Filed under: Nürnberg ist hässlich, das kann aber ganz schön sein

Nürnberg Streetart Juni und Juli 2011

Reizend

Eine Übersicht von Schnappschüssen die sich von März bis Mai auf dem Flickraccount angesammelt haben.

Streetart ist Nürnberg nicht sonderlich verbreitet. Viele Ecken kommen gänzlich ohne aus. Es ist auch kein Thema zu erkennen das sich durch die dennoch vorhandenen Arbeiten zieht. Etwas Politik hier, ein wenig Gentrifizierung da. Am ehesten sieht man noch klassische Graffitis oder hingestencilte Tags aber das ist alles weit weg von den kampagnenartigen Arbeiten die gerne mal ganze Viertel von Städten durchziehen und das Bild prägen bzw. etwas über die Straßen, die Häuser und ihre Bewohner erzählen. Allerdings haben wir es hier auch mit Sachbeschädigung zu tun, wenns keine Auftragsarbeiten sind, und es braucht auch einen gewissen inneren Antrieb um überhaupt erst mal raus zu gehen um die Sachen anzufertigen und nicht zuletzt brauchts auch etwas Kreativität bzw. ein Gespür für die Diskurse die gerade da sind. Und damit erzählt die Nürnberger (Nicht-)Streetart ja auch schon wieder etwas über die Straßen, die Häuser und ihre Bewohner.

Südstadt Playground IKSK - Streetlovers Spaceinvader Denk nach! Tu was! Duckyduck Cyborg Vorsicht Dachlawinen Dart a Nazi Reizend Hood ART Verteilerkastenaffe Gecko Schicker solles werden on off Skully AMOK Laserbot Vorstadtidylle

Die Fotos sind geogetagged. Ein Klick auf ein Bild führt zur Flickrseite des jeweiligen Bildes und dort findet sich auch eine Karte mit der genauen Location. Der Facebook-Account “Streetart Nürnberg” informiert übrigens auch über die kleinen Werke in den Strassen der Frankenmetropole.

Technik: HTC Desire HD mit Vignette (Retro/vintage styles app) bzw. manchmal auch mit der Canon EOS 1000D und dann etwas retrogefiltert.

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Nürnberg Streetart März bis Mai 2011

Letterwall
Eine Übersicht von Schnappschüssen die sich von März bis Mai auf dem Mobiltelefon bzw. auf dem Flickraccount angesammelt haben.
Kollegenherz Paperdroid Dianaffiti Bikolution Denken handeln verändern #1 Denken handeln verändern #2 Tiny ghost Fate Kunstverein bleibt
Die Fotos sind geogetagged. Ein Klick auf ein Bild führt zur Flickrseite des jeweiligen Bildes und dort findet sich auch eine Karte mit der genauen Location. Allerdings sind insbesondere die Papier- bzw. Cardboardsachen sehr flüchtig.

Technik: HTC Desire HD mit Vignette (Retro/vintage styles app)

4 Kommentare 2. Juli 2011

Vor der Rekonstruktion

Nürnberg war nicht immer hässlich, aber in der Vergangenheit führten Fehler in der Ideologie der Bewohner zum heutigen Stadtbild. Eine sehr krasse ideologische Verfehlung sorgte für die fast restlose Zerstörung der Stadt im Jahr 1945 und die nächste blöde Idee war, die Stadt mit den Mitteln und Ideen der Nachkriegszeit wieder so aufzubauen als wäre nix gewesen (Könnte man die NPD als Quasinachfolger der NSDAP nicht mal für die architektonischen Fehlleistungen haftbar machen?). Ein Schicksal das aber auch andere deutsche Städte teilen, wenn auch nicht alle.

Richtig traurig wird’s dann, wenn man Fotos von vor der Zerstörung sieht und eben solche sind letztens bei Flickr aufgetaucht. Ein Fotoset von 21 Bildern aus oder von einem Souvenirfotoalbum. Die meisten Bilder davon aus einer Zeit, als die Altstadt noch intakt war, aber auch einige, die die Zerstörung zeigen. Das Copyright liegt vermutlich beim Stojaverlag. Ich hoffe es ist in Ordnung, wenn ich ein paar der Bilder hier exemplarisch zeige.

Blick von der Burg auf die Altstadt Der Schöne Brunnen und die Frauenkirche Albrecht-Dürer-Platz mit Burg Blick auf den Hauptmarkt und die Burg

4 Kommentare 23. Juni 2011

Nürnberg Impressionen #11

Edition Nordstadt

Strassenschlucht

Ein paar Fotos aus der Nürnberger Nordstadt (Uhlandstraße, Maxfeld). Eine Gegend, die von der Bausubstanz her stellenweise recht vielversprechend aussieht. Es gibt vergleichsweise viel jugendstiligen Altbau, der besser in Schuss ist als z.B. in Gostenhof, gerade im westlichen Teil Richtung Friedrich-Ebert-Platz. Aber dann doch wieder trostlos erscheint, weils eine reine Wohngegend ist, mit einem homöopathischen Anteil an Bars, fancy Läden und anderen Aktivitätsmöglichkeiten (Ausnahmen bestätigen die Regel). Richtig gruselig wirds im östlichen Teil und Richtung Nordring. Dieser Teil hängt offensichtlich durch eine Raumzeitverschiebung in den 50er Jahren fest. Vielleicht ändert da die Revitalisierung vom Tuchergelände was dran, aber nur, wenn man sich nicht wie so oft “architektonisch an der Umgebung orientiert”.

Technik: Panasonic Lumix DMC-FZ28, die Fotos sind gecropped und farblich (leicht) nachbearbeitet.

2 Kommentare 15. Mai 2011

Neue Nürnberger Urbanität

Ein Text der in den Straßen von Nürnberg lange Zeit nachhallte war der Artikel “Geschmeidige Gangart – Demoskopen und Ökonomen haben die langweiligste Großstadt Deutschlands ermittelt: Nürnberg” (als PDF) aus dem SPIEGEL 31/1992. Der Autor dieses Blogs kam etwa 10 Jahre später in die Stadt und dennoch fing er an in fast genau demselben Ton mit denselben Beobachtungen zu schreiben und zwar unbeeinflusst von eben jenen Artikel, denn es mussten fast noch mal 10 Jahre vergeben bis der Autor Inhaltliche Kenntnis des Artikels erlangte.

Die Frage stellt sich nun, ob sich seit dem in Nürnberg irgendwas verändert hat. Vielleicht dazu ein kleines Beispiel. Zu Beginn des neuen Jahrtausends war es in Nürnberg auffällig leer auf den Straßen. Nicht nur fehlte (und nach wie vor fehlt) es an Kunst und Zierrat im öffentlichen Raum, überhaupt fiel die völlige Abwesenheit von Straßenkultur auf. Die Straßen waren, und sind es meist immer noch, auf ihre eigentliche Funktion als Wege reduziert. Bis heute gibt es in der Stadt keine Flaniermeile, geschweige denn einen Boulevard oder ähnliches. Also Orte die auf ihre Weise Eleganz oder Charme versprühen, Orte an denen man sich niederlässt um durch den Ort zu wirken, auf sich und auf andere, um die Wertigkeit des Ortes anzunehmen und um auch von anderen auf diese Weise wahrgenommen zu werden. Das alte Spiel von sehen und gesehen werden.
Der Spiegelartikel erklärt die Fränkische Seele als “selbstzweiflerisch, grüblerisch und nach innen gekehrt” und das spiegelte sich ganz offensichtlich in der Straßenkultur wider. Wer braucht schon ein schniekes Straßencafé, wenn man in der Nachkriegsbehausung vorm Fernseher sitzen kann?

Neue Nürnberger Urbanität 2

Mittlerweile kann man aber sonderbares in den Straßen der Stadt beobachten: kleine Tischgrüppchen sammeln sich vor den Bäckerstuben, Cafés, Restaurants, Bars und selbst vor Modeboutiquen als wäre es nie anders gewesen. Jede Eckkneipe hat Klapptische vor der Tür und selbst die Norma kommt nicht mehr ohne aus. Es scheint ein Bedürfnis nach Öffentlichkeit oder der beschrieben Straßenkultur zu herrschen. Schätzungsweise haben die Immigranten diese Lebensart nach Nürnberg geschleppt. Der fränkischen Mentalität wäre diese Art des urbanen Lebens nie entsprungen. Ich kann mich irren, aber der erste Stuhl auf einem Gehweg in Nürnberg stand bestimmt vor einem Obst- und Gemüseladen in Gostenhof. Kann auch sein, dass die Globalisierung mit ihren “McCafés” auch in der Frankenmetropole nicht haltgemacht hat (in der Globalisierung haben individuelle Kulturen nun mal zu leiden, warum soll es den Franken da anders gehen? Aber das führt zu weit jetzt).

Soweit, so gut. Nur gibt es da ein kleines peinliches Problemchen: Nürnberg wurde nie für ein öffentliches Leben gebaut. Die Architektur der Stadt funktioniert mit diesem Lebensstil nicht mehr. Die Straßen sind zu klein und zu eng, es gibt keine Plätze und es gibt vor allem keine einladenden Plätze (ja, es gibt den Tiergärtnertorplatz, aber der ist auch klein und eng). Selbst Neubauten werden in dem Stil der introvertierten Stadt geplant und errichtet. Der öffentliche Raum beschränkt sich meist auf drei-vier Meter Gehweg zwischen Fassade und zugeparkter und/oder befahrener Straße ohne Baumbestand und drum rum die ewig hässlichen eintönigen Fassaden die selbst einen üppigen Teil der Altstadt ausmachen. Und so kommt es dann, dass diese wenige Meter Gehweg die neue Nürnberger Urbanität definieren. Urbanes Flair auf fränkische Art.

Neue Nürnberger Urbanität 1

Und jetzt noch mal die Frage: Hat sich was seit 1992 verändert?

2 Kommentare 28. April 2011

Maximilianstraße

Nürnberg Maximilianstr

2 Kommentare 22. Dezember 2010


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