Netzkultur
When you really live in…
Ein superlustiges Meme schwappt gerade durchs Netz. Auf diversen mehr oder weniger anonymen Tumblr-Blogs wird aufs amüsanteste Lokalkolorit mit animierten “Reaction-GIFs” verwoben.
Man kann anhand unzähliger kleiner Clips sehr gut überprüfen, ob man in der jeweiligen Stadt wirklich lebt, oder ob man vielleicht doch nur so ein ignoranter Fatzke ist.
Zur Überprüfung bereit stehen unter anderem:
Nürnberg fehlt.
Aber was sagt uns das nun über dieses Nürnberg und das Leben hier?
When you really live in Nuremberg, and any other city takes part in that meme
Mehr bei Nerdcore.
Schöne Ecken
Kenner dieser Seiten werden es wohlmöglich mittlerweile bemerkt haben: hier werden die zwar hässlichen, aber deswegen nicht uninteressanten Ecken insbesondere von Nürnberg nach außen getragen. Und zwar mittels Fotografie. Wenn man so etwas tut oder auch rezipiert, dann beschäftigt man sich zwangsläufig mit einer Stadt. Man erforscht, entdeckt und interessiert sich für sie und ihre Ecken und Kanten. Unzulänglichkeiten werden kritisiert, dokumentiert, hervorgehoben und diskutiert, vielleicht auch mit dem Hintergedanken, dass mal etwas besser und angenehmer wird. Vielleicht macht’s aber auch einfach Spaß am Image zu kratzen. Wie auch immer.
Einen anderen, sehr interessanten Ansatz zum Thema Stadterforschung haben Helge Kletti und Cornelis Kater aus meiner alten Heimat Hannover bereits letztes Jahr gestartet. In ihrem exquisiten und schön subjektivem Podcast Schöne Ecken suchen sie nach „dem Wahren, Schönen, Lebenswerten und Gutem in unseren Städten“. Begonnen haben sie dann direkt mit dem hässlichen Raschplatz in Hannover, allerdings ohne da jetzt bis auf das Indiekino eine besonders schöne Ecke rauszuarbeiten (was auch schwierig ist). Sie sind mittlerweile aber auch in Berlin Kreuzberg/Friedrichshain unterwegs gewesen und haben aktuell die architekturbesessenen Spanier besucht.
Ich konnte z.B. der akustischen Tour durchs Wrangelkiez mit meinem geistigen Auge komplett folgen und habe fast jede Ecke wiedererkannt (inkl. Graffitis). In dem Podcast entdeckt man eine Stadt oder ein Kiez durch Leute, die dort leben und somit auf eine wahrhaftigere Art und Weise, als es jeder Touristenführer je könnte.
Ich bin gerade dabei, meine Heimatstadt akustisch neu zu entdecken und hoffe, dass noch viele weitere Städte folgen und vielleicht wäre ja auch mal Nürnberg eine Erforschung wert. Vielleicht findet man ja eine schöne Ecke ;)
Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.
Quelle: Schöne Ecken Podcast
(via wir müssen reden. Auch so ein schöner Podcast.)
Creative Commons und die kommerzielle Nutzung der Anderen
Die Urheberrechtsdebatte blubbert und kocht ungekühlt. Es gibt keinen Tag an dem nicht etliche Links zu den wildesten Statements und Kommentare dazu in meiner Twittertimeline auftauchen. Exemplarisch und zusammenfassend soll an dieser Stelle der kluge Text von Sascha Lobo „Gabeln aus dem Drucker“ verlinkt sein. Erschienen in seiner für den Grimme Online Award 2012 nominierten Kolumne „Die Mensch-Maschine“, die Pflichtlektüre sein sollte für alle, die sich auch nur minimal für Themen aus der digitalen Welt interessieren. Für Auskenner sind seine Texte humorvolle und unterhaltsame Bettlektüre die immer noch einen extra Blickwinkel mit rein bringen, für Laien sind es humorvolle und unterhaltsame Texte bei denen man viel lernen kann und die die digitale Welt ins rechte Licht rücken. Eigentlich sollte man die Texte auch ausdrucken und an die nicht so digital versierten schicken, aber eigentlich wollte ich kurz was über das Urheberrecht schreiben, denn ich verzichte gerne auf einige meiner Rechte. Und ja, ich bin Fan von Sascha Lobo und seinen Texten und Vorträgen.
Schnitt.
Auf der letzten re:publica gab es (mal wieder) einen Vortrag über die Creative Commons Lizenzen bzw. wie man diese in der Praxis einsetzt. Sehr spannend in dem Fall. Denn auch wenn das Creative Commons Modell eigentlich sehr simpel und bewährt ist und man eine geeignete Lizenz durch die Beantwortung von zwei drei Fragen schnell gefunden hat, so gibt es doch einen Knackepunkt, der mich lange Zeit beschäftigt hat: die kommerzielle Nutzung. Natürlich kann man die eigenen und selbst erschaffenen Inhalte und digitalen Produkte jederzeit selbst kommerziell nutzen und verkaufen wenn sich die Möglichkeit bietet, aber soll man dieses Recht auch anderen einräumen? Darf sich jeder an den Inhalten aus diesem Blog (Texte, Bilder) bedienen und diese nicht nur weiterverbreiten sondern auch selbst ungefragt kommerziell nutzen? Meine Antwort darauf lautet spätestens seit diesem Vortrag: JA!
Der Vortrag von Dr. Till Kreutzer und Matthias Spielkamp lieferte für dieses für dieses befreiende JA! die Argumente, die ich hier zusammen mit den Erläuterungen einfach kurz nachfolgend aus der Broschüre „Freies Wissen dank Creative Commons Lizenzen“ aufführen und weiterverbreiten möchte. Am Ende kommt dann noch ein abschließender Kommentar in Bezug auf dieses Blog.
Warum werden Inhalte unter eine CC-Lizenz gestellt?
Damit sie leichter genutzt werden können.
Viele Kreative wollen, dass ihre Texte, ihre Musik oder ihre Filme von möglichst vielen Menschen genutzt werden (auch das Weiterverbreiten ist rechtlich gesehen eine Nutzung). Ihnen geht es darum, den freien Austausch von Informationen zu ermöglichen. Gerade pädagogische Inhalte werden mit dem Ziel geschaffen, möglichst viele zu erreichen. Da ist jede rechtliche Einschränkung der Nutzungsmöglichkeiten kontraproduktiv. Die größte aller rechtlichen Einschränkungen besteht darin, nichts zu tun. Das klingt paradox, entspricht aber dem genannten gesetzlichen Normalfall: »Alle Rechte vorbehalten«. Wer kreativ und schöpferisch etwas Neues schafft, dann aber nichts weiter dazu sagt, ob und wie seine Inhalte genutzt werden dürfen, sagt zwangsläufig: »Niemand darf meine Inhalte nutzen«. Mit den CC-Lizenzen wurde deshalb eine einfache Möglichkeit geschaffen, dass sich Urheber dazu äußern und ausdrücken können: »Jeder darf meine Inhalte in folgender Weise und unter folgenden Bedingungen nutzen.«
Zur Verbreitung der CC-Lizenzen hat beigetragen, dass sie – gerade im Vergleich zu anderen Lizenzbedingungen – verhältnismäßig einfach zu verstehen sind. Außerdem sind sie rechtssicher und international auf die Eigenheiten der unterschiedlichen Rechtsordnungen abgestimmt.
Menschen, die CC-Lizenzen nutzen, machen dies oft, damit ihre Werke in Sozial-, Kultur- und Bildungseinrichtungen genutzt werden können. CC-Lizenzen mit dem NC-Modul, das eine kostenlose nicht-kommerzielle Nutzung ermöglicht, werden dabei als Gegenmodell verstanden zu einer Welt, in der auch gemeinnützige Institutionen für jede Nutzung zur Kasse gebeten werden. Ein Beispiel sind die Lizenzforderungen für das Kopieren von Liederzetteln in Kindergärten, die viele empört haben. Nach der geltenden Rechtslage sind die Forderungen berechtigt. Durch eine CC-Lizenz wollen sich viele Urheber von solchen Praktiken distanzieren. Die Wahl des NC-Moduls ist oft auch der Ausdruck einer Haltung gegen eine als unangemessen empfundene Geschäftemacherei. Allerdings ist nicht alles kommerzielle Handeln schlecht. Im Gegenteil, es ist weder unmoralisch noch gesamtgesellschaftlich fragwürdig, wenn Inhalte auch durch jene verbreitet werden, die ein eigenes finanzielles Interesse daran haben. Oft tragen kommerzielle Nutzungen ganz erheblich zum Erfolg gerade von Kultur- und Bildungsarbeit bei.
Warum gibt es unterschiedliche CC-Lizenzen?
CC-Lizenzen berücksichtigen die unterschiedlichen Interessen der Urheber.
Gemeinsam ist allen CC-Lizenzvarianten die Haltung, dass sie die Nutzung von Inhalten erleichtern sollen. Doch haben Kreative – Autoren, Filmemacher oder Musiker – nicht alle die gleichen Vorstellungen davon, welche Art der Nutzungen sie erlauben wollen. Die sechs unterschiedlichen Varianten der CC-Lizenzen sind die Antwort darauf. Sie bieten ein sehr flexibles Instrument, um die Nutzung an bestimmte Bedingungen zu binden. Ein gutes Beispiel ist die Frage, ob die Kreativen die Bearbeitung ihrer Inhalte zulassen wollen. Einigen ist es besonders wichtig, dass ihr Werk unverändert bleibt und nicht verfälscht wird. Diese Kreativen können sich durch das Modul keine Bearbeitung (abgekürzt ND – no derivatives) absichern und trotzdem andere Nutzungen ihres Werks erlauben.
Anderen ist dagegen es besonders wichtig, dass ihre Werke in Collagen, Remixes und Mashups verwendet werden dürfen. Sie begreifen das Schaffen von Inhalten lediglich als Zwischenstadium in einem Prozess. Ihre eigenen Inhalte sind aus Altem entstanden und sollen zu Neuem weiterentwickelt werden. Wer aus dieser Haltung heraus eine CC-Lizenz vergibt, wird die Einschränkung keine Bearbeitung nicht wählen.
Wem das Open-Content-Prinzip besonders wichtig ist, der wird durch das Modul Share Alike (abgekürzt SA) dafür sorgen, dass seine Inhalte zwar bearbeitet werden dürfen, nach einer Bearbeitung aber nur unter den gleichen (Lizenz-)Bedingungen weitergegeben werden dürfen, und damit frei nutzbar bleiben.
Auch können Kreative kommerzielle Nutzungen ihrer Inhalte ausschließen wollen. Um diesem Wunsch entgegen zu kommen, wurde die Möglichkeit geschaffen, die unterschiedlichen Lizenztypen jeweils durch das Modul keine kommerzielle Nutzung (abgekürzt NC – noncommercial) zu ergänzen. Dies ist jedoch nicht in jedem Fall sinnvoll, weil dadurch viele Nutzungsmöglichkeiten versperrt werden, die durchaus im Interesse Kreativen und Rechteinhaber liegen.
Wie wirkt sich das NC-Modul darauf aus, wie Inhalte verbreitet werden?
NC-lizensierte Inhalte können nicht so leicht und nicht so weit verbreitet werden.
Wenn man seine Inhalte als NC kennzeichnet, können sie nicht in freie Wissensdatenbanken wie die Wikipedia, in offene Medienarchive und in Open-Source-Projekte aufgenommen werden. Häufig ist es nämlich gerade eine kommerzielle Nutzung, die nicht-kommerziellen, gemeinnützigen Initiativen zum Durchbruch verhelfen. Die Produktion der Wikipedia-DVD durch die Firma Directmedia hat sehr zur Popularität von Wikipedia beigetragen, gleiches gilt für die Integration in Suchmaschinen; beides zählt aber als kommerzielle Nutzung und wäre laut NC-Modul nicht erlaubt.
Im Bereich von Bildung und Weiterbildung sind ein großer Teil der Institutionen auf eigene Einnahmen angewiesen, da sie nicht (ausschließlich) öffentlich finanziert werden. Die Orientierung an Einnahmen führt jedoch dazu, dass diese Institutionen als kommerziell gelten müssen. Sie dürfen auch die Nutzung in vielen Blogs wird durch die NC-Bedingung unzulässig. Viele Blogger schalten Werbung, um ihre Server-Kosten zu decken oder sich einen Zuverdienst zu ermöglichen. Dadurch ist die Nutzung in diesen Blogs nicht – oder zumindest nicht mehr eindeutig – nicht kommerziell.
Was ist kommerziell?
Jede Verwendung, die vorranging auf einen geschäftlichen Vorteil oder eine geldwerte Vergütung gerichtet ist.
Bei kommerzieller Nutzung denken viele zunächst an multinationale Unternehmen wie Microsoft oder Shell, an Börsenspekulationen, an das schnelle Geld oder fragwürdige Geschäftemacherei.
Die Bezeichnung kommerzielle Nutzung hat nichts mit einer moralischen Wertung des Geschäftsgebarens der jeweiligen Institution oder Person zu tun, sondern beschreibt nur, dass diese einen geschäftlichen Vorteil erringen und durch ihr Tun eine geldwerte Vergütung erzielen will. Und auf diese sind alle angewiesen, die nicht durch den Staat oder durch Spenden finanziert werden.
Ganz klar eine kommerzielle Nutzung ist es, wenn ein Unternehmen ein Bild oder einen Text auf ihrer Firmenwebsite veröffentlicht. Eine kommerzielle Nutzung ist auch, wenn ein Bild in einem Buch gedruckt wird, das in einen Verlag erscheint – und zwar unabhängig davon, ob der Buchautor dafür ein Honorar gezahlt bekommt oder ob er im Gegenteil selbst einen Druckkostenzuschuss bezahlen musste, um die Publikation überhaupt zu ermöglichen. Der Verlag als solches handelt in jedem Fall kommerziell.
Schwieriger ist es dagegen, zu entscheiden, ob private Blogs als kommerziell gelten, wenn sie (oder ihr Blog-Hoster) Werbung schalten und damit Einnahmen erzielen. Diese Einnahmen sind oft sehr gering und decken meist nur die Kosten für das Hosting. Hier gibt es gute Argumente dafür, dass die Unternehmung nicht vorrangig auf eine geldwerte Vergütung gerichtet ist und deshalb weiter als nicht-kommerziell einzustufen wäre. Die Abgrenzung ist schwierig und viele Fälle sind umstritten. Um beim Beispiel des privaten Blogs zu bleiben: Wann verliert ein Blog den nicht-kommerziellen Charakter? Wenn die Werbeeinnahmen die Betriebskosten übersteigen, schon beim ersten verdienten Cent oder erst, wenn tatsächlich ein nennenswertes Einkommen generiert wird?
Die schwierige Abgrenzung führt dazu, dass in vielen Fällen die Verantwortlichen vorsichtshalber keine CC-lizenzierten Inhalte übernehmen, wenn das NC-Modul mit in der Lizenz steht, selbst wenn sie im Ergebnis als nicht-kommerzielle Nutzer einzustufen wären eine andere Herangehensweise, um kommerziell und nicht-kommerziell zu unterscheiden, wäre nicht die konkrete Nutzung, sondern nur den Nutzer zu betrachten. Dann wäre nur zu klären, ob die nutzende Person oder Institution insgesamt als kommerziell anzusehen ist. Öffentliche Schulen oder Museen wären dann aufgrund ihres gemeinnützigen Auftrags als nicht-kommerziell einzustufen und man bräuchte sich nicht mehr zu fragen, ob beim jeweiligen Nutzungsvorgang irgendetwas kommerzielles geschieht. So einfach macht es einem das NC-Modul leider nicht, denn es spricht von Handlungen, die nicht kommerziell sein dürfen. Darum wird man eine kommerzielle Handlung annehmen müssen, wenn Inhalte etwa in einem ausdrücklich auf Einnahmen ausgerichteten Museumsshop verkauft werden – und zwar unabhängig davon, wie dieser Museumsshop rechtlich organisiert und ob das Museum selbst gemeinnützig ist.
Völlig unerheblich für die Unterscheidung von kommerziell und nicht-kommerziell ist, ob der Nutzer finanziell überhaupt zu Lizenzzahlungen in der Lage ist oder ob er in vergleichbaren Situationen für Werknutzungen zahlt. Eine gemeinnützige Stiftung beispielsweise, die innerhalb ihres nicht auf Gewinn ausgerichteten Auftrags ein Foto nutzt, gilt selbst dann als nicht-kommerziell im Sinne des NC-Moduls, wenn sie über ein erhebliches Stiftungsvermögen verfügt und in vergleichbaren Fällen Fotografen auch bezahlt Allerdings gibt es heute kaum gemeinnützige Institutionen, die ausreichend finanziert und nicht auf zusätzliche Einnahmen angewiesen sind – womit wieder der Graubereich der Abgrenzung betreten wird. Ein Verzicht auf das NC-Modul und die Einschränkungen, die es mit sich bringt, vermeidet solche Unsicherheiten.
Schnitt.
Soweit also der Auszug aus der iRights.info-Broschüre. Warum erlaube ich nun die kommerzielle Nutzung insbesondere der Bilder aus diesem Blog? Weil es die praxistauglichste Art für mich ist, Inhalte ins Netz zu stellen. Die Bilder dürfen uneingeschränkt verteilt und kopiert werden. Wäre schön, wenn dieses Blog als Quelle genannt wird. Wenn jemand die Fotos in Magazine oder in Zeitungen oder auf Briefmarken druckt (alles schon vorgekommen), nur zu. Üblicherweise ist die Entlohnung für solche Kleinigkeiten eh so marginal, dass sich die Bearbeitung des Vorgangs meinerseits nicht lohnt. Also die Abrechnung, ausfüllen von seitenlangen Rechtsvereinbarungen und ähnliches. Kostet alles Zeit und Mühe. Ist unnötig und belastet mich nur. Die Sachen im Blog stehen also zur Verfügung. Natürlich freut es mich, wenn ich eine Info bekomme, wo meine Sachen verwendet werden. Das gibt mir dann ein Gefühl für die eigene Reichweite und die ist mir wichtiger als das bisschen Honorar, welches ggf. auf diesem Wege entstünde.
Eins möchte ich jedoch nicht verschweigen: Als Fotograf ist man im Besitz der Originaldateien. Diese sind weit höher aufgelöst als die Bilder im Netz und können somit auch weitaus besser und auch professionell verwendet werden. Diese Daten sind nicht im Netz und ich gebe sie auch nur auf Anfrage und dann meist auch gegen Geld raus. Somit ist dieses Blog auch eine Art Katalog für Leute, die Fotos suchen.
Die Vorteile einer uneingeschränkten Verbreitung der Inhalte in diesem Blog überwiegen deutlich die Nachteile, die durch die mögliche kommerzielle Nutzung anderer entstehen. Kommerzielle Nutzung bedeutet nämlich nicht, dass die Leute durch die Nutzung direkt Millionär werden und ich gerne meinen Anteil hätte, sondern vielmehr ist es die Bereitstellung einer rechtlich sauberen Basis zur uneingeschränkten Verbreitung meiner Inhalte. Das ist nötig, weil das Urheberrecht ohne Creative Commons leider nicht kompatibel mit dem Internet ist.
Falls es Fragen zu dieser Haltung gibt, ab damit in die Kommentare.
Info: Die Broschüre wird von iRights.info, Wikimedia Deutschland und Creative Commons Deutschland herausgeben.
Gebt Pinterest ne Chance!
Neue Dinge passieren ja die ganze Zeit und seit einiger Zeit passiert der Bild-Bookmarking-Sharing-Dienst Pinterest. Nach wie vor bekommt man nur auf Einladung Zugang zu dem Netzwerk, was aber keine sehr große Hürde darstellt und eher als Marketingaktion zu verstehen ist, denn als Beschränkung um den Kreis der Betatester klein zu halten.
Erklärt wurde der Dienst bereits ausreichend: Nutzer fischen Bilder aus dem Netz und heften diese an ihre virtuellen Pinnwände. Man kann mit einem Klick liken und repinnen und interessanten Usern oder nur einzelnen Boards folgen. Wenn man Lust hat, kann man auch kommentieren. Aber der Reiz ist insbesondere, dass der Dienst grundsätzlich ohne Worte auskommt („Twitter für Legastheniker“). Für ein weltweites Netzwerk ist das ein spannender Aspekt.
Für den optisch getriggerten Menschen gibt es wenig (Kritik kommt weiter unten) auszusetzen an dem Dienst und für Fotografen bietet die Plattform einen einfachen Weg, die eigenen Bilder unters Volk zu bringen. Nun hört man allerdings immer öfter, dass der Hype um Pinterest bereits wieder rum ist. Die Google+ophobie schleicht sich ein, also die Angst, dass ein vielversprechendes Netzwerk in die Bedeutungslosigkeit verschwindet, einfach weil sich der Anbieter doof anstellt, und gleichzeitig Facebook allgegenwärtig ist. Dem ist offenbar (hoffentlich!) nicht so. Der japanische Onlinehandels-Konzern Rakuten hat gerade 100 Millionen Dollar in das junge Unternehmen gesteckt und man geht derzeit von 20 Millionen Nutzern aus. Das sollte eine gute Basis sein um noch etwas durchzuhalten.
Der wohl wichtigste und ärgerlichste Fallstrick bei Pinterest, zumindest in Deutschland, ist die Urheberrechtsdebatte. Spreerecht erklärt die Problematik im Detail. Kurz: durch das pinnen eines Bildes wird eine Kopie angefertigt und weiterverbreitet. Das ist nach deutschem Urheberrecht ohne Einwilligung des Urhebers unzulässig und gleichzeitig ein ungelöstes Problem. Um rechtskonform zu pinnen müsste man also jedes Mal eine Einwilligung vom Urheber einholen oder das pinnen im Zweifelsfall sein lassen. Das ist unrealistisch und nicht mehr zeitgemäß. Und es ist reichlich unverständlich, warum gerade Pinterest in den Sog der Urheberrechtsdebatte gekommen ist. Im Gegensatz zu den anderen populären Bildblogplattformen wie z.B. Tumblr, hat Pinterest einen gigantischen Vorteil: es verlinkt (bei Benutzung des Bookmarklets oder Pinbuttons) automatisch auf die Quelle eines Bildes. Damit ist rausfindbar wo ein Bild herkommt und wer es gemacht hat. Somit handelt Pinterest sogar tendenziell urheberfreundlich. Wenn Bilder kopiert und in ein Tumblerblog geladen werden, dann verliert es den Bezug, den Link, zur Quelle und damit zum Urheber. Das geht allerdings auch bei Pinterest. Nunja.
Aber nun kann man sich genau diesen Umstand (als semiprofessioneller Fotograf mit Aufmerksamkeitsdefizitssyndrom) zunutze machen um die eigenen Werke zu promoten. Man speist die Fotos ins Pinterestnetzwerk ein. Im Idealfall verbreiten sie sich dort (durch Repins) und erfreuen die eigenen Follower. Ähnlich wie bei einem RSS-Feed. Und ähnlich wie bei einem RSS-Feed bleibt immer der Bezug zur Quelle, also dem eigenen Blog, erhalten und es werden im Idealfall Zugriffe generiert.
Auf diesem Blog stehen die Fotos unter einer Creative Commons Lizenz, sind also ohnehin zum teilen und verbreiten freigegeben. Somit steht der Nutzung von Pinterest auf diesen Seiten nichts im Wege. Aber auch ohne CC-Lizenz und als Urheberrestsfetischist sollte man sich mal überlegen, ob Pinterest wirklich ein Problem ist, oder ob die Baustellen nicht woanders liegen.
Und dann noch zu einem Vorurteil, das nicht zuletzt von Sascha Lobo auf der re:publica noch mal so richtig breit getreten wurde: „Pinterest ist 4chan für Mädchen“, rief er der nahezu komplett versammelten deutschen Internetszene zu. Und naja, dem ist leider so. Es werden wirklich unangenehm viele Bilder verteilt und diskutiert die für die nächsten Monate sämtliche Frauenzeitschriften und „schöner Wohnen“ –Klone versorgen könnten. Auch wird man gefühlt von 98% Frauen (bzw. weiblichen Namen) verfolgt, geliket und repinned. Was im echten Leben ganz nett ist, hat auf Pinterest so ein „Geschmäckle“. Man tendiert zu dem Glauben, dass man sich mit den eigenen Pins auf das Niveau von Wartezimmerfrauenzeitschriften zubewegt. Beängstigend.
Und dann ist Pinterest auch noch fromm wie ein Lamm. Im Gegensatz zu 4chan, wo sich Geschmacksgrenzen noch nicht mal am Horizont abzeichnen, lässt Pinterest keine Bilder zu, die auch nur ansatzweise als NSFW gekennzeichnet sind. So lässt sich z.B. dieses schöne Bild nicht pinnen.
Der süße Duft von Anarchie und Rock’n’roll fehlt Pinterest somit komplett. Es geht vielmehr um Schöngeist. Pinterest ist die Museumsbuchhandlung und nicht der Bahnhofskiosk. Das ist angenehm. Und es ist nicht so hässlich elitär wie z.B. FFFFOUND!, das zwar reifer und nicht ganz so fromm daher kommt, aber Neulingen und Leuten ohne Kontakt in die Szene (yo!) die kalte Schulter zeigt. Gebt also Pinterest ne Chance!
Info: Der Autor ist auf Pinterest als srbanister unterwegs.
Tote digitale Briefkästen
Es gibt in Nürnberg mittlerweile den zweiten “Dead Drop“!
Dead Drops sind ein anonymes, offline Peer-to-Peer Filesharing-Netzwerk im öffentlichen Raum. USB-Speichersticks werden so in Wände, Gebäude oder Kantsteine eingebaut, dass sie für jeden öffentlich zugänglich sind. Man schließt einen Laptop an einem Haus, der Wand oder dem Pfosten an und teilt Lieblingsdateien mit allen anderen. Jeder Dead Drop wird bis auf die readme-Datei, welche das Projekt erklärt, leer installiert und dann auf einer Karte auf der Webseite eingetragen um ihn auffindbar zu machen (Details zur Installation hier). Eine App für Android gibts auch, für iPhone soll wohl eine unterwegs sein. Somit kann man wie der gemeine Geocacher losziehen, die Drops suchen und hübsch Daten im wörtlichen Sinn in der Stadt speichern und laden.
Hintergründe, Pros und Contras der Aktion erklärte bereits ein SpOn-Artikel. Hier nun Details zu den zwei Nürnberger Dead Drops.

Deaddrop Wilhelm-Spaeth-Straße 18
Das Projekt Dead Drops des Berliner Medienkünstlers Aram Bartholl wurde auf der diesjährigen Ars Electronica in der Kategorie Digital Communities mit einer Honorary Mention bedacht.
(Fotos sind nicht vom Autor, sondern wurden der Dead Drops Webseite entnommen)
Datenbewusstsein
Um Informationen zu bekommen muss man Informationen geben. Das ist bei einem simplen Gespräch unter vier Augen so und das ist im Netz (insbesondere im Social Web) nicht anders. Im Netz funktioniert das naturgemäß diffuser aber der Streuverlust wird durch die größere Reichweite mehr als wettgemacht. Dennoch sollte man so gut es geht selbst bestimmen, welche Informationen in die Welt gelangen und in welchem Kontext das passiert. Die Welt und jeder einzelne wird gläserner und transparenter und diese Entwicklung ist unaufhaltbar. Sich dagegen zu wehren ist ein Kampf gegen Windmühlen, aber man kann dafür sorgen, dass die Entwicklung auf Augenhöhe passiert, dass manche nicht mehr Informationen bekommen als andere geben. Wie in einem persönlichen Gespräch auch, sollte der Datenaustausch ausgewogen sein. Daher diese kleinen Hinweise wie man die eigene Sendeleistung etwas in Grenzen hält: gegen das Gefühl mehr zu geben, als man eigentlich bekommt.
Dem Facebook ist es z.B. möglich auch Informationen zu sammeln, selbst wenn man sich gar nicht auf der Plattform selbst bewegt, sondern auf beliebigen Webseiten, die Facebookwidgets eingebunden haben. Wenn man eine solche Seite aufruft, erkennt dieses Widget diesen Besuch (wie normale Statistiktools auch). Ein Klick auf “mag ich” und die Kontakte wissen über den Besuch (bzw. vermeintliche Vorlieben) bescheid.
Datenschutzrechtlich ist das bedenklich, da ungefragt personenbezogene Daten gesammelt und mit dem eigenen Profil verknüpft werden und auch direkt das Land verlassen (Hamburg.de hat z.B. den “Like”-Button aus Datenschutzgründen entfernt). Der Punkt ist auch, dass es nur einen winzigen klick kostet und eine unter umständen ominöse Webseite produziert ein ungewolltes Statusupdate; was sich möglicherweise auch automatisieren lässt also ohne bewusste Bestätigung funktioniert. Eine Kontrolle über eigene Profilinformationen ist so praktisch nicht mehr möglich. Man kann die so gesammelten Informationen auch nicht abrufen, einsehen oder editieren oder gar wieder löschen.
Kurzum, persönliche Daten sind am sichersten, wenn sie erst gar nicht erhoben und (vorallem ohne eigenes Zutun) gespeichert werden und dazu gibt es einen schönen Helfer: die SocialMediaBlock-Filterliste für Adblock Plus.
Geblockt werden Social Media-Dienste, die durch externe Skripte und/oder Frames geladen werden. Es wird stets darauf geachtet, dass die Dienste selbst mit der Liste funktionieren (Facebook ist z. B. problemlos nutzbar, jegliche eingebettete Inhalte außerhalb Facebook werden jedoch geblockt). Zudem werden auch “Share”-Buttons auf großen/bekannten Seiten gefiltert. Nicht gefiltert werden Links (z. B. über Grafiken), die auf Profile oder Seiten einer Social Media-Seite verlinken.
Im Fall von Facebook sperrt diese Filterliste den Zugriff auf das API und unterbindet damit den Zugriff von Fremdapplikationen auf Facebook. Adblock gehört eh zu den Pflichterweiterungen für Firefox, sorgt es doch dafür, dass die meiste Werbung von den Webseiten verschwindet (man surft, als hätte der Kapitalismus nie das Web entdeckt) und diese spezielle Filterliste erweitert Adblock um die genannte Funktion und ist zudem den persönlichen Vorlieben anpassbar, falls man trotzdem z.B. Flattr nutzen möchte.
Für Chrome gibt es dazu das Facebook Disconnet Plugin, welches sich allerdings nur auf Facebook beschränkt.
Eine weitere sehr sinnvolle Erweiterung für Firefox ist HTTPS Everywhere. Sie sorgt dafür, dass beim Aufruf populärer Webdienste automatisch auf eine sichere https-Verbindung gewechselt wird und man nicht mehr für jeden belauschbar mit der Welt kommuniziert. Die behandelten Dienste funktionieren zum größten Teil uneingeschränkt weiter und man hat kaum Nachteile durch die gewonnene Sicherheit, allerding funktioniert z.B. bei Facebook mit https kein Chat mehr, aber chatten kann man mit Skype eh besser.
Wer noch mehr Kontrolle über in Webseiten eingebettete Skripte und ominöse Applikationen haben möchte, der sollte zu NoScript greifen. Diese Erweiterung sperrt erstmal komplett alle Inhalte die nichts mit der puren Darstellung von Text und Bild zu tun haben. Ein deutliches Plus an Kontrolle und Transparenz, allerdings verstümmelt diese Erweiterung sehr viele Webseiten (vorallem die ominösen) bis hin zur Unbenutzbarkeit und sollte nur von Leuten benutzt werden die normal wissen, was im Maschinenraum passiert.
Das sind nur einige wenige Dinge die man machen kann um die eigene Sendeleistung zu steuern. Wichtig ist, dass man wissen sollte was bei jedem einzelnen Klick im Netz und im Hintergrund passiert. Viele schimpfen auf die Netz- und Datenschutzkompetenz in der Politik. Das ist berechtigt, aber wer es den Leuten zu einfach macht Informationen zu sammeln, der darf sich nicht beschweren und die sogenannte Netzkompetenz fängt bei jedem einzelnen an.
Mal testen: Flattr
Die Diskussion wie man denn nun im Internet mit Inhalten Geld verdienen kann ist fast so alt wie das Netz selber. Tauschbörsen z.B. stellten und stellen praktisch alles was irgendwie digitalisierbar ist kostenlos zur Verfügung. Man bezahlt gemeinhin nicht monetär, sondern mit der Freigabe der Inhalte seiner eigenen Sammlung. Das funktioniert gut, allerdings ist das Prinzip nicht auf die reale Welt übertragbar. Geld für Rechnungen kann so nicht erwirtschaftet werden und wird für Content Geld investiert kann eine Refinanzierung auch nicht statt finden. Bis der Kapitalismus abgeschafft ist muss also eine Alternative her und da bietet sich nun Flattr an. Seit dem Flop mit den Paypal Spenden-Buttons ist das die erste Idee, der ich ernsthaft was zutraue, da sie so einfach funktioniert wie die magich-Buttons auf Facebook.
Beim Micro-Payment-Service Flattr bezahlt der Nutzer monatlich einen frei wählbaren Abonnements-Betrag auf ein Konto ein. Die Medienanbieter platzieren auf ihrer Website einen flattr-Button, den der Nutzer anklicken kann, wenn ihm der Internet-Inhalt gefällt. Am Monatsende wird der Abonnements-Betrag des Nutzers gemäß seinen Klicks an die Medienanbieter verteilt.
Das Video erklärt den Rest:
Ich bin nun einer der Tester der Betaphase von Flattr und habe Buttons hier im Blog und dort drüben eingebunden. Da es noch kaum Nutzer gibt, verspreche ich mir noch nicht viel von der Aktion aber vielleicht wird das System so populär wie die allgegenwärtigen Facebook-magich-Knöpfe und spätestens dann wird’s ernsthaft interessant. Bis dahin wird flattr aufmerksam beobachtet.
Und du, lieber Leser, könntest dich zwischenzeitlich auch schon mal registrieren und eifrig drauflos flattern (vorzugsweise auf meinen Seiten! :). Wenn alles glatt läuft haben wir hier die Lösung für die Contentindustrie und die gesuchte Alternative zur Kulturflatrate.
Mehr Info und Hintergründe gibts z.B. hier oder dort.
Update 19.05.
Gute Contraargumente in den Kommentaren zu dem Text “Warum ich flattr doof finde” und insgesamt guter und nachdenklicher Text “Ich habe flattr schiss!“, der die Unausgereiftheit und Untiefen des Systems gut darlegt.
Habe die flattr-Funktion aus meinem Zweitblog wieder entfernt. Es dreht sich dort um freie Musik aus dem Netz und da macht ein Bezahlbutton einfach den falschen Eindruck. Hinzu kommt ein gravierender Nachteil von Flattr. Das System honoriert zurzeit nur pure Massentauglichkeit. Für Nischen ist kein Platz. Selbst wenn man ein paar Gönner hat müssen diese einen Monat lang mit ihren Flattrreien gut haushalten um den Lieblingsbeiträgen einen nennenswerten Betrag zukommen zu lassen. Das ist eine konzeptionelle Lücke, die mir nicht gefällt. Die pure Gleichschaltung meiner Klicks empfinde ich zunehmend als Nachteil.
Falls ich mich dazu entscheiden sollte, mein Flattrkonto nicht mehr aufzuladen, dann verschwinden die Buttons hier aus dem Blog auch automatisch. Man kann nur Geld einsammeln, wenn man selber welches ins System pumpt, was natürlich den Anreiz gibt, das Flattrkonto liquide zu halten. Man bezahlt quasi für den Button und damit finanziert sich auch der Dienst, über die kleine Provision bei den Geldtransfers.
Momentan machen sich die Gegenargumente breit, allerdings ist der Dienst auch noch alles andere als ausgereift. Mal weiter gucken.
Update 20.05.
Die Taz führ Flattr ein. Und das ist eine Größe bei der sich das System durchaus lohnen könnte. Man kann bei Flattr sein Konto mit maximal 20 € im Monat aufladen. Man kann aber beliebig viele Klicks ernten. Wenn man nur genug Leser mobilisiert hat man das zum verklicken ausgegebene Geld schnell wieder eingespielt. Wie gesagt, man braucht Masse, keine Klasse.
Update 01.06.
Auf vielen Blogs findet man mittlerweile die Flattr-Buttons, insbesondere auf den wichtigen und insbesondere auch auf Blogs die man sicherlich nicht anders als in Vollzeit betreiben kann, wie z.B. netzpolitik.org. Auch kam heute die erste Abrechnung. Bei mir war es ein Nullsummenspiel: ich habe 2€ verflattert und 1,48€ erflattert. Nun bin ich auch nicht der aktivste Blogger, sondern eher der Gelegenheitsblogger. Ich blogge nicht, weil ich muss, sondern weil ich es möchte wenn ich etwas Zeit habe. Und diesen Grundsatz sollte man auch bei der Verwendung von Flattr berücksichtigen. Wenn das Blog Lebensinhalt und dominierend im eigenen Alltag ist, dann mach Flattr Sinn, weil es sich zu einem Nebenerwerb entwickeln kann und die investierte Zeit monetär kompensieren kann.
Als Hobbyblogger sollte man eher drauf verzichten die Hand auf zuhalten. Das Standing zu haben etwas nicht für Geld zu tun ist mehr wert als die paar Kröten die ggf. über Flattr kommen.
re:publica 2010 hinterher
Puh, das wars schon wieder. Drei Tage Nerdtum in Reinform. Schales Licht allerorten von den kleinen Displays in die viele Augenpaare starrten, wenn denn mal Netz da war. Für eine Onlinekonferenz musste man auffällig oft aufs WLAN und auch auf eine Mobilfunkverbindung verzichten. Aber offline ging genug auf den ganzen Panels und Vorträgen.
Am zweiten Tag war etwas Pause für mich. Der erste Tag war so voll, dass man etwas zurück schalten musste. War Zeit zum bloggen. Zu viel Zeit. Habe etwas den Beitrag zur Deep Packet Inspection zur Hälfte Verpasst. Und auf dem Vortrag “The politics of Deep Packet Inspection” wurde dann auch die Crux noch mal deutlich, von einer Technik mit der man zentral Inhalte im Netz kontrollieren und manipulieren kann, die aber auch wichtig ist um die Leistungsfähigkeit von moderner Infrastruktur zu gewährleisten. Eine mächtige Technik, die in falschen Händen gefährlich für eine Informationskultur ist jedoch auch per Gesetz in praktisch jedem Land vorgeschrieben ist.
Das Thema Sexismus im Netz klang vielversprechend, kam aber recht trocken und feministisch daher und nennt mich ruhig Macho, aber ich kann mich in die Problematik nicht rein denken. Wenns darum geht, dass Bloggerinnen in den Blogcharts nur in homöopathischen Dosen auftauchen, dann sollte man über Inhalte nachdenken und nicht über das Geschlecht, falls Charts überhaupt relevant sind. Bei Musik misst man mit Charts ja auch eher nur die Dämlichkeit einer Gesellschaft. Die Antwort auf die Frage habe ich verpasst, bin raus, und habe damit auch nen echten Shitstorm und Skandal verpasst. Auch schon wieder schade, wäre das Praxissemester für die Lobotheorien vom Vortag gewesen.
Interessant war auch ein kleiner Kritikpunkt an der re:publica der in der Presse aufkam, nämlich dass es etwas am Austausch mit der “Außenwelt” fehlt. Man ist fachlich und theoretisch teilweise arg weit vorne und das bringt Probleme bei der Vermittlung der Themen mit dem Rest der Bevölkerung mit sich, ein bilateraler Diskurs wäre sicherlich hilfreich. Z.B. am eher oberflächlichen Panel “Wenn Prada Pakete schickt” ging es um Werbegeschenke und die dadurch hervorgerufene Manipulation von Berichterstattung (in diesem Fall bei Modeblogs). Mir ist in meinen langen Jahren in der Arbeitswelt seit jeher verboten, Werbegeschenke ab einem gewissen Wert anzunehmen. Es gilt die Korruption zu vermeiden. Auf dem Panel schien so eine Idee jedoch eine echte Innovation zu sein. Lustig, die gute alte deutsche Industrie kann den hippen Bloggern durchaus was beibringen. Auf der anderen Seite hat man hier auch nicht ganz unrecht. Konferenzen sind nun mal für Fachleute da. Wo man auch hinschaut, überall offene Diskurse.
Naja, futtern, email, schlafen gehen.
Zu spät wieder munter geworden und den wohl großartigen Vortrag von Götz W. Werner so gut wie verpasst. Ging ums bedingungslose Grundeinkommen und die Chancen die dadurch entstehen. Habs nur bei Twitter verfolgt. Den Vortrag kann man noch mal nachgucken.
Nadenn schnell rüber zur Googlewerbeshow und mal geschaut, was es so an Kollaborationswerkzeugen gibt, Google Docs, Google Wave usw. alles ganz nett, aber nichts von Bedeutung.
Der nächste Knüller kam dann mit Miriam Meckel und ihrem sehr fundiertem und einleuchtenden Beitrag “This object cannot be liked“, über die Grenzen menschlichen Ermessens und das Ermessen menschlicher Grenzen. Sie spannten einen Bogen von einer Facebookgeburtstagstorte über das iPad bis hin zum Ende der Welt. Großartig! Aber warum? Hab mittlerweile versucht mehreren Menschen den Inhalt zu erkären. War mir nicht mehr möglich. Habs wohl nicht verstanden.
Kurz noch die Nase in den Vortrag über den Obamawahlkampf gehalten, wurde aber etwas in Zeitlupe vorgetragen im Vergleich zur Miriam Meckel und thematisch war da auch nix neues mehr dabei. Außerdem hatte ich Hunger.
Mit einem Ohr nur beim Leistungsschutzrecht gewesen. Not my business, war aber gut besucht das Panel und sicherlich auch ein heißes Thema. Richtig spannend wurde es dann beim hacken von Medien. Kommunikationsguerilla deluxe, die besten Hacks der letzen Zeit wurden präsentiert und auch die Hintergründe. Toll, ich steh ja auf David-gegen-Goliath-Kriege wo am Ende das gute Gewinnt. Schwer begeistert, auch von der kleinen Aktion die initiiert wurde.
Schnell weiter zu den Einsichten in 10 Jahre Heise-Foren-Moderation. Dachte es geht um Trollwars und freute mich schon auf eine Ergänzung an den Shitstormvortrag vom Lobo vom ersten Tag, ging aber tatsächlich um die rechtlichen Hürden beim Betrieb eines Forums. Recht trocken, aber auch sehr interessant wie schnell man vorm Kadi stehen kann. Forummoderator bei Heise ist ein Knochenjob.
Ok, rüber zu den Memen. Hab mich schon gefreut auf den ganzen unglaublichen Schleiß der sich im Netz die ganzen Jahre so entwickelt hat, aber Pustekuchen. Sehr lahme und unwitzige Präsentation die mir erklären wollte, wie Tradition entsteht. Keine Zeit für sowas, schon gar nicht wenn es neben an um die Freiheit im Netz geht, Diskussion, pro und contra. Sollte man ein Netz reglementieren oder soll alles frei sein? @plomlompom und Moderator @mspro diskutierten interessant fundiert über Grenzen der Freiheit im Internet, @baranek kam nicht richtig in Gang und bekam fette Breitseiten, konnte dann aber später mit Sozithemen punkten. Am Ende hitzige Diskussionen auch mit dem Publikum, aber wie so oft keine Antworten, nur die Aussicht, dass noch viel vor uns liegt bei der Besiedelung des achten Kontinentes.
Dann wars schon wieder rum und die Augen leuchteten die Augen ob der ganzen Diskurse und Denkanstöße die es gab. Gerne wieder und gerne mehr.
Die Party am Ende war den Twittermeldungennach auch super und Zoe.Leela hätte ich auch gerne live gesehen, aber Werksspionage bei den Weinereien in Berlin war auf dem Plan. Die Keimzellen der Weinerei in Nürnberg wurden undercover begutachtet, aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andern mal erzählt werden.
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