Filed under: Nürnberg ist hässlich, das kann aber ganz schön sein
Fotos vom Gelände des ehemaligen Quelle Möbelhauses im Bereich Fürther Straße / Adam-Klein-Straße in Nürnberg Gostenhof. Auf dem Areal soll nun der zentrale Softwareentwicklerstandort der DATEV mit ca. 1.800 Büroarbeitsplätzen zuzüglich Software-Testplätzen sowie 850 Pkw-Stellplätzen (Tiefgarage/Parkhaus) errichtet werden.
Technik: Canon EOS 550D 18-135mm f/3.5-5.6. Die Fotos sind teilweise gecropped.
9. April 2012
Es gibt dieses eine Foto von der Erde in ihrer vollen Fülle, aufgenommen während der Mondumkreisung von Apollo 8 im Jahr 1968. Man sieht die Erde als kleine blaue Kugel mitten im ewigen Nichts des Weltalls. Alle Grenzen, alle Konflikte, die Geschichte, alle Kunst, das ganze menschliche Dasein reduziert sich auf diesen fingernagelgroßen Punkt der sich im Raum verliert.
Um diese Wirkung mit Nürnberg zu erzielen muss man nicht zum Mond fliegen, es reicht ein bisschen aus der Stadt raus zu fahren. Man merkt wie das, womit sich die Stadt identifiziert schon nach wenigen Kilometern im Dunst verschwindet. Die Bratwürste (deswegen der Dunst?), die Geschichte, die weitläufige Nachkriegsbebauung, selbst die Burg ist nur mit etwas Mühe zu erkennen. Heraus sticht nur das aufgepiekste Ei (aka Fernsehturm) in mitten einer schmucklosen Betonpfütze die in einem beliebigen und auswechselbaren Acker zu liegen scheint.
Lustig, dass ich diese Bild erst jetzt mache. Ich kenne die Strecke durch den Vorort Stein hindurch nach Westen, bin ihn aber offenbar noch nie bei Tageslicht in Richtung Nürnberg gefahren, oder noch nie mit offenen Augen. Diese Ansicht ist mir optisch sehr neu. Gefühlsmäßig nicht so.
2. April 2012
Nachdem sich das betagte Atrium Kino zuletzt etwas bedeckt gegeben hat, ist es mittlerweile unverschleiert und frisch bepinselt zu sehen. Der Schriftzug blieb zum Glück erhalten, obgleich der ein oder andere retrochique Fassandenschmuck bislang nicht wieder zu sehen ist. Allerdings ist nicht zu erkennen, was mit dem Bau passieren soll. Er wirkt momentan in einer Ecke, die an ein Novosibirsk in den 70ern erinnert, eher als Fremdkörper. Und er wirkt nach wie vor wie ein Kino.
5. Januar 2012
Da ist er nun, der mehr oder weniger fertige Friedrich-Ebert-Platz. Wobei das Wort “Platz” in dem Namen den Ort nicht sonderlich korrekt beschreibt. Denn es gibt keinen Platz oder irgendeinen Freiraum an diesem Ort. Er ist eng und zugestellt und er ist so abgrundtief hässlich wie damals schon und pflegt damit eine Tradition der Stadt, in der schöne und einladende Plätze und öffentliche Räume praktisch nicht vorhanden sind. Man kann da wirklich bald ein Konzept hinter vermuten. Ein schöner Ort würde ja auffallen, und auffallen möchte man in Nürnberg eher nicht.
Die NZ gibt mit dem Artikel “Was lief falsch am Friedrich-Ebert-Platz?” etwas Einblick in die Wirren die zu Tage treten, wenn man versucht in Nürnberg Architektur und Stadtplanung zu machen.
18. Dezember 2011
Im Jahr 2008 schloss “das schönste Kino Nürnbergs“, das Atrium. “Ein Filmpalast aus der guten alten Kinozeit, komplett neu renoviert und mit modernster Licht- und Tontechnik für anspruchsvollen Filmgenuss in unwiderstehlich charmantem Ambiente” so stands geschrieben seinerzeit, aber der Tod des Filmvorführers (so munkelt man) brachte dem Kino ein jähes Ende. Im Jahr 2010 entstand dann das Foto des verfallenen Atriums. Der schön ranzige Charme war noch da, getragen vor allem durch den die ganze Fassade einehmenden Schriftzug. Auch davon ist gerade nicht mehr viel zu sehen. Scheinbar bekommt das Gebäude eine Farbsanierung, vielleicht um es attraktiv für eine weitere Nutzung zu machen? Wer weiss…
3. November 2011
Edition St. Leonhard / Schweinau
Es ist beängstigend, wie leer, bedrückend und lieblos ein Stadtteil sein kann. St. Leonhard ist eine dieser Ecken, in der man an einem Sonntag-Nachmittag durchläuft und nicht Halt macht. Nichts lädt einen ein oder schmeichelt die Sinne. Die Häuser liegen schmuck- und regungslos und verschlossen da. Es wirkt zwar aufgeräumt und auch irgendwie sauber, aber wenn das farbenfrohste eines Viertels der Friedhof ist, dann lässt das auf die Lebendigkeit des Rests schließen.
Dazu gesellen sich verlassene Fensterfronten von Orten, die wohl mal Geschäfte gewesen sind. Verblichene Poster aus den 80ern schmücken mit Mühe die staubigen Fenster. Graffitis finden sich praktisch nicht, von einigen motivationslos hingekritzelten Tags mal abgesehen. Nicht mal für Unfug reicht der Antrieb in dieser Ecke, so scheint es, für Gestaltung der eigenen Umgebung zeigt sich erst recht keine Energie.
An Autos wird jedoch nicht primär gespart. Der Fuhrpark des Viertels kann sich durchaus sehen lassen. Falls es Finanzen, Ideale und Interessen in St. Leonhard gibt, dann sind sie nicht für den eigenen Ort bestimmt, sondern dienen anderen Zwecken.
14. Oktober 2011