re:publica 2010 hinterher

19. April 2010 Sugar Ray Banister

Puh, das wars schon wieder. Drei Tage Nerdtum in Reinform. Schales Licht allerorten von den kleinen Displays in die viele Augenpaare starrten, wenn denn mal Netz da war. Für eine Onlinekonferenz musste man auffällig oft aufs WLAN und auch auf eine Mobilfunkverbindung verzichten. Aber offline ging genug auf den ganzen Panels und Vorträgen.

re:publica 07

Am zweiten Tag war etwas Pause für mich. Der erste Tag war so voll, dass man etwas zurück schalten musste. War Zeit zum bloggen. Zu viel Zeit. Habe etwas den Beitrag zur Deep Packet Inspection zur Hälfte Verpasst. Die Technik hat meinen Arbeitgeber in der Vergangenheit medial etwas in Zugzwang gebracht. Und auf dem Vortrag “The politics of Deep Packet Inspection” wurde dann auch die Crux noch mal deutlich, von einer Technik mit der man zentral Inhalte im Netz kontrollieren und manipulieren kann, die aber auch wichtig ist um die Leistungsfähigkeit von moderner Infrastruktur zu gewährleisten. Eine mächtige Technik, die in falschen Händen gefährlich für eine Informationskultur ist jedoch auch per Gesetz in praktisch jedem Land vorgeschrieben ist.

Das Thema Sexismus im Netz klang vielversprechend, kam aber recht trocken und feministisch daher und nennt mich ruhig Macho, aber ich kann mich in die Problematik nicht rein denken. Wenns darum geht, dass Bloggerinnen in den Blogcharts nur in homöopathischen Dosen auftauchen, dann sollte man über Inhalte nachdenken und nicht über das Geschlecht, falls Charts überhaupt relevant sind. Bei Musik misst man mit Charts ja auch eher nur die Dämlichkeit einer Gesellschaft. Die Antwort auf die Frage habe ich verpasst, bin raus, und habe damit auch nen echten Shitstorm und Skandal verpasst. Auch schon wieder schade, wäre das Praxissemester für die Lobotheorien vom Vortag gewesen.

Interessant war auch ein kleiner Kritikpunkt an der re:publica der in der Presse aufkam, nämlich dass es etwas am Austausch mit der “Außenwelt” fehlt. Man ist fachlich und theoretisch teilweise arg weit vorne und das bringt Probleme bei der Vermittlung der Themen mit dem Rest der Bevölkerung mit sich, ein bilateraler Diskurs wäre sicherlich hilfreich. Z.B. am eher oberflächlichen Panel “Wenn Prada Pakete schickt” ging es um Werbegeschenke und die dadurch hervorgerufene Manipulation von Berichterstattung (in diesem Fall bei Modeblogs). Mir  ist in meinen langen Jahren in der Arbeitswelt seit jeher verboten, Werbegeschenke ab einem gewissen Wert anzunehmen. Es gilt die Korruption zu vermeiden. Auf dem Panel schien so eine Idee jedoch eine echte Innovation zu sein. Lustig, die gute alte deutsche Industrie kann den hippen Bloggern durchaus was beibringen. Auf der anderen Seite hat man hier auch nicht ganz unrecht. Konferenzen sind nun mal für Fachleute da. Wo man auch hinschaut, überall offene Diskurse.

Naja, futtern, email, schlafen gehen.

Zu spät wieder munter geworden und den wohl großartigen Vortrag von Götz W. Werner so gut wie verpasst. Ging ums bedingungslose Grundeinkommen und die Chancen die dadurch entstehen. Habs nur bei Twitter verfolgt. Den Vortrag kann man noch mal nachgucken.
Nadenn schnell rüber zur Googlewerbeshow und mal geschaut, was es so an Kollaborationswerkzeugen gibt, Google Docs, Google Wave usw. alles ganz nett, aber nichts von Bedeutung.

Der nächste Knüller kam dann mit Miriam Meckel und ihrem sehr fundiertem und einleuchtenden Beitrag “This object cannot be liked“, über die Grenzen menschlichen Ermessens und das Ermessen menschlicher Grenzen. Sie spannten einen Bogen von einer Facebookgeburtstagstorte über das iPad bis hin zum Ende der Welt. Großartig! Aber warum? Hab mittlerweile versucht mehreren Menschen den Inhalt zu erkären. War mir nicht mehr möglich. Habs wohl nicht verstanden.

re:publica 08

Kurz noch die Nase in den Vortrag über den Obamawahlkampf gehalten, wurde aber etwas in Zeitlupe vorgetragen im Vergleich zur Miriam Meckel und thematisch war da auch nix neues mehr dabei. Außerdem hatte ich Hunger.

Mit einem Ohr nur beim Leistungsschutzrecht gewesen. Not my business, war aber gut besucht das Panel und sicherlich auch ein heißes Thema. Richtig spannend wurde es dann beim hacken von Medien. Kommunikationsguerilla deluxe, die besten Hacks der letzen Zeit wurden präsentiert und auch die Hintergründe. Toll, ich steh ja auf David-gegen-Goliath-Kriege wo am Ende das gute Gewinnt. Schwer begeistert, auch von der kleinen Aktion die initiiert wurde.

Schnell weiter zu den Einsichten in 10 Jahre Heise-Foren-Moderation. Dachte es geht um Trollwars und freute mich schon auf eine Ergänzung an den Shitstormvortrag vom Lobo vom ersten Tag, ging aber tatsächlich um die rechtlichen Hürden beim Betrieb eines Forums. Recht trocken, aber auch sehr interessant wie schnell man vorm Kadi stehen kann. Forummoderator bei Heise ist ein Knochenjob.

re:publica 09

Ok, rüber zu den Memen. Hab mich schon gefreut auf den ganzen unglaublichen Schleiß der sich im Netz die ganzen Jahre so entwickelt hat, aber Pustekuchen. Sehr lahme und unwitzige Präsentation die mir erklären wollte, wie Tradition entsteht. Keine Zeit für sowas, schon gar nicht wenn es neben an um die Freiheit im Netz geht, Diskussion, pro und contra. Sollte man ein Netz reglementieren oder soll alles frei sein? @plomlompom und Moderator @mspro diskutierten interessant fundiert über Grenzen der Freiheit im Internet, @baranek kam nicht richtig in Gang und bekam fette Breitseiten, konnte dann aber später mit Sozithemen punkten. Am Ende hitzige Diskussionen auch mit dem Publikum, aber wie so oft keine Antworten, nur die Aussicht, dass noch viel vor uns liegt bei der Besiedelung des achten Kontinentes.
Dann wars schon wieder rum und die Augen leuchteten die Augen ob der ganzen Diskurse und Denkanstöße die es gab. Gerne wieder und gerne mehr.

Die Party am Ende war den Twittermeldungennach auch super und Zoe.Leela hätte ich auch gerne live gesehen, aber Werksspionage bei den Weinereien in Berlin war auf dem Plan. Die Keimzellen der Weinerei in Nürnberg wurden undercover begutachtet, aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andern mal erzählt werden.

re:publica 10

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