Experimentelle Kneipentour durch Nürnberg
5. April 2010 Sugar Ray Banister
Eine verspielte Art des Reisens, die das Geschehen weitgehend dem Zufall überlässt. Mit Sugar Ray Banister, Urmel und Don Luka, frei nach Joel Henry.
Ein Gastbeitrag von: Urmel
Samstag, 6. März 2010
Wir beginnen im Wanderer (bzw. Bieramt, Beim Tiergärtnertor 6), weil wir eigentlich immer im Wanderer beginnen und weil wir außerdem Lust haben auf altes Gemäuer, heimelige Atmosphäre und diese wirklich leckeren Schmalzbrote. Der Sugar Ray trinkt ein Krugbier, die Urmel probiert sich an einem Bamberger Spezial Rauchbier und erhebt dies sogleich auf einen Thron in ihrer Lieblingsgetränkliste. Doch egal ob Krug oder Glas, beides hält nicht ewig vor. Wir fragen den Barkeeper um Rat. Stefan, was ist deine Lieblingskneipe in Nürnberg? Und was trinkst du da? Stefan hat entschieden. Auf geht’s zum
Gregor Samsa (Maxfeldstr. 79), das uns nicht unbekannt ist, also finden wir es trotz der verwinkelten Gasse schnell wieder. Don Luka sammeln wir noch auf dem Weg ein. An den Wänden und Decken großformatiger Expressionismus auf Holz und Leinwand, an den Tischen vor allem Männer über 40, die entweder tatsächlich Künstler sind oder zumindest intellektuell aussehen. Für ein Gulasch reicht die Zeit nicht, schließlich geht es hier um die Getränke. Die anderen Gäste erfahren von unserer Mission und verkünden begeistert, dass sie sich unserer Bewegung anschließen werden. Der Auftrag lautet auf Kellerbier, doch das gibt es heute nicht mal unter der Theke. So bestellen wir irgendwas und folgen unverzüglich der Weisung des Barkeepers
ins Kloster (Obere Wörthstr. 19). Dieser Laden fällt eindeutig unter die Legenden in Nürnberg. Sakrale Elemente und Devotionalien über der Tür und den Plüschsofas mögen auf ein Gothic-Nest hinweisen, aber weit gefehlt. Meist gibt’s irgendwas mit Gitarren auf die Ohren, und das gerade laut genug um sich nicht unterhalten zu müssen sondern sich – wie in unserem Fall – dem verordneten Wodka Lemon hinzugeben und Verhaltensbeobachtungen bei den anderen Gästen anzustellen. Diese gehören sicher auch zu den Legenden in Nürnberg. Oder so. Egal. Schluss für heute.
Donnerstag, 18. März 2010
Fortsetzung wie von der Kloster-Barfrau befohlen im Druid (Weißgerbergasse 18), das sich authentic traditional Irish pub nennt (bei Gelegenheit werden wir einen echten Iren fragen), der Barkeeper weiß aber definitiv mehr über Russland. Seine Guiness dauern lang genug um richtig durstig zu werden und wir werden in der Zwischenzeit irgendwie melancholisch und trinken auf die wahre Freundschaft. Es ist nett, aber leer, die wahren Iren erholen sich vermutlich noch vom St. Patrick’s Day am Tag zuvor. Der sympathische Russe behauptet dass er jeden Tag im Druid ist und ansonsten überhaupt nie weggeht. Also müssen wir auf den Schichtwechsel warten und werden von der Ablösung dafür einfach nur über die Straße geschickt.
Gegenüber befindet sich die Mata Hari Bar (Weißgerbergasse 31). Wenn man mal reinkommt, dann so schnell nicht wieder raus, was an der ölsardinenartigen Gästeanordnung liegt. Die geschätzten 35qm Gastraum werden mit 20qm fast vollständig von der Bar eingenommen. Das bedeutet: Das Barpersonal hat massig Beinfreiheit, die Gäste dagegen müssen kuscheln. Ob das jetzt gut oder schlecht ist hängt vom Nebenmann/-frau ab, in unserem Fall (wir erinnern uns an die wahre Freundschaft) ist es optimal. Gin Tonic macht richtig gute Laune und wir wippen zu Mata’s Indie-Rundumschlag. Voller Zuversicht beschließen wir, dass diese Fortsetzungs-Kneipentour erst dann endet, wenn uns irgendjemand in die Weinerei (Heimatkneipe der Protagonisten, Anm. d. Red.) schickt. Die Mixer an der Theke bescheren uns aber noch einen Umweg: Sie würden in jedem Fall in die Prinzenbar gehen und Weinschorle trinken.
Regel ist Regel – wir fügen uns und gehen in die Karl-Grillenberger-Str. 36, Sieht wenig glamourös aus von außen, was an dem alten “Gaststätte Noris” Schild im Eckkneipen-Charme liegen mag, welches anscheinend anhand fehlender Baugenehmigung momentan noch nicht ausgetauscht werden kann. Weitere Erkenntnisse zur Prinzenbar: 1. Weinschorle auf Gin Tonic geht gar nicht, 2. Einrichtung ist nicht ungeschmackvoll, legendär aber was anderes und 3. haben wir irgendwo auf dieser Kneipentour anscheinend die richtige Abzweigung verpasst. Von hier aus wird’s nicht besser, so viel sei schon verraten. Nächstes Mal erwartet uns: The dark night of the project. Da muss man durch.
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1 Kommentar Hinterlasse einen Kommentar
1.
Sugar Ray Banister | 6. April 2010 um 18:09
Vielleicht sollte man noch folgendes zur Qualität der Kneipen erwähnen:
Der Wanderer nebst Bieramt ist über alle Zweifel erhaben. Tolle authentische Qualitätskneipe mit Charme, guter Musik, prima Bier und sowieso mit die beste Lokation der Stadt inkl. WLAN. Nachteil: Bieramt macht schon um 12 zu und das Publikum könnt ein ticken jünger sein.
Gregor Samsa ist auch unantastbar. Ein gesunder Eigenwille setzt sich einfach durch. Tolle Kneipe mit dem gewissen Etwas (damit meine ich insbesondere die Bilder). Nachteil: Man wartet recht lange auf die Gulaschsuppen und das Publikum könnt ein ticken jünger sein.
Das Kloster ist eher was für die späteren Stunden und eher brachial als charmant aber dennoch Eigen genug um positiv zu wirken. Musikalisch eher nicht mein Fall, aber an dem Abend hat der DJ so dermaßen gut durch die Genres gemischt (von Metallica zu Sven Väth in nicht mal 10 Minuten), dass der Begriff „Abwechslung“ neu definiert wurde.
Für nen Irish Pub bin ich schon recht oft im Druid gewesen. Weiss nicht warum. Gibt eigentlich nichts besonders in dem Laden.
Dagegen besuche ich die Mata Hari Bar viel zu selten. Was eine Schande ist! Vermutlich liegt es wirklich an der Enge denn es gibt nichts an der Bar auszusetzen.
Und ich weiss nicht warum es am Ende die Prinzenbar sein musste. Der große Flachbildschirm auf dem Stefan Raab live übertragen wird sagt schon viel über Publikum und Gesinnung aus. Musikalisch auch nicht der Rede wert und die Drinks gibt’s anderswo genauso.
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