Der Natur-Park Südgelände (Webseite, Wikipedia) wurde eigentlich bis vor einigen Jahrzehnten als Rangierbahnhof Tempelhof genutzt. Nach der Stilllegung hat sich später eine Bürgerinitiative erfolgreich dagegen gewehrt, dass das Gelände einer neuen Nutzung zugeführt wurde. Jetzt ist es ein sehr interessantes Areal und Naherholungsgebiet, in dem man zugucken kann, wie ein alter Rangierbahnhof langsam von der Natur zurückerobert wird. Die Gleise versinken im Moos oder wehren sich tapfer gegen die immer kräftiger werdenden Birken. Tafeln informieren über Tiere, die dort gar nicht beheimatet sein dürften, sondern damals von den Güterzügen eingeschleppt wurden. Sprayer freuen sich über alte Tunnelanlagen und werden geduldet. Der Eisenbahnnerd freut sich über eine alte Drehscheibe und der Intellektuelle über ein Künstlerareal mit haufenweise Stahlskulpturen und Plastiken. Ein Restaurant gibts auch. Und nicht zuletzt freut sich der Urbexer, der hier einer posthumanistischen Szenerie beim verrosten und ergrünen zugucken kann. Am Ende bleibt das Gefühl, dass mit dem Südgelände das absolut richtige getan wurde.
Das KW Institute for Contemporary Art in der Berliner Auguststraße beschäftigt sich erwartungsgemäß mit Kunst, die in diesem Fall schon vor dem Eingang stattfindet. Der Bürgersteig wurde um einige Grad sehr sauber um seine eigene Achse verdreht. Ein verblüffender Effekt.
Man nimmt sie lustiger weise nach einer Weile fast gar nicht mehr wahr. Der Alltag in einer Großstadt verwischt den Blick für die Details. Jedoch sind sie es, die Spaziergänge durch die Bezirke und Kieze erst interessant machen, die unzähligen Straßenkunstwerke die von Namenlosen für alle zur Verfügung gestellt werden.
Warum ich Streetart so mag: Es ist die Attitüde der Künstler, etwas nicht für Geld und nicht als Selbstdarstellung zu tun, denn in der Regel bleiben sie ja anonym. Es ist der oft politische oder kritische Touch der Stencils oder Graffitis, oder auch deren Ironie. Der kleine Rebell in mir findet Streetart und den mitschwingenden Anarchocharme auch toll. Streetart ist eine wohltuende Alternative zu den hässlichen Werbeflächen die mich überall anbrüllen. Und Streetart will mir nichts verkaufen, aber sie will mir manchmal etwas Interessantes und Richtiges sagen. Nicht zuletzt sind die Sachen oftmals unglaublich aufwändig gemacht. Darum mag ich sie.
Besonders möchte ich auf die drei Werke von Blu hinweisen. Durchs Web schwappen atemberaubende Stopmotion-Filme von ihm und in Berlin fallen einem direkt drei riesige unverkennbar von Blu gestaltete Wände auf. Alle in Bestlage rund um die Mediaspreeareale, was den Illustrationen eine besondere Note verleiht. Mögen sie noch lange leben.
Danko schreibt mich an und bittet darum, doch etwas Werbung für seine neue Seite zu machen. Gerne doch. Es sieht so aus als haben wir es hier mit einen vielversprechenden Newcomer in Nürnberg zu tun, der die Stadt und ihre dunklen Ecken genau unter die Lupe nimmt. Bisher befinden sich Fotosets von der alten Tucher Bräu Brauerei, dem Zuckerbär und dem Schwesternwohnheim am Nordklinikum auf der Seite.
Leute mit Fernweh werden vielleicht Interesse an einer kleinen Ausstellung in der Weinerei haben. Den ganzen September lang zeigen eine erlesene Auswahl von Weinerei-Leuten eine erlesene Auswahl ihrer schönen, hässlichen, interessanten, skurrilen, persönlichen, bunten, tollen und komischen Fotos aus aller Welt in den Ausstellungsräumen des weinhaltigen Kulturwohnzimmers.
Leser dieses Blogs werden Fotos aus Helsinki und Shanghai wiedererkennen, aber der Exklusivität halber wurde noch mal gekramt und bisher unveröffentlichtes nachgelegt.
Ein kurzer Kommentar
Es ist verdammt noch mal schwierig mit einer Hand voll Bilder auch nur einen Augenblick in einer Stadt zu beschreiben. Eine Reise zeichnet sich nicht nur durch die Dinge aus, die man sieht oder entdeckt, sondern im Grunde noch viel mehr durch die Empfindungen die dabei aufkommen. Ich hoffe mit meiner Auswahl den Spirit von Helsinki und Shanghai zu reproduzieren. Es sind wirklich nicht viele Fotos, nur kleine Augenblicke die man an den Orten erleben kann und die einen für einen kleinen Moment fesseln. Alles andere wäre einer Dokumentation gleichgekommen und das soll es nicht sein, denn Reisen sind individuell und nicht wissenschaftlich.