horch a mol…

8. Mai 2007 Sugar Ray Banister

Um zu lernen, wie der Mensch an sich hier im Frankenland so tickt, ist irgendwann Wissen über die Mundart, den Dialekt, ganz hilfreich. Ich habe ja schon so manches Mal richtig doof geguckt und mit Unverständnis auf so manche Kommunikationsversuche insbesondere der Grattler hier reagiert. Ich habe Vermutungen über die Hintergründe der “Mindsets” der Einheimischen entwickelt, aber so richtig greifbar wurde es erst jetzt durch einen 15 Minütigen Fränkisch-Chrashkurs der Deutschen Welle: Frängisch beim Schobbe, von Erdäpfeln und Erdbirnen.

Mein Resume: wie zu erwarten alles sehr bäuerlich, bodenständig und es dreht sich kleinbürgerlich zu viel um den Alkohol. Man grenzt sehr gerne ab, sei es von Bayern oder vom nächsten Dorf. Alles was anders ist, ist nicht erwünscht. Man unterscheidet lustigerweise zwischen Bierfranken und Weinfranken, wobei der Weinfranke eher der geselligere und gemütlichere Typ ist (auch meine Erfahrung!), und der Bierfranke eher etwas “langsamer und schwerer” ist. Bier- und Weinfranken sind dann auch regional etwas unterschiedlich verteilt. So um Nürnberg rum regiert der Bierfranke. Die weltweit höchste Brauereidichte legt diese Vermutung nahe. Das erklärt auch die streckenweise arg mumpfige Mentalität hier und das dazu passende Aussehen der Stadt. Die Weinfranken sind nördlicher angesiedelt und wie durch ein Wunder sind die Landstriche dort auch spürbar offenherziger.

Und die Moral von der Geschichte: ich hätte mich besser informieren sollen, wo ich hinziehe…

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Weitere deutsche Dialekte gibts im Dialektatlas

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13 Kommentare

  • 1. Rationalstürmer  |  10. Mai 2007 um 09:24

    Da unterstütze ich doch Ihr schönes Vorurteil gleich einmal und gebe Ihnen ein herzliches Du bläids Oarschluch ghörrasd diech doch midd der Scheißhausbürschtn nauskehrd!

    Obber amoll im Ernst: Man muss sich schon fragen, ob es wirklich notwendig ist, für so schlecht recherchierte und schlecht gemachte Beiträge, wie sie dieses DW-Beispiel erschreckenderweise darstellt, Geld aus dem Bundeshaushalt verplempert werden muss.

  • 2. Sugar Ray Banister  |  10. Mai 2007 um 10:37

    ja… muss es, das Geld ist richtig investiert. Hör die mal die anderen Beiträge des Dialektatlas an. Sind alle sehr schön gemacht und auch sehr treffend wie ich finde. Wenn sich der Franke nicht ordentlich repräsentiert fühlt, dann soll er sich halt mal ordentlich darstellen. Andere schaffen es ja auch. Hatte übrigens gestern beim Bier (sorry, ja… Bier ist auch lecker) eine schöne Diskussion zu dem Thema. Die Darstellung hier ist, wenn auch klischeehaft, schon sehr stimmig.

  • 3. Rationalstürmer  |  10. Mai 2007 um 11:03

    Das mit dem leckeren Bier ist natürlich ein Totschlagargument für jeden casus belli. Ich steige aber ohnehin eher beim “schön gemacht” aus, und da bleibts dabei. Ich liebe grundsätzlich jedes Klischee, aber dann bittschön nicht nach Erdinger-Weißbier-Werbungs-Manier.

  • 4. Sugar Ray Banister  |  10. Mai 2007 um 13:37

    Die Weißbier-Werbung ist ja wohl ne ganz andere Liga, also bitte.
    Jetzt hier die Klischees auseinander zu nehmen ist eh der falsche Weg. Wo ist denn der Franke mit dem Laptop und dem WLAN? Ich erwarte Gegenmodelle!

  • 5. myname  |  10. Mai 2007 um 17:57

    Der Franke mit Laptop und WLAN? Den findest du nur in “Wein-Franken”!

  • 6. stilhäschen  |  11. Mai 2007 um 08:32

    “Da sieht man doch, daß Franken zum FREIstaat Bayern gehört, wenn die WÜRste eine so große Bedeutung haben”, allein schon, wie der Obersprecher da so pseudoironisch rumtoniert.
    Und der Sprachwissenschaftler schießt sich mit Sätzen wie “da haben wir nach der Jauche gefragt – ein sehr wichtiges Wort für den Bauern auf dem Lande” arg ins Knie.

    Schön und gut, klar ist das besser als nix, und sicher ist auch manches wahr dran. Zum Beispiel mag der Franke an sich tatsächlich ein wenig bärbeißig wirken. Aber das liegt sicher nicht daran, daß er keinen Laptop bedienen kann oder will. Was ja, bei dem Weg, eh auch nur ein Klischee ist. Und solang der Münchner von Laptop und Lederhosen spricht, hoggd sich der Frangge grad dsum Fleiß vor’n dreiseggserachdsiger.

  • 7. ecco  |  11. Mai 2007 um 21:41

    zwei kleine sachen:

    - im tonbeitrag waren einige inhaltliche fehler und eine komische fixierung auf das unterfränkische, das oberfränkische kam überhaupt nicht vor.

    - deine ständigen probleme mit der “mumpfigen” mentalität der franken finde ich witzig, kennst du überhaupt echte eingeborene franggen in nürnberg? :-)
    ansonsten zieh nach erlangen, dort gibt es garantiert keine einheimischen. nur breissn. dort heißen sogar die kaisersemmeln schlitzbrötchen, grmml…

    ecco

  • 8. stilhäschen  |  12. Mai 2007 um 10:27

    So, und wo ich mit der Analyse des Links fertig bin, fällt mir dazu nur noch “wie man in den Wald hineinruft…” bzw. “wer ficken will, muß freundlich sein” ein.
    Klar kann man sich wünschen, woandershin gegangen zu sein. Sich ausruhen auf dem Bauern-Klischee und es streicheln, woimmer man es findet. Aber “offenherzig” (und das Wort steht da oben) geht anders, glaube ich.

  • 9. Sugar Ray Banister  |  12. Mai 2007 um 13:50

    ok.. .es wird ernst. lets see…

    @alle: schöne Diskussion bisher, macht Spass! :)

    @ecco: Ich kann nicht behaupten, dass ich “echte” Franken kenne, weil die Leute, die wirklich Slang sprechen und so richtig derb sich, sich nicht in meinem Bekanntenkreis befinden. Ich kenne nur die jüngeren, weniger verwurtzelten, gebürtigen Franken und natürlich weitere Zugezogene. Warum das Klischee nicht aus meinem Kopf geht? Möglicherweise bin ich mittlerweile drauf konditioniert, aber ganz bestimmt wird es immer wieder, egal wo und egal durch wen, thematisiert und auch von einheimischen Freunden gerne gepflegt. Ich greifs dann auf und spinne es weiter. Das hier dokumentierte Vorurteil hält sich zudem auch in der öffentlichen Meinung. Nürnberg wurde schon manches Mal als Kaff oder dörflich darstellt und es ist ja nicht so, dass dieses Bild pausenlos wiederlegt wird.

    @stilhäschen: oder auch … “jeder hat sein Päckchen zu tragen ;). Offenherzig? Ja, kommunizieren wir nicht gerade und reden drüber?

  • 10. ecco  |  13. Mai 2007 um 01:12

    nee, ernst wird’s noch lange nicht :-)
    aber glaubst du wirklich, dass es viele deutsche regionen gibt, wo die bevölkerung “aufgeschlossener” ist? im münsterland? in westfalen? in friesland? in vorpommern? im schwarzwald? ich zweifle.

    ich weiss ja nicht, aus welcher freizügigen gegend deutschlands du kommst, aber die gegenden, in denen ich zu wohnen die freude hatte, unterscheiden sich nicht so sehr von dem, was hier geboten wird.

    sofort mit fremden reden, das macht man nur im rheinland, aber dort ist reden eh der einzige lebenszweck, egal ob einer zuhört oder nicht…

  • 11. Sugar Ray Banister  |  15. Mai 2007 um 10:55

    Hey ecco, ja ich glaube, dass es einige Regionen gibt die weitaus aufgeschlossener und einladender sind. Als ich nach Nürnberg gekommen bin, sind mir mit als erstes die wenigen Grünflächen bzw. eh ein Mangel an öffentlichen Plätzen aufgefallen. Es ist alles sehr eng bebaut und selbst Neubauten setzten man direkt an die Strasse ohne mal einen gemütlichen Vorplatz zum verweilen zu lassen. Dann fehlt ganz klar künstlerisches im öffentlichen Raum. Von vereinzelten Hasen mal abgesehen schmückt die Stadt ihre wenige Plätze nicht mal, und dass wo doch eine Kunstakademie mit genügend Output hier inklusive ist. Das schöngeistige fehlt dem Stadtbild, und damit auch das einladende und aufgeschlossene. Das wir es mit einer alten Arbeiter- und Industriestadt zu tun haben erklärt so manches. Den muffigen Charme des Kleinbürgertums, der hier durch ganze Viertel zieht, wird man nicht so schnell los, auch wenn Industrie hier keine so große Rolle mehr spielt. Ich schließe also auch vom Stadtbild auf die Bewohner. Zeig mir deine Stadt und ich sag dir wer du bist…

  • 12. myname  |  17. Mai 2007 um 18:32

    Da muss ich als Franke Sugar Ray recht geben. Es gibt zwar ecken Deutschlands wo man noch weniger aufgeschlossen ist – Schwaben z.B. – aber die Franken sind schon recht Mürrisch. Die ganzen Nordischen Leute sind alle wesentlich offener als der durchschnitts Franke! In Berlin wenn du in einer Kneipe alleine sitzt dauert es keine 10 min. und neben dir sitzt einer und quatscht dich an. In unseren breiten kannste da alleine versauern. Und wenn du einen ansprichst der da alleien hockt dann schaut der dich erstmal ganz schön blod an. Sin scho gaschdiche leid im fragenlande.

  • 13. stilhaeschen » Blog&hellip  |  24. August 2007 um 19:26

    [...] Heimat jedenfalls ist des Sugar Ray Bannisters Fremde, und so sehe ich mich immer wieder gezwungen, dort zu verteidigen, woran eben doch mein Herz [...]


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