14. Dezember 2010

Datenbewusstsein

Um Informationen zu bekommen muss man Informationen geben. Das ist bei einem simplen Gespräch unter vier Augen so und das ist im Netz (insbesondere im Social Web) nicht anders. Im Netz funktioniert das naturgemäß diffuser aber der Streuverlust wird durch die größere Reichweite mehr als wettgemacht. Dennoch sollte man so gut es geht selbst bestimmen, welche Informationen in die Welt gelangen und in welchem Kontext das passiert. Die Welt und jeder einzelne wird gläserner und transparenter und diese Entwicklung ist unaufhaltbar. Sich dagegen zu wehren ist ein Kampf gegen Windmühlen, aber man kann dafür sorgen, dass die Entwicklung auf Augenhöhe passiert, dass manche nicht mehr Informationen bekommen als andere geben. Wie in einem persönlichen Gespräch auch, sollte der Datenaustausch ausgewogen sein. Daher diese kleinen Hinweise wie man die eigene Sendeleistung etwas in Grenzen hält: gegen das Gefühl mehr zu geben, als man eigentlich bekommt.

Dem Facebook ist es z.B. möglich auch Informationen zu sammeln, selbst wenn man sich gar nicht auf der Plattform selbst bewegt, sondern auf beliebigen Webseiten, die Facebookwidgets eingebunden haben. Wenn man eine solche Seite aufruft, erkennt dieses Widget diesen Besuch (wie normale Statistiktools auch). Ein Klick auf “mag ich” und die Kontakte wissen über den Besuch (bzw. vermeintliche Vorlieben) bescheid.

Datenschutzrechtlich ist das bedenklich, da ungefragt personenbezogene Daten gesammelt und mit dem eigenen Profil verknüpft werden und auch direkt das Land verlassen (Hamburg.de hat z.B. den “Like”-Button aus Datenschutzgründen entfernt). Der Punkt ist auch, dass es nur einen winzigen klick kostet und eine unter umständen ominöse Webseite produziert ein ungewolltes Statusupdate; was sich möglicherweise auch automatisieren lässt also ohne bewusste Bestätigung funktioniert. Eine Kontrolle über eigene Profilinformationen ist so praktisch nicht mehr möglich. Man kann die so gesammelten Informationen auch nicht abrufen, einsehen oder editieren oder gar wieder löschen.

Kurzum, persönliche Daten sind am sichersten, wenn sie erst gar nicht erhoben und (vorallem ohne eigenes Zutun) gespeichert werden und dazu gibt es einen schönen Helfer: die SocialMediaBlock-Filterliste für Adblock Plus.

Geblockt werden Social Media-Dienste, die durch externe Skripte und/oder Frames geladen werden. Es wird stets darauf geachtet, dass die Dienste selbst mit der Liste funktionieren (Facebook ist z. B. problemlos nutzbar, jegliche eingebettete Inhalte außerhalb Facebook werden jedoch geblockt). Zudem werden auch “Share”-Buttons auf großen/bekannten Seiten gefiltert. Nicht gefiltert werden Links (z. B. über Grafiken), die auf Profile oder Seiten einer Social Media-Seite verlinken.

Im Fall von Facebook sperrt diese Filterliste den Zugriff auf das API und unterbindet damit den Zugriff von Fremdapplikationen auf Facebook. Adblock gehört eh zu den Pflichterweiterungen für Firefox, sorgt es doch dafür, dass die meiste Werbung von den Webseiten verschwindet (man surft, als hätte der Kapitalismus nie das Web entdeckt) und diese spezielle Filterliste erweitert Adblock um die genannte Funktion und ist zudem den persönlichen Vorlieben anpassbar, falls man trotzdem z.B. Flattr nutzen möchte.

Für Chrome gibt es dazu das Facebook Disconnet Plugin, welches sich allerdings nur auf Facebook beschränkt.

Eine weitere sehr sinnvolle Erweiterung für Firefox ist HTTPS Everywhere. Sie sorgt dafür, dass beim Aufruf populärer Webdienste automatisch auf eine sichere https-Verbindung gewechselt wird und man nicht mehr für jeden belauschbar mit der Welt kommuniziert. Die behandelten Dienste funktionieren zum größten Teil uneingeschränkt weiter und man hat kaum Nachteile durch die gewonnene Sicherheit, allerding funktioniert z.B. bei Facebook mit https kein Chat mehr, aber chatten kann man mit Skype eh besser.

Wer noch mehr Kontrolle über in Webseiten eingebettete Skripte und ominöse Applikationen haben möchte, der sollte zu NoScript greifen. Diese Erweiterung sperrt erstmal komplett alle Inhalte die nichts mit der puren Darstellung von Text und Bild zu tun haben. Ein deutliches Plus an Kontrolle und Transparenz, allerdings verstümmelt diese Erweiterung sehr viele Webseiten (vorallem die ominösen) bis hin zur Unbenutzbarkeit und sollte nur von Leuten benutzt werden die normal wissen, was im Maschinenraum passiert.

Das sind nur einige wenige Dinge die man machen kann um die eigene Sendeleistung zu steuern. Wichtig ist, dass man wissen sollte was bei jedem einzelnen Klick im Netz und im Hintergrund passiert. Viele schimpfen auf die Netz- und Datenschutzkompetenz in der Politik. Das ist berechtigt, aber wer es den Leuten zu einfach macht Informationen zu sammeln, der darf sich nicht beschweren und die sogenannte Netzkompetenz fängt bei jedem einzelnen an.

10. Dezember 2010

Hotel Royal

Hotel Royal Nürnberg

Das Hotel Royal sieht aus wie alle Hotels die an Südseiten von Hauptbahnhöfen liegen. Kann man alle in eine Schublade packen. Dieses Hotel leidet vor allem an den für Nürnberg  typischen zu engen Straßen. (liebe Stadtplaner: beim nächsten Wiederaufbau bitte die ein oder andere Häuserzeile einfach liegen lassen). Was hier irritiert, ist das individuelle Vordach mit einer recht eigenwilligen Interpretation von Kolonialstil. In Nairobi würde man in einem Hotel Royal auch solche Safariautos finden. Der Vorgarten wäre aber dort großzügiger, die Autos fahrbereit, es gäbe weniger Schnee und die Holzapplikationen am Eingangsbereich wären verspielter. Wir sind aber in Nürnberg und nicht in Nairobi.

20. Oktober 2010

SubBerlin: Die Geschichte des Tresors

SubBerlin ist ein Film von Tilman Künzel, der sich mit der Geschichte des Tresors befasst. Von den Anfangstagen bis zur Schließung 2005. Eine Dokumentation, die einem vor Rührung die Tränen in die Augen treibt. Bin mir nicht sicher ob man die Musik, das Gefühl, die Kultur, die Kraft und die ganze Atmosphäre auch nur annähernd nachvollziehen kann, wenn man nie auf Techno oder im (alten) Tresor gewesen ist. Neben dem ganzen Spirit und der Einzigartigkeit dieser musikalischen Instanz kommt aus heutiger Sicht noch ein ganz anderer Aspekt hinzu: Durch die Interviews gegen Ende der Doku bekommt man eine Idee wie viele Lichtjahre Subkultur wie diese von Politik und allgemeinem Kulturverständnis entfernt sind und wie wenig man an Anerkennung erwarten kann, selbst wenn man mit grenzenlosem Idealismus einer Stadt wie Berlin durch die Arbeit in einem Club oder als Musiker einen weltweiten Ruf verschafft hat. Muss in etwa das Gefühl sein, dass ein Künstler hat, der erst nach dem Tot berühmt wird. Das positive ist, es gibt diese Historie rund um den Tresor, es gibt den Tresor immer noch und wenn man Glück hat wird die Musik auch woanders gespielt (meist hat man jedoch Pech).
Und man kann sich das Stück Musikgeschichte und die ganzen Namen und Helden von damals™ hier nochmal angucken:

Den kompletten Film gibts bei Youtube.

Interviews mit: Sven Väth, DJ Rush, Marusha, Monika Kruse, Josh Wink, Mr. C, Chris Liebing, Tanith, Tok Tok, Daniel Miller, Jeff Mills, Mike Grant, Juan Atkins, Dimitri Hegemann, Joey Beltram, Alexander Kowalski, Paul van Dyk, Mike Andrawis, Alan Oldham, Blake Baxter, Toni Rios, Rok, Dr. Motte, Paul Flynn, Todd Bodine, Marc Reeder, Regina Baer, Danielle De Picciotto, Alexandra Droener, James Pennington, Rick Kay etc.

Award on the Portobello-Film-Festival 2008 / London – Best music documentation.

Update
Schöner Text dazu auch drüben im Blog vonTanith.

9. Oktober 2010

A bissala Streetart

A bissala Streetart 1 (Nürnberg Heimereichstr)

A bissala Streetart 2 (Nürnberg Heimereichstr)

Völlig überraschend heute entdeckt: eine etwas verstencilte Toreinfahrt in der Heimereichstr. Ecke Rieterstr.

3. Oktober 2010

Meanwhile in Berlin

Oberbaumbrücke in Berlin

Oberbaumbrücke in Berlin

Ein Andenken an die schönen warmen Abende in der Stadt. Nächstes Jahr geht’s weiter!

26. September 2010

Natur-Park Südgelände

Natur-Park Südgelände - Altes Gleis

Der Natur-Park Südgelände (Webseite, Wikipedia) wurde eigentlich bis vor einigen Jahrzehnten als Rangierbahnhof Tempelhof genutzt. Nach der Stilllegung hat sich später eine Bürgerinitiative erfolgreich dagegen gewehrt, dass das Gelände einer neuen Nutzung zugeführt wurde. Jetzt ist es ein sehr interessantes Areal und Naherholungsgebiet, in dem man zugucken kann, wie ein alter Rangierbahnhof langsam von der Natur zurückerobert wird. Die Gleise versinken im Moos oder wehren sich tapfer gegen die immer kräftiger werdenden Birken. Tafeln informieren über Tiere, die dort gar nicht beheimatet sein dürften, sondern damals von den Güterzügen eingeschleppt wurden. Sprayer freuen sich über alte Tunnelanlagen und werden geduldet. Der Eisenbahnnerd freut sich über eine alte Drehscheibe und der Intellektuelle über ein Künstlerareal mit haufenweise Stahlskulpturen und Plastiken. Ein Restaurant gibts auch. Und nicht zuletzt freut sich der Urbexer, der hier einer posthumanistischen Szenerie beim verrosten und ergrünen zugucken kann. Am Ende bleibt das Gefühl, dass mit dem Südgelände das absolut richtige getan wurde.

Natur-Park Südgelände - Wasserturm

25. September 2010

Verdrehter Bürgersteig

Das KW Institute for Contemporary Art in der Berliner Auguststraße beschäftigt sich erwartungsgemäß mit Kunst, die in diesem Fall schon vor dem Eingang stattfindet. Der Bürgersteig wurde um einige Grad sehr sauber um seine eigene Achse verdreht. Ein verblüffender Effekt.

[via]

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Soziales Nerdswerk

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