Alles ausser Nürnberg

20. April 2013

Bamberg Exkursion

Bamberg ist jetzt das zweite UNESCO Weltkulturerbe innerhalb kurzer Zeit hier im Blog. Eine ungewöhnliche Häufung. Und nicht nur das; dieses hier ist auch tendenziell ähnlich mit Graffiti und Streetart durchsetzt wie die Völklinger Hütte. Würde man kaum vermuten bei einem so erzkatholisch geprägten Städtchen wie Bamberg. Aber die hohe Studentendichte sorgt offenbar dafür, dass es eine gesunde Portion Rebellion im Stadtbild gibt.

Bamberg Exkursion 15 - SugarRayBanister

Die weiter unten folgenden Fotos sind im Rahmen eines Fotowalks entstanden. Die Idee war, das touristisch komplett erschlossene Städtchen „von hinten“ zu erkunden. Zwar schon innerstädtisch, aber dennoch weg von den Touristenpfaden. So gut das halt geht in einem touristischen Ort. Zwei befreundete Bambergerinnen wurden engagiert eine kleine Gruppe an Leuten durch ihr mehr oder weniger alltägliches Bamberg zu führen.

Was in Bamberg sofort auffällt sind die vielen Leichen in den Straßen. Als aufgeklärter Mitteleuropäer mit wenig Interesse an Geschichte kann ich den folgenden Umstand nicht anders interpretieren. Denn da kommt man wirklich auf die Idee, tote, halbnackte, an Holz genagelte Männer gut sichtbar und schmückend im kompletten Stadtbild zu verteilen. Eine bizarre Szenerie, die offenbar kaum jemanden stört. Ich kam mir jedenfalls etwas vor wie in einem Zombiefilm.

Bamberg Exkursion 01 - SugarRayBanister

Geschichtliche bzw. religiöse Traditionen leben in Bamberg offenbar recht nah an der zeitgenössischen Realität. Zu sehen ist das vielleicht nicht so direkt, aber das schöne bei Touren mit einheimischen Guides sind nicht nur die kleinen Geheimtipps, sondern auch die Stories aus dem Alltag. Und Alltag ist kein Spaß in Bamberg, insbesondere nicht für hübsche Studentinnen. So war z.B. zu vernehmen, dass der Pöbel auf der Straße gerne mal maßregelnd zur Wortkeule greift, wenn der Rock zu kurz ist, das Kleid zu bunt, der Mund zu offen oder die Gerüchte vom letzten Wochenende zu obszön. Auch werden krasse Verstöße gegen Recht und Ordnung, wie das unerlaubte Überqueren einer Straße bei rotem Ampellicht, mit verbaler lebendiger Häutung geahndet. Solche Geschichtchen passen wunderbar in mein Bild einer katholischen Enklave.

Es ist natürlich nie gut sich als Tourist zu outen. Wo auch immer. Mit einer dicken Kamera vorm Bauch konnte man aber den Eindruck, ein Tourist zu sein, an diesem Tag nur schwer unvermittelt lassen. Und so kam es dann wirklich zu der Situation von Anfeindungen am helllichten Tag. Mitten auf einem verkehrsberuhigten Weg in unmittelbarer Ufernähe mussten wir uns von einem älteren Autofahrer beschimpfen lassen, der Verzögerungen bei seiner Reisetätigkeit nicht hinnehmen wollte. Wir stünden im Weg. Eine weitere Passantin schaltete sich geistesgegenwärtig ein und gab uns zu verstehen, dass man als Tourist auch in Bamberg nicht alles dürfe, vor allem nicht dort sein. An Touristenfeindlichkeit kann Bamberg locker mit Berlin mithalten.

Aber Bamberg hat auch schöne Ecken. Wir haben es hier in der Tat mit einem Städtchen mit Flair zu tun. Es drücken sich leicht Tränen in die Augen wenn man sich vorstellt, wie Nürnberg heute aussehen könnte, wäre das Stadtbild nicht kriegerischen Aggressionen und geschmacklosem Wiederaufbau ausgesetzt gewesen. Selbst abseits der Touristenpfade zeigt sich die Stadt nicht wirklich unhübsch. Und es zeigt sich ein gewisser Hang zu Graffiti und Streetart. Sind mir bei einem Besuch vor Jahren bereits kleinere Werke in den Gassen aufgefallen, so wurden uns auf unserem Walk noch weitaus größere Arbeiten offenbar. Bamberg hat nur ein Siebtel der Größe Nürnbergs, aber gefühlt doppelt so viel Urban Art im öffentlichen Raum, selbst in der Altstadt. Und das in einem katholisch geprägten Nest! Das protestantische Nürnberg darf sich da gerne mal eine Scheibe abschneiden.

Es folgt eine Bilderserie des Fotowalks. Danke an Manu und Niko!

ps: Nürnberg hat nach wie vor kein When you really live in… -Tumblr, Bamberg dagegen schon.

30. Januar 2013

Komm in die Gänge

Mit der Überschrift sind nicht die Nürnberger Historischen Felsengänge gemeint, diese führen nur den selben Slogan wie das Hamburger Gängeviertel. Auch eint beide Lokationen, dass sie sehr eigen sind und weitgehend unbeeindruckt von äußeren Einflüssen die Zeiten überdauern, was natürlich nie ganz einfach ist.

Eine Fototour.

Gängeviertel Hamburg 01 - SugarRayBanister

Gängeviertel Hamburg 02 - SugarRayBanister

Gängeviertel Hamburg 03 - SugarRayBanister

Gängeviertel Hamburg 05 - SugarRayBanister

Gängeviertel Hamburg 08 - SugarRayBanister

Gängeviertel Hamburg 09 - SugarRayBanister

Fotos von innen habe ich bislang nicht, auch keine fabelhafte Geschichte. Dafür hält das Internet aber ein dezent groovendes, hintergründiges Video bereit:

16. November 2012

Gentrifizierung in Istanbul

Istanbul Tarlabasi #01

Bei meinem letzten Istanbulbesuch kam ich nicht umhin, einen mir bis dahin unbekannten Stadtteil zu besuchen. Zwar kenne ich Taksim (bzw. Beyoğlu) ein bisschen, aber auf die Idee den Tarlabasi Boulevard in Richtung Norden zu überqueren, bin ich nie gekommen. Erst ein Bericht in dem Videoblog “Orient Express“ machte mich auf Tarlabaşı aufmerksam. Ein Stadtteil für Arme, Flüchtlinge oder Randständige (insbesondere Kurden) im Zentrum Istanbuls, dem eine komplette Aufwertung und Umgestaltung bevorsteht. Investoren haben offenbar die Lage und den Wert des Viertels erkannt und bereits große Werbetafeln aufgestellt die nicht nur zeigen, wie das Quartier mal aussehen soll, sondern auch den Blick auf die ramponierten Häuser versperren.

Beyoğlu ist quasi das Zentrum des modernen Istanbuls und zeichnet sich durch sehr geschäftige und lebendige Straßen aus. Insbesondere in den Nebenstraßen und Gässchen steppt nachts der Bär. Es gibt unzählige sehr volle (musikalisch allerdings tendenziell einfältige) Bars und Clubs und viele hübsche Menschen der betuchten Mittelschicht. Die İstiklal Caddesi ist eine funkelnde Einkaufsmeile par Excellence, in der man schnell vergisst, bzw. nicht mal ahnt, dass nur wenige hundert Meter weiter, getrennt durch eine große, stark befahrene Straße, sich ein komplett anderes Bild bietet. Keine funkelnden Läden mehr, keine Bars, keine gestylten Menschen. Dafür viele alte Häuser, oftmals ramponiert und eingestürzt. Es müffelt in den Straßen, Müll liegt rum. Als Fremder ist man schnell enttarnt, denn Touristen sichtet man nicht in den Straßen.

Istanbul Tarlabasi #15

Wir trafen uns mit Sila, einer türkischen Freundin aus Istanbul. Sie kannte Tarlabaşı selbst auch nicht und war auch neugierig auf die Erkundung und wir wollten nicht ohne eine Dolmetscherin nach Tarlabaşı. Auf dem Weg zu unserem Treffpunkt am Taksim Sqare wurde sie vom Taxifahrer vor dem Besuch des Viertels gewarnt. Es sei viel zu gefährlich.  Gut, wir schnallten die Rucksäcke nach vorne, kontrollierten die Reisverschlüsse und gingen vorbei an Prostituierten in die ersten nach Urin riechenden Straßen.

Die ersten Fotos entstanden dann auch etwas heimlich und zögerlich, aber nach den ersten Begegnungen mit den Einheimischen legte sich die Mulmigkeit. Eine sehr offenherzige und redegewandte Türkin dabei zu haben erwies sich als Glücksgriff. Wir wurden angesprochen und Sila ging souverän mit den Leuten um. Zwar erinnerte sie uns öfter doch auf unsere Taschen zu achten, aber zugleich wurden wir beim Fotografieren von Kindern umtanzt und auf Gebäude aufmerksam gemacht und manche posierten auch für uns.

Istanbul Tarlabasi #10

Ein spannender Fotowalk und vielleicht Fotos, die es so in Tarlabaşı bald nicht mehr geben wird. Die ersten Häuser sind schon saniert und warten auf neue Bewohner. Die bisherigen werden sich diese Wohnungen in ihrem Viertel bald nicht leisten können. Ob dann noch Mädchen mit Luftballons auf Balkons  für Fotos posieren werden, wage ich zu bezweifeln.

Istanbul Tarlabasi #22

Technik: Canon EOS 550D 18-135mm f/3.5-5.6. Die Fotos sind manchmal ein wenig gecropped und farblich gar nicht bis mittelstark nachbearbeitet um die Kontraste und die noch vorhandenen Farben der Häuser hervorzuheben.

9. Juni 2012

Graffiti Festival: Urban Impressions 2012

Man reibt sich verwundert die Augen bei dem was nebenan in dem aufgeräumten und ordentlichen Ansbach so passiert. Es gibt dort nämlich ein Festival anlässlich von “15 Jahre Graffiti Art” in der Stadt. Mir ist jetzt Ansbach – überhaupt und auch insbesondere – in Verbindung mit Straßenkunst bislang nicht sonderlich ein Begriff gewesen, aber mein Fokus liegt ja auch eher auf Streetart als auf Graffitis. Aber so sauber zu trennen sind die beiden Bereiche eh nicht, und so finden sich dann auch in Ansbach mitunter bezaubernde Werke aus diversen Richtungen.

Vom 26.05.2012 bis 30.06.2012 findet in Ansbach ein umfangreiches Graffiti Festival statt, dass das 15-jährige Bestehen dieser urbanen Kunst zelebriert.
Die Gebrüder Lorente, selbst aktive Künstler, Workshopleiter und Mentoren seit den 90ern, veranstalten das Event in Kooperation mit der Stadt Ansbach und dem Amt für Kultur und Touristik. OB Carda Seidel übernahm die Schirmherrschaft für das Festival.
[...]
Die Intention der Organisatoren war es, Graffiti Kunst in Ansbach in einen neuen Fokus zu rücken. Für eine Kleinstadt mit weniger als 50.000 Einwohnern, hat Ansbach eine bemerkenswerte Dichte an Graffiti Art. Ohne Zweifel eine Ausnahme im eher konservativen Bayern.

Mehr Informationen stehen auf der Urban Impression Facebook page (es scheint leider keine eigenständige Webseite zu geben). Auch gibt es zu dem Event auf den offiziellen Seiten der Stadt Ansbach keinerlei Informationen. Etwas eigenartig wo doch die Stadt mit OB und Amt für Kultur und Touristik Kooperationspartner sind.

Einen vortrefflich gelungenden Trailer gibts dafür aber:

In der Touristeninformation (obacht: stark rentnerkompatible Öffnungszeiten) liegt ein kleines Heftchen aus mit dem man an die Bios der einzelnen Künstler und an einen Übersichtsplan der einzelnen Locations kommt. Und damit kann sie losgehen, die Graffitischnitzeljagt. Ansbach wird zwar als graffitifreundliche Stadt dargestellt, aber beim durchfahren oder durchschlendern findet sich in der Stadt so schnell nichts was irgendwie auf eine blühende Graffitiszene hindeutet. Schallschutzwände, alte Fassanden in Nebenstraßen, Hinterhöfe und ähnliches, wo auch immer ich mein geübtes Auge hingewendet habe, alles war brav geputzt und klinisch rein. Auch die für das Festival bereitgestellten Flächen entziehen sich dem öffentlichen Stadtbild. Aber es lohnt sich, ein zwei mal um die Ecken zu laufen und nach den Festivalorten zu suchen. Der Plan hilft dabei enorm und außerdem sind so kleine Verstecke ja auch der natürliche Lebensraum von Graffitis. Die meisten Orte sind zu Fuß, besser per Fahrrad zu erreichen. Etwas weiter draußen ist mit Speckdrumm ­(Kulturverein Ansbach) die in meinen Augen passensde Location mit den eindrucksvollsten Sachen, dicht gefolgt von der Brücke des Kasernendamms.

Einige Fotos mit dokumentarischem Charakter der Festvalflächen folgen hier. Ist aber bei weitem nicht alles. Man schaut am besten selber auch mal rum. Man kommt so auch mal nach Ansbach. Ich glaub ich war zum ersten Mal in der Stadt.

5. Juni 2012

Das Bild von Wien

Wien 01 Prater

Jetzt war ich schon so oft in Wien, Sommers wie Winters, und habe noch nie was drüber geschrieben. Soll jetzt nachgeholt werden. Allerdings fehlt nun ein wenig das belegbare Vorher-/Nachherbild, denn Wien hat sich etwas verändert, oder zumindest hat sich die Wahrnehmung von Wien verändert.

Früher, also vor ein paar Jahren erst, war mein Wienbild relativ stark mediengeprägt. Wenn man sich in Bayern befindet, dann ist man medial eher auf Entzug und muss z.B. bei Interesse an Popkultur, Hintergrundinfos oder Selbstironie auf FM4 ausweichen, also auf den 24h Zündfunk. Obwohl das auch nicht mehr stimmt. Der Zündfunk ist ja arg alt geworden. Bayerisches Radio ist ansonsten praktisch nicht hörbar, Fränkisches noch weniger. Die leider allgegenwärtige heimelige und belanglose Dudelfunkigkeit ist abstoßend. Zum Glück gibt’s Internet und Streams.

So rund um die Mitte der Nullerjahre habe ich dann auch sehnsüchtig auf jede neue Folge der Sendung ohne Namen im ORF gewartet. Mit ihr kam dann auch endgültig der ordentlich mit Randwissen angereicherte, mit Popkulturreferenzen verfeinerte und tendenziell intellektuelle Blick auf Wien. Und das sah gut aus! Wien selbst sah eh gut aus. Viel unzerbombte großbürgerliche Architektur aus der Kaiserzeit gepaart mit neumodischem Hauptstadtwahnsinn und dazwischen tolle entdeckenswerte Orte und Ecken. Und es kam auch einfach viel Spannendes und Interessantes aus dieser Stadt, u.a. so ein unfassbar schlaues und charmantes Fernsehformat wie die Sendung ohne Namen. Wien war das Berlin Bayerns. Und wenn ich da war, dann spürte ich das auch.

An dieser Stelle möchte ich dann auch kurz eine Folge der SoN einspielen, falls sie jemand nicht kennt oder sie in Vergessenheit geraten ist. Es ist natürlich die Folge über Wien.

Weiter mit Teil 2 und Teil 3. Ich erinnere mich an eine weitere Folge über bzw. in Wien. Und zwar eine, die komplett ohne Schnitt (eine SoN-Folge ohne Schnitt!) an einem Stück in den Innenbezirken der Stadt gedreht wurde. Eine Michel Gondry-eske Meisterleistung. Aber ich weiss nicht mehr welche Folge das war.

Aber ich schweife ab. Wo war ich gerade? Na jedenfalls hat sich das Bild von Wien gewandelt. Spätestens seit dem letzten Besuch in Mai. Es liegt vielleicht an der Berlinschablone die ich mittlerweile auf jeden Urbanen Raum lege und schaue, wie sich dieser im Vergleich so macht. Wien fällt da mittlerweile etwas ab, leider. Es wirkt allmählich konservativ, was mir früher nie aufgefallen war. Beispiel Museumsquartier. Das MQ hat sich nicht sonderlich entwickelt oder gewandelt. Was noch vor 5 Jahren sehr hip und weit vorne gewirkt hat, wirkt heuer etwas bemüht (ich mein das Areal an sich, einzelne Ausstellungen mögen immer noch großartig sein). Nicht falsch verstehen, es ist nach wie vor einer der besten Orte um stilecht abzuhängen, nen Gespritzten zu konsumieren und lustigen, interessanten und hübsche Menschen beim existieren zuzusehen. Es ist ein quirliger und wertiger Ort, gerahmt von Architektur, Kunst und Hedonismus. Vielen Städten fehlt so was. Aber nunja, der Retrospielekonsolenladen ist immer noch da und der Lomoshop auch. Alles wie schon seit Jahren. Was vor 10 Jahren vielleicht die Speerspitze von urbaner Kultur war, ist mittlerweile und in Zeiten von Instagram leider wirklich nur noch was fürs Museum. Es ist nicht mehr der Ort der Gegenwartskultur und der Impulse, der er mal war für mich.

Schlendert man etwas durch die Gassen der Bezirke, dann zeigt sich auch ein etwas gewandeltes Bild. Wien wirkt hochverdichtet. Das ist es sicherlich nicht erst seit gestern so aber hochverdichtete Städte nerven. Nürnberg hat dasselbe Problem. Die Straßen sind zu eng. Viel zu eng um mal Stühle rauszustellen oder um wenigstens ein bisschen mehr zu machen als Autos zu parken. Viele Straßen wirken sehr leblos und der Eindruck wird noch durch etliche leblose Fenster unterstrichen. Da sind viele dunkle Fenster mit alten Gardienen, ohne schmückendes Gedöns. Löcher in kahlen Räumen. Oftmals wirken komplette Gebäude einfach unbewohnt, aber man soll sich wohl nicht täuschen lassen: „Die Leute die dort wohnen, sind die ersten, die die Polizei rufen wenn irgendwas zu laut ist.“ Der Satz hämmert seitdem er gesprochen wurde mit aller Gewalt auf mein sorgsam gepflegtes Discowienbild.

Nun kenne ich jedoch nur die Ecken des ersten Bezirks und die der angrenzenden Bezirke. Mag sein, dass der 16. Bezirk jetzt wirklich brummt aber leider war ich da noch nicht. Der zweite brummt westlich vom Prater, anders als es die Gerüchte vermuten lassen, jedenfalls nicht nennenswert. Jedenfalls nicht sehr offensichtlich. Der 7. hat nach wie vor seinen Charme und vermag dieses gewisse laissez-faire zu versprühen. Bemerkenswerterweise wirkt diese Ecke auch seit Jahren unverändert. In Berlin hätte man ein solches Kiez in derselben Zeit dreimal durchgentrifiziert.

Zum Glück gibt’s den Donaukanal und da passiert dann auch das, was in gut sortierten Städten so passiert. Zwar schön ordentlich und aufgeräumt aber immerhin. Die Wände sind voll mit teilweise sehr großartigen Graffitis und dazwischen tummeln sich Bars und Clubs mit (manchmal) dufter Musik und Liegestühlen. Vom Donaukanal zeugen dann auch die meisten der folgenden Fotos. Wie ordentlich und aufgeräumt der Kanal trotz der subkulturigen Atmosphäre dann wiederum ist, zeigt das eine Erlebnis, als wir uns mit mehreren Leuten die Liegestühle etwas zurecht gerückt hatten um uns besser unterhalten zu können. Ein Barmann (mit Rastas, yo!) bat uns dann recht umgehend, die Stühle doch wieder so hinzuräumen, wie sie aufgestellt waren. Was wir dann auch murrend taten. In Wien hat einfach alles seine Ordnung zu haben.

Technik: Canon EOS 550D 18-135mm f/3.5-5.6. Die Fotos sind teilweise gecropped und farblich leicht nachbearbeitet.

24. Mai 2012

Schöne Ecken

Kenner dieser Seiten werden es wohlmöglich mittlerweile bemerkt haben: hier werden die zwar hässlichen, aber deswegen nicht uninteressanten Ecken insbesondere von Nürnberg nach außen getragen. Und zwar mittels Fotografie. Wenn man so etwas tut oder auch rezipiert, dann beschäftigt man sich zwangsläufig mit einer Stadt. Man erforscht, entdeckt und interessiert sich für sie und ihre Ecken und Kanten. Unzulänglichkeiten werden kritisiert, dokumentiert, hervorgehoben und diskutiert, vielleicht auch mit dem Hintergedanken, dass mal etwas besser und angenehmer wird. Vielleicht macht’s aber auch einfach Spaß am Image zu kratzen. Wie auch immer.

Einen anderen, sehr interessanten Ansatz zum Thema Stadterforschung haben Helge Kletti und Cornelis Kater aus meiner alten Heimat Hannover bereits letztes Jahr gestartet. In ihrem exquisiten und schön subjektivem Podcast Schöne Ecken suchen sie nach „dem Wahren, Schönen, Lebenswerten und Gutem in unseren Städten“. Begonnen haben sie dann direkt mit dem hässlichen Raschplatz in Hannover, allerdings ohne da jetzt bis auf das Indiekino eine besonders schöne Ecke rauszuarbeiten (was auch schwierig ist). Sie sind mittlerweile aber auch in Berlin Kreuzberg/Friedrichshain unterwegs gewesen und haben aktuell die architekturbesessenen Spanier besucht.

Ich konnte z.B. der akustischen Tour durchs Wrangelkiez mit meinem geistigen Auge komplett folgen und habe fast jede Ecke wiedererkannt (inkl. Graffitis). In dem Podcast entdeckt man eine Stadt oder ein Kiez durch Leute, die dort leben und somit auf eine wahrhaftigere Art und Weise, als es jeder Touristenführer je könnte.

Ich bin gerade dabei, meine Heimatstadt akustisch neu zu entdecken und hoffe, dass noch viele weitere Städte folgen und vielleicht wäre ja auch mal Nürnberg eine Erforschung wert. Vielleicht findet man ja eine schöne Ecke ;)

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.


Quelle: Schöne Ecken Podcast

(via wir müssen reden. Auch so ein schöner Podcast.)

7. Mai 2012

Brandenburg (inkl. Symbolbilder)

Brandenburg ist mir nicht unbekannt, jedenfalls nicht die Ecke rund um Lindow (bei Neuruppin, im nördlichen Umland von Berlin). Es ist schwer zu fassen, aber etliche Sommerurlaube wurden an und in dem See auf Bild oben verbracht, und zwar noch vor der Wende. Das Konzept der DDR habe ich erst in der Zeit nach der Wende so richtig begriffen. Davor war es eigentlich das coolere Deutschland. Es gab die Olsenbande im Fernsehen (und McGyver! Man konnte dort Sat.1 gucken, in meinem Dorf bei Hannover ging das anfangs nicht), lecker Schnitzel, Lagerfeuer und furchtbar tolle Seen die man für sich haben konnte und echt schnafte Kumpelkinder mit denen man so richtig Abenteuer im Wald haben konnte. Nur Micky Maus und Lucky Luke Hefte wurden einem immer bei der Einreise weggenommen, wenn man mit dem Versteck im Auto zu unvorsichtig gewesen ist. Das war doof, aber die Entschädigung folgte immer durch Lagerfeuer und furchtbar tolle Seen.

Es ist immer ein bisschen wie nach Hause kommen, wenn man Jahrzehnte danach diese Ecke besucht. Sie hat sich natürlich verändert. Der typische Kohlegeruch gemischt mit irgendwelchen Lösungsmitteln ist aus den Dörfern und der Umgebung verschwunden. Viele der Häuser von damals stehen noch. Teilweise hübsch und aufwändig saniert, teilweise arg runtergekommen und verfallen. Die Ecke ist immer noch im Umbruch und so manche Dörfer kommen nicht in aus dem Quark. Man sieht die Resultate von Abwanderung und Vergreisung. Diese Ecke Deutschlands wurde auffenbar noch nicht sonderlich vom Massentourismus entdeckt. Es nach wie vor ein Idyll. Vielleicht würde es der Ecke etwas besser gehen, wenn man näher an Berlin wäre. Man fährt ca. eine halbe Stunde zu lange um “mal kurz” hinzugondeln oder um zu pendeln. Es ist mehr ein Tagesausflug. Der kann sich aber lohnen wenn man einfach mal nichts machen will und Ruhe haben möchte. Denn man kann die Seen noch immer recht gut für sich haben.

Fotos sind vom 30. April, mit dem Mobiltelefon aufgenommen und eher aufwandsarm retroisiert.

4. Oktober 2011

Berlin Weserstr.

Berlin Weserstr.

Die Weserstr. in Berlin Neukölln hat noch nicht ganz die Kneipen- und Touristendichte wie die Simon-Dach-Straße in Friedrichshain, aber dafür wird man dort auch (noch) nicht um 23:00 Uhr langsam, aber bestimmt von der Außenbestuhlung in die Bars gedrängt um den Anwohnern Ruhe zu geben. Die Anwohner dort haben nicht den Einfluss und möglicherweise auch nicht das Bedürfnis sich Ruhe einzuklagen. Die Flachbildschirmdichte in den Bars ist überschaubar. Noch herrscht dort dieses Fünkchen Anarchie, das Friedrichshain einst bekannt und begehrt gemacht hat. Auch hier wird es erlöschen. Die Weserstr. ist jetzt schon jetzt cooler. Es spricht sich rum und wird immer bekannter und attraktiver und ich war auch noch schuld, denn ich schrieb drüber und publizierte es. Ein Teufelskreis. Bringen wirs hinter uns.

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Soziales Nerdswerk

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