
Leute mit Fernweh werden vielleicht Interesse an einer kleinen Ausstellung in der Weinerei haben. Den ganzen September lang zeigen eine erlesene Auswahl von Weinerei-Leuten eine erlesene Auswahl ihrer schönen, hässlichen, interessanten, skurrilen, persönlichen, bunten, tollen und komischen Fotos aus aller Welt in den Ausstellungsräumen des weinhaltigen Kulturwohnzimmers.
Leser dieses Blogs werden Fotos aus Helsinki und Shanghai wiedererkennen, aber der Exklusivität halber wurde noch mal gekramt und bisher unveröffentlichtes nachgelegt.
Ein kurzer Kommentar
Es ist verdammt noch mal schwierig mit einer Hand voll Bilder auch nur einen Augenblick in einer Stadt zu beschreiben. Eine Reise zeichnet sich nicht nur durch die Dinge aus, die man sieht oder entdeckt, sondern im Grunde noch viel mehr durch die Empfindungen die dabei aufkommen. Ich hoffe mit meiner Auswahl den Spirit von Helsinki und Shanghai zu reproduzieren. Es sind wirklich nicht viele Fotos, nur kleine Augenblicke die man an den Orten erleben kann und die einen für einen kleinen Moment fesseln. Alles andere wäre einer Dokumentation gleichgekommen und das soll es nicht sein, denn Reisen sind individuell und nicht wissenschaftlich.
Viel Spaß mit der Ausstellung!
2. September 2010
Eine verspielte Art des Reisens, die das Geschehen weitgehend dem Zufall überlässt. Mit Sugar Ray Banister, Urmel und Don Luka, frei nach Joel Henry.
Ein Gastbeitrag von: Urmel
Samstag, 6. März 2010
Wir beginnen im Wanderer (bzw. Bieramt, Beim Tiergärtnertor 6), weil wir eigentlich immer im Wanderer beginnen und weil wir außerdem Lust haben auf altes Gemäuer, heimelige Atmosphäre und diese wirklich leckeren Schmalzbrote. Der Sugar Ray trinkt ein Krugbier, die Urmel probiert sich an einem Bamberger Spezial Rauchbier und erhebt dies sogleich auf einen Thron in ihrer Lieblingsgetränkliste. Doch egal ob Krug oder Glas, beides hält nicht ewig vor. Wir fragen den Barkeeper um Rat. Stefan, was ist deine Lieblingskneipe in Nürnberg? Und was trinkst du da? Stefan hat entschieden. Auf geht’s zum
Gregor Samsa (Maxfeldstr. 79), das uns nicht unbekannt ist, also finden wir es trotz der verwinkelten Gasse schnell wieder. Don Luka sammeln wir noch auf dem Weg ein. An den Wänden und Decken großformatiger Expressionismus auf Holz und Leinwand, an den Tischen vor allem Männer über 40, die entweder tatsächlich Künstler sind oder zumindest intellektuell aussehen. Für ein Gulasch reicht die Zeit nicht, schließlich geht es hier um die Getränke. Die anderen Gäste erfahren von unserer Mission und verkünden begeistert, dass sie sich unserer Bewegung anschließen werden. Der Auftrag lautet auf Kellerbier, doch das gibt es heute nicht mal unter der Theke. So bestellen wir irgendwas und folgen unverzüglich der Weisung des Barkeepers
ins Kloster (Obere Wörthstr. 19). Dieser Laden fällt eindeutig unter die Legenden in Nürnberg. Sakrale Elemente und Devotionalien über der Tür und den Plüschsofas mögen auf ein Gothic-Nest hinweisen, aber weit gefehlt. Meist gibt’s irgendwas mit Gitarren auf die Ohren, und das gerade laut genug um sich nicht unterhalten zu müssen sondern sich – wie in unserem Fall – dem verordneten Wodka Lemon hinzugeben und Verhaltensbeobachtungen bei den anderen Gästen anzustellen. Diese gehören sicher auch zu den Legenden in Nürnberg. Oder so. Egal. Schluss für heute.
Donnerstag, 18. März 2010
Fortsetzung wie von der Kloster-Barfrau befohlen im Druid (Weißgerbergasse 18), das sich authentic traditional Irish pub nennt (bei Gelegenheit werden wir einen echten Iren fragen), der Barkeeper weiß aber definitiv mehr über Russland. Seine Guiness dauern lang genug um richtig durstig zu werden und wir werden in der Zwischenzeit irgendwie melancholisch und trinken auf die wahre Freundschaft. Es ist nett, aber leer, die wahren Iren erholen sich vermutlich noch vom St. Patrick’s Day am Tag zuvor. Der sympathische Russe behauptet dass er jeden Tag im Druid ist und ansonsten überhaupt nie weggeht. Also müssen wir auf den Schichtwechsel warten und werden von der Ablösung dafür einfach nur über die Straße geschickt.
Gegenüber befindet sich die Mata Hari Bar (Weißgerbergasse 31). Wenn man mal reinkommt, dann so schnell nicht wieder raus, was an der ölsardinenartigen Gästeanordnung liegt. Die geschätzten 35qm Gastraum werden mit 20qm fast vollständig von der Bar eingenommen. Das bedeutet: Das Barpersonal hat massig Beinfreiheit, die Gäste dagegen müssen kuscheln. Ob das jetzt gut oder schlecht ist hängt vom Nebenmann/-frau ab, in unserem Fall (wir erinnern uns an die wahre Freundschaft) ist es optimal. Gin Tonic macht richtig gute Laune und wir wippen zu Mata’s Indie-Rundumschlag. Voller Zuversicht beschließen wir, dass diese Fortsetzungs-Kneipentour erst dann endet, wenn uns irgendjemand in die Weinerei (Heimatkneipe der Protagonisten, Anm. d. Red.) schickt. Die Mixer an der Theke bescheren uns aber noch einen Umweg: Sie würden in jedem Fall in die Prinzenbar gehen und Weinschorle trinken.
Regel ist Regel – wir fügen uns und gehen in die Karl-Grillenberger-Str. 36, Sieht wenig glamourös aus von außen, was an dem alten “Gaststätte Noris” Schild im Eckkneipen-Charme liegen mag, welches anscheinend anhand fehlender Baugenehmigung momentan noch nicht ausgetauscht werden kann. Weitere Erkenntnisse zur Prinzenbar: 1. Weinschorle auf Gin Tonic geht gar nicht, 2. Einrichtung ist nicht ungeschmackvoll, legendär aber was anderes und 3. haben wir irgendwo auf dieser Kneipentour anscheinend die richtige Abzweigung verpasst. Von hier aus wird’s nicht besser, so viel sei schon verraten. Nächstes Mal erwartet uns: The dark night of the project. Da muss man durch.
5. April 2010
Kurzes Statusupdate in eigener Sache. Diese Blog dümpelt gerade etwas vor sich hin. Liegt zum einen an der zum Glück gerade vorbei gehenden kalten Jahreszeit und grundsätzlich an mangelnder Zeit. Auch hat sich das Nürnbergbashing etwas überholt. Nicht dass es an Nürnberg nichts mehr zu bashen gäbe, aber andere machen das auch und zudem qualifizierter.
Einige Ideen gehen durch den Kopf, denn aufgeben möchte ich diese Plattform nicht. Zum einen werde ich die Kamera nicht aus der Hand legen und nicht zuletzt ist dieses Blog eine schöne Dokumentation über meine Zeit in der Stadt.
Gut möglich, dass ich andere Autoren mit aufnehme, die thematisch Artverwandtes zum Besten geben. So ein zwei Interessenten gibt es da schon. Muss aber noch etwas reifen. Aber Änderungen wird es geben. Stillstand ist Rückschritt.
24. März 2010
Nürnberg ist nicht nur von aussen hässlich, sondern manchmal auch von innnen. Ganz innen. In den Köpfen. Schreibtischtäterschafttheaterstück deluxe gerade unweit vom HBF:
“Diehl produziert Streumunition” – eine Feststellung, die der Nürnberger Rüstungskonzern einem Journalisten gerichtlich verbieten lassen will. Es geht um Diehls “Smart 155″.
Jeden Tag eine gute Tat, bzw. etwas Aktivismus. Danke an den Streisand-Effekt.
2. März 2009
Eigentlich ein alter Hut, aber nun wiederentdeckt. Kunst zum leihen. Möbelhäuser sind ja keine Option und gleich wieder 3-4stellige Beträge für was ausgeben, was entweder schnell an Wert und Bedeutung verliert oder einem einfach später nicht mehr gefällt sind für den Gelegenheitsrezipienten auch nicht gerade die Ideallösung.
Was liegt da näher als sich einfach alle paar Monate neue Bilder in die Butze zu holen. Mit Büchern oder Filmen macht man es ja auch nicht anders. Ist zudem spottbillig (DVD gucken kostet deutlich mehr) und komplett mit ordentlicher Berahmung. Und wenn die Werke einem nach der Zeit immer noch gefallen kann man sie ja immer noch kaufen. Mehr hier. Und beim wuseln in der Artothek gleich mal das K4 wiederentdecken, das mausert sich.
22. Januar 2009
Der Sugar Ray pendelt ja zwischen den Welten. Er ist in der Kantine in München genau so zu Hause wie in der Kantine in Nürnberg. Historisch und durch den Einstellungsort bedingt sind die Stunden die bisher in der Franken Kantine zugebracht wurden natürlich viel zahlreicher als die in München auch wenn das Essen in der dortigen Kantine eine ganze Liga besser ist als der fleischlastige Pampf den es hier gibt, aber das ist eine andere Geschichte.
Auffällig ist, dass es in München öfter mal vorkommt, das Menschen mit ihren Tabletts zusammenstoßen und eine Sauerei machen. Natürlich ist das kein großer Aufhänger und bei dem Gedränge und der knappen Zeit zur Mittagespause mehr als verständlich. Dagegen ist es mir hier in Nürnberg noch nie aufgefallen, dass irgendwer sein Tablett runtergeschissen hat oder mit wem zusammengestoßen ist. Eine Erklärung musste her und das Thema wurde in einer Pause dann zur Sprache gebracht.
Vorschläge wie „in der großen Stadt ist alles viel stressiger und hektischer als hier am Dorf“ oder „das ist die fränkische Gemütlichkeit“ wollten nicht so recht greifen bis dann die (urfränkische) Kollegin mit der einleuchtenden Erklärung kam: „In Franken hat man gelernt, sich aus dem Weg zu gehen!“
8. Dezember 2008