Filed under: Netzkultur

Mal testen: Flattr

Die Diskussion wie man denn nun im Internet mit Inhalten Geld verdienen kann ist fast so alt wie das Netz selber. Tauschbörsen z.B. stellten und stellen praktisch alles was irgendwie digitalisierbar ist kostenlos zur Verfügung. Man bezahlt gemeinhin nicht monetär, sondern mit der Freigabe der Inhalte seiner eigenen Sammlung. Das funktioniert gut, allerdings ist das Prinzip nicht auf die reale Welt übertragbar. Geld für Rechnungen kann so nicht erwirtschaftet werden und wird für Content Geld investiert kann eine Refinanzierung auch nicht statt finden. Bis der Kapitalismus abgeschafft ist muss also eine Alternative her und da bietet sich nun Flattr an. Seit dem Flop mit den Paypal Spenden-Buttons ist das die erste Idee, der ich ernsthaft was zutraue, da sie so einfach funktioniert wie die magich-Buttons auf Facebook.

Beim Micro-Payment-Service Flattr bezahlt der Nutzer monatlich einen frei wählbaren Abonnements-Betrag auf ein Konto ein. Die Medienanbieter platzieren auf ihrer Website einen flattr-Button, den der Nutzer anklicken kann, wenn ihm der Internet-Inhalt gefällt. Am Monatsende wird der Abonnements-Betrag des Nutzers gemäß seinen Klicks an die Medienanbieter verteilt.

Das Video erklärt den Rest:

Ich bin nun einer der Tester der Betaphase von Flattr und habe Buttons hier im Blog und dort drüben eingebunden. Da es noch kaum Nutzer gibt, verspreche ich mir noch nicht viel von der Aktion aber vielleicht wird das System so populär wie die allgegenwärtigen Facebook-magich-Knöpfe und spätestens dann wird’s ernsthaft interessant. Bis dahin wird flattr aufmerksam beobachtet.

Und du, lieber Leser, könntest dich zwischenzeitlich auch schon mal registrieren und eifrig drauflos flattern (vorzugsweise auf meinen Seiten! :). Wenn alles glatt läuft haben wir hier die Lösung für die Contentindustrie und die gesuchte Alternative zur Kulturflatrate.

Mehr Info und Hintergründe gibts z.B. hier oder dort.

Update 19.05.

Gute Contraargumente in den Kommentaren zu dem Text “Warum ich flattr doof finde” und insgesamt guter und nachdenklicher Text “Ich habe flattr schiss!“, der die Unausgereiftheit und Untiefen des Systems gut darlegt.

Habe die flattr-Funktion aus meinem Zweitblog wieder entfernt. Es dreht sich dort um freie Musik aus dem Netz und da macht ein Bezahlbutton einfach den falschen Eindruck. Hinzu kommt ein gravierender Nachteil von Flattr. Das System honoriert zurzeit nur pure Massentauglichkeit. Für Nischen ist kein Platz. Selbst wenn man ein paar Gönner hat müssen diese einen Monat lang mit ihren Flattrreien gut haushalten um den Lieblingsbeiträgen einen nennenswerten Betrag zukommen zu lassen. Das ist eine konzeptionelle Lücke, die mir nicht gefällt. Die pure Gleichschaltung meiner Klicks empfinde ich zunehmend als Nachteil.

Falls ich mich dazu entscheiden sollte, mein Flattrkonto nicht mehr aufzuladen, dann verschwinden die Buttons hier aus dem Blog auch automatisch. Man kann nur Geld einsammeln, wenn man selber welches ins System pumpt, was natürlich den Anreiz gibt, das Flattrkonto liquide zu halten. Man bezahlt quasi für den Button und damit finanziert sich auch der Dienst, über die kleine Provision bei den Geldtransfers.

Momentan machen sich die Gegenargumente breit, allerdings ist der Dienst auch noch alles andere als ausgereift. Mal weiter gucken.

Update 20.05.

Die Taz führ Flattr ein. Und das ist eine Größe bei der sich das System durchaus lohnen könnte. Man kann bei Flattr sein Konto mit maximal 20 € im Monat aufladen. Man kann aber beliebig viele Klicks ernten. Wenn man nur genug Leser mobilisiert hat man das zum verklicken ausgegebene Geld schnell wieder eingespielt. Wie gesagt, man braucht Masse, keine Klasse.

Update 01.06.

Auf vielen Blogs findet man mittlerweile die Flattr-Buttons, insbesondere auf den wichtigen und insbesondere auch auf Blogs die man sicherlich nicht anders als in Vollzeit betreiben kann, wie z.B. netzpolitik.org. Auch kam heute die erste Abrechnung. Bei mir war es ein Nullsummenspiel: ich habe 2€ verflattert und 1,48€ erflattert. Nun bin ich auch nicht der aktivste Blogger, sondern eher der Gelegenheitsblogger. Ich blogge nicht, weil ich muss, sondern weil ich es möchte wenn ich etwas Zeit habe. Und diesen Grundsatz sollte man auch bei der Verwendung von Flattr berücksichtigen. Wenn das Blog Lebensinhalt und dominierend im eigenen Alltag ist, dann mach Flattr Sinn, weil es sich zu einem Nebenerwerb entwickeln kann und die investierte Zeit monetär kompensieren kann.

Als Hobbyblogger sollte man eher drauf verzichten die Hand auf zuhalten. Das Standing zu haben etwas nicht für Geld zu tun ist mehr wert als die paar Kröten die ggf. über Flattr kommen.

Hinterlasse einen Kommentar 17. Mai 2010

re:publica 2010 hinterher

Puh, das wars schon wieder. Drei Tage Nerdtum in Reinform. Schales Licht allerorten von den kleinen Displays in die viele Augenpaare starrten, wenn denn mal Netz da war. Für eine Onlinekonferenz musste man auffällig oft aufs WLAN und auch auf eine Mobilfunkverbindung verzichten. Aber offline ging genug auf den ganzen Panels und Vorträgen.

re:publica 07

Am zweiten Tag war etwas Pause für mich. Der erste Tag war so voll, dass man etwas zurück schalten musste. War Zeit zum bloggen. Zu viel Zeit. Habe etwas den Beitrag zur Deep Packet Inspection zur Hälfte Verpasst. Die Technik hat meinen Arbeitgeber in der Vergangenheit medial etwas in Zugzwang gebracht. Und auf dem Vortrag “The politics of Deep Packet Inspection” wurde dann auch die Crux noch mal deutlich, von einer Technik mit der man zentral Inhalte im Netz kontrollieren und manipulieren kann, die aber auch wichtig ist um die Leistungsfähigkeit von moderner Infrastruktur zu gewährleisten. Eine mächtige Technik, die in falschen Händen gefährlich für eine Informationskultur ist jedoch auch per Gesetz in praktisch jedem Land vorgeschrieben ist.

Das Thema Sexismus im Netz klang vielversprechend, kam aber recht trocken und feministisch daher und nennt mich ruhig Macho, aber ich kann mich in die Problematik nicht rein denken. Wenns darum geht, dass Bloggerinnen in den Blogcharts nur in homöopathischen Dosen auftauchen, dann sollte man über Inhalte nachdenken und nicht über das Geschlecht, falls Charts überhaupt relevant sind. Bei Musik misst man mit Charts ja auch eher nur die Dämlichkeit einer Gesellschaft. Die Antwort auf die Frage habe ich verpasst, bin raus, und habe damit auch nen echten Shitstorm und Skandal verpasst. Auch schon wieder schade, wäre das Praxissemester für die Lobotheorien vom Vortag gewesen.

Interessant war auch ein kleiner Kritikpunkt an der re:publica der in der Presse aufkam, nämlich dass es etwas am Austausch mit der “Außenwelt” fehlt. Man ist fachlich und theoretisch teilweise arg weit vorne und das bringt Probleme bei der Vermittlung der Themen mit dem Rest der Bevölkerung mit sich, ein bilateraler Diskurs wäre sicherlich hilfreich. Z.B. am eher oberflächlichen Panel “Wenn Prada Pakete schickt” ging es um Werbegeschenke und die dadurch hervorgerufene Manipulation von Berichterstattung (in diesem Fall bei Modeblogs). Mir  ist in meinen langen Jahren in der Arbeitswelt seit jeher verboten, Werbegeschenke ab einem gewissen Wert anzunehmen. Es gilt die Korruption zu vermeiden. Auf dem Panel schien so eine Idee jedoch eine echte Innovation zu sein. Lustig, die gute alte deutsche Industrie kann den hippen Bloggern durchaus was beibringen. Auf der anderen Seite hat man hier auch nicht ganz unrecht. Konferenzen sind nun mal für Fachleute da. Wo man auch hinschaut, überall offene Diskurse.

Naja, futtern, email, schlafen gehen.

Zu spät wieder munter geworden und den wohl großartigen Vortrag von Götz W. Werner so gut wie verpasst. Ging ums bedingungslose Grundeinkommen und die Chancen die dadurch entstehen. Habs nur bei Twitter verfolgt. Den Vortrag kann man noch mal nachgucken.
Nadenn schnell rüber zur Googlewerbeshow und mal geschaut, was es so an Kollaborationswerkzeugen gibt, Google Docs, Google Wave usw. alles ganz nett, aber nichts von Bedeutung.

Der nächste Knüller kam dann mit Miriam Meckel und ihrem sehr fundiertem und einleuchtenden Beitrag “This object cannot be liked“, über die Grenzen menschlichen Ermessens und das Ermessen menschlicher Grenzen. Sie spannten einen Bogen von einer Facebookgeburtstagstorte über das iPad bis hin zum Ende der Welt. Großartig! Aber warum? Hab mittlerweile versucht mehreren Menschen den Inhalt zu erkären. War mir nicht mehr möglich. Habs wohl nicht verstanden.

re:publica 08

Kurz noch die Nase in den Vortrag über den Obamawahlkampf gehalten, wurde aber etwas in Zeitlupe vorgetragen im Vergleich zur Miriam Meckel und thematisch war da auch nix neues mehr dabei. Außerdem hatte ich Hunger.

Mit einem Ohr nur beim Leistungsschutzrecht gewesen. Not my business, war aber gut besucht das Panel und sicherlich auch ein heißes Thema. Richtig spannend wurde es dann beim hacken von Medien. Kommunikationsguerilla deluxe, die besten Hacks der letzen Zeit wurden präsentiert und auch die Hintergründe. Toll, ich steh ja auf David-gegen-Goliath-Kriege wo am Ende das gute Gewinnt. Schwer begeistert, auch von der kleinen Aktion die initiiert wurde.

Schnell weiter zu den Einsichten in 10 Jahre Heise-Foren-Moderation. Dachte es geht um Trollwars und freute mich schon auf eine Ergänzung an den Shitstormvortrag vom Lobo vom ersten Tag, ging aber tatsächlich um die rechtlichen Hürden beim Betrieb eines Forums. Recht trocken, aber auch sehr interessant wie schnell man vorm Kadi stehen kann. Forummoderator bei Heise ist ein Knochenjob.

re:publica 09

Ok, rüber zu den Memen. Hab mich schon gefreut auf den ganzen unglaublichen Schleiß der sich im Netz die ganzen Jahre so entwickelt hat, aber Pustekuchen. Sehr lahme und unwitzige Präsentation die mir erklären wollte, wie Tradition entsteht. Keine Zeit für sowas, schon gar nicht wenn es neben an um die Freiheit im Netz geht, Diskussion, pro und contra. Sollte man ein Netz reglementieren oder soll alles frei sein? @plomlompom und Moderator @mspro diskutierten interessant fundiert über Grenzen der Freiheit im Internet, @baranek kam nicht richtig in Gang und bekam fette Breitseiten, konnte dann aber später mit Sozithemen punkten. Am Ende hitzige Diskussionen auch mit dem Publikum, aber wie so oft keine Antworten, nur die Aussicht, dass noch viel vor uns liegt bei der Besiedelung des achten Kontinentes.
Dann wars schon wieder rum und die Augen leuchteten die Augen ob der ganzen Diskurse und Denkanstöße die es gab. Gerne wieder und gerne mehr.

Die Party am Ende war den Twittermeldungennach auch super und Zoe.Leela hätte ich auch gerne live gesehen, aber Werksspionage bei den Weinereien in Berlin war auf dem Plan. Die Keimzellen der Weinerei in Nürnberg wurden undercover begutachtet, aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andern mal erzählt werden.

re:publica 10

Hinterlasse einen Kommentar 19. April 2010

re:publica 2010 bisher

Puh, erster Tag. Ich kann die Eindrücke nur stakkatoartig wiedergeben. Ist meine erste re:publica und ich habe mich unvorbereitet ins Getümmel gestürzt. Habe zur vollen Stunde immer auf die Vortragsübersicht geschaut und dann spontan entschieden wo es hin geht. Entsprechend diffus und inhomogen sind die gesammelten Erfahrungen. Sehr facettenreiche Veranstaltung, indeed.

re:publica 01

Los gings mit der besinnlich philosophischen Eröffnungsrede von Peter Glaser. Wusste nicht, dass er Rollstuhlfahrer ist. Das Reallife hat manchmal doch Überraschungen parat. Perfekter Einstieg jedenfalls um Technikeuphorie erstmal etwas zu erden bevor es dann in die Fachvorträge ging.

Weiter zum Google Buzz Vortrag in einen Keller ohne funktionierendem WLAN und ohne Mobilfunkverbindung. Sinnloses Unterfangen, habe Buzz eh erstmal auf Halde gelegt und hat sich auch nicht grundlegend geändert.

Während offensichtlich alle Twitterer drüben bei Jeff Jarvis feierten, steckte ich in der eher trockenen Veranstaltung zur Staatlichkeit und Internet. Beängstigendes Thema rund um globale und territoriale Interessen vs. das freie Internet. Ein Vortrag der zeigte, dass die großen Hürden alle noch vor uns liegen. Ein Gefühl, dass sich noch öfter auf der re:publica einstellen sollte.

re:publica 02 iPad

Deftige Themen für den Anfang. Abwechslung musste her. Die kam dann in der Mittagspause in Form eines frisch importierten iPads. Schmuckes Gerät, könnte mein erster Apple werden, aber weiter.

Zur Entspannung gings in den Workshop über Modefotografie auf der Straße, äußerst charmant präsentiert von Stil in Berlin. Weiss jetzt, wie man perfekt Leute fotografiert, kann es nur noch nicht.

Bin direkt im Raum sitzen geblieben und es lohnte sich abermals, denn was Kathrin Passig mit trockenem Witz über die Arten und Weisen wie man Leuten nichts beibringt referierte sollte Inhalt eines jeden Informatikstudiums sein. Leuchtende Augen bei denen, den schon mal von Nerds die Ohren abgekaut wurden.

re:publica 03

Die erste richtige Enttäuschung kam postwendend. Ein Vortrag über Blogs und wie man damit Geld verdient von Sascha Pallenberg. Möchte ich nicht weiter verlinken. Es ging primär darum, wie Herr Pallenberg sein Geld mit seinem Blog verdient und wie geil sich das anfühlen muss, dass er mehr mit seinem Blog verdient als alle anderen anwesenden Blogger zusammen. Klassischer didaktischer Fehlzünder. Schwach, aber außer mir blieben die meisten bis zum Schluss.

Da Geld offensichtlich blöd macht musste es nun wieder zu den Theoretikern gehen und da kam der smarte Plomlompom mit seinen Identity Wars gerade richtig. Ein Vortrag mit der Dichte eines schwarzen Lochs. Schwierig die Theorie zusammenzufassen. Klang aber logisch und ich sag mal so: ich fühle mich bestärkt meine Identitäten im Netz auszuleben, da die herkömmlichen Methoden genau so virtuell aber stärker reglementiert sind. Aber vielleicht ändert sich das auch bald wieder, siehe den Vortrag über Staatlichkeit und Internet. Da war es wieder, dieses Gefühl, dass die ganze Zivilisation gerade im Umbruch ist.

re:publica 04

Puh, also wieder Entspannung: gab klasse Kurzfilme und ich blieb dann erst mal hocken im Friedrichsstadtpalast, denn wenn es um Sex geht, kann man ja nicht aufmerksam genug sein. Melissa Gira Grant referierte dann auch aus Sicht einer sexuell aktiven Frau im Netz über die aktuellen Zustände und Diskurse und Widersprüche. Der Knüller kam mit der Vorführung von Chatroulette vor 2000 Leuten… aber seht selbst.

Mit wirklich guter Laune ging es dann direkt über zu Sascha Lobo und seinem Referat über das Überleben in einem “Shitstorm”. Ich hatte ihn bisher nie live gesehen und man mag über ihn denken was man will, aber er hat unbestrittene Qualitäten und ein charmantes Checkertum. Ich bin froh, dass wir ihn haben. Der gnadenlos überzogene Vortrag (zeitlich sowie inhaltlich) blieb hängen wie sonst nichts. Ich freu mich auf den nächsten Trollwar.

re:publica 05

Dann noch Twitterlesung. Bin ich Nerd, weil ich die Hälfte der vorgetragenen Tweets schon kannte?

Dann Bier, kurz schlafen, surfen, Frühstück.

Vortrag über Community Banking und Geldgeschäfte im Web2. Bin vorsichtig, da bei dem Thema alle immer mein Bestes wollen, nämlich mein Geld. Bin trotzdem halbwegs angetan von dem Konzept der Fidor Bank, obwohl ich dachte, dass der Vortrag eher Richtung Smava geht.

Laut Plan laufen gerade den halben Tag lang Vorträge über Netzneutralität. Habe mich entschieden kurz zu pausieren um etwas zu resümieren. Viel Input, hoffentlich platze ich nicht.

<object width=”640″ height=”505″><param name=”movie” value=”http://www.youtube.com/v/nfbMBfKDSPY&hl=de_DE&fs=1&color1=0xe1600f&color2=0xfebd01″></param><param name=”allowFullScreen” value=”true”></param><param name=”allowscriptaccess” value=”always”></param><embed src=”http://www.youtube.com/v/nfbMBfKDSPY&hl=de_DE&fs=1&color1=0xe1600f&color2=0xfebd01″ type=”application/x-shockwave-flash” allowscriptaccess=”always” allowfullscreen=”true” width=”640″ height=”505″></embed></object>

2 Kommentare 15. April 2010

Gedanken zur Netzkultur

Auf der einen Seite das Killerargument, warum man Details aus dem Privatleben in die Öffentlichkeit trägt die eigentlich unter das Datenschutzgesetz fallen, zum anderen der Hintergedanke, dass natürlich die Welt keine Ahnung hat was man eigentlich tut, wenn man ihr davon nicht erzählt. Außerdem muss man ja ins Internet wenn das lokale persönliche Umfeld Meinungen, Informationen und Aufmerksamkeit nur unzureichend bereit hält.

Vor 10 Jahren war es doch auch schon nicht anders. Fragen, Ideen, Anregungen und Aufmerksamkeit zu allen möglichen Themen wurden im Internet, in Foren und den damals noch populären Mailinglisten bzw. Newsgroups diskutiert/besorgt/bearbeitet. Mit ein paar Handgriffen hatte man schon damals viel Persönliches über einen Menschen erfahren. Schmeißt man heute die Suchmaschine an sind noch viele der Sachen von damals zu finden, gespeichert an den unmöglichsten Plätzen im Netz. Fast schon unheimlich was da alles wieder zu Tage kommt. Auf der anderen Seite natürlich auch eine Auszeichnung und am Ende der Beweiß, dass man sich schon recht zeitig mit einem Medium auseinandergesetzt hat, in ihm geschwommen ist, es gestaltet hat, dass mittlerweile zur Mutter aller Medien geworden ist. Early-Adopter, ole!

Der Nachteil heutzutage ist, dass sich praktisch jeder unangenehme Mitmensch über jeden informieren kann. Personensuchmaschinen und populäre Netzwerke nehmen jedem Amateur die Recherchearbeit ab und Kontextualisierung findend so sicherlich gar nicht mehr statt. Man wirkt gläsern obwohl man es gar nicht ist. Damals war alleine der Zugang ins Netz schon eine Hürde, für Amateure erst recht, der Zugang zu speziellen Foren oder Szenen für den Ottonormalbürger gar unmöglich. Man war im Internet auch schon wieder für sich und in seinem Personenkreis. Heute stöbert sogar Mutti auf der eigenen Homepage und das komische Gefühl, dass gerade das Kinderzimmer von ihr durchsucht wurde kommt wieder hoch.

Der Schritt sich aus Communities zurückzuziehen ist wohl nicht der richtige und eher mit Kopf-in-den-Sand-Stecken zu vergleichen. Wenns dumm kommt stellen andere den Content über einen ein, oder fast noch schlimmer: gar keiner machts. Kein Treffer in irgend einer Suchmaschine zeugt von mangelnder Relevanz. Das Argument, dass sich die Besitzer einer Community oder eines Dienstes an dem Content bereichern ist auch alt. Eine Community ist nun mal so viel Wert wie ihr Content und wird auch erst über selbigen interessant. Frau Bunz bringt einen ganz anderen Aspekt ein, denn die gesellschaftlichen Kreise verschwimmen. Arbeits- und Privatleben verschwimmen. Was sich komisch anfühlt ist die einzig logische Konsequenz. Man hat nur ein Leben, warum eigentlich Grenzen innerhalb dieses Kosmoses ziehen? Eine Umgewöhnung setzt ein. Gesellschaftliche Normen werden auf den Prüfstand gestellt und Kulturpessimismus dabei ist kein guter Ratgeber, Menschenverstand ist wie immer besser.
Schlimm ist, dass es unangenehmer geworden ist Informationen ins Internet zu stellen, weil der Missbrauch gefühlt ansteigt und durch den Charakter des Massenmediums wurde der Anspruch gesenkt. Dabei ist das Internet doch erst zu dem geworden was es ist, weil Leute Informationen – auch persönliche – eingestellt haben. Das sollte man jetzt nicht einfach abschaffen oder sich verschließen. Man bräuchte vielmehr einen Marcel Reich-Ranicki fürs Internet um zu zeigen wo der Maßstab ist.

Hinterlasse einen Kommentar 17. Februar 2009

Kenne zu viele Leute

Gerade Obama bei Flickr als Kontakt hinzugefügt

2 Kommentare 8. November 2008

myspace my ass

Natürlich kann man die Augen vor dem stetigen gesellschaftlichen Wandel nicht verschließen. Der Underground spielt sich heutzutage einfach nicht mehr in zugetagten Hinterhöfen und alten Fabrikhallen ab, sondern auf myspace und wer dagegen ist, der ist draußen, einfach nicht mit dabei. Man kann nicht mal dagegen protestieren, denn wie soll man ohne myspace-Profil gegen myspace sein? Man wird doch schlicht nicht gehört.
Aber solche Gedanken sind 2007 und ich habe mich gebeugt. Unter www.myspace.com/inanace_digitaljockey hat mein DJ Alter Ego nun sein Profil und jeder darf sein Freund sein. Ich habe bald wieder Einblick in die Szene und dann wieder wirklich ein Gefühl dafür, wo der Hase läuft. Längst vergessene Netzbekanntschaften werden wieder auftauchen und alles wird so sein wie früher, zu guten alten Netz-, und Chatterzeiten. So weit die Theorie. Doch noch existiert die betagte Seite www.inanace.de mit all der schönen alten Musik und das wird sich so schnell nicht ändern, denn diese Seite gehört mir, mir ganz alleine und ich habe die volle Kontrolle. Myspace hat Haken, die mich nach wie vor zweifeln lassen. Es sieht nun mal verdammt scheisse aus. Selbst mit guten Webdesignkenntnissen hat man auch kaum eine Chance da groß was zu ändern, denn ein weiterer Haken kommt dazu: myspace bedient sich wie ein russisches Atomkraftwerk. Auch wenn es für einen Webdienst erstaunlich viele Freiheiten in der Gestaltung gibt, so bringt einem das alles nichts, weil myspace dann doch ein undurchsichtiges Eigenleben hat und an machen Stellen wieder recht restriktiv ist. Selbst an so einfachen Sachen wie Einstellen der Schriftgröße bin ich verzweifelt. Wie soll man sich denn im Netz ordentlich präsentieren, wenn einem durch myspace beide Hände auf den Rücken gebunden werden? Jeder Billigproviderhomepagebaukasten bringt bessere Ergebnisse zustande als dieser olle Profileditor des Murdoch-Imperiums.
Also ich könnt kotzen, schon weil ich nun trotzdem ein Profil habe, aber es wird immer Stiefkind bleiben.

3 Kommentare 4. Januar 2008


Shots

Shanghai 23 Helsinki Bushaltestelle Porvoo Park Plärrer urbanized Die Eisdiele Abendstimmung

Kategorien

Flattr


Ich benutze Flattr um Seiten im Netz bei extremer Begeisterung etwas Geld zu hinterlassen. Du kannst mir auch etwas monetäre Anerkennung schenken. Dieser Flattr-Knopf zählt für das Gesamtwerkt "Sugar Ray Banister". Ich verzichte darauf, alle Posts (auch uralte) separat mit dem Knopf auszustatten.

Twitterambivalenz

TwitPics

Letzte Bemerkungen

Service

SRB Newsletter abonnieren! Eine E-Mail mit dem jeweils aktuellen Beitrag wird am Tag der Veröffentlichung automatisch zum Abendessen zugestellt. (spamfrei!)

Schlagwörter

abriss Aktion alternativ altstadt ausstellung bausünde beobachtung berlin bier charme einschätzung elektronisch entspannung erfahrung event fabrik flyer foto franken fürth graffiti humor internet interview kritik kultur kunst leben lesung linktipp linz milchhof Musik münchen nürnberg party reisebericht retro stadt sticker streetart urban exploration verfall weinerei wohnungen