Nichtigkeit durch Entfernung
Es gibt dieses eine Foto von der Erde in ihrer vollen Fülle, aufgenommen während der Mondumkreisung von Apollo 8 im Jahr 1968. Man sieht die Erde als kleine blaue Kugel mitten im ewigen Nichts des Weltalls. Alle Grenzen, alle Konflikte, die Geschichte, alle Kunst, das ganze menschliche Dasein reduziert sich auf diesen fingernagelgroßen Punkt der sich im Raum verliert.
Um diese Wirkung mit Nürnberg zu erzielen muss man nicht zum Mond fliegen, es reicht ein bisschen aus der Stadt raus zu fahren. Man merkt wie das, womit sich die Stadt identifiziert schon nach wenigen Kilometern im Dunst verschwindet. Die Bratwürste (deswegen der Dunst?), die Geschichte, die weitläufige Nachkriegsbebauung, selbst die Burg ist nur mit etwas Mühe zu erkennen. Heraus sticht nur das aufgepiekste Ei (aka Fernsehturm) in mitten einer schmucklosen Betonpfütze die in einem beliebigen und auswechselbaren Acker zu liegen scheint.
Lustig, dass ich diese Bild erst jetzt mache. Ich kenne die Strecke durch den Vorort Stein hindurch nach Westen, bin ihn aber offenbar noch nie bei Tageslicht in Richtung Nürnberg gefahren, oder noch nie mit offenen Augen. Diese Ansicht ist mir optisch sehr neu. Gefühlsmäßig nicht so.
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Von Westen kommend und dem Dorftrist entfliehend war dieser Blick Jahre lang das erste was ich von der Stadt gesehen hab. Man fühlte sich erwachsen ohne Eltern mit 16 im Auto eines Freundes diese unbekannten Lebensweisen dort zu entdecken. Natürlich wurde man enttäuscht. Als “Landbub” kommt man in der Stadt nicht so zurecht wie man es gerne hätte. Und auch in den “Clubs” fühlte man sich unsicherer und weniger wohl wie in der eigenen kleinen Stammkneipe oder in einer “Ich mach auf Stadt”-Kneipe in Ansbach.
Und auch heute muss ich sagen das mir dieser Blick auf Nürnberg der liebste ist. Von Außen betrachtet ist doch alles schöner!