil es erst eine kommerzielle Firma braucht um die Straßenkunst in Nürnberg zu präsentieren. Die Stadt selbst bekommt es ihrer Kulturförderung nicht hin. Es werden nicht mal Flächen für Sprayer freigegeben. Das für Mai geplante Urban Art Festival muss auch mit Budgetkürzungen leben. Aber es ist wohl insgesamt besser geworden in den letzen 10-15 Jahren, attestierte der Tourguide, auch wenn es diese Kunst immer noch sehr schwer hat in unserem Städtchen.
Urban Art Festival in Nürnberg
Nachdem ich mir bereits bei den Urban Impressions 2012 in Ansbach verwundert die Augen gerieben habe, kommt hier nun eine Meldung die so gar nicht in mein Bild von Nürnberg passt. Nürnberg ist nach wie vor eine Stadt die erschreckend frei ist von Kunst im öffentlichen Raum und insbesondere sehr frei von Streetart, Graffiti und all dem, was sich in rechtlichen Untiefen bewegt. Die kleine Szene, die es hier offenbar gibt, entzieht sich fast komplett dem Stadtbild. Und wie aus dem Nichts erscheint in der Lokalpresse ein Text, dass nicht nur die Mauer am frisch renoviertem Westbad im nächsten Jahr mit Graffitis aufgehübscht werden soll, es soll sogar ein ganzes Urban Art Festival geben.
Ich bin mir noch nicht sicher, wie ich das einsortieren soll. Natürlich tut sich in Nürnberg gerade was und es sieht so aus als entwickelt sich die Stadt so ein bisschen in eine etwas zeitgemäße Richtung. Auch in der Vergangenheit gab es bereits vereinzelt interessante Peaks in der Nürnberger Kulturlandschaft zu sehen. Ich erinnere mich z.B. an log.in, ein Projekt das über künstlerische Arbeit im Netz und in Netzwerken informiert und dargestellt hat. Dafür standen etliche Orte im Großraum zur Verfügung. Das war im Jahr 2000 und damit sehr zeitgemäß. Geblieben ist davon praktisch nichts, die Arbeit damals ist verpufft. Vielleicht war es auch viel zu künstlerisch und alltagsfremd für das bodenständige Nürnberg.
Nun also Graffiti für den öffentlichen Raum. Und 2014 taucht dann der erste Banksy an der Stadtmauer auf. Oder das Momentum verläuft sich wenn niemand dran bleibt.
[via Urbane Kunst im Kontext]
Update
Das ganze nennt sich Mural Art Weekend Nürnberg und findet am 18. und 19. Mai 2013 statt. Mehr Infos bietet ein Facebook Event.
Gastspiel in einem Mietshaus in Fürth
Durch den werten Herrn Weber von eyeshots.net bin ich überhaupt erst auf diese kleine Perle aufmerksam geworden. An der Stadtgrenze bzw. im Niemandsland zwischen Nürnberg und Fürth steht seit ca. zwei Jahren ein Wohn-/Mietshaus leer welches im Rahmen des Gastspiels 2012 von Künstler und Kreativen okkupiert wurde und dieses Wochenende für den Besucher freigegeben ist.
Raummalerei ab dem 19.10. Stadtgrenze Nürnberg/Fürth. #kunst twitter.com/srbanister/sta…
— Sugar Ray Banister (@srbanister) Oktober 11, 2012
Völlig wunderbar ist diese Wechselwirkung aus Kunst und der oftmals noch vorhandenen biederen Wohnungseinrichtung und Gestaltung die teilweise bewusst in die Ausstellung der verschiedenen Künstler mit eingebaut wurde. Ein Großteil der Wohnungen und Zimmer waren zugänglich und es gab somit Einblicke in die Hinterlassenschaften der ehemaligen Bewohner. Ich hab mich beim Besuch Freitagnacht fast lieber mit dem Gebäude als mit der Ausstellung beschäftigt. Da war z.B. die Wohnung mit den vergilbten Tapeten auf der noch die Umrisse von Bildern zu erkennen waren die dort Jahrzehnte gehangen haben müssen. Oder die ausgetretenen Teppiche und aus der Mode und Zeit gefallenen Einrichtungsgegenstände und Verzierungen. Ein anderes Zimmer im Gebäude wurde so gestaltet, als wäre es das Jugendzimmer eines Bundeswehrsoldaten gewesen und Christian Weber hat seine Räume gleich komplett mit künstlichen Schatten ausgestattet. Sehr schön, aber nicht von allem habe ich Fotos gemacht.
Und noch was ist mir aufgefallen: das Publikum war angenehm schräg, schrullig und authentisch. Wenn die Lokalpresse was vom hippen Fürth schreibt, dann hat sich das an diesem Ort manifestiert. Meine Fotos geben das nicht sonderlich gut wieder, weil sich Gespräche und spontan entwickelnde Szenen nun mal schlecht fotografieren lassen und ich lass die Kamera auch gerne mal weg wenn sich was ulkiges entwickelt. Man muss ja nicht immer alles dokumentieren. Ich hab mich beim Knipsen lieber auf die Räume konzentriert wenns mal etwas ruhiger war.
Offen Auf AEG 2012 – Räume und Rezipienten
Vor einem Jahr war es erstmals so weit. Das AEG Werksgelände in Nürnberg öffnete etliche Tore und Türchen und lud zu einer Besichtigungstour ein. Ein Jahr später passierte es wieder. Ich war fast das ganze Wochenende da, habe den Samstag, Teile der samstäglichen Nacht und weite Teile des Sonntages genutzt um möglichst viel zu erstöbern, das Flair einzuatmen und um mir ein Bild bzw. mit der Kamera viele Bilder zu machen. Mir ging es nicht unbedingt um die Kunst oder die Leute (tagsüber viele Familien, tendenziell älteres Publikum. Wird der Grund gewesen sein, warum leider niemand außer mir vom Gelände getwittert hat*) zu fotografieren, sondern beides zusammen wenn sie interagieren und verschmelzen und so gemeinsam wiederum zum Kunstwerk werden und betrachtenswert sind. Und natürlich ging es um die Räume. Wir haben es hier mit einer alten Industriebrache zu tun deren Nutzung um 180 Grad gedreht wurde. Was spannenderes und widersprüchlicheres gibt es kaum.
Einen Haken gab es allerdings. Irgendwann habe ich den Begriff „bodenständig“ während des flanierens aufgeschnappt und das trifft es fast am besten. Die ganze Veranstaltung verlief sauber, akkurat, unaufgeregt, unanstößig. Ich fand das etwas – nunja – fad. Wenn ich Künstlern Räume überlassen würde, dann erwarte ich geradezu, dass verstört, angeregt und das Publikum mit eingebunden wird. Im BEAST-Gebäude waren dementsprechende Arbeiten noch am ehesten zu sehen. Z.B. informierte an einem geschlossenen von außen einsehbaren Raum ein Aufdruck, dass man diesen Raum wegen der Luft bitte mit Vorsicht betreten solle. Nun war der Raum offensichtlich leer und man fragt sich was da sein solle. Und schon beginnt man zu grübeln. Geht man da jetzt rein und findet es raus? Oder lässt man es in so einem Industrieareal der Gesundheit wegen lieber bleiben? Nur ein Beispiel von vielen was aber zeigen soll wie eine Verbindung mit mir bzw. dem Publikum und den Ausstellungsräumen hergestellt werden kann. Die Drop Sculpture geht in die selbe Richtung weil sie das Konzept einer Ausstellung hinterfragt. Nach Sichtung dieser Arbeit konnte auf einmal alles Erdenkliche auf dem Areal wieder Kunst sein und somit eine besondere Bedeutung haben. Die Grenzen sind eh schon verflossen. Einfache Bilder an der Wand sind reizlos geworden. Mein Internet zeigt mir genug fantastische Bilder von tollen Künstlern aus aller Welt wann immer ich das will. Der Mehrwert von Ausstellungen liegt in der Interaktion, in der Überraschung und in der Wechselwirkung zwischen dem Werk, dem Raum und dem Rezipienten.
Die Begleitausstellungen „WALDRAND“ im Quellegebäude geneüber fand ich übrigens extrem mittelmäßig. Zwar technisch perfekt aber sehr langweilig. Schade, insbesondere weil suggeriert wird, dass die gesamte Kraft der Fotoszene Nürnbergs dort versammelt ist, die es hier schon mal viel besser gekonnt hat.
Aber hier nun einige Fotos von mir. Bitteschön.
Technik: Canon EOS 550D 18-135mm f/3.5-5.6 und Lensbaby Composer. Die Fotos sind teilweise gecropped und farblich gar nicht bis leicht nachbearbeitet.
*
Auf AEG fehlt so ein hedonistischer Chill-Out Hof wie im Museumsquartier in Wien. #wasfehlt
— Dirk Murschall (@srbanister) 23. September 2012
AdBK Sommerfest 2012 Rezipienten
Am 14. Juli fand wie jedes Jahr das Sommerfest der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg statt und abermals habe ich versucht nicht unbedingt die Kunst oder die (sehr hübschen) Leute zu fotografieren, sondern beides zusammen wenn sie interagieren und verschmelzen und so gemeinsam wiederum zum Kunstwerk werden und betrachtenswert sind.
Eine Auswahl. Bitteschön.
Bonusfoto
Nach der Aufregung um das letzte eher mittelmäßig lustige Titanic-Coverbild und die einstweilige Verfügung aus dem Vatikan möchte ich insbesondere die folgenden prima stilsicheren Werke hervorheben. Künstlername: leider gerade entfallen.
Technik: Canon EOS 550D 18-135mm f/3.5-5.6. Die Fotos sind teilweise gecropped und farblich leicht bis stark nachbearbeitet.
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