Mal testen: Flattr
17. Mai 2010 Sugar Ray Banister
Die Diskussion wie man denn nun im Internet mit Inhalten Geld verdienen kann ist fast so alt wie das Netz selber. Tauschbörsen z.B. stellten und stellen praktisch alles was irgendwie digitalisierbar ist kostenlos zur Verfügung. Man bezahlt gemeinhin nicht monetär, sondern mit der Freigabe der Inhalte seiner eigenen Sammlung. Das funktioniert gut, allerdings ist das Prinzip nicht auf die reale Welt übertragbar. Geld für Rechnungen kann so nicht erwirtschaftet werden und wird für Content Geld investiert kann eine Refinanzierung auch nicht statt finden. Bis der Kapitalismus abgeschafft ist muss also eine Alternative her und da bietet sich nun Flattr an. Seit dem Flop mit den Paypal Spenden-Buttons ist das die erste Idee, der ich ernsthaft was zutraue, da sie so einfach funktioniert wie die magich-Buttons auf Facebook.
Beim Micro-Payment-Service Flattr bezahlt der Nutzer monatlich einen frei wählbaren Abonnements-Betrag auf ein Konto ein. Die Medienanbieter platzieren auf ihrer Website einen flattr-Button, den der Nutzer anklicken kann, wenn ihm der Internet-Inhalt gefällt. Am Monatsende wird der Abonnements-Betrag des Nutzers gemäß seinen Klicks an die Medienanbieter verteilt.
Das Video erklärt den Rest:
Ich bin nun einer der Tester der Betaphase von Flattr und habe Buttons hier im Blog und dort drüben eingebunden. Da es noch kaum Nutzer gibt, verspreche ich mir noch nicht viel von der Aktion aber vielleicht wird das System so populär wie die allgegenwärtigen Facebook-magich-Knöpfe und spätestens dann wird’s ernsthaft interessant. Bis dahin wird flattr aufmerksam beobachtet.
Und du, lieber Leser, könntest dich zwischenzeitlich auch schon mal registrieren und eifrig drauflos flattern (vorzugsweise auf meinen Seiten! :). Wenn alles glatt läuft haben wir hier die Lösung für die Contentindustrie und die gesuchte Alternative zur Kulturflatrate.
Mehr Info und Hintergründe gibts z.B. hier oder dort.
Update 19.05.
Gute Contraargumente in den Kommentaren zu dem Text “Warum ich flattr doof finde” und insgesamt guter und nachdenklicher Text “Ich habe flattr schiss!“, der die Unausgereiftheit und Untiefen des Systems gut darlegt.
Habe die flattr-Funktion aus meinem Zweitblog wieder entfernt. Es dreht sich dort um freie Musik aus dem Netz und da macht ein Bezahlbutton einfach den falschen Eindruck. Hinzu kommt ein gravierender Nachteil von Flattr. Das System honoriert zurzeit nur pure Massentauglichkeit. Für Nischen ist kein Platz. Selbst wenn man ein paar Gönner hat müssen diese einen Monat lang mit ihren Flattrreien gut haushalten um den Lieblingsbeiträgen einen nennenswerten Betrag zukommen zu lassen. Das ist eine konzeptionelle Lücke, die mir nicht gefällt. Die pure Gleichschaltung meiner Klicks empfinde ich zunehmend als Nachteil.
Falls ich mich dazu entscheiden sollte, mein Flattrkonto nicht mehr aufzuladen, dann verschwinden die Buttons hier aus dem Blog auch automatisch. Man kann nur Geld einsammeln, wenn man selber welches ins System pumpt, was natürlich den Anreiz gibt, das Flattrkonto liquide zu halten. Man bezahlt quasi für den Button und damit finanziert sich auch der Dienst, über die kleine Provision bei den Geldtransfers.
Momentan machen sich die Gegenargumente breit, allerdings ist der Dienst auch noch alles andere als ausgereift. Mal weiter gucken.
Update 20.05.
Die Taz führ Flattr ein. Und das ist eine Größe bei der sich das System durchaus lohnen könnte. Man kann bei Flattr sein Konto mit maximal 20 € im Monat aufladen. Man kann aber beliebig viele Klicks ernten. Wenn man nur genug Leser mobilisiert hat man das zum verklicken ausgegebene Geld schnell wieder eingespielt. Wie gesagt, man braucht Masse, keine Klasse.
Update 01.06.
Auf vielen Blogs findet man mittlerweile die Flattr-Buttons, insbesondere auf den wichtigen und insbesondere auch auf Blogs die man sicherlich nicht anders als in Vollzeit betreiben kann, wie z.B. netzpolitik.org. Auch kam heute die erste Abrechnung. Bei mir war es ein Nullsummenspiel: ich habe 2€ verflattert und 1,48€ erflattert. Nun bin ich auch nicht der aktivste Blogger, sondern eher der Gelegenheitsblogger. Ich blogge nicht, weil ich muss, sondern weil ich es möchte wenn ich etwas Zeit habe. Und diesen Grundsatz sollte man auch bei der Verwendung von Flattr berücksichtigen. Wenn das Blog Lebensinhalt und dominierend im eigenen Alltag ist, dann mach Flattr Sinn, weil es sich zu einem Nebenerwerb entwickeln kann und die investierte Zeit monetär kompensieren kann.
Als Hobbyblogger sollte man eher drauf verzichten die Hand auf zuhalten. Das Standing zu haben etwas nicht für Geld zu tun ist mehr wert als die paar Kröten die ggf. über Flattr kommen.
Filed under: Netzkultur








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