Datenbewusstsein
Um Informationen zu bekommen muss man Informationen geben. Das ist bei einem simplen Gespräch unter vier Augen so und das ist im Netz (insbesondere im Social Web) nicht anders. Im Netz funktioniert das naturgemäß diffuser aber der Streuverlust wird durch die größere Reichweite mehr als wettgemacht. Dennoch sollte man so gut es geht selbst bestimmen, welche Informationen in die Welt gelangen und in welchem Kontext das passiert. Die Welt und jeder einzelne wird gläserner und transparenter und diese Entwicklung ist unaufhaltbar. Sich dagegen zu wehren ist ein Kampf gegen Windmühlen, aber man kann dafür sorgen, dass die Entwicklung auf Augenhöhe passiert, dass manche nicht mehr Informationen bekommen als andere geben. Wie in einem persönlichen Gespräch auch, sollte der Datenaustausch ausgewogen sein. Daher diese kleinen Hinweise wie man die eigene Sendeleistung etwas in Grenzen hält: gegen das Gefühl mehr zu geben, als man eigentlich bekommt.
Dem Facebook ist es z.B. möglich auch Informationen zu sammeln, selbst wenn man sich gar nicht auf der Plattform selbst bewegt, sondern auf beliebigen Webseiten, die Facebookwidgets eingebunden haben. Wenn man eine solche Seite aufruft, erkennt dieses Widget diesen Besuch (wie normale Statistiktools auch). Ein Klick auf “mag ich” und die Kontakte wissen über den Besuch (bzw. vermeintliche Vorlieben) bescheid.
Datenschutzrechtlich ist das bedenklich, da ungefragt personenbezogene Daten gesammelt und mit dem eigenen Profil verknüpft werden und auch direkt das Land verlassen (Hamburg.de hat z.B. den “Like”-Button aus Datenschutzgründen entfernt). Der Punkt ist auch, dass es nur einen winzigen klick kostet und eine unter umständen ominöse Webseite produziert ein ungewolltes Statusupdate; was sich möglicherweise auch automatisieren lässt also ohne bewusste Bestätigung funktioniert. Eine Kontrolle über eigene Profilinformationen ist so praktisch nicht mehr möglich. Man kann die so gesammelten Informationen auch nicht abrufen, einsehen oder editieren oder gar wieder löschen.
Kurzum, persönliche Daten sind am sichersten, wenn sie erst gar nicht erhoben und (vorallem ohne eigenes Zutun) gespeichert werden und dazu gibt es einen schönen Helfer: die SocialMediaBlock-Filterliste für Adblock Plus.
Geblockt werden Social Media-Dienste, die durch externe Skripte und/oder Frames geladen werden. Es wird stets darauf geachtet, dass die Dienste selbst mit der Liste funktionieren (Facebook ist z. B. problemlos nutzbar, jegliche eingebettete Inhalte außerhalb Facebook werden jedoch geblockt). Zudem werden auch “Share”-Buttons auf großen/bekannten Seiten gefiltert. Nicht gefiltert werden Links (z. B. über Grafiken), die auf Profile oder Seiten einer Social Media-Seite verlinken.
Im Fall von Facebook sperrt diese Filterliste den Zugriff auf das API und unterbindet damit den Zugriff von Fremdapplikationen auf Facebook. Adblock gehört eh zu den Pflichterweiterungen für Firefox, sorgt es doch dafür, dass die meiste Werbung von den Webseiten verschwindet (man surft, als hätte der Kapitalismus nie das Web entdeckt) und diese spezielle Filterliste erweitert Adblock um die genannte Funktion und ist zudem den persönlichen Vorlieben anpassbar, falls man trotzdem z.B. Flattr nutzen möchte.
Für Chrome gibt es dazu das Facebook Disconnet Plugin, welches sich allerdings nur auf Facebook beschränkt.
Eine weitere sehr sinnvolle Erweiterung für Firefox ist HTTPS Everywhere. Sie sorgt dafür, dass beim Aufruf populärer Webdienste automatisch auf eine sichere https-Verbindung gewechselt wird und man nicht mehr für jeden belauschbar mit der Welt kommuniziert. Die behandelten Dienste funktionieren zum größten Teil uneingeschränkt weiter und man hat kaum Nachteile durch die gewonnene Sicherheit, allerding funktioniert z.B. bei Facebook mit https kein Chat mehr, aber chatten kann man mit Skype eh besser.
Wer noch mehr Kontrolle über in Webseiten eingebettete Skripte und ominöse Applikationen haben möchte, der sollte zu NoScript greifen. Diese Erweiterung sperrt erstmal komplett alle Inhalte die nichts mit der puren Darstellung von Text und Bild zu tun haben. Ein deutliches Plus an Kontrolle und Transparenz, allerdings verstümmelt diese Erweiterung sehr viele Webseiten (vorallem die ominösen) bis hin zur Unbenutzbarkeit und sollte nur von Leuten benutzt werden die normal wissen, was im Maschinenraum passiert.
Das sind nur einige wenige Dinge die man machen kann um die eigene Sendeleistung zu steuern. Wichtig ist, dass man wissen sollte was bei jedem einzelnen Klick im Netz und im Hintergrund passiert. Viele schimpfen auf die Netz- und Datenschutzkompetenz in der Politik. Das ist berechtigt, aber wer es den Leuten zu einfach macht Informationen zu sammeln, der darf sich nicht beschweren und die sogenannte Netzkompetenz fängt bei jedem einzelnen an.
Hinterlasse einen Kommentar 14. Dezember 2010







